Der Virus Buch alpha 4
von
Obscurefighter
1
Die Wasserflasche zischte, als ich sie aufschraubte. Ich setzte sie an und trank einen tiefen Schluck. Über die Flasche sah ich zu den Jungen. Marko stand am Fenster, die Hände auf die Fensterbank aufgestützt, und sah nach draußen. Sein verletztes Bein stützte er auf den Hocker auf. Er hatte darauf bestanden aufzustehen. Steven saß auf einen Tisch und versuchte mit einem Telefon Kontakt nach draußen zu bekommen. Immer wieder drückte er eine Taste und wählte verschiedene Nummern. Doch es endete gleich. Er legte auf. Nach mehreren Versucht schüttelte er resigniert den Kopf.
"Nichts. Ich krieg keinen Kontakt nach draußen."
Ich setzte die Flasche, ging zu Marko und drückte sie ihm in die Hand. Danach wandte ich micht an Steven.
"Dann müssen wir einen anderen Weg finden. Doch zuerst einmal sollte wir klären was hier los. Und wir sollten nach unseren Familien schauen."
"Sie hat Recht", stimmte Marko mir zu. Steven schien nicht dafür zu sein. Doch wir hatten ihn überstimmt. Also erhob er sich.
"Worauf warten wir dann noch?"
Marko stieß den Hocker weg und hinkte zur Tür. Auf dem Weg packte er einen Stange, die anderen Wand lehnte und benutzte sie als Krücke. Ich zog meine Pistole heraus. Vorsicht ist nun mal besser als Nachsicht. Nach einem letzten Kontrollblick aus dem Fenster folgte ich den Jungen.
Es war merkwürdig still. Es schien, als hätten die Zombies Angst vor dem Licht. Wir drei standen auf der Hauptstraße. Ich erinnerte mich daran, dass hier immer so ein reger Verkehr gewesen war. Jetzt war es still und ruhig. Kein Auto fuhr, niemand sprach.
Steven sah sich um und wandte sich dann an mich:
"Gehen wir erst zu dir. Bei mir ist niemand."
Er sagte das fast schon kalt. Ich schluckte, nickte dann aber.
"Dann müssen wir da runter."
Ich deutete zu einer Seitenstraße. Steven übernahm die Führung, die Pistole im Anschlag. Marko bedeutete mir vor ihm zu gehen. Also folgte ich Steven, während Marko hinter uns her hinkte. Es war so ungewohnt still. Ich war nervös.
Endlich standen wir vor meiner Hautür. Das milchige Glas zeigte schemenhaft die Gegenstände im Flur. Ich kramte etwas in meiner Hosentasche herum und zog meinen Hausschlüssel heraus. Nervös steckte ich ihn ins Schloss und drehte ihn herum. Meine Hände zitterten, doch ich überwandt mich und stieß die Tür auf.
Wir standen im Flur und lauschten. Es war totentstill. Marko hinkte stöhnend zum kleinen Schuhschrank, auf dem sitzen konnte, und setzte sich. Ich deutete die Treppe hinauf.
"Oben, im Raum gegenüber der Treppe, da müsste ein Paar Krücken sein."
Er nickte und humpelte die Treppe hinauf. Stevens Blicke folgte ihm. Als Marko im ersten Stock verschwunden war, sah er sich im Flur um.
"Wohin jetzt?", fragte er mich. Ich zuckte mit den Schultern. Da hörten wir ein Wimmern. Ich hob den Kopf.
"Das kam aus der Küche."
"Bleib hinter mir."
