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Kategorien > Beziehungen > Emotionen

Der erste Kuss

von Rosemarie Möller

The first Kiss

An einem warmen Sommertag fuhr Daria mit ihrem Auto durch die Landschaft
ihrer Jugend. Sie wollte den Duft ihrer Heimat wieder mal in sich finden, um
ihrem Inneren einen Hauch von Frieden zu geben. Die Macht der Sehnsucht
trieb sie an diesem Tag zurück an den Ort, an dem sie vor langer Zeit
aufwuchs. Je näher sie diesem Ort kam, desto mehr wuchs die Freude und die
Erinnerung an ihre Kindheit. All die Kindheitsträume kletterten in ihren
Gedanken hoch und spielten mit ihrer Seele ein heiteres Spiel.
Daria Gesicht wurde heiß vor Erregung, als sie an dem Ort vorbeifuhr, an dem
sie das erste mal geküsst wurde. Sie war damals erst vierzehn Jahre alt und
hatte keinerlei Ahnung vom Küssen. Während sie daran dachte, holte sie tief
Luft und hatte ein komisches Gefühl in der Magengegend, so, als würde jemand
ihre Gedanken lesen. Sie fing an zu lachen, setzte den Blinker, bog ab und
parkte ihr Auto auf einem kleinen Weg. Sie sah die Bank unter der schönen
Eiche, die sich unterhalb eines Hügels befand. Dort wollte sie sich ein
bisschen ausruhen, damit ihre Erinnerungen an ihr vorbei ziehen konnten. Es
war viele Jahre her, als sie das letzte mal hier auf dieser Bank saß. Sie
konnte es fast nicht glauben als sie die Jahre zurück zählte. Sehr lange
hatte sie nicht mehr daran gedacht und doch war es, als wäre es gestern
gewesen.
„Oh Gott, wie peinlich!“ dachte sie.
„Ich sitze hier und fühle mich wie eine vierzehnjährige.“
Lachend genoss Daria ihre Gedanken.
Der warme Sommerwind berührte ihre Haare und streichelte ihre Wangen. Sie
schloss die Augen und lies die Zeit zurücklaufen. Sie konnte die
unglaubliche Hitze des Jahres 1976 fühlen. Es war ein unglaublich heißer
August und Daria war mit ihrer Freundin Jutta auf dem kleinen Volksfest am
Ort. Dort traf sich alles, was Spaß haben wollte und es war eine
Gelegenheit, um ganz in der Nähe des Jungs zu sein, in die diese beiden
verliebt waren.
Daria wusste, dass sie dort auch ihre erste Liebe finden konnte. Sein Name
war Martin und er war zwei Jahre älter als Daria. Schon allein der Gedanke,
dass er in der Nähe war, brachte sie fast um den Verstand. Martin hatte
braune Haare, liebe Augen und ein unglaublich gutes Gestell in seiner Jeans.
Er roch nach Freiheit und Abenteuer und wenn er lachte, dann lachte er mit
seinen Augen.
Es war Sommer, Daria und Jutta waren das erste mal in ihrem Leben
unsterblich verliebt. Das hatte zur Folge, das sie den ganzen Tag mit einem
Smilegesicht herumliefen und ihr Herz dauernd klopfte, ohne das es jemand
anderer hörte. Man hätte es nur in ihren Augen lesen können, doch dazu
hätten sie auch stillstehen müssen, um länger hinein sehen zu können.

