Der Zauberstein
von
Heide Deicke
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Der Zauberstein Eine Geschichte von Heide Deicke
Ein wunderschöner Tag , sonnig und auch gar nicht so kalt , obwohl es schon Dezember war . Rose - Luise war in ihrem Garten und plötzlich fühlte sie sich magisch von einem Stein angezogen . Sie hob ihn auf , betrachtete ihn von allen Seiten und beschloss ihn mit ins Haus zu nehmen . Dort wurde er vorsichtig gereinigt und als er sauber war , sah sie das er auf einer Seite ein Gebilde wie ein Auge hatte .
Er fasste sich wie ein Stein an , aber veränderete sein Aussehen und auch seine Farbe ständig . Auf seiner Oberfläche konnte man immer neue Bilder erkennen . Mal war es ein Mädchen , mal ein Mann und vieles Andere . Hielt sie ihn in der Hand , dann fühlte sie ein Klopfen aus dem Inneren des Steines . Er wurde gut behütet von Rose - Luise , denn sie wollte ja wissen wie der Stein sich weiter verändert .
Eines Morgens , direkt nach dem Aufstehen - stellte sie fest , dass er weiter gewachsen war . Das Auge , das zuvor geschlossen war und aussah wie ein geringelter Regenwurm , war nun ganz glatt und sie konnte eine winzige Öffnung erkennen . Wieder umschloss sie ihn vorsichtig mit ihren Händen und das Klopfen war nun noch stärker zu spüren . Ein wenig bang war ihr jetzt - hatte sie vielleicht ein Urzeittier zum Leben erweckt ?
Egal dachte Rose - Luise , ich habe ihn mit genommen und nun werde ich ihn nicht einfach wieder aussetzen . Es war ihr klar , dass sie etwas ganz Besonderes , Einmaliges in ihren Händen hielt und legte den Stein in ein gepolstertes Körbchen , direkt neben den warmen Ofen .
Als sie am Tag darauf nach ihm schaute , hatte er von innen her ein ganz leichtes rotes Leuchten und als sie ihn anfasste war er warm und das Klopfen war noch intensiver zu fühlen . Komisch , die leichte Angst die sie Tags zuvor verspürt hatte war weg und es wurde ihr warm ums Herz und am ganzen Körper spürte sie ein Kribbeln . Von dieser Welt bist du nicht ,sprach Rose - Luise zu ihm - woher kommst du , was bist du und was möchtest du mir mitteilen ? Ganz kurz pochte es von innen etwas stärker , aber dann war es wieder weg . Gut , ich habe Geduld , eine Tages werde ich wissen warum ich dich fand und mitnahm .
Wochen vergingen und nichts veränderte sich , doch eines Morgens konnte sie sehen , dass der Stein in einem noch intensiveren Rot strahlte und das Klopfen aus dem Inneren war noch stärker geworden . Ja und auch die Öffnung am " Auge " war größer geworden . Was passiert mit Dir , kannst du es mir nicht erzählen ? Doch das kann ich , kam es zurück - aber warte noch ein Weilchen - die Zeit ist noch nicht reif . Selbst das der Stein mit ihr sprach , brachte sie nicht aus der Fassung . Es war alles so anders , aber wunderschön und sie fühlte nur Frieden in sich . Ich werde warten , du weißt ich habe Geduld . Für einen Moment sah es so aus als lächle der Stein , ja er wusste sie hatte Geduld .
Dann war der Tag gekommen . Als Rose - Luise am Morgen nach ihrem Stein schaute , glühte er wie brennende Kohle und die Öffnung des " Auges " war nun so groß wie der Kopf eines kleinen Nagels . Sie setzte sich zu ihm und schaute still auf ihn hinunter . Rose - Luise , ich weiß das Du die ganze Zeit auf die Geburt von irgend etwas gewartet hast , doch es wird keine Geburt sein . Du bist ein ganz besonderer und gläubiger Mensch und deshalb darfst du etwas sehen , was zuvor noch keinem Menschen gestattet war . Die Seele des Menschen , den du in deinem Leben am meisten geliebt hast , wird gleich seinen Körper verlassen und diese Seele werde ich in mir aufnehmen .
Sie hatte so sehr um seine Erlösung gebeten und doch standen jetzt die Tränen in ihren schönen blauen Augen , das Herz zog sich zusammen und es war große Traurigkeit in ihr . Weine nicht , sprach der Stein - achte darauf was passiert . Wie lange sie den Stein angeschaut hatte konnte sie nicht mehr sagen - als ein helles , schwebendes Gebilde , ähnlich einer zarten Wolke , langsam in der Öffnung des Steines verschwand . Dann schloss sich die Öffnung sofort und auch das rote Glühen war weg . Sie nahm den Stein in die Hand und konnte immer noch das Pochen verspüren .
Rose - Luise , du hälst die Seele deiner großen Liebe und Seelenverwandtschaft in der Hand , nun tue was ich dir sage . Trage mich zum nächsten Fluss , dort lässt du mich ins Wasser und ich werde diese so geliebte Seele in eine Welt voller Frieden und Freiheit tragen .
Sie tat was der Stein ihr auftrug . In ihren beiden Händen , voller Liebe und ohne Traurigkeit , brachte sie ihn ganz langsam zum nächsten Fluss , denn ein wenig wollte sie das Gefühl der Verbundenheit noch spüren . Am Fluss angekommen ging sie in die Hocke , flüsterte ein " Lebewohl " und vergiss mich nicht . Nein - kam es aus dem Inneren des Steines - das werde ich niemals, denn ich liebte dich auf Erden und liebe dich bis in alle Ewigkeit . Schaue immer mit offenen Augen und du wirst mich sehen - mal als Vogel , mal als Baum oder auch als Stein , ich werde dich begleiten bis du in diese Welt voller Frieden und Freiheit gehst . Da ließ sie ihn mit einem Lächeln ins Wasser gleiten , schaute noch eine Weile darauf und drehte sich dann um und ging mit frohem Herzen nach Hause.
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Kommentare
polarstern55@hotmail.de schrieb am 2009-08-29 20:09:36:
Vielen Dank für Eure positiven Kommentare , ja ich werde weiterhin versuchen schöne Geschichten zu schreiben .
LG. Heide
dieterdeickemv@freenet.de schrieb am 2009-07-22 12:33:01:
Eine sehr schöne Art Abschied zu nehmen .
Deine Geschichte hat mir sehr gut getan u geholfen mit dem verlust meines über alles geliebten opa`s besser klar zukommen.
Danke und mach bitte weiter so.
MfG Dieter
Gimliy schrieb am 2008-12-15 09:04:48:
Hi, gute Geschichte. Eine interessante Art, mit dem Tod umzugehen. Nur weiter so schöne Geschichten schreiben, LG: Gimliy
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