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Kategorien > Fantasy > Drachen

Der erste Bund

von Emjl

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machte er sich Gedanken, wer wohl sein Wohltäter war. In diesem Moment hörte er eine leise Stimme ihn fragen:
"Geht es dir besser? Ich hab keine Ahnung, wie man Drachen heilt!" Dragom hörte jemanden leise kichern: "Immerhin sind wir ja verfeindet!"
Dragom dachte nach, ein Gott konnte es nicht sein, der würde sich nicht verstecken. "Komm raus, damit ich sehen kann, wer mir mein Leben gerettet hat."
Nach einer kurzen Pause ertönte wieder die Stimme seines Retters: "Ich weiß nicht, ob das klug wäre, ich lebe gern noch länger." Wieder erfolgte eine Pause. "Aber wenn du mir versprichst, mich am Leben zu lassen?!"
Dragom hörte beinahe das Schulterzucken. Ein tiefer Seufzer entrang sich seiner tiefen Drachenbrust. "Na komm schon raus! Glaubst du, ich würde meinen Retter töten?" In dem folgenden Schweigen vermeinte Dragom Zweifel zu spüren. Er konnte es seinem Retter aber auch nicht übel nehmen. "Ich schwöre bei dem Äther, aus dem ich entstieg! Komm hervor, ein Drache bricht nie seinen Schwur!" versuchte Dragom seinen Wohltäter zu ermutigen.
Langsam blickte eine Gestalt hinter dem Felsen hervor. Es war wie er schon vermutet hatte ein Mensch. Trotzdem war Dragom erstaunt, dass es wirklich ein Mensch war.
Ängstlich blickte er zu dem Drachen auf: "Schön bist du schon, das muss dir der Neid lassen!" sagte Jarlen und bewegte sich langsam näher. "Ich glaub, selbst wenn du mich jetzt frisst, war es wert, einen Drachen gesehen zu haben."
Dragom legte seinen Kopf auf seine Pfoten um den Menschen nicht von Oben anzustarren. "Ich werde dich nicht fressen, erstens weil Menschen wirklich schrecklich schmecken!" Er schüttelte angeekelt den Kopf.
Jarlen konnte nicht anders, er musste grinsen. Die Mimik des Drachen wirkte irgendwie menschlich und schien an einem so großen Wesen merkwürdig.
"Zweitens weil ich dir durch deine großzügige Tat zu ewigem Dank verpflichtet bin. Und wir Drachen nehmen so etwas sehr ernst!"
Jarlen blickte vorsichtig den Drachen in die Augen. "Das heißt, du erfüllst mir einen Wunsch?"
Der Urdrache nickte.
"Einen Wunsch hätte ich schon..." Mutig blickte Jarlen nun Dragom in die Augen.
"Na immer raus mit der Sprache!" munterte der Urdrache Jarlen auf.
"Beende den Krieg!" Mit zusammen gekniffenen Augen blickte Jarlen dem Drachen in die Augen als wollte er ihn abschätzen.
Dragom schüttelte leicht den Kopf.
Wut stieg in Jarlen auf. Erst hielt dieser Drache große Reden und dann erwies es sich nur als heiße Luft. "Du hast gesagt, dass du mir einen Wunsch erfüllen würdest! Du musst dein Wort halten!" schrie Jarlen voller Wut auf.
Dragom starrte das winzige Wesen vor ihm an, er hatte nicht vermutet, dass so viel Mut in einem so kleinen Körper stecken konnte. Er müsste ihn nur einmal anpusten und der Winzling würde einfach umfallen. Er hatte sich also wirklich in den Menschen getäuscht! Welch einen Preis hatten alle wegen diesem Irrtum zahlen müssen! Ärger über sich selbst stieg in ihm hoch und sein Entschluss wurde immer fester. "Mensch, du verstehst nicht, ich werde den Krieg beenden, aber ich kann ihn nicht als Gefallen annehmen, da ich mir schon vorgenommen habe, den Krieg zu beenden! Wie könnte ich Krieg führen, wenn mir der Grund des Krieges das Leben gerettet hat?"
