Der geheime Wald
von
Caroline Mudrack
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Er schlug mit der flachen Hand aus das Steuerrad und lachte triumphierend. Endlich hatte er es geschafft seine Verfolger abzuhängen. Die Sirene des Polizeiwagens war nur noch aus weiter Ferne zu erahnen. Ein letzter Blick in den Rückspiegel, es war weit und breit nichts mehr von einem grün-silbernen Auto zu sehen. Seit er vor ein paar Minuten auf den Feldweg eingebogen war, hatte sich seine Spur für die Verfolger verloren.
Zunächst sah es nicht so aus, als wäre sein Überfall gelungen. Als er ,die Tasche mit Geld gefüllt, die Bank verlassen hatte, dauerte es keine Minute, bis er die Sirene hörte. Einer der Bankangestellten musste still und heimlich einen dieser verdammten Knöpfe gedrückt haben. Das konnte nur dieser Glatzkopf mit der Nickelbrille gewesen sein, dacht er. Dem hätte er am liebsten noch nachträglich eine übergezogen. Aber alles in allem war es doch genauso gelaufen, wie er es erhofft hatte. Nun lag die Tasche mit dem Geld neben ihm auf dem Beifahrersitz, prallvoll. Na ja, das Auto musste er noch loswerden. Aber das konnte er im Wald stehen lassen. Es war sowieso gestohlen, es lohnte nicht lange darüber nach zudenken. Bis zum Rastplatz auf der Schnellstraße war es nicht weit, den Weg konnte er abends gemütlich zu Fuß laufen. Bis die Polizei merken würde, dass er eine andere Richtung eingeschlagen hätte und seine Spur neu aufnehmen würde, wäre genügend Zeit vergangen, um sich abzusetzen.
Er drosselte das Tempo etwas und fuhr in einem leichten Bogen auf den Wald zu. Der Weg war immer noch gut befahrbar und Staub wirbelte er auch nicht auf. Der Boden war noch nass vom nächtlichen dauerregen. Als er den Waldrand erreichte, hielt er kurz an, um sich die Karte noch einmal anzusehen. Das mit dem Wald war eigentlich ein Glücksfall gewesen, gestern Abend hatte er die Karte studiert, aber ein Waldstück war nicht eingezeichnet. Er stieg aus, sah sich kurz um und breitete dann die Karte auf der Motorhaube aus. Richtig, der Weg war eingezeichnet, aber er endete genau am Feldrand. Alles war als Ackerland eingezeichnet, nicht als Wald! Er schüttelte genervt den Kopf, die Karte war neu und aktuell. Das war unmöglich! So klein schien dieser Wald doch gar nicht zu sein, wieso war er nicht eingezeichnet? Er beschloss den Weg weiter entlang zufahren und dann irgendwo im Wald abzuwarten. Er faltete die Karte wieder zusammen, setzte sich in den Wagen und startete den Motor. Im Schritttempo fuhr er in den Wald. Der Weg verlief relativ gerade, er war breit und gut befahrbar. Nach einigen Minuten hielt er an und stieg aus. Zunächst stutze er, weil keine Laute zu hören waren. Weder Vogelgezwitscher noch das entfernte Rauschen der Schnellstraße. Nur der leichte Wind spielte zeitweilig an den Blättern. Ihn fröstelte jetzt leicht. Der Wald machte ihm ein ungutes Gefühl. Er holte seine Jacke aus dem Auto. Beim Anziehen spürte er das kalte Metall der Waffe, die sich in seiner Tasche befand. Er holte sie heraus und betrachtete sie, als sehe er sie zum ersten Mal. Er sich verstohlen um. Irgendwie spürte er ein merkwürdiges Kribbeln. Nicht, weil er Menschen in der Nähe vermutete, sonder der Wald selbst war es, der ihn beunruhigte. Er steckte die Pistole wieder ein, rauchte ein paar Zigaretten und dachte in aller Ruhe nach. Anschließend fuhr er noch weiter in den Wald. Nach einer Weile meinte er, dass er das andere Ende eigentlich schon erreicht haben müsste. Er hielt abermals an und holte wieder die Karte heraus. Er maß die Strecke vom Ende des Feldweges am Waldrand bis zur Schnellstraße. Das waren ungefähr fünf Kilometer. Er stutze, mittlerweile war er mindestens das doppelte gefahren. Genervt schüttelte er den Kopf. Also war er einen bogen gefahren und inzwischen fuhr er in eine andere Himmelsrichtung. Egal, irgendwo musste er ja schließlich wieder herauskommen. Die Bäume standen dicht zusammen und viele halbhohe Tannen versperrten jede Sicht. Etwa zehn Minuten später war noch immer kein Ende des Weges in Sicht. Langsam wurde er ärgerlich. Die Karte nutzte ihm nichts mehr, die Wege hier waren nicht eingezeichnet. Plötzlich sah er etwas durch das dichte Blätterwerk glitzern und blieb nach weiteren fünfzig Metern am Rand eines Teiches stehen. Er stieg aus und stellte sich verwundert ans Wasser. Kein Zweifel, der Weg war zu Ende. Auf der anderen Seite ging der Wald weiter Zu hören war noch immer nichts. Also musste er Wohl oder Übel wieder zurück. Er beschloss den Wagen an der nächsten breiteren Stelle einfach abzustellen und auf die Dämmerung zu warten.
