Der Weg
von
Armin Feuerriegel
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Der Weg
Es war ein schöner Tag. Die Sonne schien, und egal wo ich hinkam es roch nach frischen Kräutern. Ich glaube es war Anfang Mai, aber ich könnte mich auch täuschen. Auf jeden Fall war es der perfekte Tag um sich auf reisen zu begeben. Ich schlenderte meinen Weg entlang und genoss die Atmosphäre. Auf das was vor oder hinter mir lag achtete ich gar nicht. Wie und warum ich auf diesem Pfad gelandet war, wusste ich schon gar nicht mehr. War ich seit einer Stunde, einen Tag oder sogar schon seit einen Monat unterwegs? Alles einerlei, an so etwas auch nur einen Gedanken zu verschwenden kam mir überhaupt nicht in den Sinn.
Umso erschrockener war ich, als ich mich plötzlich an einer Kreuzung wieder fand. Es war eine perfekte Kreuzung. Aus einer Richtung kam ich gerade und drei verschiedene Wege schienen in alle drei weitere Himmelsrichtungen zu führen. Als ich kurz umher blickte sah ich einen Mann direkt vor meinen Füßen sitzen. Er hatte langes braunes Haar und einen schönen vollen Bart. Neben ihm lag ein zerrissener Rücksack, ein alter grauer Pullover und eine dicke grüne Regenjacke die schon einiges mitgemacht zu habe schien. Er selber saß da, in zerrissenen Jeans und mit einem schon oft geflickten schwarzen T- Shirt. Bei einem flüchtigen Blick, hätte man denken können, er wäre so um die fünfzig Jahre alt, doch als ich ihn genauer musterte und ihm in die Augen schaute, erkannte ich, dass er nicht viel älter als zwanzig sein konnte. Solche Augen hatte ich in meinen Lebtagen noch nicht gesehen. Auf den ersten Blick erschienen sie gelb, so gelb wie man es sich purer nicht vorstellen konnte, doch bei genauerem betrachten bemerkte ich, dass sich diese gelb, noch mit einem vollem rot vermischte, so das die eigentliche Augenfarbe nun als orange bezeichnet werden musste. Ich stand direkt vor ihm und musterte ihn ausgiebig, doch er schien sich daran überhaupt nicht zu stören. Genüsslich rauchte er eine seiner selbst gedrehten Zigaretten. Doch dann blickte er plötzlich zu mir hinauf, ich fühlte mich ein wenig ertappt und auch schuldig. Doch ich konnte zwischen den vielen Barthaaren ein warmes lächeln erkennen. „Na wo wollen wir denn hin“, fragte er mich mit einem Ton in der Stimme, so dass es fast gar nicht mehr wie eine Frage erschien. Sein Lächeln veränderte sich nicht, unter anderen Umständen hätte ich es wohl als arrogant oder sogar bedrohlich empfunden, doch in diesem Augenblick weckte es eine unbestimmte Hoffnung in mir. „Ich weiß es nicht genau, ich wollte schauen wohin mich dieser Weg führt.“, antworte ich ihm, doch während ich das sagte kam ich mir unbeholfen und schwach vor, als wäre ich mir jetzt schon im Klaren über die Lächerlichkeit dieser Worte gewesen. Die Mundwinkel, des mir so komisch vertraut wirkenden, Fremden hoben sich noch ein wenig mehr. Er schaute auf den Boden vor seine nackten Füße, erst jetzt bemerkte ich, dass er gar keine Schuhe trug, zog noch einmal kräftig an seiner Zigarette und pustete den blauen Qualm langsam aus. „Ich weiß, dass du schon oft bis vor diese Kreuzung gewandert bist, doch jedes Mal hast du kurz davor wieder den Rückweg eingeschlagen“. Jetzt wo ich genauer darüber nachdachte, musste ich erkennen, dass der Fremde Recht hatte, die Tatsache das er darüber bescheid wusste schien mich doch in diesem Moment kaum zu irritieren. Erwartungsvoll blickte ich wieder zu ihm hinunter, ich legte das Gespräch vollkommen in seine Hände, voller Erwartung was er noch alles wisse. Doch auch er