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Kategorien > Nachdenkliches > dasein

Der Zauberlehrling

von Bob Wilson

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Eines Tages rief der große Magus Ayvaschim, was soviel heisst wie "Die Gestalt des Windes", den besten seiner Lehrlinge in sein Zelt und sprach:

"Yin! Komm' näher und sitz' an meiner Seite, hier an dieser Feuerstelle. Heute sollst du ein letztes Mal meinen Worten lauschen, denn nachdem die Sonne dieses Tages ihren Weg vollendet hat, wirst du mich niemals wiedersehen. Wir werden tot füreinander sein, denn in der Welt von Morgen ist nicht genug Platz für uns zwei.

Dein Auge ist frohen Mutes, auch wenn ich darin eine Frage vorbeihuschen sah, die Frage "Schickt mich nun der Meister fort? Was tat ich, dass ich ihm missfalle?" Und doch, der Mut in deinem Blicke sagt, dass keine Antwort dich erschüttern, nichts das Ziel verändern kann, auf dass sich deine strahlenden Augen richten. So wisse denn, dass ich dich nicht verstosse, sondern entlasse in die Welt, da von allen Dingen die ich weiß nur noch eines bleibt, dass ich dich lehren kann.

Ich weihte dich ein in die Philosophie, die Sternenkunde und die Alchemie; in den Ritualen der Vorfahren kennst du dich bestens aus. Du hast deinen Geist bezwungen und schliesslich auch den Körper, und bist auf dem Weg des Wissens weiter vorangeschritten als alle anderen meiner Schüler. Du hast mit offenen Augen die Welten deiner Träume durchschritten und bist auf den Grund deiner Seele getaucht. Dort fandest du in der tiefsten Dunkelheit einen Edelstein, der nun das strahlendste Licht deines Herzens ist.

Du bist mir ähnlich, als ich jung war, darum sage ich dir, was ich weiß und gewiss wird keiner der anderen dies je aus meinem Munde erfahren. Alles hast du gelernt, was ich dir zu bieten habe, darum, als letzte deiner Lektionen, lösch' dieses Wissen jetzt aus. Es ist bedeutungslos."

Mit diesen Worten nahm der alte Zauberer eine Schale mit Wasser und goss sie mit einer leichten Handbewegung über der kleinen Feuerstelle aus, die sich in der Mitte des Zeltes befand. Nur von zwei kleinen Öllampen beleuchtet, waren der Meister und sein Schüler nun in eine düstere, aber friedliche Atmosphäre gehüllt.

"Gewiss...", fuhr der Alte fort, "du warst nicht mehr als ein Bauer als ich dich in meine Dienste nahm und nun bist du ein wahrer Mann, ein Zauberer. Die Welt biegt sich auf deinen Willen hin und die unglaublichsten Dinge sind deine leichtesten Übungen. Aber wisse und verstehe, dass auch dieser Weg, der dich bis jetzt noch hin zur Freiheit führte, in Wahrheit nur ein einziger ist: es ist mein Weg.

Ich wählte dich, mich zu begleiten - ich teilte mich mit dir und mich dir mit - doch ist es an der Zeit für Yin diesen Pfad zu verlassen und seinen eigenen zu beginnen.

Vergiss deine Freunde, sie sind meine Sklaven! Sie leben für das Wort aus meinem Mund und wenn sie sterben, halten sie es noch in den verblassenden Gedanken. Du aber geh' und finde, erfinde deine eigene Sprache. Jeder weitere Schritt neben mir wird auch für dich die Sklaverei bedeuten.

Sitze nicht in überfüllten Wirtshäusern und sprich nicht zu den einfachen Leuten, auf dass du sie mit deiner Kunst und deinem Wissen erfreuest. Verwese nicht in staubigen Bibliotheken und zähl' nicht auf, was du gelesen, als Zeugnis dass du in der Wahrheit wohlbewandert bist. Überlasse diese Narretei all den anderen Schülern; Zauberer wollten sie werden und Zauberer werde ich aus ihnen machen. Kunststücke werde ich sie lehren und wie sie diese Welt überwinden. Du aber bist wie ich, und deshalb musst du frei sein, du musst dich auch noch selbst überwinden.

