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Kategorien > Avantgarde >

Der absolute Kick

von Beautiful Experience

Fast wie beim Sex, wenn alles eskaliert gegen Ende.


Immer noch hallt dieser Satz in mir nach, und gerade jetzt, angesichts all
dieser Möglichkeiten, die sich mir beim Schreiben auftun, angesichts all
dieser Dinge, die ich in meinen Tagträumen sehe, denke ich daran, was wohl
wäre, wenn es mir gelingen könnte, mein Dasein selbst umzuformen in ein
lebendiges Kunstwerk, völlig verwurzelt in den Grundmustern des Seins, der
Tatsache der menschlichen Existenz und der damit verbundenen Träume und
Möglichkeiten?
Wie erträgt man dieses intensivierte Leben, ohne sich selbst zuviel zu
werden?
Wie überwindet man das Dilemma der eigenen Feigheit angesichts scheinbar
bodenloser Unzulänglichkeit bei direkter Konfrontation mit "Leben pur"?
Leben pur verstanden als Existenzkampf bar jeder Maske
zivilisationsbedingter Schamhaftigkeit, sich eine geile Abscheu zugestehend
für Gewalt, für Aggression, für Provokation, Revolution und sogar für das
Böse - alle Lebenserscheinungen vollkommen akzeptierend und tolerierend.
Ohne Zensur.
Ohne Kastration.
Und damit auch ohne Zivilisation - Zivilisation entlarvend als bloße
Chimäre, als bloße Oberflächlichkeit, Täuschung und hartnäckige Illusion.
Ausschließlich funktionierend in ratio-bestimmten Gegebenheiten, künstlich
errichtet zum Zwecke bestmöglicher Funktionalität von Individuen in
fortschrittsgeprägten Sozialsystemen (wie z.B. Klein-, Groß-,
Industriestädten)...im Kleinen bereits auseinanderbrechend bei
hochschlagenden Emotionen (und sei es nur die Diskussion um die Wertigkeit
einer Geschichte), im Großen völlig umschlagend angesichts unerwarteter,
unbekannter, unberechenbarer Ereignisse - irrationaler Elemente (wie z.B.
Aggression; Ausnahmezustände wie Krieg, Naturkatastrophen), die die dünne
und zerbrechliche Haut sozialen Wohlverhaltens durchschlagen wie der
Schnabel eines Raubvogels den Schädelknochen einer Maus: Chaos, Panik,
überlebenszentrierte Gewalt offen zutage legend.

Zivilisation damit lediglich in gesicherten Verhältnissen.

Gesicherte Verhältnisse nicht existierend im ständigen Wandel natürlicher
Evolution.

Damit: dem Modell "zivilisierten Lebens" wäre jede Grundlage entzogen..


Der absolute Kick für mich liegt darin, diese Gedanken weiterzuspinnen und
schonungslos zu verfolgen bis an ihr Ende, den Verstand bis über diese
letzte Grenze analytischen Schwachsinns hinauszutreiben in einen Bereich,
der diesem Verstand buchstäblich den Boden unter den Füßen wegzieht - einen
Bereich, der jenseits all dessen liegt, was mental zu erfassen ist, wo die
Sprache an ihre Grenzen stößt und der Dschungel beginnt, der meine
eigentliche Heimat geworden ist: dort ist der Platz, wo ich meine
Geschichten schreiben will.

Kommentare

nicita82@hotmail.com schrieb:
Absolut faszinierend, deine Worte! Aber ehrlich, ich denke Schreiben ist leider nicht leben; es ist wie Wasser und Öl und lässt sich nicht vermischen, denn jedes geschriebene Wort entspricht nicht mehr der Gegenwart und ist somit tot. Wir Schreibende sind Totengräber, aber wohl immer noch näher am Leben als Menschen, die gar nichts tun... Gruss, Nicole W.
veronique_lustique@hotmail.com schrieb:
Ich möchte zu dem vorigen Komentar etwas erleutern: Mir ist auch schon einmal der Gedanke gekommen, dass jedes geschriebene Wort plötzlich seine ursprüngliche Kraft verliert. Nähmlich die Kraft, die es hatte, als es sich im Herzen ausbreitete, dem ganzen Gefühl seine bewusste Klarheit lieferte.
Aber tot?
Irgendwie kann ich damit nicht wirklich. Ich finde es wunderbar, wenn Menschen Worte formen und zu erstaunlichen Texten wachsen lassen können. Ich finde, dass geschriebene Worte LEBEN bedeuten. Sicher, wenn sie einfach geschrieben stehen und nicht gelesen werden, sind sie nicht lebendig. Lebendig werden sie erst durch den Leser.
Natürlich kenne ich das Gefühl, dass nur der Augenblick, der kurze Moment, wenn die Füllfeder das Wort schreib - zählt. Alles weitere scheint dann wie erlöst, losgelöst zu sein vom Leben.
Olga@freenet.de schrieb:
Die angebliche Kraft des Wortes findet ihre absolute Begrenzung im antagonistischen Nullraum der totalen Verblödung,der große Teile dieser ach so bildungsbürgerlich gesinnten Gesellschaft anheim gefallen sind.
Damit meine ich explizit auch Möchtegern-Intellektuelle und Pseudo-Literaten, die ihre geistige Grütze unschuldigen Lesern aufoktroyieren,um einem Genie-Kult zu huldigen,der aber weit abseits ihrer limitierten Möglichkeiten liegt!

veronique_lustique@hotmail.com schrieb:
Wennst meinst??????

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