Kaum hatten sie ihre Jungs entdeckt, da funkelten ihre Augen wie zwei helle
Sterne.
Den ganzen Nachmittag war Daria damit beschäftigt, ihre Gedanken auf die
Reihe zu kriegen und bei jedem Schritt, den sie tat, musste sie sehr
aufpassen, den ihre Gefühle ließen sie nicht auf dem Erdball Fußfassen.
Gegen Sonnenuntergang war es dann so weit. Endlich kam Martin zu Daria. Er
grinste sie an und fragte: „Willst Du mitfahren?“
„Wir fahren alle zum Weiher und wenn ihr Lust habt, könntet ihr
mitkommen.“
Daria stieg die Röte ins Gesicht und sie hatte das Gefühl zu verglühen, wie
eine Sternschnuppe. Ihr Herz klopfte so laut, das sie dachte, er würde es
hören. Mit vertrockneter Stimme gab sie Martin zu Antwort:
„OK, wenn Jutta auch Lust hat, dann komme ich mit.“
Mehr viel ihr in diesem Moment nicht ein. Ein Blick zu ihrer Freundin
genügte und es war klar, der Abend ist gerettet.
Ohne Gedanken daran, was der Abend noch bringen würde, saß Daria auf dem
Gepäckträger von Martins Mofa, zusammen mit den anderen fuhren sie in einer
größeren Gruppe zu See.
Während der ganzen Fahrt hatte sie den Duft des Sommers in der Nase und
verspürte den Wunsch, sich an Martin festzuhalten und ihren Kopf an seinen
Rücken zu lehnen. Doch ihre Unsicherheit erlaubte es ihr nicht, es auch zu
tun . Als sie am See ankamen, hatte Daria ganz weiche Knie, vor lauter
Aufregung und Vorfreude an die Romantik, die sie sich in ihrem Kopf
ausmalte. Leider spielte sich diese Romantik nur im Kopf ab, denn Martin
hatte in ziemlich kurzer Zeit einiges zu viel getrunken. Er war nicht
Romantisch und wurde etwas aufdringlich.
Als es dunkel war, setzte er sich neben Daria und nahm sie in den Arm. Sein
Kopf schmiegte sich an ihren Hals und er begann mit seinen Lippen ihre Haut
abzutasten.
Daria lief eine Gänsehaut über Rücken. Dieses ihr fremde Gefühl machte ihr
Angst.
„Oh Gott, was mach ich wenn er mich jetzt küssen will,“ dachte
sie.
„Ich habe doch noch nie geküsst. Ich hab zwar schon einiges darüber
gelesen, doch lesen und küssen ist bestimmt nicht das selbe.“
Daria wurde ganz unwohl, als Martin mit geschlossenen Augen vom Hals zu
ihren Lippen wanderte. Als er ihren Mund berührte, roch sie diesen
aufdringlichen Atem aus Bier und Zigaretten. Sie drehte schnell den Kopf
weg und tat so, als wäre nichts passiert.
Martin wunderte sich über diese Reaktion und sah sie fragend an, dann sagte
er: „Was hast Du denn, willst Du das nicht?“
Was hätte sie ihm jetzt antworten sollen? Dass sie Angst hatte? Diese
Gedanken flogen durch ihren Kopf und ihr wahr eines klar:
„Nein, nicht heute.“ sagte sie zu Martin und stand ohne ein
weiteres Wort auf und ging zu Jutta und bat diese, einen Moment mitzugehen.
Daria musste jetzt ein bisschen laufen, um nicht den Verstand zu verlieren,
wegen ihrer peinlichen Situation. Während dessen erzählte sie Jutta von
ihrer Angst, Martin zu küssen und es nicht richtig zu machen.
Jutta lachte und sagte:
„Ist doch egal, wenn du heute nicht willst. Martin ist doch sowieso zu
betrunken. Der hat morgen keine Ahnung mehr davon.“
Daria lächelte Jutta an und fragte: „Meinst Du?“
„Ja! Jetzt komm, wir gehen wieder zurück.“
Jutta hackte sich bei Daria ein und sie gingen zurück zu den Anderen.
Daria blieb mit suchenden Augen stehen und konnte Martin nicht finden.
Martin war weg. Er war auf dem Weg nach Hause, denn sein größerer Bruder
brachte ihn Heim.
Traurig und stumm vor Erstaunen stand Daria da und am liebsten hätte sie
geheult, doch das konnte sie nicht, zumindest nicht jetzt.
Joe, ein Kumpel von Martin, stand auf und ging auf Daria zu. Er sah sie an
und sagte mit tröstender Stimme:
„Hey, komm mit, wir laufen ein bisschen und ich zeig Dir was.“
Joe, nahm Daria bei der Hand und sie gingen einfach los. Joe war nett, doch
er war nicht Darias Typ und nicht so auffallend wie Martin. Er hatte blondes
lockiges und etwas längeres Haar und einige Sommersprossen auf der Nase. Er
viel nie sonderlich auf, denn Joe war eher der Ruhige, der nie wirklich
anwesend war. Er war halt da, aber er verhielt sich so, als wäre er wo
anders.
Auf dem Weg, den sie entlang gingen, kam eine große Eiche, die am Hügel
unterhalb eines Bauernhofes stand. Joe nahm Darias Hand und hielt sie an
diese Eiche, damit sie diesen wunderschönen Baum berühren konnte.
Daria sah Joe an und fragte: „Warum sind wir hier?“
„Einfach so,“ sagte Joe.
Daria lehnte sich lässig an die Eiche, so als wollte sie den Baum liebkosen.
Lächelnd sah Joe Daria an. Es gefiel ihm, wie sie sich an seinem
Lieblingsbaum anschmiegte. Daria sah Joe auch an und hatte keinerlei
komische Gefühle bei diesem Blick auf sein freundliches Gesicht. Sie wusste,
das Joe sie gerne küssen wollte und wartete den nächsten Moment ab.
„Ob er sich wohl traut?“ Dachte sie schelmisch und sah tiefer in
seine blauen Augen.
Wenn er sie jetzt küssen will, wird sie sich nicht wehren, denn es ist die
Gelegenheit, es kennen zu lernen, um es mit Martin weiter zu tun.
So hörte sie nicht auf, Joe anzusehen. Sie tat es so lange, bis er seine
Hand auf ihr Gesicht legte und es zärtlich streichelte. Sie schloss ihre
Augen, damit sie den Augenblick besser fühlen konnte. Joe`s Kopf kam immer
näher. Er schmiegte seine Nase an ihr Gesicht, so, als wollte er daran
schnuppern. Dann fing er an mit seinem Mund ihr erhitztes Gesicht zu
berühren. Seine Hände umarmten ihren Körper ganz langsam, so, als sollte sie
es nicht merken. Daria`s Bauch kribbelte und ihr Atem wurde tiefer, als
müsste sie diese Gefühle in sich saugen, um ihren Körper damit zu beleben.
Mit geschlossen Augen, berührte Jos Darias Nase und suchte ihren Mund. Es
fühlte sich an, als würde er jeden Millimeter abtasten, um den richtigen Weg
dorthin zu finden.
Daria bekam fürchterliches Herzklopfen. Sie konnte es kaum erwarten, bis Joe
ihren Mund berührte. Als seine Lippen die ihren trafen, wurde ihr verlangen
immer stärker und sie fing an sich fallen zu lassen. Ihre Sinne flogen
spazieren. Joe küsste ganz vorsichtig ihren Mund, mit der Spitze seiner
Zunge erkundete er die Form ihrer Lippen. Daria öffnete ihren Mund ein klein
wenig, bis sich ihre Zungen trafen. In diesen Moment verloren beide die
Kontrolle über sich und küssten sich innig.

