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Der ehrenwerte Ritter Linßel
von
JB Hawk
Der Hauptdienst des alternden Ritters zu Telon bestand darin, das Land seines Königs zu bereisen und diesem Bericht über die gesellschaftlichen Aktivitäten seiner hoch stehenden Untertanen zu erstatten, besonders derer, die zu weit vom königlichen Hof entfernt waren, um dort regelmäßig in Person vorstellig zu werden.
So kam es, daß er eines Jahres im Frühling an seinen Herren schrieb:
[i]Der dritte Tag des Telemin,
im 43. Jahre der Herrschaft unseres geliebten
Monarchen Otan
Eure königliche Hoheit,
es gehört zu meinen frohen Pflichten, Euch von den heiteren Geselligkeiten zu berichten, die zwei Liebende miteinander in den Bund der Ehe führen. So darf ich es zu Eurer Kenntnis bringen, daß ein solch fröhliches Ereignis auf der uralten Burg Rabadon stattgefunden hat, wo der ehrenwerte Ritter Linßel eine der schönen Töchter aus dem Hause Barenn geehelicht hat. Das hübsche Kind zählt diesen Sommer vierzehn Jahr, im besten Gebäralter, worauf Herr Linßel, so vertraute er mir an, sehr viel Wert legte. Er ist der festen und frohen Überzeugung, noch vor Ablauf eines Jahres einen Erben für seine ehernwerte Burg vorzeigen zu können. Dieser Segen war ihm bei seinen bisherigen vier Frauen immer verwehrt geblieben und im Interesse des Reiches können wir nur hoffen, daß dieses Unglück nicht anhält. Mit ihm würde eine lange und ehrenwerte Reihe von treuen Kriegern ihr Ende finden.
In aller Hochachtung und mit größtem Respekt
und in treuer Liebe zu Eurer Majestät
Euer unwürdiger Ritter zu Telon[/i]
* * *
Sie lag zitternd unter der Bettdecke aus schwerem Fell, die kaum Wärme zu spenden schien, sondern eher erdrückend wirkte. Mutter hatte gesagt, es würde ein wenig wehtun, weil ein Häutchen erst zerrissen werden mußte, aber Tinara hatte eher das Gefühl, daß ihre Schmerzen von den harten Stößen herrührte, mit denen ihr neuer Gatte sie bestiegen hatte. Zuerst hatte er mit dem Finger hineingefaßt. Sein dreckiger Fingernagel hatte dabei eine schmerzhafte Schramme in ihrem Inneren hinterlassen. Er hatte gedrückt und gefühlt an etwas, daß das Häutchen gewesen sein mußte, von dem Mutter gesprochen hatte. Dann hatte er etwas gebrummt, daß sich wie "Gut" angehört hatte und dann hatte er sich ohne weitere Vorwarnung auf sie gelegt und in sie hineingestoßen.
Tinara hatte nur mit Mühe einen Schrei unterdrücken können. Danach war er laut schnarchend neben ihm eingeschlafen. Er war noch zweimal in dieser Nacht aufgewacht und jedesmal hatte er es wieder getan. Tinara hatte schweigend und schmerzend unter ihm gelegen und seinen viehischen Lauten gelauscht. Am Morgen war er aufgewacht und hatte sie im kalten Morgenlicht betrachtet. Tinara hoffte, ihr Ekel vor diesem Mann wäre nicht allzu offensichtlich. Aber was immer er gesehen hatte, als er sie betrachtete, er war wieder auf sie gestiegen und in ihren wunden Intimbereich eingedrungen.
Sie hatte wacker die Zähne zusammengebissen.
Sie war seine Frau. Es war sein gutes Recht.
Das hatte Mutter und Vater ihr immer und immer wieder eingebläut.
Dann war er aufgestanden und hatte den Nachttopf neben dem Bett benutzt.
"Komm heute Mittag in mein Studienzimmer", hatte er ihr befohlen und war dann gegangen, sich anzukleiden und seinen Tagesgeschäften nachzugehen.
Jetzt lag sie hier und fror, als wäre es tiefster Winter und niemand hätte ein Feuer entzündet.
Die Mägde kamen kurz darauf um sie anzukleiden. Sie hätte sie beinahe wieder rausgeschickt. Sie wollte jetzt alleine sein.
Müßiggang ist aller Laster Anfang, hörte sie die Stimme ihrer Mutter in ihrem Kopf. Sie mußte aufstehen. Sie war eine glückliche Braut am Morgen nach ihrer Hochzeit. Sie konnte nichts anderes tun.
Die Mägde wuschen sie mit warmem Wasser und ignorierten geflissentlich die blauen Flecken zwischen ihren Schenkeln. Dann zogen sie ein langes Leinengewand hervor, in das sie Tinara kleideten, und dann ein Überkleid aus dunkelblauer Wolle. Sie zitterte genug um für jede Schicht Kleidung dankbar zu sein. Es war eines der Gewänder, die ihr neuer Gatte ihr geschenkt hatte. Es war üblich, daß der Gatte seiner Frau zur Hochzeit eine neue Garderobe schenkte, die ihrem Stande angemessen wäre. Ritter Linßel kam aus einer langen Reihe mächtiger Männer und war selbst ein wichtiger Herr. Doch alles, was er seiner jungen Frau geschenkt hatte, waren ein paar schlichte Wollkleider in gedeckten Farben. Sie hatten zu der schlichten Feier gepaßt, die er ausgerichtet hatte. Oder vielleicht mußte man sie besser trostlos nennen. Tinaras Eltern waren da gewesen und ein paar ebenso schweigsame, wie mürrische Vasallen ihres neuen Mannes. Das Essen war einfach gewesen und an der Süßspeise war mit Zucker gespart worden. Vater hatte erklärt, daß ihr neuer Gatte ein reicher Mann sei, wenn man von dem Brautpreis, den er gezahlt hatte, ausgehen konnte. Aber Tinara sah keinen Reichtum. Die Lebensverhältnisse auf dieser öden Burg waren von weit größerer Ärmlichkeit als die auf dem Familiensitz der Barenns. Tinara hatte mehr Heimweh, als sie je erwartet hätte. Wenn sie sich sich selbst als Braut vorgestellt hatte, dann war immer ein strahlender Ritter an ihrer Seite gewesen, nicht viel älter als sie selbst. Groß und kräftig, in eleganten Kleidern und mit einem gütigen Lächeln auf den Lippen.
Stattdessen war ihr ein alter Mann entgegengetreten, bullig, mit reichlich grau im sauber gestutzten Bart und dem soldatischen Bürstenschnitt und einem Gesicht, absolut unbewegt von jeglicher Emotion.
Und so war auch diese Nacht gewesen. Sie hatte nichts mit dem aufgeregten Geschnatter der Mägde in ihrem zu Hause zu tun, die von leidenschaftlichem Geflüster und unbeschreiblichen Wonnen berichteten. Aber Mutter hatte sie bereits vor langer Zeit gewarnt, daß solcherlei niedere Freuden auch den niederen Menschen vorbehalten waren.
Trotzdem hatte sie heimlich immer davon geträumt.
Tinara seufzte. Ihre Mägde geleiteten sie in den Wohnraum der Herrschaften, in dem vor einem kleinen Feuer ein Tisch mit ihrem Frühstück wartete. Sie stocherte eine Weile darin herum, bevor sie den ersten Bissen nahm. Er war wie Asche in ihrem Mund.
Sah so das Eheleben aus?
* * *
Sie klopfte zaghaft an die schwere, eisenbeschlagene Eichentür. Ihrem Gemahl war das Mittagessen serviert worden, er nahm es, so informierte sie die Dienerschaft, immer in seinem Studienzimmer ein. Sie hatte ihm einen Moment Zeit gegeben, es zu vertilgen und war nun, wie geheißen, hier erschienen.
"Herein", befahl eine wirsche Stimme von der anderen Seite.
Tinara trat ein.
