Der Winter war stärker als das siebente Gebot
von
Winnineu
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gefüllt. Dann fragte mich eine Frau: „Wieviel Personen?“ Ich antwortete: „Fünf“. Jetzt hob sie den Deckel von einem anderen Topf, holte zwei Würstchen heraus und warf sie in meine Suppe. Ich sagte „Danke“ und wollte gehen, da rief sie mich zurück. Weil heute Heiligabend ist, eine Wurst extra. Ich strahlte und sie lächelte. Der Nachmittag kam und wir saßen nach längerer Zeit endlich in einer warmen Stube. Plötzlich fragte meine kleinste Schwester ganz unvermittelt, ob heute abend auch der Weihnachtsmann käme. Meine Mutter erklärte ihr, daß er dieses Jahr nicht kommen könne, weil ihn die Polen noch nicht aus Pommern heraus gelassen haben. Dann kommt er wohl überhaupt nicht mehr, fragte sie weiter. Doch doch, nächstes Jahr kommt er ganz bestimmt wieder, denn die Polen brauchen ihn dann nicht mehr, weil sie ihren eigenen Weihnachtsmann mitgebracht haben.
Es wurde Abend. Unsere Mutter ging zum Schrank und nahm dort etwas heraus. Zu uns gewandt sagte sie dann, daß einzige was ich euch heute zum Heiligabend schenken kann, ist eine Rolle Drops, die ich von zu Hause mitgenommen habe. Dabei öffnete sie ihre Hand und übergab sie uns. Ihre Stimme klang plötzlich anders als sonst. Nach einiger Zeit stimmte sie das Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ an. Sie hatte eine sehr schöne Stimme. Nur die Begleitung durch die Geige unseres Vaters fehlte an diesem Heiligabend. In dieser Nacht konnte ich ganz schlecht einschlafen. Als ich kurz davor war, da hörte ich ein ganz leises Weinen. Es kam aus dem Bett meiner Mutter. Warum sie weinte, wußte ich nicht.
An meine Enkelkinder.
Denkt daran, solche Geschichten passieren auch heute noch auf der Welt und sie sind ebenso wahr.
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