Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Alltag auf meiner Art > Gelegenheit

Der Würfel

von Tina

1 2

Vorwort:
Die Frau in der Geschichte bin ich selbst. Ich bastele gerne und viel mit kleinen Holzteilen. Ich hatte diesen kleinen Würfel vor ein paar Jahren in einem Spielzeugladen gekauft und ihn dann in einem Schmuckstück verarbeitet. Im nachhinein kam mir dann die Idee, diesen Würfel gleichzeitig neben dem Schmuckstück auch in einer Erlebnisgeschichte zu verewigen. :-)



An einem Morgen in einem Spielzeuggeschäft packten zwei Verkäuferinnen neue Ware aus. Sie nahmen Tüten mit großen und kleinen Halmafiguren, verschiedenen Würfeln und anderen Spielezutaten aus einem Karton heraus und füllten den Inhalt in große, gläserne Sortierkästen hinein.

Eine der Verkäuferinnen nahm eine Tüte mit 50 kleinen, naturfarbenen Augenwürfeln und schüttete sie in ein großes Plastikgefäß hinein. Im Laufe der nächsten Wochen wurden diese kleinen Würfel nacheinander verkauft, mal einzeln oder in Grüppchen zu drei bis vier Stück oder auch mal in einer Zehnergruppe. Meistens gingen diese Würfel zusammen mit anderem Zubehör über den Ladentisch. Als die Anzahl der Würfel sich auf 10 reduziert hatte, machte einer durch zwei gut sichtbare Fehler auf sich aufmerksam.

Jeder Mensch, der einen Augenwürfel schon mal in der Hand hatte, weiß, dass die gegenüberliegenden Augenseiten zusammen immer 7 ergeben müssen. Bei dem fehlerhaften Würfel allerdings lag die Augenzahl 5 mit der 3 gegenüber und die Gegenseite der 4 war leer. Nur die 1 und die 6 lagen richtig. Der kleine Würfel wurde sehr nervös, da er immer öfter herausgenommen und - nachdem die Fehler erkannt wurden - wieder in das Gefäß zurückgeworfen wurde.

Die anderen 9 Würfel, die noch bei ihm waren, machten sich über ihn lustig. "Hihihi! Gut, dass du aus Holz bist und nicht aus Zucker, sonst wärst du schon längst auseinandergefallen." -"Pah!", entgegnete der fehlerhafte Würfel und versuchte seine Nervosität zu überspielen, "vielleicht habe ich ja später mal die Chance, einen ruhigeren Job zu bekommen und muss nicht bei verschiedenen Brettspielen immer Purzelbäume schlagen, so wie ihr."

Am späten Nachmittag kam eine junge Frau in den Laden und stöberte in den einzelnen Sortierkästen. Sie drehte das Plastikgefäß mit den wenigen Würfeln, die noch darin waren, etwas herum und entdeckte den Würfel mit der leeren Seite. Genau den holte sie heraus und sah ihn sich genauer an. 'Bitte, nimm mich mit', flüsterte der Würfel der Frau zu und hoffte, dass sie es hören kann. Sie ging mit ihm zur Kasse. "Kann ich den ein bisschen billiger bekommen?", fragte sie die Verkäuferin. "Wieso?", entgegnete diese schnippisch. "Bei dem fehlen die Punkte an einer Seite. Den kann ich gut zum Basteln gebrauchen." - "Ach so. Na gut", sagte sie und grinste. Sie berechnete 10 cent weniger und der Würfel wanderte in die Hosentasche der jungen Frau.

Zu Hause angekommen holte sie den Würfel hervor und legte ihn auf einen hölzernen Werktisch. In unmittelbarer Nähe lagen noch andere Teile, nämlich ein schwarzer Damestein, eine rote Halmapuppe, drei messingfarbene Schraubösen und eine hölzerne Wäscheklammer. Die Frau nahm die Wäscheklammer und entfernte die Feder. Dann nahm sie eine Tube mit Holzleim und klebte die beiden losen Klammerteile mit der glatten Seite aneinander. Die drei Spielfiguren sahen ihr dabei zu.