Ihr Gemahl saß in einem hohen Lehnstuhl am Kopf eines großen Tisches, auf dem sich allerlei Papierrollen stapelten. Er ließ seinen Federkiel behend über eine Rolle Papier gleiten und sah dann auf. Hinter ihm stand ein junger Mann, oder vielleicht eher ein Junge, der kaum älter als sie sein konnte. Er hatte die seltsame Kappe eines Schreibers auf, die nur die Ohren freiließ, und auch seine Kleidung und Haltung sprachen von stiller Gelehrsamkeit.
Tinara machte einen kleinen Knicks.
"Ach ja?", sagte er gedankenverloren, als hätte er ganz vergessen, daß er sie hier herbestellt hatte.
Er lehnte sich zurück. "Komm näher, Kind", forderte er.
Sie gehorchte.
"Was hältst du von meiner Neuerwerbung?" fragte er.
Tinara war verwirrt. Welche Neuerwerbung?
Der junge Schreiber antwortete. "Hübsch, Herr."
"Nicht so hübsch wie du."
Der Schreiber schwieg dazu.
Tinaras Verwirrung stieg. Sagten Männer so etwas zu einander? Sie sah kurz zu den beiden auf und schlug dann züchtig die Augen nieder.
Ihr Gatte erhob sich schwerfällig. "Dann komm mal her."
"Herr?" fragte Tinara.
Er machte eine ungeduldige Bewegung mit der Hand. "Komm, komm schon, ich habe nicht den ganzen Tag Zeit. Ich will meinen Erben."
Tinara blieb wie vom Donner gerührt stehen.
Er sah sie verärgert an. "Was ist?"
"Ich?" Er wollte es doch nicht etwa hier tun, vor diesem Fremden?
Er packte sie kurzerhand am Arm und zog sie zu sich. Beinahe hätte sie sich gesträubt, aber ihre Mutter hatte ihr beigebracht, eine gute Ehefrau zu sein. Sie ließ sich folgsam ziehen.
Wie ein Spielzeug hob er sie auf den Tisch und schob ihre Röcke hoch und tat dasselbe wie in der letzten Nacht. Kaltes Entsetzen füllte sie. Vor diesem anderen Mann! Über die Schulter ihre Gatten konnte sie sehen, wie der Schreiber sie beobachtet, mit einem seltsam verschlossenen Ausdruck auf dem Gesicht. Er sah ihr direkt in die Augen. Seine waren von einem strahlenden Blau, daß sie wie Eis anglitzerte. Tinara senkte beschämt die Augen. So? so sollte es nicht sein. Das wußte sie einfach.
Schließlich spürte sie die heiße Feuchtigkeit, die immer das Ende bedeutete, und wie der Stab ihres Gatten schlaff wurde in ihr. Er prustete ihr noch einen Moment ins Ohr, dann trat er vom Tisch zurück und zog sie herunter. Ihre Röcke fielen herab und bedeckten ihre Blöße.
"Geh jetzt und leg dich hin. Meine Saat soll reifen."
Auf zittrigen Knien stolperte sie zur Tür. Sie fummelte an dem Türknauf herum, aber ihre Finger schienen aus Holz zu sein. Wie sehr auch immer sie es versuchte, die Tür ging nicht auf.
Plötzlich tauchte eine Hand von der Seite auf und öffnete die Tür für sie. Tinara sah auf. Sie begegnete einem Paar blauer Augen. Und diesmal waren sie nicht eiskalt. Tinara erkannte den Ausdruck in diesen Augen. Es war Mitleid.
Sie flüchtete aus dem engen, stickigen Raum.
* * *
Die kühle Abendluft umfing sie sanft und reinigend. Die ersten Blumen des Frühlings gaben ihre einen süßen Duft. Die friedliche Atmosphäre stand in krassem Gegensatz zu der Trostlosigkeit in ihrem Inneren. Sie konnte sich nicht erinnern, je so unglücklich gewesen zu sein. Die Nacht war schlimm gewesen, aber diese Sache, die am Mittag? Sie schüttelte sich. Sie konnte nicht sagen, warum, aber es war so? Es hatte?
Aber ihr Gatte hatte ein Recht dazu! Das hatte ihre Mutter gesagt! Es war sein Recht! Er wollte einen Erben, wie alle Männer. Sie mußte ihm nur einen schenken, dann war alles gut. Dann war sicher alles wieder gut. Ganz, ganz bestimmt.
Sie rieb sich mit den Händen über die Oberarme.
"Kalt, was?"
Tinara schreckte auf. Der junge Schreiber stand nicht weit von ihr auf dem Weg und sah sie an.
"Etwas", antwortete sie und schlug kurz die Augen nieder.
Er zog ein kleines Bündel aus seinem weiten Umhang. "Die Kälte vergeht. Oder besser, sie frißt sich ein."
"Was?" fragte sie unsicher.
"Ach nichts. Er winkte ab, ließ sich neben ihren Füßen nieder und lehnte sich gegen die Bank, auf der sie saß. Er wickelte das Bündel aus. Eine kleine Pfeife kam zum Vorschein. Er stopfte sie mit einem seltsamen Kraut und zündete sie an. Ein fremdartiger Geruch breitete sich in der klaren Luft aus. Er nahm einen Zug und ließ seufzend den Kopf zurückfallen. Er lag jetzt neben ihr auf der Bank mit geschlossenen Augen. Tinara beobachtete seine entspannten Gesichtszüge. Ein gutaussehender junger Mann, dachte sie und schämte sich gleich darauf für ihre Unkeuschheit.
Er öffnete die Augen und hielt ihr die Pfeife vors Gesicht. "Auch mal?"
Tinara beäugte die Pfeife mißtrauisch. "Vater sagt, Frauen mit Pfeifen sind vulgär."
Der andere lachte. "Frauen vor Fremden auf Tischen zu nehmen ist sehr viel vulgärer als Frauen mit Pfeifen."
Tinara errötete.
"Nimm, es wird dir guttun." Er wedelte mit der Pfeife vor ihrem Gesicht herum.
"Nein", sagte sie. Sie konnte nichts von diesem Jungen annehmen.
Er zuckte mit den Schultern. "Dann nicht." Er nahm einen zweiten Zug. Dann griff er nach oben und zog sich die Schreiberkappe vom Kopf. Ein goldener Schopf glänzte plötzlich in der Abendsonne. Tinara fiel beinahe das Kinn herunter. Selten hatte sie einen so schönen Anblick gesehen.
Schnell sah sie fort. Es wäre nicht gut, ihn so anzusehen. Sie war eine verheiratete Frau. Sie durfte keine anderen Männer so ansehen.
"Und", begann er plötzlich, "war sie schön, deine Hochzeitsnacht?"
Tinara fühlte sich plötzlich ganz seltsam, schwindlig, als wäre alles um sie herum irgendwie schwächer. Das Blut wich ihr aus dem Gesicht.
Der Junge lachte bitter. "Ja, meine auch."
Tinara atmete tief ein. Allmählich wurde die Welt wieder so, wie sie sein sollte. Eine kleine Stille folgte.
Dann: "Du bist verheiratet?"
Der Junge schnaubte. "So kann man das nicht nennen."
"Ich?ich verstehe nicht."
Er seufzte. "Natürlich nicht. Du bist viel zu unschuldig." Er zog gedankenverloren an seiner Pfeife.
Sie schwieg. Das war wohl das Beste in solchen Situationen.
Sie saßen noch eine Weile so schweigend nebeneinander.
Schließlich warf er die Reste aus seiner Pfeife hinter einen der Büsche und erhob sich. Er zog die Kappe wieder über seine glänzenden Haare und strich die Falten aus seiner Robe.
"Ich muß jetzt wieder zurück", sagte er.
Sie nickte. Er ging.
