Der fliegende Zug
von
Gschichtlschreiber
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Der fliegende Zug
Schau doch, schnell, Aljoscha, diese zwei Bäume küssen sich, sie mögen sich. Sieh wie sie wippen, zueinander, mit dem Luft dahin ziehen. Ganz verzückt, ruft mit heller Stimme Danja raus. Zu laut, zu begeistert, aufweckend sämtliche Mitfahrende in dem kleinen Abteil. Unvermittelt beugt sich Danja rüber, nimmt mit ihren kleinen Händen, den Kopf von Aljoscha, küsst ihn auf den Mund, fest, nass, voll Begeisterung.
Gütig lächelnd, Platz machend dem stürmischen, dem kindlichem Spiel, blickt Bojan Satrewitsch zu den zwei Kindern, zu dem Jungen, der überrascht, verdutzt mit großen geweiteten Augen schaut, schnell nun eine Zornesfalte auf der Stirn sich bildet, und dem Mädchen, mit den dunklen Locken, das Phantasievolle, wo die Natur noch in all ihrer Schönheit, Wunderbarkeit sieht. Ja, Kind sollte man sein, denkt er trübe, unschuldig, naiv, all das Sehen, das Spüren, fühlen bis ins innerste all das überraschende Schöne, Wundervolle.
Selbstverständlich hat Bojan Satrewitsch nichts dagegen, Kinder dürfen spielen, dürfen lachen, dürfen sehen, die unglaublichsten Dinge. Den wir haben verloren, mit unseren Augen die küssenden Bäume zu sehen, die tollsten Tiere in den Wolken, wie sie sich verwandeln in Fabelwesen, zu erahnen, gar sie zu sehen. Ja, ab wann habe ich es verlernt, so sinnt der alte Mann nach. Sein Blick geht zum Fenster, sieht wie die Landschaft schnell vorbeizieht, sieht die vielen Bäume, die Berge weit hinten, merkt wie mehrere Tropfen Schweiß von seinen Achselhöhlen hinunter rinnen.
Da vorne, was ist da? Schon wieder staunend hinausschauend, die kleine Danja. Verärgert ihr Bruder, steht da, wischt sich den Mund mehrmals mit dem Ärmel ab, blickt böse auf seine Schwester, mit ihrer Schmuserei hat er nichts am Hut, das will er nicht. Neugierig geworden klettert er auch auf den Sitz, schaut raus in die weite der Landschaft, sieht nichts als viel Gras, einen ruhig dahin fliessenden Fluss, ein paar riesengroße Steine, viel, viel Bäume.
Dort drüben. Danja zeigt mit ihrem Finger nach rechts, wippt, wackelt heftig, kreist mit ihrem Zeigefinger vor dem Gesicht von Aljoscha, schau doch Brüderchen, aufgeweckt, lustig, ruft es Danja, nicht mehr so laut wie beim ersten Mal, den der Blick von Mutter, der Ernste hat sie bemerkt, das mahnende Schauen, nein stören darf sie nicht, in dem vollem Abteil, das so voller Menschen ist.
Verschwörerisch leise flüsternd in das Ohr von Aljoscha, die beiden Hände zu einem Trichter geformt, so will es Danja dem blinden Bruder erklären, was so offensichtlich da vorne im hohen Gras liegt. Ein mächtiger Riese, der Kopf aus Stein, siehst du ihn, da liegt er doch. Schau doch wie sein Körper, seine dicken Haare im Wind rauschen, ganz böse blickt er zu uns herüber. Wir dürfen nicht sehen, denn er muss mal für kleine Jungs, so wie du, weißt, wenn dein Dingelchen da unten was rauslasst, wenn du pisseln musst. Der Riese aber, viel hat er drinnen, schau wie lange sein Fluss, sein Wasser doch ist, geht bis da rüber, und noch viel weiter.
Kaum gesagt, fängt Aljoscha an prustend zu lachen, laut, herzhaft, ansteckend, Danja sogleich mitlacht. Merkend wie alle auf sie schauen, die Mutter streng blickt sie her, halten sie nun ihre Hände vor dem Mund, lachen in ihren Körper rein, der schüttelt sich, zittert an den Schultern, die Augen tränen, glucksendes Gekicher, verhaltene hohe Töne dringen zwischen ihre Finger raus.
Aljoscha und Danja, nicht mehr stehen können sie, fallen gemeinsam auf dem Sitz, abstützend mit den Händen, lachend nun laut, fröhlich um sich blickend, sehend den alten Mann, der nun auch, mit geschlossenem Mund, ein breites Grinsen zeigt, nur in seinen Augen sich das Lachen widerspiegelt.
Der Gschichtlschreiber
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