"Ich bin gespannt, was sie mit uns machen wird", brummte der Damestein. "Mein Leben als Spielstein für Mühle oder Dame hat mir besser gefallen." - "Ach was?", lästerte die Halmapuppe. "Wann bist Du denn das letzte Mal zum Einsatz gekommen, häh? Denk' mal scharf nach!" - "Nun ja", antwortete er verlegen, "das muss schon eine Weile her sein. Aber damals hatten wir wenigstens ein bisschen Bewegung. Wenn wir genau so behandelt werden, wie dieses Holzteil, was die Frau in der Hand hält, dann müssen wir uns auf Jahr und Tag auf einem Fleck aufhalten. Allein diese Vorstellung finde ich scheußlich." - "Du hast doch in der letzten Zeit auch nichts anderes gemacht", entgegnete die Halmapuppe.

"Moment mal!", mischte sich der kleine Würfel ein. "Woher weißt du das denn?" - "Wir beide haben zusammen in einer Spielesammlung gelegen", antwortete sie, "und die lag eine sehr lange Zeit im dunkelen Keller. Jetzt sind wir wenigstens von Licht umgeben. Sag' mal, wo kommst Du eigentlich her?" - "Ich komme aus einem Spielzeugladen und ich bin sehr froh darüber, dass ich endlich von dort wegkonnte. Ich war mit mehreren Würfeln in einem Gefäß drin und die anderen haben mich schon ausgelacht, weil mich keiner haben wollte. Mir ist es völlig egal, was die große Frau mit mir macht. Wichtig ist für mich, dass ich einen gewissen Zweck erfülle."

"Weißt Du denn, warum dich keiner haben wollte?", fragte der Damestein besorgt. "Das sieht man doch", sagte die Halmapuppe vorlaut. "Er hat eine Seite ohne Punkte. Mit so einem Würfel kann man nicht richtig spielen." - "Wieso denn nicht?", wunderte sich der Damestein, "Soweit ich weiß, gibt es Stifte, mit denen man die Punkte hätte aufmalen können." - "Das mag sein", sagte der Würfel traurig, "aber die Menschen sind wählerisch. Wenn nicht alles perfekt an uns ist, werden wir aussortiert. So ist das nunmal." - "Nun lass' dich mal nicht hängen", tröstete ihn die rote Puppe, "dafür sind wir jetzt bei jemandem, der noch eine vernünftige Verwendung für uns hat. Dafür wirst du allerdings auf das Purzeln beim Würfeln verzichten müssen."

"Hör' bloß auf! Wenn ich daran zurückdenke, was ich im Spielzeugladen erlebt habe, wird mir ganz schwindelig. Purzeln ist nichts für mich. Da sitze ich lieber für den Rest meines Lebens auf einer Stelle." - "Haha, und wenn ich dich so ansehe, weiß ich auch, wo die große Frau das weiße Klebzeugs hinschmiert, wenn sie dich festsetzt", schmunzelte der Damestein. "Aber stell' dir das mal nicht so toll vor. Deine Klebeseite wird nämlich vorher noch mit Schleifpapier bearbeitet. Das hat sie bei mir auch gemacht. Das kann ganz schön warm werden." - "Schlimmer als das, was ich im Laden erlebt habe, kann es nicht mehr werden. Da mache ich mir keine Sorgen drum." - "Aber ich", sagte die Halmapuppe sorgenvoll. "Wo will sie denn bei mir den Leim auftragen, wo ich doch keine glatte Fläche, sondern nur Kurven habe? Selbst meine Standfläche ist gewölbt, da kriegt sie mich doch nirgendwo richtig festgeklebt."

Die junge Frau näherte sich. Sie nahm das geklebte Klammerteil und sägte links und rechts etwas überstehendes Holz ab. Mit einem Lineal maß sie den Würfel aus und zeichnete eine Kerbe an, die sie ausfeilte. Danach holte sie die Bohrmaschine und einen dünnen Bohrer heraus. Sie bohrte an den kurzen Seiten des Klammerteils je ein Loch hinein. Dann nahm sie sich die Halmapuppe und bohrte ihr ein Loch in den Kopf. Anschließend drehte sie eine Schrauböse ein.

"Hups, sie hat mir einen Aufhänger verpasst", bemerkte die Halmapuppe verwundert. "Wahrscheinlich brauche ich dann gar keinen Klebstoff." An der Öse der Halmapuppe hängte die Frau

1 2

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.