* * *
Ihr Mann schien beschlossen zu haben, daß er sein Ziel, einen Erben zu zeugen, am besten erreichen könnte, wenn er es dreimal am Tag versuchte. Nachts, vor dem Schlafengehen, morgens, vor dem Aufstehen und mittags, im Studierzimmer. Es waren diese letzten Treffen, die sie am meisten verabscheute. Der junge Schreiber war immer da und beobachtete alles. Das machte die sachliche Art, die ihr Frischangetrauter an den Tag legte, irgendwie noch viel schwieriger zu ertragen.
Nachts, wenn alles dunkel war, konnte sie einfach die Augen schließen und so tun, als sei sie in Wirklichkeit gar nicht da, als sei sie an einem anderen Ort, einem schönen Ort, wo es keine Grobheiten gab.
Er ließ sie nur in Ruhe, wenn das Blut aus ihrem Leib floß. Er sah sie dann immer auf eine bittere Art an, als habe sie etwas Böses angestellt. Tinara wußte so gut wie er, was das bedeutete.
Noch immer kein Erbe.
Die Abende verbrachte sie immer auf der Bank im Garten, auf der sie schon an ihrem ersten Abend gesessen hatte. Fast immer kam auch der junge Schreiber, Eris mit Namen wie sie herausfand. Er würde sich dann zu ihr setzten, seine Pfeife anzünden, daran ziehen und sich die Kappe vom Kopf nehmen. Die ersten Abende verbrachten sie schweigend, doch bald begann Eris, ihr humorige Dinge zu erzählen, Vorkommnisse aus dem Leben des Gesindels auf dem Hof oder manchmal auch aus dem Dorf, in dem er aufgewachsen war. Er sprach mit einer großen Liebe davon.
"Warum bist du von dort fort?" fragte sie ihn eines Tages.
Er starrte in den Himmel hinauf. "Ich mußte", antwortete er schließlich.
"Warum?"
Er zog an seiner Pfeife und blies langsam den Qualm in die Luft. "Aus dem selben Grund wie du. Ich bin verkauft worden."
Danach fragte sie nie wieder nach seinem Dorf.
* * *
Der Sommer zog bereits in das Land ein, aber Tinara fröstelte, als sie eines Mittags vor der Tür des Studierzimmers stand. Mühsam nahm sie all ihren Mut zusammen und klopfte daran. Sie hörte von Innen keine Geräusche, aber die Tür war sehr dick, vielleicht hatte man sie schon hereingebeten und sie stand noch hier wie eine dumme Gans.
Sie öffnete die Tür einen Spalt und trat hinein. Und erstarrte.
Eris lag bäuchlings auf dem Tisch, die Hosen heruntergelassen bis zu den Knien. Er trug seine Kappe nicht und ihres Gatten Hand hatte sich tief in das goldene Haar gekrallt. Und unter verhaltenem Stöhnen stieß er in Eris hinein, genauso, wie er es bei ihr immer tat. Eris lehnte mit der Stirn auf der Tischplatte, sein Gesicht von Haß verzerrt.
Tinara blieb wie angewurzelt stehen. Mit einem Mann! Ihre Mutter hatte sie gewarnt, daß keinem Mann eine einzige Frau genug sei, aber ein Mann! Das konnte doch nicht sein!
Ihr Mann gab seinen letzten großen Seufzer, von dem Tinara wußte, er bedeutete das Ende der Stöße. Er lehnte sich einen Moment lang erschöpft auf Eris, genau, wie er es immer bei ihr tat. Dann stützte er sich hoch und sah sie mit offenem Mund an der Tür stehen.
"Oh. Du." Das war alles, was er sagte.
Eris rappelte sich hastig auf und zog seine Hosen wieder hoch. Er war tiefrot im Gesicht.
"Ich?ich gehe jetzt lieber", stotterte Tinara und tastete nach dem Türknauf hinter sich. Eris stopfte peinlich berührt seinen Blondschopf unter seine Kappe zurück
Ihr Gatte hatte sich eines seiner Papiere herangezogen. "Ja?", antwortete er zerstreut, "komm in einer halben Stunde wieder."
Tinara flüchtete.
* * *
An diesem Abend schritt sie unruhig vor der Bank auf und ab, auf der sie gewöhnlich auf Eris wartete. Warum tat er solche Dinge mit ihrem Mann? Das konnte er doch nicht, das durfte er nicht! Es war doch sicher eine Todsünde! Wenn er nun in die Hölle kam, wenn er tot war? Nervös knetete sie ihre Finger. Und warum kam er nicht? Er kam doch immer. Wollte er sie jetzt nicht mehr sehen, wo ihr Mann das getan hatte? Aber sie hatte es doch gar nicht gewollt! Er konnte ihr doch nicht die Schuld dafür geben, oder? Aber vielleicht war es ihre Schuld! Vielleicht hatte ihr Ehemann das getan weil es mir ihr nicht zufrieden war?
Mit einem verzweifelten Laut ließ sie sich auf die Bank fallen. Er würde nicht kommen. Heute nicht und auch nie mehr wieder. Sie hatte ihren einzigen Freund in dieser trostlosen Burg verloren. Tränen traten aus ihren Augen und liefen über ihre Wangen.
"Was, die sind doch wohl nicht etwa für mich?" fragte eine wohlvertraute Stimme bitter und amüsiert zugleicht.
Tinara stand auf. "Eris!" Ihre Trauer verschwand schlagartig und wurde von einer tiefen Freude ersetzt.
Eris lächelte traurig auf sie herab. "Du solltest nicht meinetwegen weinen. Nicht meinetwegen. Du bist viel zu schön für Tränen." Er trat nahe an sie heran, so nahe, daß sie die Wärme seines Körpers spüren konnte. Einen Moment lang hatte sie das überwältigende Bedürfnis, sich an ihn zu lehnen, aber sie hielt sich in letzter Sekunde zurück. Sie durfte das nicht tun. Sie war eine verheiratete Frau.
Beschämt sah sie zu Boden.
"Jetzt weißt du es also", sagte Eris mit rauher Stimme. Sie sah in sein Gesicht. Es war eine angespannte Grimasse irgendwo zwischen einem bitteren Lächeln und Verzweiflung.
Tinara spürte das Blut aus ihrem Gesicht weichen. "Heißt das? heißt das? das war nicht das erste Mal?"
Ein bitteres Lachen. "Das erste Mal? Nein, nein, ich bin schon sehr lange hier." Er sah auf den Boden. "Sehr lange", wiederholte er leise.
"Wie lange denn?" fragte sie ebenso leise.
Er sah sie an, die Verzweiflung nun deutlich in sein Gesicht geschrieben, aber auch eine Art zaghafte Hoffnung. "Sechs Jahre. Ich? ich war neun oder zehn, als ich herkam."
Tinara erzitterte. "Und er hat das? er hat das immer getan?"
Eris nickte.
"Oh", machte Tinara und bevor sie sich zurückhalten konnte, hatte sie ihre Hand auf seine Wange gelegt.
Er blinzelte verblüfft. Dann legte er seine Hand auf ihre und schmiegte seine Wange in ihre Handfläche.
Ein hauchiges Lachen. "Oh."
Plötzlich überkam sie Entsetzen ob ihrer eigenen Handlungsweise und sie zog ihre Hand fort und machte einen kleinen Schritt zurück. Dabei vergaß sie, daß die Bank hinter ihr stand und landete unsanft mit dem Hintern darauf.
Er setzte sich neben sie, nicht nah genug, um sie zu berühren, aber er kauerte seltsam seitlich auf der Bank, als wäre er jederzeit bereit, die kleine Distanz zwischen ihnen zu überbrücken und sie in seine Arme zu schließen.
Tinara fühlte ein eigenartiges kitzeln in ihrer Magengegend. Er war so nah! Ihr Herz flatterte in ihrer Brust wie ein kleiner, aufgeregter Vogel. Was war bloß an diesem jungen Mann?
"Du?", begann er, "bist mir also nicht böse?"
Sie sah erschrocken auf. "Böse? Warum sollte ich böse sein?"
