Der Wächter – Zwischen Auftrag und Liebe (Allmacht
von
Leinad Linguisti
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21.Teil: Der Auftrag heißt töten
I.
„Ich bin nicht dein Feind“, sagte Roland. Wir müssen nicht miteinander kämpfen.“
Der Wächter lachte.
„Bist du alles, was Neu´tris schickt. Sie muss wirklich verzweifelt sein.“
„Ich handle auf meinen eigenen Wunsch hin. Ich suche meine Tochter. Lass mich passieren.“
„Du bist nur eine Marionette. So leicht zu beeinflussen.“
„Hör auf das zu sagen.“
„Wieso? Quält es dich? Zu wissen, dass du stur ihrer Stimme gefolgt bist, ohne das wahre Ziel vor Augen zu haben.“
II.
„ES REICHT.“
Roland riss die Arme nach vorne. Er wollte den Wächter zum Schweigen bringen, doch eine unsichtbare Kraft riss den Krieger von den Füßen und schleuderte ihn direkt vor ein mannshohes Tor. Der Korrektor staunte nicht schlecht.
„Der Eingang, endlich bin ich da.“
Er ging wie in Trance auf den Eingang zu. Der Wächter stand auf und versperrte ihm den Weg mit seiner Axt.
„An mir kommst du nicht vorbei, Unsinniger.“
„Warum sagst du das?“
„Weil an dir der Gestank des Nichts haftet.“
III.
„Mach den Weg frei, ich will dich nicht verletzen müssen.“
„Und wenn du es doch tust“, konterte der Wächter. Würde es dein Gewissen belasten? Würdest du heulen und weinen? Dein Orden hat die Menschheit ausgerottet. Jede Sünde wurde bestraft und anschließend richteten sie sich selbst für die größte aller Sünden. Die des Mordes. Du hast mitgemacht, Roland. Leugne es nicht.“
„Ich bereue was ich getan habe.“
IV.
„Du bereust es ja, aber es hindert dich nicht daran, weiter zu machen. Der Orden der Waage war eine Organisation des Seins. Du bist gleichwertig wie jeder andere Mensch und dennoch hast du dich dem Nichts angeschlossen. Wieso?“
„Damit ich sühnen kann.“
„Du hast es noch immer nicht verstanden.“
Der Wächter stieß einen kehligen Laut aus und rammte die Axt mitten zwischen die Türbögen.
22.Teil: Sieben Reuen musst du leisten
I.
„Jetzt kannst du die Pforte nicht mehr durchschreiten. Außer du erfüllst die Bedingungen.“
„Was muss ich tun?“
„Büße, für das was du getan hast. Sühne. Leide.“
„Das habe ich bereits.“
„Du wirst den Schmerz noch einmal erleben. Wenn du dich richtig entscheidest, werde ich den Weg freigeben. Sieben Sünden hast du verbrochen und sieben Mal sollst du leiden.“
II.
Der Wächter baute sich vor Roland auf und drückte ihm einen Finger in die Brust. Auf Höhe des Herzens. Der Korrektor spürte einen stechenden Schmerz und dann roch er den Geruch von verbranntem Fleisch. Die Sinne schwanden ihm, als der Wächter endlich von ihm abließ.
„Brenne im Feuer“, sagte der Wächter als letztes.“
Dann versank alles in Dunkelheit.
23.Teil: Siebenleid (1) – Hass für den der Hochmut beweist
I.
Roland fühlte wie sein Kopf zu bersten anfing, als er die Akten vor sich auf dem Tisch ausgebreitet liegen sah. Das schaffe ich nie in einer Woche, sagte er zu sich. Sein Chef war so ein Arschloch. Wenn er nicht so hochmütig gewesen wäre und seine Fehler eingesehen hätte, müsste Roland jetzt nicht dessen schlampige Arbeit nachholen.
II.
Roland spielte mit dem Brieföffner. Das Logo der Kanzlei war auf dem Griff eingeprägt. Wegen eines Formfehlers war der Kindsmörder wieder auf freiem Fuß. Die Leute schrien Zeter und Mordio, doch nichts ließ mehr Schlupflöcher zu, wie die Justiz. Roland sah auf die Akte die er noch zu bearbeiten hatte. Die Arbeit von zwei Monaten war dahin, nur weil sein Chef ein winziges Detail nicht berücksichtigt hatte.
