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Kategorien > Traumzeit > Traumreisen

Der Traum von der Wölfin

von Anariel, die Nomadin

1

Der Traum von der Wölfin:


Plötzlich bin ich draußen und weiß doch, das ich eigentlich in meinem Bett liege.
Und doch, irgendwie habe ich mich von mir selbst gelöst.
Der Mond ist voll und sein silbernes Licht versilbert die Welt um mich herum.
Ich steh vor unserem Haus und weiß genau, wohin ich will.
Ich folge langsam dem Weg, den ich fast jedes Mal einschlage, wenn ich mit meinem Hund spazieren geh.
Er führt in die Wiesen und biegt ein Stückchen vor der Brücke am Bach nach links ab. Dann führt er weiter durch die Wiesen bis zum Wald.
Und ich will zum Wald, aber ich mache einen kleinen Abstecher zum Bach.
Das Wasser glitzert und schimmert so schön im Mondlicht.
Doch nach einiger Zeit gehe ich zum Weg zurück und folge ihm weiter.
Ich will in den Wald!
Kurz bevor ich ihn erreiche, beginne ich zu laufen, immer schneller und schneller!
Als ich den Waldrand erreiche, springe ich in den Wald hinein und lande............
auf vier Pfoten.
Begeistert stürme ich weiter.
Es ist so schön!

Die weiche Erde unter meinen Pfoten, die herrliche geschmeidige Kraft meines Körpers, die vielfältigen und soooo....intensiven Gerüche, die leichte Feuchtigkeit, die durch meine Sohlen dringt und der Wind und die kühle Nachtluft in meinem Gesicht und meinem dichtem Fell.
Und ich weiß immer noch ganz genau, wohin ich will!

Und endlich erreiche ich die große Lichtung und den Fels, den ich gesucht habe.
Ich halte inne und kühle meine erhitzte Nase in der kalten Quelle, die dort entspringt.
Und ich trinke das süße, eiskalte Wasser in tiefen Zügen.
Fröhlich springe ich die Felsen hinauf und oben auf der Spitze geht mein Blick zum Himmel hinauf. Zum dicken, rundem, silberhellem Mond!

Und dann erhebe ich meine Stimme, zum ewigen immer gleichen und doch wandelbaren Gesang.

Ich bin eine junge Wölfin, durch und durch. Und ich bin glücklich.
Glücklich darüber, einfach zu sein, zu leben, zu laufen und zu singen!

Und lange muss ich nicht warten. Die Antworten hallen durch den mondhellen Wald.
Und ich weiß:
Auch andere haben ihr Bett und ihren menschlichen Körper schlafend zurückgelassen und sind in dieser mondhellen Nacht in den Wald gekommen!
Erneut erhebe ich meine Stimme, damit sie mich finden. Und wieder antworten sie, die Brüder und Schwestern.
Und bald folgen sie meinen Rufen und finden mich.

Unserer Freude über das sein fügt sich eine neue Freude hinzu.
Die Freude uns kennen zu lernen und bei manchen die Freude uns wieder zu sehen!
Unsere Freude vereinigt sich und vervielfacht sich um vieles.

Wir beginnen herum zu tollen, zu toben und zu Spielen. Unser Spiel, es erscheint der menschlichen Seite wild und fast schon grob.

Aber was weiß die menschliche Seite schon?

Es fließt kein Blut und es fliegen keine Haare.
Wir sind vorsichtig und passen auf einander auf. Wir sind zärtlich! Und voller Freude!
Wir lieben einander, als Brüder und Schwestern.

Ein Wolf allein kann überleben, doch glücklich ist er nicht.

Ein Wolf im Rudel eingebunden, ist sicher und von Liebe umgeben. Dann ist er glücklich und kann leben.

Die menschliche Seite versteht es meist nicht, aber zwischen Leben und Überleben besteht ein großer Unterschied.

Es hängt nicht von Geld oder gesellschaftlichen Status ab.
Leben bedeutet glücklich zu sei, von Liebe umgeben und niemals allein.
Auch wenn allein, dann niemals verlassen.
Denn dann sind die Brüder und Schwestern nur einen Ruf entfernt.
Eine wahre Schwester, ein wahrer Bruder offenbaren sich im Schmerz. Denn jene werden antworten, wenn man im größtem Schmerz ruft und seien sie auch noch so weit entfern.

Auch große Freude bereitet Schmerz, heiß und süß, wird sie allein erlebt. Doch kommt die wahre Schwester, der wahre Bruder. Antworten sie, so wird aus Schmerz Verbundenheit und Freude vervielfacht sich um vieles.



Doch langsam vergeht unsere Nacht, der Morgen graut schon.
Und so nehmen wir Abschied, denn wir müssen zurück in unser menschliches Dasein.

Und doch, das Versprechen steht im Raum und Wölfe halten ihre Versprechen:

"In der nächsten mondhellen Nacht, Schwester, in der nächsten mondhellen Nacht! Dann rufe, rufe Schwester!
Wir haben dich einmal gehört, wir werden Dich auch das nächste mal hören.
In der nächsten mondhellen Nacht, Schwester, rufe und wir werden dich hören und kommen.
Denn wir lieben dich Schwester, wir sind das Rudel.
Du bist nicht allein!"