Er wedelte mit der Hand. "Wegen? wegen deinem Mann und mir."
"Oh." Sie dachte einen Moment nach. "Nein. Ich? ich denke, es? es macht nur ihm Spaß?und? und wir?" Sie ließ den Satz in der Luft hängen. "Und mich wird er wenigstens in Ruhe lassen, wenn ich ihm einen Erben schenke."
Eris lachte unfroh. "Du wirst ihm keinen Erben schenken."
Sie sah ihn entsetzt an. "Warum nicht?"
"Er hatte schon vier gesunde junge Frauen und keine hat ihm ein Kind geschenkt. Ich denke, das kommt davon, daß er Jungs lieber mag. Und die Frauen sind jetzt alle tot." Er atmete tief ein. "Und wenn du nicht? er wird?" Eine kleine Pause. "Er wird dich auch töten." Nervös griff er unter seinen Mantel und zog das Bündel hervor, in dem sich seine Pfeife und die Kräuter befanden, die er immer rauchte.
Tinara war wie erstarrt. Er hatte seine Frauen?? Nein, nein! Das konnte niemand tun. Und?
"Nein", sagte sie schwach, "nein, Mutter? sie hätte mich niemals? wenn sie es gewußt hätte, sie hätte mich?"
"Wie viele Schwestern hast du?" fragte er.
"Ich? drei ältere Schwestern, wieso?"
Er zog an der Pfeife, die er gerade gestopft hatte. "Dann ist es ihnen vermutlich egal."
"Was? Nein!"
"Warum sollte es sie interessieren? Sie waren vermutlich froh, dich verheiratet zu kriegen." Der Rausch strömte ihm aus Mund und Nase, während er sprach. Er sah aus wie ein wütender Drache.
Tinara saß da und zitterte. Eris sah sie von der Seite an. Dann legte er vorsichtig den Arm um ihre Schulter. Sie lehnte schutzsuchend den Kopf an seine Schulter. Er er wandte ihr sein Gesicht zu und gab ihrem Haar einen gehauchten Kuß. Tinara war dankbar für seine Wärme.
* * *
Tinara rannte aufgewühlt vor dem Kamin hin und her. Das war nicht wahr! Das konnte nicht wahr sein! Sie hatten? sie hatten?
Es war fast ein Monat vergangen, seit sie den Brief an ihre Mutter geschrieben hatte, der ihr schilderte, was Eris ihr erzählt hatte. Sie hatte Eris natürlich nicht erwähnt, sie hatte einfach geschrieben, die Dienerschaft hätte es ihr berichtet, und es war ja auch wahr. Doch die Antwort ihrer Mutter, die sie jetzt in ihrer Hand zerknüllt hielt?
[i]Mein liebes Kind,
es ist ganz natürlich, daß Du einige Monate benötigst, um Dich an das Eheleben zu gewöhnen, und auch, daß Dein Gemahl Dir etwas unheimlich ist.
Ich muß Dich jedoch bitten, Dich nicht dem Geschwätz der Dienerschaft hinzugeben! Diese lächerlichen und absolut haltlosen Anschuldigungen sind Deinem Herrn Vater und mir bereits früher zugetragen worden, wir halten sie jedoch für unwahr! Sei versichert, würden wir Dich in Gefahr glauben, hätten wir Dich nie zu so einem Manne gesandt. Wir sind vollkommen davon überzeugt, daß Du eine hervorragende Partie gemacht hast, und uns und Deinem neuen Gatten Dank und Respekt erweisen solltest.
Mit liebenden Grüßen,
Deine Frau Mutter[/i]
Sie mußten ihr doch glauben! Er war gefährlich! Sie war sich sicher. Wie grob er zu ihr war! Und dem armen Eris!
Tinara blieb stehen und kaute nervös an ihren Fingernägeln. Sie würden sie hier lassen. Sie würden diesen furchtbaren Mann weiter auf sie springen lassen, bei jeder Gelegenheit, sie würden sie ihrem Schicksal überlassen, entweder einen Erben zu empfangen, was unmöglich zu sein schien, oder zu streben.
Es waren jetzt schon vier Monate. Vier Monate! Und heute hatte sie wieder ihre Blutung bekommen. Wenigstens würde er sie die folgenden Tage in Ruhe lassen. Sie würde nicht zu ihm kommen müssen, sie würde nicht in sein Studierzimmer gehen und Eris brennenden Blick ertragen müssen.
Mit einer zitternden Hand bedeckte sie ihre Augen.
Was nun?
Sie mußte den Brief loswerden. Wenn ihr Gatte ihn fand? er würde sicherlich furchtbar wütend werden. Sie warf den Brief in Richtung Feuer, aber ihre Nervosität machte ein genaues zielen unmöglich und das Papier landete vor dem Kamin. Sie trat es hastig auf die glühenden Scheite. Es fing Feuer und fiel innerhalb einer Minute in sich zusammen.
Fort.
Sie wünschte, es wäre schon an der Zeit, Eris im Garten zu treffen. Sie wollte ihn sehen. Sie wollte ihm von dem schrecklichen Brief berichten, wollte ihm erzählen, wie ihre Eltern sie auf Gedeih und Verderben diesem Ritter ausgeliefert hatten. Wollte ihren Kopf an seine Schultern lehnen, wie sie es so oft getan hatte im letzten Monat. Sie wollte seinen schützenden Arm um ihre Schultern fühlen und seinen sanften Atem auf ihrem Haar.
Oh, warum konnte sie nur nicht jetzt gleich zu ihm!
Frustriert warf sie sich aufs Bett.
Und wenn sie jetzt nicht zu ihm ging, dann würde er sich an Eris vergehen. Aber wenn sie zu ihm ging, würde er sie nur wegschicken, sobald er das Blut sah.
Also blieb ihr nichts weiter übrig, als auf den Abend zu warten, wenn Eris von der Arbeit entlassen werden würde. Eine Ewigkeit.
* * *
Schritt, Schritt, Schritt. Umdrehen.
Schritt, Schritt, Schritt. Umdrehen.
Schritt, Schritt, Schritt. Umdrehen.
Der Kies knirschte unter ihren Füßen. Der Abend wurde bereits kühler und die Sonne senkte sich langsam. Eris war spät dran. Wo war er nur? Ob? ob ihr Ehemann ihn wohl gerade in diesem Moment?? Oh, dieser Mann! Warum tat er ihnen das bloß an?
Sie steckte ihren Daumen in den Mund und knapste an ihrem Fingernagel. Heute Mittag, als sie im Studierzimmer ihre Gatten gewesen war, war Eris noch wohlauf gewesen. Er hatte Eris doch wohl nichts angetan?
"Ts ts. An den Fingernägeln kauen? Tut eine Dame das?"
Sie wirbelte herum. Eris stand auf dem Weg, in seiner schäbigen Robe, mit der albernen Kappe zerknüllt in seiner Hand, dem goldene Haar offen im Wind und dem schrägen Halblächeln, mit dem er sie immer bedachte, wenn er sie sah.
"Eris!"
Sie rannte ihm entgegen und fiel ihm in die Arme. Er zog sie eng an sich und vergrub sein Gesicht an ihrem Hals.
"Ah, Tinara?" Sie hörte deutlich die Verzweiflung in seiner Stimme. Sie schob ihn von sich und sah ihn besorgt an.
"Ist alles in Ordnung? Hat er? hat er wieder?? Warum hat es so lange gedauert heute?"
Er strich ihr leicht über die Haare. "Nein, nein. Es gab nur viel zu tun heute."
"Oh, warum tut dieser schreckliche Mann das nur immer! Es ist nicht einmal schön!" Frustriert packte sie Eris Hände.
Eris sah sie mit einem entsetzten Gesichtsausdruck an. "Das? nein! Es? es kann wunderschön sein!"
Überrascht sah Tinara zu Eris auf. Warum sagte er so was? Er litt doch mindestens ebenso unter dem Appetit ihres Mannes wie sie!