Den Wagen an dieser engen Stelle zudrehen, kostete ihn viel Schweiß und Nerven. Der Boden war rutschig und man kam leicht ins Schlittern. Schließlich hatte er es geschafft und er fuhr langsam zurück. Nach etwa einem Kilometer traute er seinen Augen nicht. Der Weg endete an einer Gabelung, er konnte nur nach rechts oder links abbiegen. Das war absolut unmöglich! Er klopfte ärgerlich auf das Lenkrand und fluchte laut. Er war mit Sicherheit immer gerade aus gefahren. Das hieß, dass er hier vorher nicht gewesen war. Einen Augenblick dachte er konzentriert nach, es musste eine einfache Erklärung geben. Dann hatte er eine Idee und stieg aus. Er kontrollierte den Weg auf Reifenandrücke und tatsächlich, er konnte keine finden. Seitdem er in diesem Wald unterwegs war, hatte er sich immer am Verlauf des Weges orientiert. Abgebogen war er kein einziges Mal. Und auch jetzt, auf dem letzten Kilometer, war er doch nur wieder zurück gefahren. Wie konnte er den ursprünglichen Weg verloren haben?
Er stieg wieder ein, drehte den Wagen und fuhr langsam zurück. Nichts, keine Möglichkeit zum Abbiegen. Unglaublich, dachte er. Sein Herz klopfte schneller als sonst, langsam wurde ihm unheimlich. Er sah den Tacho, diesen einen Kilometer hatte er schon fast wieder zurückgelegt. Gleich würde er wieder am Teich stehen. Aber der Teich kam nicht! Nach einem weiteren Kilometer hielt er den Wagen abrupt an und stieg aus. Schwer atmend betrachtete er die Umgebung. Ein leichtes Panikgefühl meldete sich. Kurzerhand kletterte er umständlich auf das Autodach und versuchte, mehr in der näheren Umgebung zu erkennen. Aber es war zwecklos, nach etwa fünfzig Metern freier Sicht in alle Richtungen war Schluss. Sein herz schlug jetzt wild. Er sprang vom Dach herunter, ließ den Motor aufheulen und preschte vorwärts. Jetzt würde er solange fahren, bis er aus diesem verfluchten Wald heraus kommen würde! Verzweifelt versuchte er, die Himmelsrichtungen zu erkunden. Aber da die Sonne nicht schien und die Schnellstraße nicht zuhören war, gab er es wieder auf. Er war etwa fünf Kilometer gefahren, als der Weg wieder endete. Diesmal stand er direkt vor einer Felswand. Es sah aus, als wäre die Wand nicht Bestandteil des Waldes. Direkt, bis an die Wand heran, war der Weg in einem guten Zustand. Der Weg sah aus wie abgeschnitten. Ungläubig starrte er auf die Wand. Der Motor lief, während er keinen klaren Gedanken fassen konnte. Dann schaltete er den Motor aus, sprang aus dem Wagen heraus und
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Kommentare
Mark Reichmann schrieb am 2007-03-19 15:16:51:
Netter Irrgarten, spannend geschrieben. Du beschreibst die ausweglose Situation, die aufkommende Panik
sehr schön. Gefällt mir. Mach weiter so
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