Der eiskalte Tod
von
WhizzKid
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Kapitel 1: Letzte Worte
Claire
Oh nein. Nicht nur, dass die Schule heute zum Sterben langweilig gewesen war, nein, jetzt musste ich auf dem Nachhauseweg auch noch den Bus verpassen. Das war mal wieder typisch für mich. Ich seufzte. Der nächste würde erst in einer halben Stunde kommen, also ließ ich mich resigniert auf einer Bank nieder.
Ich dachte über den Schultag nach. Aber da meine schweifenden Gedanken natürlich nicht lange beim sich dahin ziehenden Unterricht verweilten, begann ich, über meine Mitschüler nachzudenken. Nun ja, ich dachte nicht über alle meine Mitschüler nach, genau genommen dachte ich über den Mitschüler nach. Jack.
Jack, dachte ich. Der leise, schöne, geheimnisvolle Jack. Jack war einer der Menschen die unglaublich auffällig unauffällig waren. Er fiel ohnehin schon so sehr auf, dass er sich eigentlich keine Mühe machen müsste, sich zu verstecken hinter einer "normalen" Fassade.
Er war heute ungewöhnlich schweigsam gewesen, sogar für seine Verhältnisse, und das sollte etwas heißen, denn er redete wirklich nicht viel. In der Englischstunde hatte ich sogar das Gefühl, dass er sich gar nicht bewegt hatte, um ehrlich zu sein hatte ich dieses Gefühl öfter, aber heute war er besonders... starr gewesen. Die ganze Zeit saß er nur da und starrte Richtung Tafel. Irgendwann wurde ich müde, ihn zu beobachten und nahm erst wieder Notiz von ihm, als mir auffiel, dass er bereits die Hand auf der Türklinke hatte, als es klingelte. Niemandem sonst schien etwas aufgefallen zu sein und ich wertete es als eine Einbildung von mir, obwohl ich an so etwas normalerweise gar nicht glaubte.
Auch in der Pause war irgendetwas... anders gewesen. Sonst war Jack gut darin, mich zu ignorieren, wie alle anderen Leute auch, denn er bemerkte kaum je irgendjemanden, aber als er heute zufälligerweise an meinem Tisch in der Mensa vorbeikam, taxierte er mich mit einem Blick, der nichts anderes als Schmerz ausdrückte. Einen Moment bohrten sich seine heute sehr dunklen Augen in meine, kurz sah er aus, als ob er es nicht mehr aushielte, als ob er mir etwas sagen wollte, dann war er auch schon wieder vorbeigelaufen. Ich blieb bei diesem Gedanken hängen. Warum hatte er mich nur so angesehen? Was war es, das er kaum vor mir verbergen konnte? Und warum war er trotzdem dazu gezwungen, es zu tun? Fragen über Fragen.
"Claire?" Eine Stimme riss mich aus meinen Gedanken. Eine Stimme, die meinen Namen nannte. Eine weiche, wunderschöne, männliche Stimme, die mein Herz einen Schlag aussetzen ließ. War ich jetzt etwa schon so tief in meinen Tagträumen versunken, dass ich mir einbildete, Jacks Stimme zu hören und dass sie noch dazu mit mir sprach? Das konnte doch gar nicht sein!
Doch ich schaute auf und erinnerte mich daran, dass ich immer noch auf einer Bank an der Bushaltestelle saß. Aber der Anblick, der sich mir bot, ließ mich vermuten, ich sei wieder in einen Traum abgedriftet, der meine Sinne betörte und mich nicht mehr klar denken ließ.
Denn dort vor mir stand Jack. Jedenfalls glaubte ich das, während ich immer noch dachte, dies könne nicht die Realität sein. Seine schwarzen Haare bildeten heute einen besonders starken Kontrast zu seiner weißen Haut. Seine Augen waren ebenso schwarz wie wunderschön und unter ihnen lagen dunkle, graue Schatten, die genau zu den Gewitterwolken passten, die heute über der Stadt hingen. Seine Augen hatten wieder diesen Blick aufgesetzt. Ein Blick, als müsste er jemandem wehtun und als würde er mich verzweifelt um Erlaubnis dafür fragen wollen, obwohl er wusste, dass er die Erlaubnis nicht bekommen würde.
Langsam begriff ich, dass Jack doch kein Traum war oder sich selbst wahrscheinlich nicht für einen hielt, und erinnerte mich daran, dass seine ruhige, sanfte Stimme mich angesprochen hatte und nun eine Reaktion erwartete.