III.
Er sah auf das Bild seiner Familie, dass er immer auf dem Schreibtisch stehen hatte. Seine sechsjährige Tochter lächelte ihm entgegen. Nein, er würde nicht zulassen, dass noch ein Kind starb. Eifrig machte er sich an die Arbeit. Er musste diesen Fall gewinnen.
Hochmut kommt vor dem Fall.
24.Teil: Siebenleid (2) – Ablehnung für den der Neid beweist
I.
Roland hasste die Blicke, die seiner Frau zugeworfen wurden. Sie gehörte ihm. Er hatte sie geheiratet und nur ihm allein stand das Recht zu sie zu betrachten. Angezogen wie auch nackt. Er packte einen Mann am Kragen, der gerade eine obszöne Geste machte.
„Verschwinde du Mistkerl.“
Der Mann wich angsterfüllt zurück. Seine Frau blickte ihn nur verwirrt an. Sie konnte einfach nicht sehen, dass sie von den anderen nur als ein Stück Fleisch betrachtet wurde.
II.
Er trat an ihre Seite.
„Liebling, komm wir gehen. Diese Blicke machen mich nervös.“
Seine Frau lächelte ihn an. Allein dieses Lächelns wegen, hatte er sie geheiratet.
„Schatz, beruhig dich. Dieses Dinner ist sehr wichtig für meine Arbeit. Genieße es einfach.“
Sie gab ihm einen Kuss auf die Wange. Roland grollte innerlich.
Er war grün vor Neid.
25.Teil: Siebenleid (3) – Missbilligung für den der Habgier beweist
I.
Roland erhob sich. Die Blicke der Jury blieben auf ihm haften.
„Dieser Mann hat sieben Kinder missbraucht und umgebracht. Er verdient nicht mehr und nicht wenig als den Tod. Er soll hingerichtet werden, für das was er getan hat. Ich bitte die Jury das Todesurteil zu verhängen. Denken Sie alle an ihre eigenen Kinder und daran, was ihnen hätte widerfahren können. Dieser Mann ist eine Bestie. Führen sie ihn seiner gerechten Strafe zu.“
II.
Der Verteidiger des Mörders erhob sich. Roland hatte für ihn nur einen kalten Blick übrig. Leute wie er, waren nur auf ihren Gewinn aus. Ein gewonnener Prozess brachte mehr ein, als ein verlorener. Die Mandanten würden sich um ihn reißen, wenn er einen Kindsmörder freigesprochen bekam.
„Liebe Jury, dieser Mann ist kein Heiliger. Aber er ist kein Mörder. Die Beweise sprechen unklare Bände über das was diesen armen Kindern zugestoßen ist. Das Todesurteil ist endgültig. Ein Unschuldiger kann nicht lebendig gemacht werden. Auf jedem einzelnen von Ihnen würde diese Schuld lasten. Bedenken sie dies bei Ihrem Urteil.“
III.
„Wir die Geschworenen, sind zu einem Urteil gekommen. Wir sprechen den Angeklagten in allen Punkten frei. Wir haben keinen Grund zu der Annahme, dass er der Mörder ist. Er ist unschuldig.“
Das Wort hallte Roland noch lange nach. Das Gericht sprach den Mörder frei von jeder Schuld.
IV.
Zwei Wochen später wurde erneut ein Kind missbraucht und vergewaltigt. Der Mörder würde auf frischer Tat erwischt, als er die Leiche verscharren wollte. Es war der Freigesprochene.
Die Habgier des Einen wurde zum Leid aller.
26.Teil: Siebenleid (4) – Entsetzen für den der Maßlosigkeit beweist
I.
Roland kündigte seinen Job noch am selben Tag, als die Nachrichten über den erneuten Missbrauch berichteten. Ihm war es klar gewesen. Sein Chef verstand die Welt nicht mehr. Er wollte seinen besten Juristen nicht gehen lassen, doch Roland sagte ihm klar und deutlich wo er sich seinen „besten Juristen“ reinschieben konnte.
II.
Er zog die Krawatte aus, als er zuhause war. Seine Frau sah ihn an, als habe sie ein Gespenst gesehen.
„Warum bist du schon hier?“
Roland küsste sie auf die Lippen.
„Ich will mehr Zeit mit euch verbringen. Ich leg
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