Sei frei, wie die Gestalt des Windes, denn sie ist da und ist doch nicht da, der Wind hat einen Leib und doch niemals den gleichen. Niemand greift den Wind und doch: Der Wind greift dich und schleudert dich wohin er will. Du warst ein Zauberer und bist die Wege der Zauberei gegangen - mit Erfolg. Nun werde ein Gott und schaff' selbst den Weg, auf dem du gehst.

Du zögerst? Ja, ich sehe es in deinem Körper, der sich fragend noch in meine Richtung krümmt. Dir fehlt ein kleines Stück. Du hast dich beinah' selbst erkannt, aber musst du noch die anderen verstehen, auf dass du in ihrem Spiegelbild deine wahre Natur begreifen lernst, den Punkt, in dem du dich von ihnen unterscheidest.

Das Wesen, mein lieber Yin, dass wir Mensch nennen, ist immer gleich und alle Menschen leben in derselben Welt, einer Welt der Verwirrung, des schieren Chaos. Die Menschen ähneln sich in ihrer eigentlichen Form bis aufs Haar. Sie alle lachen und weinen, glauben und zweifeln, lieben und hassen. Das übersehen sie und richten ihre Aufmerksamkeit auf die kleinen Unterschiede, und weil sie sich in keiner Sache jemals völlig einigen können, fangen sie an zu denken, dass sie voneinander grundverschieden seien. Ihren Geschmack verwechseln sie mit ihrer Seele, ihre Phantasie oder Belesenheit mit ihrer Intelligenz. Sie sind unfähig sich selbst und die Welt zu verstehen, weil sie über einander und im Bezug auf das Leben die unterschiedlichsten Ansichten vertreten. "Wer hat Recht?" ist ihre Frage und insgeheim hoffen sie, dass die Wahl auf sie fallen wird. Diese Narren... Sie begreifen nicht, dass sie in ihren endlosen Diskussionen nur ihre Ideen gegeneinander aufwiegen, und keine dieser Phantasien hat je den Kern der wahren Welt berührt. In ihren Gedanken über die Natur der Welt übersehen sie jene einfache Wahrheit, die sich ihnen offenbaren würde, wenn sie statt die Welt zu denken, die Welt fühlen könnten: dass es eine Welt der Verwirrung ist, des schieren Chaos. Man kann sie nicht einfach beschreiben oder ihr durch nichtssagende Worte auch nur nahe kommen. Die Menschen aber glauben, dass sie irgendwann das Leben verstehen, eine Tabelle daraus machen und sich zurücklehnen werden. Und wenn sie es selbst nicht tun, warten sie einfach auf einen klügeren Kopf.

Du weisst es besser, Yin, denn ich lehrte dich die Magie der Alten. Lange schon kümmert es dich nicht mehr, ob du die Welt in deinen Gedanken ordnen kannst, solange sich die Welt nur nach deinen Gedanken richtet. Was nützt es, etwas zu verstehen, wenn man es nicht beherrschen kann? Es wäre nicht nur unnütz, sondern ist sogar unmöglich. Denn die Bauern fragen sich in ihren Hütten, was der Herr in seinem Hause macht, doch das weiß nur der Herr. Was du verstehen willst, darüber denkst du nicht mehr nach, nein, was du verstehen willst, das willst du sein und was du bist, das kennst du. Das ist der Weg der Zauberer und die Menschen täten gut daran, wenn sie alle mehr wie die Zauberer wären...doch wie ich schon sagte, ist auch dies letztendlich nur ein Weg in die Sklaverei.

Du wirst bald erkennen, Yin, wenn ich dich in die Welt entlassen habe, dass deine Kräfte dir jeden Weg eröffnen, den du dir vorstellen kannst. Doch wohin wirst du gehen? Zweifellos werden dir die Menschen wie Insekten vorkommen. Manche der anderen Zauberer wird es erfreuen dieses Geschmeiss zu zerquetschen, andere spielen sich zu Heiligen auf, um sich in der Freude der einfachen Leute zu baden. Schliesslich geben sie sich

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Kommentare

kurdinstylerin schrieb am 2010-01-26 21:46:23:
das ist aber voll doff jetzt ehrlich ey!!
Bob Wilson schrieb am 2007-04-15 23:33:02:
Zum Beispiel, wie GENAU man aus Kupfer Gold macht?
christine may schrieb am 2007-03-21 14:44:41:
doof weil nichts genaues steht
harrixxx schrieb am 2007-01-25 13:56:09:
Sehr poetische und nette geschichte

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