Schwerelos und frei von allen Ängsten genoss Daria diesen Kuss. Sie konnte
nicht denken und verlor den Boden unter ihren Füßen. Joe hielt sie fest und
drückte sie an seinen Körper, so, dass Daria das Gefühl hatte, es umarmte
sie ein Stern.
Einen Moment lang war sie ohne Gedanken. Die Welt schien sich nicht mehr zu
drehen und die Zeit stand still. Das Blut in ihren Adern schien sich zu
erhitzen und verursachte kribbeln in ihrem Herzen. Ein wohlig und warmes
Gefühl floss durch ihren Körper. Ein Gefühl, das sie zum erstenmal in ihrem
Leben erlebte. Während Joe sie küsste, schienen die Sekunden ganz langsam zu
verdunsten, um sich nicht von der Minute fangen zu lassen. In jedem
Augenblick dieses Moments, steigerte sich ihr Temperament und sie wünschte
sich, es würde nie aufhören.
Mit den Geräuschen vom See kamen sie auch wieder zu ihrem Bewusstsein.
Joe hielt Daria ganz fest, doch ihr wurde es zu eng. Sie dachte an Martin
und daran, das sie das Küssen mit ihm heute versäumte. Sie lies Jo los und
meinte ganz leise und verschämt:
„Wir sollten mal wieder zu den Anderen zurück gehen“.
Joe sagte keinen Ton, er sah sie an und wusste wieder, dass er Daria nur
mitnahm, weil sie so traurig war wegen Martin. Sie gingen zum See und
versuchten sich bis zu ihrem Ankommen wieder zu fangen. Alles war anders als
vorher und doch hat sich nicht viel geändert.