Er hob die Waffe und ging vor mir her. Da er schon ziemlich oft bei uns gewesen war, wusste er, wo die Küche war. Mit dem Fuß stieß er die Tür auf und sprang elegant rein. Die Küche war leer. Auf dem Herd standen zwei Töpfe. Es sah aus, als hätte meine Familie den Raum nur kurz verlassen. Auf dem Tisch standen Teller und Gläser. Steven und ich sagen uns an. Das Wimmern drang unter der Sitzbank hervor. Ich deutete wortlos hinter die Sitzbank und bedeutete Steven, dass man sie wegschieben konnte. Er nickte und schlich mit erhobener Waffe hinter die Sitzbank. Als ich in da so stehen sah, kam ich mir vor, als wäre ich in einem Polizeifilm gelandet. Mit voller Wucht stieß Steven mit seinem Fuß die Bank zur Seite. Er richtete die Waffe auf das, was dadrunter saß.
"Clara", rief ich. Meine Schwester hockte zitternd auf dem Boden und starrte zu uns hinauf. Als Steven klar war, das er mit der Waffe auf seine Freundin zielte, senkte er sie, hockte sie neben Clara und nahm sie in den Arm.
"Alles ok?"
Sie nickte zitternd.
"Ja."
Ich ging ebenfalls in die Hocke und fragte Clara:
"Wo sind Mum und Dad?"
"Keine Ahnung. Ich war mit meinen Freundinnen auf dem Festland und als ich wiederkam war das alles schon so. Und diese Dinger..."
Sie schüttelte sich und presste sich an Steven. Ich stand auf und sah zur Tür. Marko lehnte am Türrahmen, eine Krücke an der Seite. Er sagte, nickte aber mit dem Kopf nach oben. Tonlos formte er die Lippen zu den Worten: Komm mit. Ich nickte und folgte ihm. Er hinkte die Treppe zum ersten Stock hoch, ging in den Raum gegenüber von der Treppe. Dort stellte er sich ans Fenster und deutete nach draußen. Ich trat neben und sah auch nach draußen. Dort, in einer dunkele Seitenstraße, wankte einige Zombies hin und her. Ich schluckte und sah zu Marko.
"Und?"
"Warte."
Es wurden immer mehr, aber sie traten nichts ins Sonnenlicht. Sie schienen wirklich Angst zu haben.
"Das ist unsere Chance", meinte ich. Marko nickte.
"Also, los."
Er schwang sich von der Wand weg, stützte sich auf die Krücke auf und wir gingen zurück in die Küche. Dort waren Steven und Clara mitlerweile aufgetanden und warteten auf uns. Clara stand dicht neben Steven und er hatte den Arm um sie gelegt.
"Was machen wir jetzt?", fragte Clara. Steven verdrehte komisch die Augen und sagte dann:
"Weg hier."
"Aber wie?"
"Die Docks. Oder will hier noch jemand nach seiner Family suchen?"
Sein Ton ließ keine Wiederrede zu. Also verließen wir das Haus und gingen die Straße runter. Die Docks lagen nicht weit weg von der Innenstadt. Ich ging neben Marko her. Steven und Clara gingen vor uns. Wir schwiegen uns an.
Schon bald hatten wir die Docks erreicht. Einige Boote dümpelten im Wasser vor sich hin.
"Komm!", brüllte Steven und ging ein paar Schritte schneller. Doch Marko stoppte plötzlich und packte mich an der Schulter.
"Warte mal. Riechts du das auch?"
Ich hob den Kopf und schnupperte.
"Riecht... merkwürdig."
Marko dachte nach. Er war ein Ass in Chemie und dieser Gerusch schien an etwas zu erinnern. Mit einem Mal wurde er kreidebleich und riss entsetzt die Augen auf.
"TNT", flüsterte er.
"Was?"
"TNT!" Er brüllte jetzt. Wir starrten uns an. Dann sahen wir zu Steven und Clara. Sie hatten die Docks fast erreicht. Uns war klar, dass sie in ernshafter Gefahr war.
Ich rannte los, packte Clara und zog sie zurück. Marko warf die Krücke auf den Boden, packte Steven und warf sich mit ihm auf den Boden. Gerade noch rechtzeitig. Denn dann knallte es gewaltig und die Docks explodierten.
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