Er trat einen Schritt auf sie zu. "Tinara", sagte er flehentlich, "hattest du nie? wolltest du nicht??"
Dann schloß er die Augen und beugte sich zu ihr herunter. Seine Lippen streiften ihre. Ein Gefühl wie tausend kleine Schmetterlinge, die in ihrem Bauch den Flug aufnahmen, rauschte durch ihren Körper. Dann umschlossen seine Lippen ihre und er küßte sie. Seine Arme umschlossen ihren Körper und zogen sie näher und näher an sich. Aber plötzlich wußte sie, es war nicht nah genug. Sie legte ihre Arme um seine Schultern und seinen Hals. Sie war sich jedem Zentimeter ihres Körpers wunderbar bewußt, der tröstliche Festigkeit seines Körpers. Sie wollte ewig so stehen.
Plötzlich löste er sich von ihr. Empört sah sie zu ihm auf. Er sah mindestens ebenso besorgt auf sie herunter.
"Und?" fragte er mit heiserer Stimme.
"Warum hörst du auf?" verlangte sie vorwurfsvoll. Er lachte befreit. Dann zog er sie auf die Bank, weg vom Gartenweg, den jeder von der Burg aus sehen konnte, und küßte sie noch einmal. Und wieder. Immer weiter, bis sie glaubte, ihr Mund müsse wund sein.
Dann löste er sich ein zweites Mal von ihr. Diesmal lächelte er.
"Und? Ist das besser, als was dein Mann mit dir tut?"
Sie konnte das breite Grinsen auf ihrem Gesicht spüren. Sie wußte, es war falsch, aber es war so gut! Dann lehnte er näher heran, mit dem Mund nahe an ihrem Ohr und er flüsterte, als wäre es ein großes Geheimnis, daß er ihr anvertraute.
"Und es kann noch viel besser sein."
Sie spürte ein seltsames Ziehen unten in ihrem Bauch. "Noch besser?" fragte sie atemlos. Er ging vor ihr auf die Knie. Seine Hand glitt über ihren Oberschenkel. Er sah ihr tief in die Augen.
"Darf ich?", seine Stimme versagte beinahe, "darf ich es dir zeigen?"
Sie fühlte sich wie von einem Fieber befallen, aber ohne krank zu sein. Sie konnte nichts anderes tun, als schwach zu nicken. Er lächelte. "Lehn dich zurück." Der blonde Schopf verschwand unter ihren Röcken. Tinara wäre beinahe entsetzt aufgestanden. Was tat er da?
Sie fühlte, wie sein Gesicht zwischen ihre Schenkel fuhr. Seine Lippen preßten sich auf? auf? er küßte sie dort! Mit seinem Mund! Ihr Atem kam anders, schneller irgendwie. Dann fuhr seine Zunge dort entlang, kitzelte, neckte. Ein kleines Stöhnen entwich ihr. Ihre Hände machten fahrige Bewegungen. Sie war hin und hergerissen zwischen dem Bedürfnis, ihn fortzudrücken und ihn näher heranzuziehen. Dann umschlossen Lippen und Zunge sie dort unten und sie wußte, dies war gut.
* * *
Ihre gute Laune hielt Ewigkeiten an. Sie fühlte sich warm und fröhlich wie noch nie! Selbst das nächtliche Stoßen ihres Gatten an diesem Abend konnte die glühende Erinnerung an die wundervolle Zärtlichkeit des Abends nicht auslöschen. Sie lächelte versonnen in die Dunkelheit.
Oh, was würde sie nur geben, wenn nur Eris hier neben ihr läge?
Die Nacht verging in einem glücklichen Rausch.
* * *
Ritter Linßel zog den Gürtel mit einer entschlossenen Geste fest.
"Ich werde heute für ein paar Tage verreisen", sagte er.
Tinara horchte auf. Er sprach selten mit ihr und nur, wenn es notwendig war. "Weg?" fragte sie.
"Geschäfte erledigen. Nichts, was dich etwas anginge. Du hast Weisung, hier im Bett zu bleiben, ist das klar? Ich will nicht, daß du rumläufst. Es ist bestimmt dein ständiges Aufstehen und herumlaufen, daß meine Saat nicht reifen läßt. Du bleibst so lange hier, bis du mir einen Sohn schenkst." Er sah sie auf eine Art und Weise an, die sie überzeugte, dieser Mann könne sie jederzeit ermorden, ohne die geringsten Gewissensbisse.
Sie schlug die Augen nieder und nickte gehorsam. Das hieß, sie würde Eris heute nicht sehen. Und auch die nächsten Tage nicht und vielleicht nie wieder, wenn Eris recht hatte, was Linßels Frauen anging.
"Gut." Er zog die Stiefel an. "Wird Zeit, daß du dich lohnst. Sonst muß ich mir eine andere Mutter für meinen Erben suchen."
Tinara zitterte unter der warmen Decke. Es war bald soweit.
* * *
Sie saß im Bett zwischen den Resten ihres Abendessens und arbeitete an ihrer Stickerei. Sie hatte sich ein paar Kissen an die Rückenlehne gestellt, aber es war ziemlich unbequem, den ganzen Tag im Bett zu sitzen, wenn man lieber aufstehen und herumlaufen wollte. Sie war seit Ewigkeiten nicht mehr ausgeritten. Ihr neuer Mann erlaubte es nicht. Und jetzt saß sie auch noch hier, den ganzen Tag lang, stickend, essend, fett werdend. Sie würde eine fette alte Matrone werden, wie die Frauen, die sie immer so furchtbar alt und öde gefunden hatte.
Der Kamin stand leer und kalt. Der Sommer stand in voller Blüte und die Hitze machte jedes weitere Feuer zu einer heißen Qual. Aber Tinara vermißte das Schauspiel der rot-orangen Flamme um ihre Langeweile ein wenig zu zerstreuen. Sie würde am liebsten jetzt aus dem Bett springen und hinunter in den Garten laufen. Eris würde dort auf sie warten, da war sie sicher. Er würde sicher dort stehen und darauf warten, daß sie herunterkam und er würde sie wieder küssen, wie er es so oft getan hatte. Oh, sie liebte ihn! Wie in all den Liedern, die die Barden den Damen des Hofes immer vorsangen, von Helden, die ihre Prinzessinnen aus der Gewalt von Drachen befreiten.
Sie seufzte.
Aber sie war keine Prinzessin und er kein Held und ihr Ehemann war ihr Ehemann und kein Drache. Er hatte ein Recht auf sie und alles, was sie ihm geben konnte. Ihr eigener Wille zählte nicht.
Oder ihr Herz.
Es klopfte an der Tür. "Herein!" rief sie.
Zwei Mägde traten ein und begannen, die Essensreste fortzuräumen und Ordnung zu schaffen. Keine der beiden redete mit ihr. Sie seufzte. Sie hatte wirklich niemanden hier, außer Eris. Sie wäre für den kleinsten Schnipsel Burgtratsch dankbar gewesen, ein Schnipselchen Information über Eris vielleicht, aber selbst die Mägde hier waren zu niedergedrückt auf dieser trostlosen Burg, um zu klatschen.
Die Mägde stapelten das Geschirr in ihren Armen, knicksten und verließen den Raum, ohne sie auch nur einmal anzusehen.
Nach einer Weile beschloß Tinara, daß das Sticken ihre Augen inzwischen zusehr ermüdete, und sie besser daran täte, jetzt zu schlafen. Sie löschte alle Kerzen außer dem kleinen, in Öl schwimmenden Nachtlicht. Sie setzte sich vor den kleinen Spiegel, der auf dem Frisiertisch stand und begann, ihre Haare auszubürsten. Sie hatte ihre dunkelbraune Haartracht selten offen und noch seltener, seit sie sie unter der züchtigen Ehehaube verbarg. Sie mochte das Gefühl, wie die Bürste durch die seidige Pracht glitt, der leichte Zug an ihren Haaren, der ihre Kopfhaut kribbeln ließ. Sie mußte dabei an Eris denken. Seine sanften Berührungen, die feingliedrige Hand, die an ihre geheimsten Körperteile faßten und eine kaum vorstellbare Wonne erzeugten.
