Der innere Kampf
von
Tugendlosigkeit
1
Särge wurden geplündert und die ewige Ruhe gestört.
Wutentbrannt sannen sie nach Rache und nahmen die Knochen der Verblichenen, um ihren Blutdurst zu stillen, an jenen die ihren Herrscher verschmähten.
Sie feilten, hämmerten, schnitzen und bohrten unter Schweiß und Tränen im Angesicht der Gebeine ihrer vertrauten Seelen, aber selbst die von Gott verordnete Ruhe konnte ihren Hass nicht bändigen und so begann der Tanz der Toten.
Ein Arsenal aus geschliffenen Fußknochen, Oberschenkeln, Ellen und auch Speichen, dienten dem grotesken Nahkampf, weitere Teile dem Angriff aus der Ferne wie mit Blut gefüllte Schädel, um den Feind mit kaltblütiger Hinterlist in Angst zu versetzen, die ihr Blut in den Adern stocken und nach einigen Sekunden erst die Klarheit in den Kopf schießen ließ, was sie nun auf ihrer Haut trugen und welche Verzweiflung den Ursprung dieser Grausamkeit antreiben musste.
Von Angst verzerrte Gesichter reckten sich gerade noch aus den Verstecken vor dem abgrundtief Bösen um die langsame einkehrende Schwärze der Nacht zu vernehmen und um die Sekunden zu zählen, die sie dieser Folter ausgesetzt sind.
Ihre kleinen Herzen pochten ununterbrochen und das Blut wurde mit ungewohnter Härte in die Venen und Muskeln gepresst als wolle der Körper das Zeichen der Flucht geben, jedoch Totenstille, sie waren gelähmt vom Anblick der Gebeine mit denen sie in die Flucht geschlagen wurden.
Sie hörten Geräusche, die sich wie das dumpfe Klacken aufeinanderprallender nackter Knochen anhörten, und welche die hartes Gestein striffen.
Sie kamen.
Sie kamen unnatürlich schnell und ließen die warme Abendluft schlagartig erkalten und selbst den Angstschweiß sofort gefrieren.
Mit unmenschlicher Unbarmherzigkeit stießen sie ihr Werkzeug hinein in ihren Ursprung, in die Körper der Sündiger.
Es bohrte sich unter Knacken und Bersten in die Köpfe und durchbrach mit ekelhaftem Ächzen die Kopfplatten, die das Hirn schützen sollten.
Es spritze und floss wie bei einem Metzger, der mit Übermut Venen und Knochen eines noch lebenden Getiers zerschnitt und den Raum mit Kreischen anfüllte.
Die 1. Welle schwappte wie ein Tsunami auf die Soldaten und spülte fast alles Leben in die Untiefen des Peines, nur ein Einzelner überlebte diese Tortur und litt noch weiter schreckliche Qualen, die auch vor dem Tiefsten und Innersten nicht hielten…den Träumen.
Ich ging auf einer Straße entlang und es schien wie früher, alles erblühte in kräftigen satten Tönen und eine herrliche Wonne umgab mich wie einen schützenden Mantel, den eine liebende Mutter ihrem Kind gibt.
Ich schien gerettet aus diesem Albtraum, aus dieser unwirklichen Hölle!
Es war wahrscheinlich auch nur ein Traum, denn so etwas Grausames kann selbst dem tyrannischsten und herzlosesten aller Menschen nicht entstammen.
Ich hörte Stimmen.
Ich ging weiter und sie wurden immer lauter und jede Böe schien mit größerer Stärke und Eindringlichkeit mir diese Stimmen ins Ohr zu tragen.
Dort stand ein Mann, der aufgebracht und mit allem Prunk den diese Welt kennt, eine Rede hielt und jeden hier Stehenden wie eine einzelne Note in seine Melodie einband und ihnen damit einen Sinn gab, einen Sinn zu existieren. Er war ein Virtuose der Melodik und alles folgte ihm, nur ihm und seinen Tönen.
Der Bann ging soweit das die gesamte Welt zu verschwimmen und sich zu verdrehen drohte und Farben zu schillern begannen wie ich es vorher nie sah, ich wollte sie sehen, aber ich konnte mich nicht losreißen, gelähmt stand ich da in der Menge der Noten und begann selbst gespielt zu werden.
Nur sein Adern umranktes Gesicht durchbrach diese Harmonie der Farben, aber ließ einen folgen, folgen diesem roten verschmierten Fleck in diesem abstrusen Bild.
Ein Sammelpunkt aller Blicke, ungewollt oder gewollt, alles war auf ihn gerichtet, dem Punkt der in diesem undurchdringlichen Gebilde Halt bot und nach ihm greift und so ein Teil von ihm wird, dem großen Ganzen.
Seine Stimme schwoll an und der gesamte Chor begann zu grölen, seine Stimme wurde sanfter und alles schwieg, diese Harmonie ließ mich seiner Worte lauschen, aber dennoch nichts hören.
Wie vom Bann tat ich das was all die anderen Gestalten, die nunmehr nur konturenlosen Schemen waren.
Ich nahm diesen weißlichen Stab und formte aus ihnen Dinge des Todes.
Der Ursprung wurde das Schicksal.
Wir rannten und rannten wie besessen und beseelt von dem Gedanken der Rache.
Ich kannte den Grund nicht, aber noch immer hallte das Echo der Stimme durch die Hallen meines Verstandes.
Ich sah nur Menschen, wie sie sich aufbäumten und grauenvolle Schreie von sich gaben und wie im Schlaf führte ich meine Hand in die Brust des Gegenüber und durchbohrte diese.
Die rötliche Färbung begann die Stimme zu ersetzen und ließ mich weiter morden, ohne Seele und Gewissen verrichtete ich fast regungslos dieses blutige Werk, doch dann erschrak ich!
Ein Mann zusammengekauert, lag er vor mir und diese Züge in seinem verzerrten Gesicht waren mir vertraut, aber dennoch fremd. Erst in der Pfütze, die sich unter meinen Füßen angesammelt hatte, erkannte ich mich schließlich und wusste dass ich vor meinem eigenen Selbst stand.
1
Kommentare
Friedrich schrieb am 2009-12-03 18:36:47:
Du musst den Titel wörtlich nehmen, um die Intention zu erfassen, denke an einen inneren Kampf!
Das Ich gegen das Unbewusste!
Dieses Bild mochte ich persöhnlich auch nicht und habe es bereits gestrichen.
Johannes schrieb am 2009-12-02 19:09:52:
Mmh, es scheint so, als wäre mehr in dem Text, als nur bloße Worte, aber ganz klar wird es nicht.
Vielleicht siehst du ja genau in dem das "Philosophische".
Manche Bilder finde ich unpassend, wie z.B. das mit dem Metzger...
Kommentar hinzufügen