Der Wille, meine Freiheit X
von
Zahra Kritar
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Der Wille, meine Freiheit X
Die kunstvolle Kutsche holperte über den unregelmäßigen Pflastersteinen. Es schaukelte und wäre ich nicht so deprimiert gewesen, hätte ich bestimmt gelacht. Gezwungen hielt ich seine Hand. Das Korsett war nicht stark zugeschnürt und trotzdem konnte ich kaum atmen. Eins war klar, ich werde so etwas nie wider anziehen. Mit dem Daumen fuhr Vincent sacht über meinen Handrücken. Ich wagte es nicht ihn anzusehen und starrte auf die dunklen Straßen Londons. Trotzdem spürte ich, wie er mich beobachtete. „Lieclair?“ Widerwillig schaute ich auf. Er sah kurz aus dem kleinen Fenster, dann wanderte sein Blick zu mir. Vincent hatte den ganzen Tag nicht an Komplimenten gespart, wie schön ich doch aussah und ich hatte immer nur beschämt genickt. „Was ist, mein Herr?“ Ich sagte das ganze wohl eine Spur zu scharf, denn er wirkte für einen Moment erschrocken. Ich brachte es fertig entschuldigend zu lächeln und Vincent setzte sich eng neben mich. Er nahm mich in seine Arme, fuhr mit den Lippen durch mein offenes Haar und schien es zu genießen. „Du riechst berauschend.“ Ich wurde rot, eigentlich hatte ich mir vorgenommen diesen Abend wütend auf ihn zu sein, aber sein Kompliment war einfach…ehrlich gemeint. „Lieclair?“ Er flüsterte, damit der Kutscher uns nicht hörte. „Ja?“ antwortete ich genauso leise. „Heute Abend, wirst du unter all den anderen jungen Damen die Hübscheste sein.“ schmeichelte er mir. Seine Nase glitt an meinem Halsbeuge entlang. Es fiel mir plötzlich unheimlich schwer zu denken. Sanft küsste er mich und nahm mein Gesicht, wie ein Vogel in einem Käfig, zwischen seine kalten Hände. Mir blieb nichts anderes übrig, als ihn direkt anzusehen. Seine Honigfarbenen Augen suchten meine, und in ihnen lag so viel schmerz. „Ich liebe dich. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie schwer es mir heute Abend fallen wird, mit anderen Mädchen zu tanzen, wenn du in meiner Nähe bist.“ Seine Lippen berührten zärtlich meine und ein langer, leidenschaftlicher Kuss folgte darauf. Die Kutsche hielt an und Vincent half mir noch beim Aussteigen, dann war ich nur noch eine Sklavin, die ihren Herren zu gehorchen hatte.
Die Villa der Jordans war beeindruckend beträchtlich. Zwar war Vincent auch sehr reich und sein Anwesen war mit am größten, aber das war kein Vergleich. Ich musste mit gesenkten Kopf meinem Herr hintertrotten (nach Vorschrift) was ich natürlich nicht einhielt. All die neuen Eindrücke saugte ich förmlich nur so auf und das ging schlecht, wenn man die ganze Zeit den Boden anstarrte. Am Eingang wurden mein Herr von der Familie Jordans freundlich entfangen. Mister Jordan und seine Frau waren sehr vornehm gekleidet und ihre Tochter hatte vermutlich das neuste Kleid der jetzigen Mode an. „Mister Lorong, was für eine angenehme Überraschung. Wir hatten gar nicht mit ihnen gerechnet und Lilian war schon enttäuscht gewesen.“ Vincent lächelte geziert und küsste höflich die Hand der Madam und dann der Tochter. Eifersucht durchzuckte mich und Nase rümpfend betrachtete ich erstmal eingehend diese Lilian. Sie hatte blasse Haut und müsste mal dringlich ins Solarium. Ihr weiß-blondes Haar war kunstvoll nach oben gesteckt worden. Ihr langes, verziertes Kleid war Rosenrot und der tiefe Ausschnitt steigerte meine Eifersucht noch mehr. Ich sah wie sie errötete, als (mein) Vincent ihre Hand wider losließ. „Sie sehen heute Abend bezaubernd aus.“ pries er sie. Ich wurde so rot wie meine Haare vor Zorn. Er ging weiter und ich starrte auf den hellen Marmor. Ein riesiger Saal öffnete sich vor mir. Rechts an den Terrassenfenstern spielte eine Kapelle, doch niemand tanzte. Die Herrschaften waren alle in feinster Seide gekleidet, doch Keiner sah annährend so schön aus, wie mein Herr. Unerwartet blieb Vincent stehen, dass ich gegen ihn stieß. Benommen schaute ich mich um. Wir waren in ein leeres Zimmer. Noch eh ich fragen konnte was los war, stand er schon so dicht an mir, dass sich unsere Nasenspitzen berührten. „Ist alles in Ordnung Lieclair?“ ich nickte, unfähig zu sprechen. Vincent seufzte. „Nein, das ist es ganz und gar nicht.“ stellte er fest. „Ich hätte dich nicht mit hier her nehmen sollen.“ Ich lehnte meinen Kopf gegen das weiße Hemd und unterdrückte die Tränen. „Es ist…alles so anders.“ Behutsam strich er mir über den Kopf, „Ich bin doch bei dir.“ „Jah, natürlich.“ schluchzte ich. Mein Ton behauptete genau das Gegenteil. Er drückte mich noch einmal fest an sich und küsste mich, dann musste ich die schlimmste Zeit meines begrenzten Lebens bestehen. Anderen Leuten vorzuspielen, das ich eine Sklavin bin.
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Kommentare
Denise Rüegg schrieb am 2008-03-01 19:01:13:
Endlich geht's weiter!
Dieses Kapitel ist dir, wie alle andern auch, wieder ausgezeichnet gelungen!
Mach weiter so.
Lg Denise
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