Sie seufzte sehnsüchtig. Sie würde ihn wohl nie wieder sehen.
Es zerriß ihr das Herz.
Ein sachtes Klopfen riß sie aus ihren Phantasien. Die Mägde wieder? Hatten sie etwas vergessen?
"Herein?"
Tinara beobachtete die Tür in ihrem Spiegel. Sie öffnete sich vorsichtig, nur einen Spalt, gerade breit genug, daß jemand hereinschlüpfen konnte. Sein Haar reflektierte das schwache Licht mit einem goldenen Blitzen und eine feine Hand schob sich auf die Klinke auf die andere Seite der Tür. Tinara sprang auf und wirbelte herum.
"Eris!"
Ein strahlendes Lächeln zeigte sich auf den vertrauten Zügen und Tinara flog vorwärts, in die ausgebreiteten Arme ihres Geliebten. Sein herb-süßer Duft hüllte sie ein wie eine warme Decke und er umschloß sie mit der Gewißheit, vertrauen zu können.
"Warum bist du nicht gekommen, heute Abend?" fragte er leise in ihr Ohr.
Sie schmiegte sich an seine Brust. "Er hat mir befohlen, hier zu bleiben, im Bett. Damit seine Saat aufgehen kann, sagte er." Sie fröstelte. Er umschlang sie noch enger und stupste sie mit der Nase am Ohr.
"Er ist fort, er kann uns nicht sehen." Eine kleine Pause folgte. "Wir haben dieses große Bett da ganz für uns allein?"
Tinara löste sich von ihm. "Oh, du kannst doch nicht meinen?? In meinem Ehebett? Er würde uns beide umbringen! Und die Schande?"
"Schande?" Das bittere Lachen war zurück. "Hat er uns denn nicht schon genug Schande angetan?" Ob ihres entsetzten Blickes senkte er den Kopf. "Er? er ist nicht da. Wir? wir könnten doch einfach so tun als? als gäbe es ihn gar nicht." Er sank vor ihr auf die Knie. Sein hochgewandtes Gesicht war voller Flehen. "Laß mich dein edler Ritter sein, nur heute Nacht, nur heute, bitte."
Sie sah ihn einen Moment lang an. Dann streckte sie ihm ihre rechte Hand entgegen.
Er nahm sie glücklich entgegen und küßte sie. "Herrin."
Ihre Knie wurden weich. "Ich? ich muß mir noch die Haare bürsten?" Sie deutete wage auf den Frisiertisch.
Er erhob sich rasch. "Laß mich das tun."
Sie setzte sich unsicher und reichte ihm die Bürste über ihre Schulter. Als sie klein war, hatte ihre Kinderfrau das getan und ein- oder zweimal auch ihre Mutter. Aber ein Mann?
Er setzte die Bürste an ihrem Haaransatz an und zog sie durch die gesamte Länge des Haares. Er folgte der Bürste mit seiner freien Hand. Wieder und wieder. Sie bewegte sich sanft mit seinen streichenden Bewegungen mit. Es war das schönste Gefühl, daß sie je gehabt hatte. Er bürstete ihre ganze Haarpracht und dann bürstete er sie nochmal. Schließlich legte er die Bürste mit einem leisen Klacken neben sie auf den Tisch. Langsam schob er das Haar an ihrem Ohr zur Seite und küßte sie auf den Hals. Tinara lehnte sich zurück. Eris stützte sein Knie neben ihrer Hüfte auf den Hocker und fuhr mit seiner Hand über ihren Rücken. Ihre Taille. Ihren Bauch. Seine Küsse wurden verlangender und Tinara sog scharf die Luft ein. Sie legte ihre Hand auf seine. Dann drehte sie sich und erwiderte seinen Kuß leidenschaftlich. Er zog sie hoch und preßte sie an sich. Sie spürte die Härte zwischen seinen Beinen, aber anders als bei ihrem Mann fand sie das weder unheimlich noch befremdlich. Sie wollte es.
Seine Hände schoben den Morgenmantel von ihren Schultern und dann seine eigene Robe über den Kopf. Sie wartete ungeduldig und fiel mit neuen Küssen über ihn her, kaum das sein Kopf sich wieder zeigte. Er erwiderte ihre Küsse. Seine Hände wanderten über ihren Körper, zogen ihr Nachthemd herauf, umfaßten die Rundungen ihres Hinterteils und streichelten sie mit sanftem Druck. Eine seiner Hände glitt zwischen ihre Schenkel und strich über die zarte Innenhaut ihrer Schenkel. Eine einzelne Fingerspitze fuhr in die Höhle zwischen ihren Beinen und verschwand wieder bevor sie auch nur scharf einatmen konnte. Dieselbe Hand fuhr weiter an ihrem Körper nach oben, umrundete ihre Brüste, strich ihre Schultern entlang und kam in ihrem Nacken zu liegen. Dann löste er sich wieder und sah sie fast feierlich an. Mit der Hand, die noch auf ihrem Po lag, schob er das Nachthemd nach oben und schob es über ihren Kopf. Ohne ein Wort hob sie die Arme und ließ es zu. Dann griff sie ihn bei seinem Gürtel und zog ihn zu sich, so daß die Härte zwischen seinen Beinen zwischen ihre preßte. Sie sah ihm in seine wundervollen saphirblauen Augen während ihre Finger den Gürtel öffneten und die Hose herunterschoben.
Sie standen nun voreinander, nackt wie am Tage ihrer Geburt.
Er schlang die Arme um sie, hob sie hoch und trug sie zu dem großen Bett, in dem normalerweise ihr Ehemann Anspruch auf ihren Körper erhob.
Aber nicht heute Nacht.
* * *
Sie fielen in dieser Nacht noch mehrmals übereinander her, mit einer Verzweiflung geboren aus dem Wissen, daß dies ihre letzte Nacht sein könnte. Als der Morgen kam lagen sie in einem verschwitzten Bündel aus Gliedern unter der leichten Sommerdecke und schliefen tief und zufrieden.
Tinara hörte das kurze Klopfen, mit dem die Mägde ihr Kommen ankündigten, nicht und auch Eris schreckte erst auf, als die Tür sich öffnete. Einen Moment lang fanden sich Eris, Tinara und die beiden Mägde Auge in Auge, alle vier zu Salzsäulen erstarrt.
Dann sprang Eris aus dem Bett als wäre es plötzlich aus glühenden Kohlen und suchte krampfhaft nach seiner Hose.
Die Mägde schlugen die Augen nieder und taten einen Knicks.
"Herrin", begann die eine, "wünscht Ihr etwas spezielles zum Frühstück?"
"Ich?", stotterte Tinara, "?ihr? ihr werdet doch meinem Mann nichts sagen? Oh, ich bitte euch?"
"Sagen?" unterbrach die andere sie. "Ich denke nicht, daß den Herrn interessieren würde, was Ihr zum Frühstück speist, hohe Frau."
Keine von beiden beachtete Eris, der gerade wild hüpfend seine Hose hochzog. "Danke", flüsterte er den Mägden zu, dann griff er nach seiner Robe und rannte aus dem Zimmer.
Tinara sah verwirrt von einer zur anderen. "Herrin", sagte die erste Magd sanft, "Euer Frühstück? Ihr müßt sicher hungrig sein." Sie schenkte ihr ein verschwörerisches Lächeln.
Und Tinara verstand.
"Ja? nein, nichts Besonderes. Nur das übliche, bitte."
* * *
Ihr Mann kehrte am nächsten Morgen von seiner Reise zurück und Tinara war froh, daß Eris in dieser Nacht nicht zu ihr gekommen war. Er stand plötzlich über ihr und schüttelte sie wach. Die Sonne stand bereits hoch am Himmel, aber sie hatte ja außer schlafen nichts zu tun.
