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Kategorien > Liebe > Vampir

Der Wille, meine Freiheit XXI

von Zahra Kritar

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Der Wille, meine Freiheit XXI

Ich schloss die Augen. Es war so dunkel um mich herum. Die Nacht war erbarmungslos hereingebrochen und obwohl meine Augen ohne große Schwierigkeiten alles wahrnahmen, als sei es Tag, fürchtete ich mich. Es musste bald soweit sein. Die Sekunden verstrichen und ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Jeder Versuch mich selbst abzulenken, schlug fehl. Und dann hörte ich es. Wie unten im Ballsaal die Tür aufging. Gelächter dröhnte zu mir herauf. Alle Gäste waren dermaßen mit Alkohol abgefüllt worden, das es noch nicht einmal auffallen würde, wenn die Nacht von einem Todesschrei durchbrochen wird. Meine Hände waren kalt vor Schweiß, als ich hörte, wie er die Treppe herauf gepolterte kam. Wie er am Treppen ende stehen blieb und grölte, „Ne guten Nnnachte, meen Freun…hicks… de.“
Ich schauderte. Es wird alles gut gehen, Lieclair, alles. Alle lachten und ich fiepte vor Angst. Dann vernahm ich seine derben Schritte und sah, wie ein Lichtspalt von der Tür auf mich fiel. Torkelnd kam er herein. Ich rutschte ängstlich von ihm weg. Eduard hob erschrocken den Kopf, „Achso…meen Geschenk von“ Er hob den Finger und dachte nach, “ Vinceeent?“
Ich nickte. „Dis is aber schön.“ Er kam auf mich zu und seine Bewegungen wirkten so grob, sie hatten nichts Elegantes wie die Vincents. Seine Augen musterten mich begierig und mit einer Hand, versuchte er zittrig die Knöpfe seines Seidenhemdes zu öffnen. Ich klapperte mit den Zähnen, solch eine Angst hatte ich. Eduard verlor die Geduld und riss sein Hemd auf. Klirrend rollten die Silberknöpfe auf den Boden. „Vincent hat dich sogar een gepackt?“ Dis is aber nett von…hicks…ihm.“ Der Alkoholgeruch, der von ihm ausging, war benebelnd. Der König setzte sich neben mich und rieb sich versessen die Hände. „Denn wolln war dich mal auspacken. Ich .. hicks…hoff, Vincent hat dich noch nicht zu sehr eingeritten.“ Angewiderte fauchte ich ihn an und schnappte nach ihm, als er meinen Knebel löste. Doch dann hielt ich inne. Ich verzog das Gesicht. Sein Blut wollte ich bestimmt nicht trinken. Ich roch den Alkohol in ihm. Mit einem Brieföffner schlitzte Eduard meine Fesseln durch und plötzlich grabschte er nach meiner Brust. Die Berührung war mir so unangenehm, dass ich zurückschreckte. Er schubste mich nach hinten und ich spürte sein Gewicht auf meinem. Seine Hände glitten an meinem Schenkel hoch und ich schrie verstört auf.
„Vincent, “ flüsterte ich und drückte gleichzeitig, das Gesicht des Königs weg, der versuchte mich zu küssen, „Bitte tu mir das nicht an. Ich kann das nicht.“ Ich stieß Eduard mit aller Kraft weg, dass ich hörte wie seine Rippen knacksten. Flink griff ich nach dem Dolch und hielt ihn vor mich. Eduard sah erst mich, dann die Waffe an. Er lachte amüsiert. „Willst mich umbringen, Schlampe?“
„Nein! Sie ganz bestimmt nicht!“ erwiderte eine kühle Stimme. Die Königin nahm mir das Messer aus der Hand und ging mit einer gefährlichen Ruhe auf ihren Ehemann zu. Eduard wirkte erschrocken und kroch rückwärts von ihr weg, bis er gegen die Wand stieß.
„Ich hasse dich!“ zischte die Königin voller Abneigung. „Du bist das abartigste Wesen, das England jemals geboren hat und…“ Ein kaltes lächeln huschte über ihren wunderschönen Gesichtszügen, als sie ihn den Arm fast liebevoll aufschlitzte. Eduard brüllte schmerzvoll auf. In diesem Moment kam Vincent und zog mich entschieden mit sich. Wir verließen den Schlafsaal des Königs und ich hörte immer noch, wie er laut kreischte. Vincent hielt mir die Ohren zu und drängte mich sanft in die schützende Dunkelheit der Nacht. Er sah sich um und als niemand auf den Straßen Londons war, rannte er mit mir im Arm los. Die Häuser verschmolzen zu einer dunklen Masse, so schnell lief Vincent. Ich schluchzte ängstlich in sein weißes Hemd und musste mich übergeben. Ich kotzte ihn direkt an, doch Vincent lächelte mich nur führsorglich an und wischte mit einem Ärmel meinen Mund sauber.
„Wir sind gleich Zuhause, Lieclair. Dann ist alles vorbei.“ murmelte er. Ich nickte wie in Trance.