Auf der Bank sitzend lächelte Daria mit geschlossenen Augen und lies diese
Erinnerung noch ein wenig in sich wirken. Das alles lag so viele Jahre
zurück. Daria wusste, dass es eines der schönsten Erlebnisse ihres Lebens
war. Diese Erinnerung gab ihr ein so schönes Gefühl und die Gewissheit, dass
sie heute diesen Kuss in ihre Erinnerung meißelte, damit er auf Ewig dort
leben kann.
Sie blieb auf dieser Bank sitzen und genoss immer noch die Stimmung des
Sommers. Der Duft der Felder, der an ihr vorbei zog und das Summen und
Gezirpe aus den Wiesen ließen es ihr gut gehen. Daria legte sich auf die
Bank und öffnete ihre Bluse, damit die Sonnestrahlen ihre Haut berühren
konnten. Nach einiger Zeit des Träumens und der Ruhe schlief sie ein.
Plötzlich hörte sie ein seltsames Geräusch. Es war ganz nah, doch sie konnte
es nicht sehen, da sie immer noch im Schlaf gefangen war. Sie verspürte ein
Schnaufen und einen nicht besonders gutriechenden warmen Geruch, der sich
ihr aufdrängte. Es kam immer näher und störte ihren Traum, so das sie ihre
Augen aufriss und eine große sabbernde Schnauze vor sich sah. Daria erschrak
und hätte am liebsten geschrien, doch sie konnte nicht. Sie hielt sich mit
einer Hand an der Bank fest und wusste noch immer nicht, wie ihr geschah.
Dann hörte sie eine Stimme:
„Boss, - mach Platz!“ Rief diese.
Und ehe sich dieses Riesentier dazu entschloss, dem Befehl aus der Ferne zu
folgen, sahen sie zwei freundliche blaue Augen an.
„Boss, du sollst doch nicht immer schlafende Frauen wecken!“
„Entschuldigung, das er sie erschreckt hat.“ Sagte dieses
gutaussehende männliche Wesen auf dem Fahrrad.
Daria schüttelte nur mit dem Kopf und richtete sich auf: „ Ist schon
OK.. Einen Moment dachte ich, er will mich fressen.“
Mit einem breiten, frechem Grinsen auf seinem Gesicht antwortete er:
„Vielleicht wollte er das auch, ich könnte es ihm nicht
verdenken.“
Dabei sah er auf ihre Bluse und hörte nicht auf zu grinsen. Seine Augen
waren sichtlich erfreut über die offenen Knöpfe. Als Daria bemerkte, dass
ihre Bluse auf war, erschrak sie und knöpfte sie zu, ohne einen Kommentar zu
erwidern.
Als er sah, wie peinlich es Daria war, stieg er vom Fahrrad ab und lehnte es
an den Baum. Freundlich streckte er ihr seine Hand entgegen.
„Hallo, ich bin Joe!“
Daria sah ihn mit starrem Blick an und konnte nicht glauben, was ihre Ohren
da hörten.
„Joe?“
„Wirklich Joe?“
„Der Joe“?
Mit fragenden Augen sah er sie an und meinte ganz verwundert:
„Ja, ich heiße Joe! Ich weiß aber nicht ob ich der Joe bin.“
Voller Begeisterung sprang Daria ihm an den Hals sagte: „Schön das Du
da bist.“
„Ich habe gerade an Dich gedacht.“
Joe riss sie sanft von seinem Hals und meinte fragend:
„An mich?
Daria war so außer sich vor Freude und sagte lachend:
„Ich bin’s, Daria! „Kennst Du mich etwa nicht mehr?“
Joe dachte fragend nach, bis er endlich darauf kam. Er sah sie einige
Sekunden an, bis er voller Erleichterung zur ihr sagte:
„Die Daria, die mal mit meinem Kumpel Martin zusammen war?“
Daria sah ihn an und sie wusste, er kann sich nicht daran erinnern.
Scheinbar hatte sie ihn damals zu sehr gekränkt und er hat es einfach
schlichtweg vergessen. Das soll ja bei Männern öfter passieren, dass sie
solche wichtigen Erlebnisse aus ihrem Gedächtnis streichen.
„Na ja, ist ja auch egal,“ dachte sie sich und gab ihm zur
Antwort: „Ja, ich bin diese Daria.“
Begutachtend sah Joe Daria an und fragte: „Was machst Du denn wieder
mal hier in unserer Gegend? Ich hab gehört, Du bist weggezogen und hast
sogar geheiratet.“
Daria meinte nur dazu:
„Weißt Du, ich wollte mal wieder hierher sehen und die Luft dieser
Gegend einatmen, um sie nicht ganz zu vergessen. Da kam ich hier vorbei und
sah die alte Eiche und die Bank, und ging einfach hierher, ohne einen Grund
zu haben.“
Dann sah sie auf und sagte:
„Verheiratet war ich einmal, doch das ist eine Geschichte meiner
Vergangenheit.“
Joe lächelte sie immer noch an und meinte:
„Ich wohne gleich da oben, hinter dem Hügel, bei dem Einsiedlerhof.
Komm doch mit zu mir auf einen Kaffee und wir quatschen ein bisschen über
alte Zeiten.“
Mit zurückhaltender Freude sagte sie ganz begeistert und schnell:
„Ja, ist ne gute Idee. Einen Kaffee könnt ich jetzt sehr gut
vertragen.