Und dann verschwinden sie langsam im noch dunklem Wald. Ihre Liebe bleibt bei mir.

Noch einmal trinke ich aus der klaren, reinen und eiskalten Quelle.
Dann mach auch ich mich auf den Weg zurück und trage die Gewissheit in mir, das sie irgendwo dort draußen sind. Und das sie mich hören werden, so wie ich sie hören werde, wenn sie rufen.

Und so laufe ich zurück, durch den nun heller werdenden Wald und erreiche seinen Rand.
Zurück über den Weg, auf dem ich auf zwei Beinen kam und nun auf vier Pfoten zurückkehre.

Und schließlich stehe ich vor meinem Fenster. Ich weiß, dort drinnen liegt mein menschlicher Körper, friedlich schlafend.

Ich mache einen Schritt darauf zu, dann noch einen und noch einen. Den letzten hab ich auf zwei Beinen getan.
Meine äußerliche Erscheinung ist nun wieder menschlich, doch darunter bin ich immer noch Wolf.

Die Wahrnehmung vermischt sich.

Mein Blick geht zurück, ich kann den Wald von hier aus sehen.
Mein Blick geht weiter, tiefer.
Ich sehe meine Brüder und Schwestern der Nacht als graue Schatten über Wege und Pfade huschen. Dorthin zurück, wo ihre menschlichen Körper friedlich ruhen.
Manche haben einen kurzen Weg, manche müssen weit laufen.
Eine tiefe Liebe erfüllt mich!
Das ist mein Rudel!

Nun geht mein Blick in den Himmel.
Er ist nun taubenblau und im Osten kündigt sich in zartem Rosa der Sonnenaufgang an.

Es ist Zeit.
Ein Sprung und schon bin ich in meinem Zimmer und dann kehr ich zurück, zurück in den Körper, aus dem ich kam. Doch in mir trage ich noch immer die wilde, freie Wölfin.

Ich wache auf, fast erschreckt.
Kurz besinn ich mich und spüre die Wölfin in mir.
Sie ist nicht gegangen, sie ist immer noch da!

Ich erinnere mich und weiß nun, dort draußen sind Brüder und Schwestern, mir gleich.
Und wenn ich sie rufe, dann werden sie mich hören!
Und ich spüre ganz deutlich die Wölfin in mir.
Sie wird mich lehren zu Leben!

Das weiß ich nun!

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Kommentare

Anariel schrieb am 2006-12-06 21:12:04:
Genau, obwohl...manchmal auch aus dem Blau des Nachmittags,
wenn ich im Sommer aufm Balkon weggedödelt bin.-kicher-
Lucia schrieb am 2006-12-03 17:25:40:
Wow, wirklich? Was man nicht alles träumt ... und sie kommen zu dir aus dem Dunkel der Nacht, stimmts? *gg*
Anariel schrieb am 2006-12-03 07:04:53:
Hallo Lucia,

Danke Dir.
Hmm...im Grunde ist das keine Idee, da es ein realer Traum gewesen ist. Ich habe lediglich versucht, diesen Traum, dieses geträumte in Worte und Bilder zu fassen.
Ich hab noch mehrer solcher Träume, die ich aufgeschrieben habe. Bei gelgenheit werde ich sie mal hier rein tun.

Gruß
Anariel
Lucia schrieb am 2006-11-28 20:15:06:
Wieder mal wunderschön, ich hab wirklich keine Einwände oder Stolperer gefunden. Nur am Anfang: ... sein silbernes Licht versilbert die Welt um mich herum. Wiederholungsfehler: Ich würde das erste silber weglassen.
Diesmal konnte ich mich richtig hineindenken in sie, vielleicht, weil du die Gefühle und Dinge so genau beschreibst. Die Idee und deine Definition von Leben finde ich auch grandios! Da gibt es nichts mehr auszusetzen ... *tja*

Lg,
Lucia
Anariel schrieb am 2006-11-09 18:45:47:
Erst mal ein Danke an Lexa.

RisingSun,
auch an dich ein Danke. Ja ich weiß was die Traumzeit eigentlich ist, also das mit den Aborigines. Nun im entferntesten Sinne hat es auch damit zu tun, aber eigentlich bin ich durch mein Forum drauf gekommen. Da habe ich eine kategorie auch so benannt. Warum...weil es darin um Träume geht und zwar nicht um irgenwelche Träume sondern um ganz besondere....um Traumreisen, also Reisen in Träumen, um schamanische Träume und Reisen, prophetische Träume usw....Und wer weiß, vielleicht ist ja unsere Welt nur entstanden weil die Schöpfergötter einen Traum hatten.-fg-

Mit liebem Gruße
Anariel
RisingSun schrieb am 2006-11-08 18:05:44:
Sehr poetisch und sehr philosophisch. Sehr schön.
Ich habe eine Frage zu der Kategorie: Du nennst sie Traumzeit. Wie kommst du darauf?
Die Aborigines, die Ureinwohner Australiens, nennen die Zeit der Entstehung der Welt, in der alle ihre Sagen spielen, Traumzeit. Aber damit hat das wohl nichts zu tun, oder?
Lexa schrieb am 2006-11-08 01:34:26:
Du hast mich wieder über alle Maßen begeistert. LG Lexa

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