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Kategorien > Krimi > Kurzgeschichte

Der Weg ins Paradies

von Sinja

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Der Weg ins Paradies

Hana stand gerade unter der Dusche als sie hörte wie ihr Mann das Haus betrat. In Gedanken konnte sie jeden seiner Schritte verfolgen. Sie vernahm das typisch Geräusch des herabfallenden Aktenkoffers, jetzt das Poltern seiner Schuhe. Als nächstes würde der Mantel folgen, das Lockern der Krawatte und der obligatorische Drink zum Feierabend.
Sie lächelte unwillkürlich. Nun hatte ihn sein Weg in die Küche geführt, er würde den Deckel vom
Kochtopf nehmen und erwartungsvoll hineinschauen.
Sie war eine gute Köchin, dachte sie bei sich. Ebenso wie eine aufmerksame, liebevolle Frau und aufregende Geliebte. Sie wollte alles für ihn sein. Er war ihr Leben, sie liebt ihn.
Er hatte eine herrlich unbekümmerte Art, brachte sie häufig zum Lachen, sie führten anregende
Gespräche, mochten die selben Filme, gingen gerne aus. Ihr Leben hatte durch ihn um vieles an Qualität gewonnen. In seiner Gegenwart fühlte sie sich immer wohl, er zeigte ihr,
dass er sie begehrte, sie brauchte und ihre Liebe erwiderte. Seine aufmerksame Art
und die Fürsorge, mit der er sie so reich beschenkte, genoss sie in vollen Zügen.
Verträumt stieg sie aus der Dusche und begann damit, sich abzutrocknen. Doch sie teilten mehr als nur die Freuden des Lebens.

Ihre Gedanken führten sie zurück an den einen Tag, der ihr Leben veränderte. Der Tag, an dem sie Manuel das erste Mal sah.
Sie erinnerte sich an das kleine Cafe in einer ruhigen Seitenstraße. Es war ein wunderschöner
Samstag gewesen, die Sonne schien klar vom Himmel herab, die Menschen schlenderten entspannt an ihr vorüber, lachten und unterhielten sich. Es war wie eine Szene aus einem Film. Und so fühlte sie sich auch. All das bunte Treiben um sie herum, die Freude, die Schönheit des Sein. All das schien ihr so aufgesetzt, so falsch und grausam.
Mit leeren Augen blickte sie sich um. Ihre Gedanken waren schwer, sie war nicht in der Lage, sich auch nur ein positives Detail ihrer Umwelt bewusst zu machen. Wieder dachte sie nur an ihn. An die verlorene Liebe, die schöne Zeit, die vielen Erinnerungen. Die Zukunftspläne, die sie sich beide zusammen erträumt hatten. Dies alles gehörte nun der Vergangenheit an. Unwiderruflich, weggewischt und zerstört, von einem Moment auf den anderen. Es war nun fast ein Jahr her, das ihr Ehemann bei einem tödlichen Autounfall ums Leben kam. Doch es hatte sie aus der Bahn geworfen, ihr Leben auf den Kopf gestellt und sie fast zerbrochen. Nichts war wie früher, jeder Tag war ein erneuter Kampf. Ein gnadenloser Kampf ums Vergessen. Ein Kampf den sie nicht führen wollte, aber doch musste. Sie seufzte schwer, fühlte sich einsam und voller Trauer.
In diesem einen Moment erblickte sie ihn. Sie war sich dessen zu diesem Zeitpunkt noch nicht
bewusst, aber es war ein folgenschwerer Moment. Nie hätte sie geahnt, nie zu träumen gewagt welchnEinfluss er auf ihr weiteres Leben haben würde!
Ihre Blicke trafen sich. Doch es war kein flüchtiger Blick, keiner wandte sich ab. So sahen sie sich eine kurze Zeit schweigend an. Seine Augen waren dunkel und strahlten eine positive Ruhe aus. Kleine Fältchen um die Augenwinkel ließen sie vermuten, dass er gerne und häufig lachte.
Sein Haar war voll und fiel um locker in die Stirn. Er saß in einer selbstbewussten Haltung
auf seinem Stuhl, vor ihm auf dem Tisch eine Zeitung. Ihr wurde plötzlich bewusst, dass sie ihn
schon ziemlich lange gemustert hatte. In diesem Moment lächelte er sie an. Es war ein offenes
und freundliches Lächeln. Gefangen von seiner Anziehungskraft lächelte sie zurück. Da erhob er
sich und trat an ihren Tisch...
Dies war der Anfang. Der Anfang eines neuen Lebens, einer neuen Liebe, Hoffnung und Freude.
Während ihres Gespräches erfuhr sie, dass auch er seine Ehefrau verloren hatte.
In der nächsten Zeit wurde er ihr ein guter Freund, sie redeten viel, weinten zusammen und trösteten
sich. Es war eine schöne Freundschaft. Doch das, was danach kam, war noch viel wunderbarer,
aufregender und vollkommener. Sie verliebten sich.
Nie hätte sie daran gedacht noch einmal zu heiraten, doch als Manuel sie fragte, wusste sie
instinktiv, dass er der Mann war, mit dem sie ihr Leben teilen wollte. Für immer. Bis zu ihrem Ende.
Die Hochzeit war überwältigend schön, dieser Tag war der endgültige Abschied von ihrem alten Leben und den schlimmen Erinnerungen. Und als er ihr in der Hochzeitsnacht ins Ohr hauchte,
ihr den Weg ins Paradies zu zeigen, fühlte sie sich unglaublich glücklich.

