Der Wille des Windes
von
Chalina
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Der Wind trieb die Wellen in gleichmäßigen Rhythmus an den Strand. Hier am Meer hat der Wind einen eigenen Willen, einen eigenen Geist, einen eigenen Namen: „Der Wind der See“. Mal verspielt, mal sanft, mal wütend.
Wenn das Meer der Spiegel der Seele des Windes ist, dann ist er wunderschön und an diesen Tag ruhig und kein bisschen zornig.
Denn auch das Meer war ruhig, wirkte wie aus Milliarden winziger, funkelnder Saphire mit Kronen aus ebenso winzigen, funkelnden Diamanten. Die Wellen küssten immer wieder sanft den Strand und ließen immer wieder jene Kronen als Erinnerung zurück. Die stolzen Schaumkornen verschmolzen sachte mit dem Sand, doch ehe sie ganz verschwunden waren, kamen neue, immer und immer wieder wie auch die Wellen selbst.
Eine junge Frau in einem perlweißen Sommerkleid schlenderte barfuß durch den warmen Sand. Der Wind spielte mit ihren langen, schwarzen Haaren, streichelte sanft über ihr schlankes Gesicht und kitzelte ihre gebräunten Arme und Beine.
Sie schloss die Augen, während sie ihr Gesicht in die wärmende Sonne hielt, die wie ein gleißender Topas am klaren, azurblauen Himmel stand, und atmete tief die frische Seeluft ein und glaubte, das Salz förmlich auf ihren Lippen zu schmecken.
Als sie die Augen wieder öffnete, wechselte der Wind seine Richtung, er kam von ihr aus gesehen hinter ihr. Während sie bis jetzt nur das sanfte Klatschen der Wellen und hin und wieder den Schrei einer Möwe gehört hat, trug der Wind nun den Ruf einer männlichen Stimmen zu ihr.
Sie drehte sich zur Quelle der Stimme um und erblickte etwa 200 m hinter ihr eine ihr bekannt vorkommende Gestalt. Die Gestalt winkte ihr nun zu und wiederholte ihren Ruf: „Avendia!“
Avendia lächelte, winkte zurück und lief auf ihn zu, während er ihr entgegen lief.
Es was Solefthul, ihre große und erste Liebe.
Solefthul hob sie hoch und wirbelte sie so wild im Kreis, dass sie vor Freude kurz aufschrie.
Als er sie absetzte, sahen sie sich kurz zärtlich an und küssten sich dann leidenschaftlich.
Während diesem wundervollen Moment schien die Zeit stillzustehen.
Und dann war nichts mehr wie es sein sollte: die eben noch leichte Brise hatte sich in einen wütenden Sturm verwandelt und zerrte an ihren Kleidern, die Wellen türmten sich zu riesigen Mauern auf ehe sie am Strand aufschlugen, sodass sie sofort nass bis auf die Haut waren, das Meer war nun pechschwarz – aber vor allem ertönte nun eine immer lauter werdende Musik, die eindeutig nicht hierhin gehörte, an diesen eben noch perfekten und wunderschönen Ort.
Avendia presste sich die Hände auf die Ohren, als könne sie so die Musik verdrängen, wenn sie sie nur nicht hörte. Doch Avendia hörte die Musik die immer und immer lauter wurde, so laut das es schmerzte.
„NEEEEIN!“, schrie sie verzweifelt, während alles um sie herum miteinander verschmolz: der Strand, das Meer, der Himmel, Solefthul . . . .
„Nein!“, rief sie, während sie sich abrupt aufsetzte.
Stöhnend machte sie den uralten Radiowecker aus, den diese zerstörende Musik wollte sie nicht länger hören. Am liebsten hätte sie dieses blöde Ding einfach zerschlagen, aber so einen teuren Spaß konnte sie sich nicht erlauben.
Sie stieg langsam aus dem Bett und zog den dunkeln Vorhang zu Seite und erblickte karge graue Wände und Dächer von alten, baufälligen Häusern und Fabriken, deren schwarze Schornsteine dunkelgrauen Rauch ausstiegen, der mit dem grauen, traurigen Himmel verschmolz.
Selbst der Schnee war grau und Schnee gab es immer viel. Grauer, saurer Schnee, der alles Leben im Keim erstickte. Avendia kannte Bäume nur von Bildern, Gras und Blumen hatte sie noch nie in Wirklichkeit gesehen, wie alle anderen auch.
Seufzend drehte sie sich ihrem kleinen Zimmer zu: Es war genauso karg und grau wie alles andere, die wenigen Möbel die vorhanden waren, hätten längst auf dem Sperrmüll landen sollen, die Wände hatten tiefe Risse, Lampen hatte sie keine, nur eine nackte Glühbirne die von der grauen Betondecke hin.
Avendia trat an ihren Spiegel, dem eine Ecke fehlte: traurige, eisblaue Augen sahen sie aus einem blassen, fremden Gesicht an, das seit Jahren nicht mehr die Sonne gesehen hatte und das von kurzen aschblonden eingerahmt wurde. Sie holte mit der Faust weit aus und schlug dem Gesicht gegen die Stirn, scheppernd fielen die Scherben zu Boden. Ihre Hand, die sie noch immer zu Faust geballt hatte, blutete, doch sie bemerkte es nicht. Ihr Blut tropfte sachte auf die Scherben und den Boden, es war die einzige, intensive Farbe außer Grau- und Schwarztönen in diesem Zimmer, in dieser Welt.
Sie stand vor ihre Wohnungstür, irgendwo weinte ein Baby, ihr Nachbar schrie mal wieder seine Frau an. Alles wie immer, dachte sie, schloss ihre Tür, stieg die alten, brüchigen Stufen hinnuter und öffnete die quietschende, alte Tür, die fast aus den Angeln fiel.
Sofort wehte ihr ein eisiger Wind entgegen, der überhaupt nichts Sanftes an sich hatte.
Fröstelnd schlug sie ihren Mantelkragen hoch und sehnte sich einmal mehr zurück, zurück zur der wärmenden Sonne, zurück an den Strand, zurück ans Meer, zurück zu ihm... .
Mit einem tiefen Seufzer trat sie hinaus, in das, was man so die normale, echte Welt nennt.
(evtl. mit Fortsetzung)
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Kommentare
Ejinorioa schrieb am 2007-01-10 20:22:44:
Cool.Du solltest unbedingt mehr schreiben.Du hast Talent(bist ja auch meine Schwester ;) )
emjl schrieb am 2006-12-17 17:41:34:
Toller Stimmungsaufbau!! Der Kontrast zwischen Traum und Wirklichkeit kommen toll zu Geltung! Ich würd mich
über eine Fortsetzung freun!!!
Franci schrieb am 2006-12-15 13:50:02:
cool. schreib doch bitte eine fortsetzung, du kannst voll gut schreiben!!!!
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