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Kategorien > Weihnachten > Tod

Der kalte Atem

von Johanna

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Ein Kind. von den einst liebevollen und fürsorglichen Eltern vor langer Zeit zurückgelassen saß es ganz einsam am Rand einer leblosen Straße. Nur ein paar vom Baum gefallene Blätter fegten knisternd vorbei.

Von grellen Lichtern geblendet öffnete das Kind in dieser wohl kältesten Nacht des Winters seine müden Augen. Blinzelnd musterte es den großen Weihnachtsmann gefertigt aus unzähligen kleinen Glühlampen im schmutzigen Schaufenster hängend. Die rote Nase mitten im Gesicht der Lichtergestalt schien am hellsten zu leuchten. Das Kind, überfallen von einem kleinen Grinsen, zog sich die alte Fetzendecke bis ans Kinn.
„Die Weihnachtszeit ist da! Da sind die Menschen immer besonders nett, werfen mir viele Taler in den Hut.“ Voller Vorfreude und von der eisigen Kälte zitternd schlief das Kind wieder ein.

„Der Junge schläft doch nur!“, „Nein seht doch, er atmet gar nicht mehr!“
Ein dutzend neugieriger Menschen, junge und alte, versammelten sich vor dem Kind, dessen winziger Körper an diesem Morgen völlig mit frischem Schnee bedeckt war.
Ein bärtiger Mann mittleren Alters in alten zerfetzten Lumpen setzte sich neben dem Kind auf die Knie und wischte ihm das lange struppige Haar aus dem Gesicht.
Vor den beiden wurde die Gruppe der schaulustigen immer größer und ein Ausdruck des Entsetzens war in jedem einzelnen der vielen Gesichter zu erkennen.
Das blasse Gesicht des Kindes kam zum Vorschein. Die Lippen eisblau und die Augen zugefroren mit Wimpern wie Eiszapfen.
„Ich habe gleich gewusst, dass der tot ist. Der kalte Atem des Winters war einfach zu stark für diesen Knaben!“ hörte man es aus der Menge, die sich langsam begann aufzulösen und immer kleiner wurde, bis auch der letzte gegangen war.

Nur der bärtige Mann saß noch da, hielt den kopf des Kindes sanft in seinen Händen. Eine Träne lief ihm über seine rote Wange.
„Du wirst die schönsten Weihnachten haben, so schön wie in deinen Träumen, mein Kind.“, flüsterte er dem Jungen ins Ohr, und sein Atem war in der kalten Luft zu sehen.
Der lederne Hut des Kindes wurde am frühen Morgen schon randgefüllt mit Talern. Der Mann steckte sich alle Taler in seine völlig verdreckten Kleider, legte den Hut auf das Gesicht des Kindes und ging davon.

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Kommentare

Veronica Wallner schrieb am 2010-02-16 17:28:07:
wow... mir fällt nichts anderes dazu ein, gefällt mir gut echt, hab sie mir gleich noch ein zweites mal durchgelesen, einfach toll geschrieben

Lg
Veronica

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