Neugierig sah sie sich in Joe´s Wohnung um. Sie suchte nach nichts.
Begutachtete aber jedes Stück, das sie rumstehen sah. Auf diese Weise konnte
sie einen groben Überblick über Joe gewinnen. Denn der Lebensraum eines
Menschen sagt sehr viel über die Person aus, die darin lebt. Als sie im Bad
war, um sich die Hände zu waschen, fand sie nur Dinge vor, die auf einen
alleinstehenden Mann schließen ließen. Sie sah sich alles an und freute sich
über diese Erkenntnis.
Daria und Joe unterhielten sich über alte Zeiten und lachten viel über die
verrückte Zeit, in der alles so anders war. Es wurde schon Abend, als Daria
auf die Uhr sah. Joe bemerkte ihren starren Blick auf die Uhr und fragte:
„Musst Du schon gehen?“
Die Antwort viel Daria sehr schwer, ihr Kopf sagte ihr: „Ich muss
gehen!“,
aber ihr Gefühl wäre gerne noch ein wenig geblieben. So gehorchte sie ihrem
Kopf und meinte:
„Ja, ich sollte langsam zurück zu meinem Auto, es wird sonst zu
spät!“
Ohne sie davon abzuhalten oder gar noch zum bleiben zu überreden, sagte
Joe: „Ich komm mit. Dann kann Boss gleich noch mal raus, an die frisch
Luft.“
Kurz danach brachen sie auf und gingen gemütlich in Richtung Darias Auto.
Sie kamen wieder an der Eiche vorbei und eine magische Sehnsucht in Daria
fing an, sie dorthin zutreiben.
Daria nahm Joe´s Hand und ging zur Eiche, um sie auf den Baum zu legen, so
wie er es vor vielen Jahren mit ihrer Hand tat.
Joe lachte und sagte:
„Zieht Dich wohl magisch an, dieser Baum, an dem Du das Küssen lernen
wolltest?“ Erschrocken sah sie ihn an und fragte:
„Woher weißt Du das?
„Was, das mit dem Üben?“ fragte Joe lachend.
„Ja!“ hauchte Daria.
Ganz einfach sage er: „Jutta hat es mir mal erzählt.“
„War ganz schön gemein von Dir, einen ahnungslosen Jungen wie mich,
für so etwas zu benutzen.“
Wie ein beschämtes Mädchen sah Daria zu Boden und sah nicht das Lächeln in
Joes Gesicht.
„Tut mir Leid Joe, ich wollte das damals eigentlich gar nicht
tun!“
Dann ließ sie Joes Hand los und sah ihn nur an. Ohne es zu steuern lehnte
sie sich an den Baum, hob den Kopf und schloss die Augen:
„Joe, es tut mir nicht Leid, das Du mich damals geküsst hast, denn
schöner hätte ich meinen ersten Kuss nicht empfinden können. Ich werde
diesen Kuss nicht mehr vergessen.“
Dann sah sie Joe in die Augen und sagte weiter:
„Ich gäbe einiges, um das Gefühl noch einmal zu durchleben.“
Joe konnte ihrem Blick nicht mehr weichen, denn sie fesselte damit seine
Sinne. Er streichelte ihr Gesicht und flüsterte ihr ins Ohr:
„Schließ die Augen Daria.“
Ein Lächeln zog über Darias Gesicht.
„Küss mich“, dachte sie und ehe sie es sagen konnte, küsste Joe
ihre Stirn, ihre Augen, ihre Nase und dann verloren sich seine Lippen auf
ihrem roten Mund.
Was dann passierte, glich nicht der Vergangenheit.
Nein! Sogar Daria´s eingemeißelte Erinnerung wurde in diesem Moment blass
vor Neid.

Rosemarie Möller 25. Februar 2002

Kommentare

frank0042@aol.com schrieb:
Sehr schöne Geschichte. Sie erinnert auch mich an meine Jugend. Komisch, aber irgentwie erlebt jeder Mensch fast das Gleiche. Nur er denkt nicht mehr daran. Jetzt schon wieder!!!
Danke für die Erinnerung, liebe Rosemarie.

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