Er hatte sich wieder in ihr Bett gelegt und was folgte war nicht im Entferntesten mit den Wonnen zu vergleichen, die Eris ihr geschenkt hatte. Sie blieb gehorsam liegen und er kam zur Mittagszeit und noch einmal am Abend.
Und Ritter Linßels Plan fruchtete.
Tinaras nächste Blutung blieb aus.
* * *
Tinara übergab sich geräuschvoll in den Nachttopf. Stöhnend setzte sie sich auf. Es war der dritte Monat. Der Herbst hatte eingesetzt und die Temperaturen waren merklich gefallen. Morgens hing Nebel über dem Boden im Garten und ließ ihn doppelt einladend aussehen. Doch ihr Mann hatte ihr nicht gestattet, das Zimmer zu verlassen. Es machte sie allmählich krank. Sie wollte hier heraus! Ihr Mann sah einmal am Tag nach ihr. Er schlief nur selten in ihrer Ehekammer und wenn, dann kam er spät und fiel erschöpft neben ihr ins Bett und Tinara hatte eine düstere Ahnung, woher der Geruch nach frischem Schweiß kam. Ihr Herz krampfte sich schmerzhaft zusammen, wenn sie daran dachte.
Es machte sie verrückt, daß sie Eris nicht sehen konnte! Sie wollte in den Garten, sie wollte seinen warmen Körper an ihrem spüren, sie wünschte sich nichts so sehr, wie ihm ihren Bauch zeigen zu dürfen, auch wenn es noch nichts zu sehen gab. Denn sie war sich sicher, wessen Kind sie da unter ihrem Herzen trug.
Sie schüttete etwas Wasser in die Waschschüssel, spülte ihren Mund aus und spuckte. Es vertrieb nicht den bitteren Geschmack, aber auch die Bürste half da nicht viel. Sie kaute ein paar der Minzblätter, die eine der Mägde ihr gebracht hatte. Die halfen wenigstens ein bißchen.
Wenn ihr Mann kam, dann würde sie ihn fragen, ob wie wenigstens heute fort durfte. Ein wenig frische Luft schnappen. Etwas durch den Garten laufen. Nur ein kleiner Spaziergang. Damit sie ihm einen kräftigen Sohn schenken konnte und keinen Weichling, der sich lieber in den Mauern verkroch.
Ja, das würde sie sagen. Das würde einen Nerv bei ihm treffen.
Nervös bürstete sie ihr Haar.
Ohne Ankündigung öffnete sich die Tür.
Tinara sprang auf und wirbelte herum. Sie wäre beinahe über den Stuhl gefallen und konnte sich noch im letzten Moment zurückhalten. Es würde ihren Mann nicht gnädig stimmen, wenn sie mit seinem Erben im Bauch fiel.
Die sturmgrauen Augen fanden sie am Frisiertisch und verdüsterten sich schlagartig.
"Habe ich nicht gesagt, du sollst im Bett bleiben?" fragte er bedrohlich.
"Herr, genau darüber wollte ich mit Euch reden?"
"Das steht nicht zur Verhandlung." Er wandte sich barsch ab.
"Es ist nur, ich dachte, vielleicht?"
"Denken gehört nicht zu deinen Aufgaben."
Sie atmete tief durch und nahm ihren ganzen Mut zusammen und sprach schnell, damit er sie nicht unterbrechen konnte. "Meine Mutter sagte immer, ich solle während meiner Schwangerschaften viel an die frische Luft gehen, damit aus meinem Kind kein weichlicher Stubenhocker werden würde."
Eine Pause folgte. Eine unendlich lange Pause.
Dann: "Sagte sie das?"
"Ja", log sie.
Noch eine Pause. "Vielleicht solltest du deine abendlichen Spaziergänge wieder aufnehmen." Er wandte sich ihr wieder zu. "Aber du wirst dich nicht übernehmen. Es gnade dir Gott, wenn du meinen Erben verlierst!"
* * *
Nervös wartete sie auf ihrer Bank. Es war bald Zeit für ihn. Gleich würde er kommen. Und tatsächlich vergingen nur wenige Minuten, bis der Kies knirschte und das Kommen eines anderen ankündigte.
Eris bog um die Ecke, blasser als sonst, mit tiefen Schatten unter den Augen. Tinara flog auf ihn zu und er schloß sie fest in die Arme.
"Tinara?", flüsterte er.
"Eris", flüsterte sie zurück.
Er löste sich von ihr und nahm eine Armeslänge Abstand. "Ist es wahr? Du trägst ein Kind unter deinem Herzen?"
Sie nickte fröhlich. "Dein Kind", flüsterte sie.
Der Geist eines Lächelns kam über sein Gesicht. "Mein Kind." Dann zog Sorge in seinen Zügen auf. "Wenn er es herausfindet?"
"Oh, aber das wird er nicht, die Mägde haben gesagt, sie sagen nichts!"
Er nahm sie in den Arm.
"Nein, sie sagen nichts", flüsterte er in ihr Ohr.
Sie stutzte. "Eris", sie schob die Robe etwas zurück, um seinen Halsansatz freizulegen. Dort war ein seltsamer Kreis aus blutunterlaufenen Punkten. "Was ist das?" fragte sie entsetzt.
Er versuchte vergeblich, die Wunde wieder zu verdecken. "Nichts, es ist nichts."
Sie fuhr mit den Fingern darüber. Er wandte sich ab.
"Laß. Es ist nichts."
"Er war es, nicht wahr? Er hat? das sieht aus wie eine Bißwunde! Er hat dich gebissen!"
Er drückte ihre Hände fort. "Mach dir darum keine Gedanken." Er trat wieder näher an sie heran. "Keine Gedanken."
Er küßte sie, als wäre er ein Ertrinkender und sie die Luft, die er zum Atmen brauchte.
* * *
Lautes Schnarchen kam von dem Mann neben ihm und hinderte ihn daran, einzuschlafen. Oder vielleicht waren es auch die tausend kleinen Wunden von Zähnen und Fingernägeln, die der rauhe Mann in seine Haut geritzt hatte. Aber wahrscheinlich waren es die tausend düsteren Gedanken, die ihm im Kopf herumkreisten.
Ein Kind.
Jetzt war es nicht nur Tinara, um die er sich Sorgen machen mußte. Jetzt waren es beide.
Eine Frau und ein Kind. Seine Frau und sein Kind.
Er konnte sich gerade noch davon abhalten, sich schlaflos herumzuwälzen. Es war nicht gut, ihn zu wecken. Wer wußte schon, wie er reagieren würde. Er hatte sich immer Mühe gegeben, sich nicht zu bewegen, wenn er in seinem Bett lag. Er hatte ihm als einzigem vom Personal ein breites Bett gegeben, schon damals, als er noch ein Kind gewesen war. Zuerst hatte er über diesen unglaublichen Luxus gestaunt, den sein neuer Herr ihm angedeihen ließ. Aber in der gleichen Nacht noch hatte er herausgefunden, warum ihm solcher Luxus gewährt wurde. Er hatte die ganze Nacht stocksteif vor Angst neben diesem Berg von einem Mann gelegen, der noch kurz zuvor in ihm gewesen war. Er hatte sich so dreckig gefühlt. Und er hatte sich seit dem fast jede Nacht dreckig gefühlt. Selbst die ein- oder zweimal, die er mit Frauen gelegen hatte, hatte er sich dreckig gefühlt.
Bis ihm Tinara begegnet war.
Mit ihr hatte er sich nie dreckig gefühlt. Ihre Nacht war sauber gewesen und rein. Und wundervoll und göttlich.
Und jetzt bekam er ein Kind. Ein kleines Wesen, das er auf dem Arm halten und beschützen könnte. Ein kleines Bröckchen Leben, dem nie etwas Böses auf der Welt geschehen würde, weil er da wäre, um es zu hüten.