Beschwingt trat sie aus dem Badezimmer und ging nach unten, um ihren Mann zu begrüssen. Strahlend schlang sie ihre Arme um ihn und gab ihm einen innigen Kuss.
Nach dem Abendessen teilte er ihr mit, dass er eine Überraschung für sie geplant hätte.
Sie freute sich. Seine Überraschungen waren immer etwas besonderes. Neugierig fragte sie ihn aus, doch er blieb standhaft, lächelte nur geheimnisvoll und schwieg sich aus.
Am nächsten Morgen weckte er sie zeitig. Sie fuhren an einen kleinen Ort nahe der Küste.
Dort schlenderten sie die Promedade entlang und genossen die malerische Landschaft. Auf ihr Bitten hin, doch nun endlich mit der Sprache herauszurücken, grinste er nur verschmitzt.
Es musste etwas bedeutungsvolles sein, das fühlte sie.
Gegen Mittag ging er mit ihr an den Hafen und führte sie zu einem kleinen Segelschiff.
Sie blickte ihn fragend an. Doch er lächelte nur auffordernd und stieg mit ihr auf das Boot.
Erstaunt sah sie, wie er begann die Leinen zu lösen und das Segel zu setzen. Sie wusste nicht,
das er Segeln konnte. Als sie auf dem Meer waren blickte er sie an und gab ihr einen Kuss.
Er lacht über ihre noch immer erstaunte Mine. Dann breitete er eine Decke aus und holte Wein und Obst aus einem kleinen Fach. Ja, es war tatsächlich eine Überraschung. Sie lächelte, als sie ihn anblickte. Und so liebevoll geplant!
Es wurde ein wunderschöner Tag. Doch gegen Abend bezog sich der Himmel, ein Sturm schien
aufzukommen. Besorgt fragte sie, ob es nicht besser sei, zurück in den Hafen zu kehren, doch
er winkte nur ab. Noch nicht, ein wenig Zeit hätten sie noch. Er müsste es ja schließlich wissen.
Doch der Sturm nahm in beunruhigender Schnelligkeit zu. Ihr wurde mulmig zu Mute. Auch er blickte nun prüfend zum Himmel. Ja, der Sturm war stark genug.
Auf der Rückfahrt schlingerte das Boot heftig, angstvoll klammerte sie sich an ihn. Da bemerkte
sie seinen Blick. Er sah sie an, merkwürdig lächelnd. Er nahm ihren Arm. Fragend blickte sie ihn
an. Das letzte was sie mitbekam, bevor sie das eiskalten Wasser verschlang war, dass
er sein Versprechen wiederholte. Jetzt sei der Zeitpunkt dafür gekommen.
Er würde ihr den Weg ins Paradies zeigen...

In den Nachrichten wurde ihr Tod nur beiläufig erwähnt. Eine ältere Dame kam bei einem tragischen Bootsunfall ums Leben.
So simpel war es.
Dass sie sehr vermögend war und einen deutlich jüngeren Eheman hatte, dessen erste Frau ebenfalls während eines Schiffsunglücks starb, erfuhren sie nie.

Manuel

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Kommentare

Zichy_123@hotmails.com schrieb am 2008-10-16 23:21:41:
es soll eine kurtzt geschichte sein und nicht 2seiten weit sein

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