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Kategorien > Prosa > Wirklichkeit

Der Wächter – Zwischen Auftrag und Liebe (Allmacht

von Leinad Linguisti

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eine Pause ein.“
„Können wir uns dass den leisten?“
„Wir werden es schon schaffen.“
„Die Hypothek für das Haus ist noch längst nicht abbezahlt und du wirfst so einfach deinen Job hin. Wie kann man nur so dumm sein.“


III.

Roland sah in den Spiegel. Das Gesicht das ihm entgegen blickte erschreckte ihn.
„Ich kann so nicht mehr weitermachen. Kannst du das den nicht verstehen?“
„Nein“, sagte seine Frau kurz angebunden.“
Noch am selben Tag verließ sie das Haus mit der gemeinsamen Tochter und zog in ein Hotel. Roland blieb allein zurück. War er so egoistisch gewesen?


27.Teil: Siebenleid (5) – Tränen für den der Trägheit beweist


I.

Roland rülpste. Seit zwei Wochen hatte er nichts mehr von seiner Frau und seinem geliebten Kind gehört. Die Tage kamen ihm wie Jahre vor, in denen er nur vor dem Fernseher saß und sich über die Nachrichten brüskierte. Er hatte schon längst jegliche Menschlichkeit abgelegt. Probleme gab es für ihn nicht. Nur Möglichkeiten sie zu verdrängen. Alkohol und Drogen.


II.

Roland zündete sich gerade die sechste Zigarette des Morgens an, als es an der Türe klingelte. Er ignorierte es und sah gebannt auf den Bildschirm. Schritte kamen vom Flur ins Wohnzimmer. Er sah auf. Sicherlich seine Frau, die ihn nun endgültig verlassen würde.


III.

Er war auf einen Schlag nüchtern. Ein Mann in einem feinen Anzug lächelte ihm zu.
„Guten Morgen, Roland. Ich habe mir selbst die Türe geöffnet.“
„Aber wie haben … ich mein … wie konnten sie.“
Der Mann hob beschwichtigend die Hand.
„Gemach, gemach, mein Lieber. Sonst erleiden sie noch einen Herzanfall, bevor ich ihnen den Grund meines Besuches nahe legen kann. Ich will dir helfen, Roland. Wir beobachten dich schon sehr lange. Du wärst eine gute Wahl für unsere elitäre Runde.“


IV.

„Runde? Ich fürchte ich verstehe nicht. Ich war Anwalt in einer der besten Kanzleien der Stadt. Ich leb in der Gosse.“
Der Mann trat ans Fenster und sah hinaus.
„Das muss nicht sein. Ich gebe dir dein altes Leben zurück, mit einem Unterschied. Du selbst wirst es sein, der die Schuldigen richten wird. Kein Gericht, keine Gesetze, keine Regeln, denen du mehr unterworfen bist.“
Der Mann hielt die Hand auf.
„Was ist? Gilt es?“

Dies war der Tag an dem Roland in den Orden vom Zeichen der Waage eintrat.


28.Teil: Siebenleid (6) – Mitleid für den der Wolllust beweist


I.

Roland arbeitete nun schon sechs Jahre für den Orden. Seine Frau war zu ihm zurückgekehrt, kurz nachdem er eingeschlagen hatte. Sein Leben war von da an, ein Stück weit zu einer Lüge geworden. Ihr erzählte er, dass er weiterhin für das Gericht arbeitete. Die Wahrheit jedoch war, dass er diejenigen Mörder zur Strecke brachte, die in den Augen der Waage für ein Ungleichgewicht sorgten.


II.

Durch die ständige Jagd nach Schuldigen blieb seine Familie weiterhin auf der Strecke und so bemerkte Roland es nicht einmal, dass seine Frau immer häufiger Besuch bekam. Doch die Bombe ging erst hoch, als Roland eines Abends früher nach Hause kam, auf Geheiß des Ordens. Er entdeckte seine Frau im Bett mit einem anderen. Sie lagen eng aneinander geschmiegt. Der Geruch von Liebe hing in der Luft.


III.

„Roland, ich kann das erklären.“
Doch der Korrektor zog nur seine Waffe und ließ sie auf den Liebhaber niedersausen, von da an war er dem Orden verfallen. In Sorge um ihr Wohl versteckte sich seine Frau mit seiner Tochter an einem geheimen Ort. Roland bekam seine Rachechance, als die Menschheit Stück für Stück zugrunde gegangen war. Der Schleier der Finsternis legte sich über die Welt.


29.Teil: Siebenleid (7) – Tod für den der Zorn beweist


I.

Roland warf Tische und Stühle um. Rasend vor Wut und Trauer trat er seiner Frau ins Gesicht. Das Brechen des Nasenrückens hörte er nicht, so wenig wie er das Blut auf dem Boden liegen sah. Der Korrektor ließ seine Frau auf dem Boden knien. Flehend. Bettelnd. Wissend, dass er das Richtige tat, fuhr die Klinge hernieder.


II.

Der Korrektor der Waage konnte nicht mehr weinen. Er stand am Grab seiner Frau. Emotionslos. Kalt. Er hatte seine Aufgabe erfüllt. Die Welt war von ihrer Lasterhaftigkeit befreit. Er sah in den düsteren Himmel, als er die Stimmen zu hören begann.


30.Teil: Das Herzlicht (7) – Heilende Wunden


I.

Roland erwachte keuchend und nach Luft ringend. Sein Herzlicht begann gefährlich zu schwanken. Der Wächter stand gegen die Pforte gelehnt.
„Warum musste ich das alles noch einmal erleben?“
„Damit du nie vergiss, was für ein Narr du bist, Unsinniger. Selbst Neu´tris kann dir nicht wiedergeben, was du verloren hast.“
„Meine Familie?“
Der Wächter schüttelte den Kopf.
„Nein, deine Menschlichkeit.“


II.

Der Korrektor wollte etwas sagen, doch der Wächter packte die Axt und zog sie aus der Pforte.
„Ich gebe dir den Weg frei. Du bist sieben Mal durch das Leid deiner eigenen Vergangenheit gegangen. Die Erhabenen werden dich lehren was es heißt sich zu fürchten. An ihrem Wesen ist so manch einer zerbrochen.“
„Ich habe keine Angst.“
„Sie werden dir keine Angst einjagen, Roland. Sie werden dich quälen. Dich martern mit Bildern deines Scheiterns. Du wirst es nicht überleben und Neu´tris wird den Sieg davon tragen.“


III.

„Ich werde ihnen offen und mutig gegenübertreten. Sie werden mich nicht daran hindern, meine Tochter zu befreien.“
„Du hast es noch immer nicht begriffen.“
Roland kochte vor Wut.
„Alle sagen mir, dass ich es nicht begriffen habe, aber was soll ich begreifen?“
Der Wächter öffnete die Pforte und trat dann beiseite. Seine Gesichtzüge erstarrten. Von einem auf den anderen Moment war er zu Stein geworden.


IV.

Roland ging an ihm vorbei und legte seine Hand an die Innenseite der Pforte. Kalte Luft umwehte ihn. Das Gefühl der Angst wurde stärker. Sein Herzlicht wärmte ihn von innen heraus. Mit einem einzigen Satz sprang er hindurch.


Ende des dritten Teils

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