Ihm würde nichts passieren.
Er würde das nicht zulassen.
Was würde geschehen, wenn das Kind geboren war? Würde er es sofort erkennen, an den ungewöhnlichen blauen Augen, die er hatte?
Er würde es umbringen. Und Tinara dazu. Und auch ihn selbst. Aber sei Leben wäre ohne seine Familie auch nichts wert.
Seine Familie.
Er mußte sie beschützen. Warum warten? Er sollte am besten heute Nacht damit anfangen.
Vorsichtig setzte er sich auf. Leise nahm er das Kissen, auf dem sein Kopf gelegen hatte.
Und dann beschützte er seine Familie.
* * *
[i]Der zwanzigste Tag des Telemin,
im 45. Jahre der Herrschaft unseres geliebten
Monarchen Otan
Geliebter Herrscher,
schon oft auf meinen Reisen mußte ich erleben, daß die schönsten und die furchtbarsten Dinge im Leben eines Mannes nahe beieinander liegen. Vor zwei Jahren, als ich zuletzt in dieser Gegend weilte, berichtete ich Eurer Majestät von der Hochzeit des ehrenwerten Ritters Linßel mit einer Tochter aus dem Hause Barenn. Bei meinem Besuch auf der Burg Rabadon mußte ich feststellen, daß der ehrenwerte Ritter Linßel verstorben ist. Wie das Personal berichtete, starb er friedlich nach erschöpfenden Aktivitäten im Bett.
Doch das Frohlocken ist oft nicht weit von der Trauer entfernt! Denn so ist aus jenen Aktivitäten der langersehnte Erbe hervorgegangen, dessen Geburt der arme Ritter Linßel nun nicht mehr erleben durfte. Ein prächtiger Junge! Ein knappes Jahr zählt er jetzt und ist schon flink auf den Beinen, mit einem angenehmen, lebendigen Wesen. Seine Haare sind von einem außergewöhnlichen, goldenen Farbton, der wohl aus der Linie der Mutter stammen muß.
Doch an diesen Einzelheiten sind Eure Majestät wohl kaum sehr interessiert. Deshalb laßt mich noch ein Wort zu der Verwaltung Rabadons sagen. Die junge Witwe hat die Verwaltung an Sohnes statt übernommen und scheint mehr als glänzend diese Aufgaben zu bewältigen. Die Ernte ist gut ausgefallen und die Landbevölkerung sah satt und zufrieden aus. Ich empfehle, das Arrangement so zu belassen, wie es ist.
Wie mühselig wäre alles andere?
In aller Hochachtung und mit größtem Respekt
und in treuer Liebe zu Eurer Majestät
Euer unwürdiger Ritter zu Telon[/i]
Kommentare
JBHawk@gmx.de schrieb:
Verdammt! Kann mir mal jemand sagen, wie man hier Kursivschrift hinkriegt?
daratheis@web.de schrieb:
geht leider nicht, da sind schon viele dran verzweifelt :(
Judith Voce schrieb:
Hallo Hawk,
Du liebst wohl Ritter als Charaktere, wie? Ich habe Deine Geschichte heute morgen bereits mit Wohlgefallen gelesen, finde aber erst jetzt die Zeit zum Kommentieren. Sie gefällt mir ebensogut wie Deine andere; Du hast, wie ich Dir schon sagte, einen flüssigen, lebendigen Stil; und daß es diesmal für die arme Frau ein freundliches Ende nimmt, finde ich irgendwie ... richtig. Ein paar Ktitikpunkte habe ich trotzdem.
- Deine bösen Charaktere. Diesmal der Ritter, an anderer Stelle der Lehensherr oder König. Sie werden immer nur als grausam, selbstsüchtig, roh und gefühllos dargestellt. Was sie sicher auch sind. Es gäbe aber auch bösen Charakteren und damit der ganzen Geschichte mehr Tiefe, wenn sie auch ein paar menschliche Eigenschaften hätten oder wenn angedeutet würde, wie und warum sie so geworden sind. Keine langen, pathetischen Lebensgeschichten; ein paar Sätze genügen oft.
- Daß der Ritter so schamlos ist, seine Frau im Beisein seines Schreibers zu nehmen, finde ich irgendwie zu vulgär. Auch wenn er absonderliche Gelüste haben mag, so hat er als Adliger trotz alledem auf seinen Ruf zu achten und so wenigstens nach außen hin den Schein des Anstands zu wahren. Was er hinter verschlossener Tür mit seinem Schreiber, oder im Ehebett mit seiner Frau anstellt, das steht auf einem anderen Papier.
- Die Dienerinnen treten wortlos in das Gemach der Frau, weil sie in gedrückter Stimmung sind und nicht wagen zu klatschen ... gedrückte Stimmung hin oder her, ein solches Verhalten gegenüber der Herrin ist ein Zeichen fehlenden Respekts und nicht weniger als eine Beleidigung. Wenigstens ein leises "guten Morgen, Herrin" oder so sollte drin sein, auch wenn die Mägde nicht redselig sind.
- Die Sexszenen mit dem schönen Jüngling kritisiere ich besser nicht, da ich in solchen Sachen vorbelastet bin ... ich mag detailliert ausgeführte Sexszenen nicht und habe noch nie eine gelesen, die mir gefallen hätte. Das mag aber auch mein persönlicher Geschmack sein.
Gefallen hat mir noch, daß Du die Ereignisse in zwei förmlichen Briefen an den König eingerahmt hast, um die Schicksale, die dahinter stehen, dann mit der lebendigen Geschichte zu füllen. Ich lese Deine Geschichten immer wieder gerne.
Grüße, Judith
JBHawk@gmx.de schrieb:
Hallo Judith,
vielen Dank für Deine ausführliche Kritik. Und, ja, ich mag Ritter tatsächlich!
Ich schätze, daß die Mägde nicht viel sagen, liegt einfach daran, daß ich sie mehr als Inventar betrachtet habe, zumindest in der ersten Szene. Das würde einer edlen Frau sicher auch so gegangen sein und die Erzählerin ist ja die meiste Zeit Tinara selbst, die es gewohnt ist, bedient zu werden.
Zu den bösen Charakteren: Ja, sie sind eindimensional. Das ist vermutlich so, weil ich nicht finde, daß es irgendeine Entschuldigung dafür gibt, jemand anderem böses zu tun. Ich kann durchaus verstehen, warum manche Menschen bestimmte Taten begehen, aber das ist in meinen Augen alles keine Entschuldigung. Das Großzügigste, was ich in diesem Zusammenhang wohl je geschrieben habe, ist die Geschichte von Kirian.
Und ja, dieser Mensch hier, Linßel, ist verdammt vulgär. Aber es sind ja auch beide seine Bettgefährten, nur weiß Tinara das zu beginn nicht. Für ihn gibt es vor keinem die Notwendigkeit, irgendetwas zu verbergen. Sie kennen ihn ja beide im Bett. Er ist die Spitze der Rationalität, er setzt seine Ziele ohne Rücksicht auf Verluste durch.
Und das Mittelalter war bei weitem nicht so keusch, wie wir uns das heute vorstellen. Die haben's schon doll getrieben, damals. Natürlich schreibe ich nicht im tatsächlichen Mittelalter, aber meine Welt ist schon stark dort angelehnt.
Danke und bis demnächst,
JBHawk
Jana Schmidt schrieb:
hallo Hawk,
die geschichte hat mir verdammt gut gefallen. ich mag Historische Geschichten und diese besonders. Mir fällt jetzt nichts ein, was ich kritisieren könnte. ich denke Judith hat das schon ganz gut gemacht. Und ich stimme mit ihr in den Punkten über die Mägde und der wenigen menschlichkeit des Ritters überein. Allerdings muss ich dir damit Recht geben dass das Mittelalter ganz und gar nicht "anständig" war!
Viele Grüße
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