Erleichterung breitete sich auf Jarlens Gesicht aus.
"Hmmm..." Ein tiefes Brummen breitete sich in Dragoms Brust aus. "Eine Frage hätte ich an dich, Mensch."
"Ja?"
"Wie, hmmm, wie haltet ihr euch auseinander? Ihr seht doch alle gleich aus!"
Im ersten Moment war Jarlen sprachlos. Dann brach er in schallendes Gelächter aus: "Wir haben Namen! Ich heiße Jarlen! Aber sag mir Drache," ein Schmunzeln lag auf dem Gesicht des Menschen, "wie macht ihr das, habt ihr auch so etwas Lächerliches wie wir Menschen?"
Der Urdrache lachte laut auf. "Das hab ich mir wohl verdient! Mein Name ist Dragom, ältester aller Drachen!" Er blickte den Menschen vor sich scharf an. "Aber nun zurück zu dir, Jarlen!" Dragom sprach den Namen ehrfurchtsvoll aus. "Nun sollst du nicht nur Jarlen sein! Nein, ab heute bist du Jarlen Himersen! Das bedeutet in unserer Sprache Jarlen der Drachenreiter!"
Verblüfft riss der Mensch die Augen auf und murmelte: "Heißt das, ich darf auf dir reiten?"
Dragom nickte und reichte ihm eine versteinerte Drachenträne. Bewundernd blickte der Drachenreiter sie an.
"Diese Träne soll Zeichen unseres ewigen Bundes sein! Wenn einer von uns beiden in Not ist, ist der andere verpflichtet zu helfen! Du Jarlen Himersen und ich Dragom der Älteste sind die ersten, aber nicht die letzten, die diesen Bund schließen werden! Ab heute ist jeder Drache der Hilfe für den Menschen verpflichtet. Jedoch haben Drachen wie Menschen das Recht, einen Preis für die Hilfeleistung zu fordern."
Durch die Pflege seines Reiters gesundete Dragom bald soweit, dass er mit dem Menschen hinauf flog zu dem Ratplatz, der schon seit so langer Zeit verlassen lag, und wieder den großen Rat einberief. Lange dauerte es, bis die ersten Götter wie Drachen sich einfanden, denn Misstrauen herrschte zwischen ihnen und es war lange her als sie sich alle getroffen hatten.
Stolz stand Dragom mit Jarlen auf dem Rücken in der Mitte des Rates. Wütendes Gebrüll ging durch die Drachen, als sie erkannten, dass der Älteste sich mit den Menschen verbündet hatte. Die Götter jedoch blickten nur verwirrt auf ihren Feind hinab. War das eine Tücke?
Dragom spannte seine Schultern und rief mit lauter Stimme dem Rat zu: "Ich habe den Rat gerufen um den Bund zwischen mir und dem Menschensohn Jarlen Himersen bekannt zu geben!"
Atemlose Stille legte sich über alle. Jedem im Rat war klar dass Dragom einem Menschen zu seinem Reiter ernannt hatte.
"Nun höret, wie es dazu kam!" Lang erzählte Dragom den Versammelten wie das Wunder geschehen war. Dann erzählte auch Jarlen seine Geschichte. Die atemlose Stille dauerte lange an.
Der älteste Drache räusperte sich. "So nehme ich, der den Krieg ausrief, ihn wieder zurück und bitte um Verzeihung bei allen, die meines Fehlers wegen so viel verloren haben."
Noch immer gab keiner ein Geräusch von sich. Jarlen dachte bei sich, dass es wohl nicht so einfach sein könne, einen Krieg zu beenden, der so lange getobt hatte. Und in der Tat dauerte es noch viele Jahre und viele Ratsitzungen, bis der größte Zwist bereinigt war und wieder Frieden einkehrte. Doch langsam näherten sich die Drachen den Menschen und lernten sie kennen und lieben. Und Dragom hatte Recht: Noch viele der Drachen schlossen mit den Menschen den Bund der Drachenreiter.

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