Nein, es war lange noch nicht vorbei. Vincent stand neben mir und starrte vollkommen ausdruckslos auf das Podest in der Menge. Seit dieser schrecklichen Nacht war einiges geschehen und ich konnte es immer noch nicht fassen. Entsetzt klammerte ich mich an seine weiße Hand, als er das bemerkte, lächelte er mich aufmunternd zu. Doch ich konnte nicht lächeln. Ich spürte nur pure Verzweiflung. Die Trompeten erschallten und die schwatzende Menschenmasse wurde plötzlich still und teilte sich. Eisenketten schlürften über den Boden. Hüpfend versuchte ich sie zu erblicken. Ein letztes Mal zu sehen. Vincent seufzte und packte mich mit einem festen Griff an der Taille und hob mich mit Leichtigkeit hoch. Und da erblickte ich sie. Immer noch wunderschön und anmutig, wie eine Königin sein sollte, schritt sie auf den Galgen zu. Sie wirkte nicht traurig, sondern unendlich erleichtert.
Stolz ging sie die drei stufen des Podestes hoch und blieb vor dem baumelnden Strick hängen. Sie schmunzelte in all die Gesichter, die sie jetzt anstarrten und fast unmerklich nickte sie mir zu. Ich unterdrückte es ihr zu zuwinken. Ein Mann rollte eine Pergamentrolle aus und begann die Anklage vorzulesen. „die Königin Johanna, aus dem vornehmen Elternhaus Plato stammt und Ehefrau des Königs Eduard dem VI ist, wird hiermit zum Tode verurteilt ihren Ehemann am Geburtstag dem 12. Oktober umgebracht zuhaben im Jahre 1553. Unser König starb jung, lebe er hoch!“ Die Menschen hätten jetzt schreien sollen, doch niemand sagte auch nur ein Wort oder sprach ein Gebet für ihn aus. Die meeresfarbenden Augen der Königin strahlten uns glücklich an. „Bevölkerung von England! Ich habe euch befreit und ihr solltet dankbar sein!“ Alle jubelten und ich grinste traurig. Und wie sie es getan hat! Königin Johanna sprach weiter und alles wurde regungslos. „Eduard war ein Schwein! Er führte unser geliebtes Land schlecht. Vernachlässigte die Kinder Englands und ich bete zu Gott, es möge ein besserer Herrscher kommen.“ Ich schluckte. Noch vor einem Tag war sie die Königin von England gewesen. Die erste weibliche Thronfolgerin, doch der Mord wurde aufgeklärt. Sie wurde verhaftete und heute war ihr Todestag im Tower of London. Jemand legte ihr den groben Strick um ihren zierlichen lilienweißen Hals. Meine Hände krallten sich in Vincents fest. Die Königin sah mich dankbar an, „mein geliebter Müllers junge, jetzt komme ich zu dir. Nach so langer Zeit.“ flüsterte sie. Dann ging die Klappe auf, das Seil spannte sich und was zurück blieb, war eine leere Hülle ihres Körpers. „Möge ihre Seele im Himmel frieden finden!“ schrie ich. Vincent nahm mich schnell herunter, das keiner sah, von wem dieser groteske Schrei kam, doch plötzlich schrieen die Menschen, „Für unsere Königin!!!“
Ich brüllte mit ihnen und Vincent lachte über meine Begeisterung.

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Kommentare

sabine schrieb am 2008-03-13 10:00:04:
ich warte auf die Fortsetzung :-)
Bitte schnell weiterschreiben. Ist wirklich toll die Geschichte!!
andrea schrieb am 2008-03-12 17:37:27:
gefällt mir. hoffe du bist weiterhin so schnell im schreiben und es geht noch weiter. lg andrea

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