schaute mich nur mit seinem Vertrauen erweckenden Lächeln an, es schien wohl doch an mir, das Gespräch weiter voranzutreiben. „Wo führen den all diese Wege hin“, fragte ich ihn, in all meiner Naivität. Der Fremde schien genau diese Frage erwartet zu haben, er wirkte nun innerlich noch befriedigter als vorher schon und nickte nur sanft mit dem Kopf. „Na gut- du, mein Freund, kommst gerade aus „Früher“, dorthin zurück wirst du wohl jetzt nicht mehr gehen. Der Weg gegenüber führt in Richtung Glück und Unglück. Wie die meisten Menschen wirrst du gar nicht wissen, dass sie überhaupt auf demselben Weg liegen- doch es ist nun einmal so. Links entlang geht es zur „Hoffnung“ und rechts liegen die „Träume“.“, sprach der Fremde, in dem er jedes Mal, mir der Zigarette in der Hand, auf den jeweiligen Weg deutete. Natürlich war ich vollkommen überrascht wie selbstverständlich er mich mit den Begebenheiten dieser Kreuzung bekannt machte. Die erst so harmlos wirkende Kreuzung erschien mir nun sehr wichtig und der Weg den ich nun wohl einschlagen müsste, egal welcher es auch sei, würde für mich von noch viel größerer Bedeutung sein. Doch den Fremden berührte das alles kaum. Ich dachte mir, dass er wohl schon vielen Menschen erklärt hat wohin all diese Wege führen. Gleichzeitig erwachte in mit eine Neugier: Wenn er alle Wege kannte, war er auch schon auf allen Pfaden gewandert? Doch ich entschloss diese Frage erst einmal hinten an zu stellen. „Was kommen denn hier sonst so für Menschen vorbei und wohin gehen die meisten“, hörte ich mich selber sagen und riss mich dabei selbst aus meinem Gedankengang. „Nun ja- vergleichsweise sitze ich hier noch gar nicht so lange, doch ich würde behaupten, dass ich eigentlich schon jede Art von Mensch hier gesehen habe. Alte und junge, Männer und Frauen, schwarze und weiße, mache haben sogar eine Glatze und andere tragen ein Kopftuch. Sie kommen allein, zu zweit oder sogar in größeren Truppen. Mehrere Male habe ich es sogar erlebt, dass Pärchen gemeinsam an diese Kreuzung kamen und dann doch getrennte Wege gegangen sind, manchmal gehen sie dann auch denselben Weg entlang. Im Grunde: nichts, was es nicht gäbe. Doch- eines ist mir, in der Zeit, die ich hier schon sitze, aufgefallen; keiner dieser Wege führt zu irgendeiner Gottheit. Ich habe lange darüber nachgedacht, was mir das über die Menschen sagen könnte. Zuerst bin ich natürlich zu dem Entschluss gekommen, das diese Leute nun nicht wirklich gläubig sein können- aber schnell bemerkte ich, dass einige wohl ihre Gottheit in einem der Wege zu finden glaubten.“ Gab mir der Fremde nun als Antwort. Er hatte nun so einiges gesagt, doch eine Frage kam mir sofort in den Sinn: „Stimmt das denn nicht.“ „Ach mein Freund, darüber kann ich dir nun wirklich nichts sagen. Bei einigen stimmt es vielleicht, bei anderen nicht. Es ist eigentlich auch vollkommen unerheblich.“
Die antwort gab mir kurz zu denken. Ja- sie war tiefsinnig, doch an solchen Tagen, wenn die Sonne scheint, kann und konnte ich mich noch nie auf solche Gedankengänge einlassen. Trotzdem führte es mich auf die Frage zurück, die ich mir ganz zu Anfang gestellt hatte. Vollkommen unerschrocken richtete ich sie nun an ihn; auf der einen Seite stellte ich sie mit einer gewissen Überlegenheit in der Stimme, wie ein Lehrer der seinem Schüler ein Frage stellt, dessen Antwort nur er selber kennen kann, doch auf der anderen Seite fühlte ich mich gleichzeitig angreifbar und verletzlich, dass Grinsen des Schülers hatte in seiner naiven
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