"J-ja?" , sagte ich verwundert und kam mir lächerlicherweise so vor, als würde ich zu mir selbst sprechen und Jack sich im nächsten Moment in Luft auflösen.
"Claire, wohin fährst du?"
Ich war so von ihm und seiner Stimme überwältigt, dass ich kaum auf den Sinn seiner Frage achten konnte. Er sah mich an. als hielte er mich für geistesgestört. Wieder sah ich in seine Augen und mein Herz schlug wild.
Er lächelte. "Claire?"
"Ähmm... Ich muss noch in die Bibliothek, danach fahr' ich dann nach Hause." Ich hatte es erst geschafft zu antworten, als ich den Blick abwandte.
Jack machte ein Gesicht, das vermuten ließ, dass er auf eine andere Antwort gehofft hatte. Es verzog sich nur für den Bruchteil einer Sekunde, aber ich hatte es gesehen. Er verheimlichte mir etwas, dessen war ich mir jetzt sicher. Er hatte irgendeinen geheimen Plan, den er, von einem seltsamen Verlangen geplagt, umsetzen musste. Doch die folgende Antwort klang nach dem Gegenteil, von dem, was ich vermutet hatte.
"Ah, das trifft sich gut. Ich muss auch noch in die Bibliothek, ich nehme an, dass wir dann im gleichen Bus fahren werden."
Statt zu nicken oder "ja" zu sagen, schwieg ich einfach und fragte mich, was dieser ganze Smalltalk sollte, denn ich konnte mich nie auf den Inhalt seiner Sätze konzentrieren, wenn er mich dabei ansah.
Etwa eine Minute schwiegen wir uns an, ich saß, er stand nun mit dem Rücken zu mir und regte sich nicht. Nun ja, wahrscheinlich schwieg nur ich wirklich, für ihn war das Nichts-Sagen ja ganz normal. Erst jetzt zuckte seine schöne Gestalt kurz und er sagte: "Der Bus kommt."
Aufgeschreckt von seinen Worten schaute ich die Straße hinunter, konnte jedoch weit und breit nichts erkennen. "Aber...", begann ich, obwohl ich das Gefühl hatte, dass es immer sinnlos war, ihm zu widersprechen, doch da bog der Bus um die Ecke.
Beschließend, mich nicht über seine frühe Aussage zu wundern, stand ich auf und stieg in den Bus, der gerade angehalten hatte.
Ich spähte in den hinteren Teil, um dort einen Platz zu bekommen und mir stockte der Atem.
Dort saß Jack, die Schultasche halb unter dem Sitz und die Jacke geöffnet, als hätte er dort schon minutenlang gesessen. Ich war schockiert. Wie hatte er es nur geschafft, sich so schnell hinzusetzen, obwohl wir durch die gleiche Tür gegangen sein müssten? Panisch blickte ich mich um. Die Tür war bereits verschlossen.
Langsam bekam ich wirklich Angst vor ihm und setzte mich nun doch in den mittleren Teil des Busses, während ein klaustrophobisches Gefühl mir einen Schauer über den Rücken laufen ließ. Ich konnte nicht klar denken, also ließ ich es sein, bis zur nächsten Haltestelle, wo sich endlich die Bibliothek befand.
Ich rannte förmlich aus dem Bus und schaute mich nicht mehr nach Jack um.
Am Eingang der Bücherei lächelte mich Emily, die junge Bibliothekarin an. "Hallo, Claire, schön, dass du da bist."
Ich begrüßte sie ebenfalls, hoffte, dass meine Stimme nicht zu zittrig klang, lief an ihrem Schreibtisch vorbei und verschwand hinter dem Regal mit meinen Lieblingsbüchern.
Auf einmal fiel mir Jack wieder ein, und dass er doch auch hier her kommen wollte. Eine Mischung aus froher
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Kommentare
Elisa schrieb am 2011-12-07 19:51:47:
spannend spannend. Und das Wechselspiel zwischen den Erzählern super.
Elisa schrieb am 2011-12-07 19:51:03:
Spannend spannend und das hin und her
Gast schrieb am 2010-08-08 21:29:03:
Wann schreibst du endlich weiter?
storyengel blond schrieb am 2009-12-04 17:31:42:
eine echt tolle geschichte respeckt
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