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Der letzte Kuss

von Yve

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Die Nacht ist kalt und dunkel. Es ist Herbst und die Blätter der Bäume tragen ihre Blätter in den Farben des Feuers und der Erde. Eine junge Frau geht über eine Lichtung, das nasse, kalte Gras streift bei jedem Schritt ihre nackten Füße. Der Wind bauscht sanft ihr leichtes, weißes Gewand. Ihr langes, dunkles Haar umspielt sanft ihr zartes Gesicht. Kluge graue Augen schauen sich aufgeregt um.
Eine Eule fliegt geräuschlos an ihr vorbei und lässt sich auf einen der Bäume nieder. Sie beobachtet das Treiben der jungen Frau mit großer Neugierde.
Sie geht weiter, ohne auf die Eule zu achten, sie sucht etwas und kann es anscheinend nicht ausmachen, aber sie weiß, dass es da ist, irgendwo zwischen den Bäumen. Behutsam lässt sie sich auf einen maroden Baumstamm nieder. Sie umschlingt ihren Oberkörper fest mit ihren Armen, man kann ihren Atem sehen, so kalt und feucht ist die Luft. Sie weiß es. Dort irgendwo muss ER sein. Langsam schließt sie ihre Augen. Sie scheint sich an etwas zu erinnern. Alles ist still, nur der Windgang ist zu vernehmen, er bahnt sich seinen Weg durch die Bäume. Immer wieder fegen vereinzelte Windböen über die Lichtung und bringen raschelnde Blätter mit sich. Und dann auf einmal legen sich zwei schneeweiße Hände auf die Schultern der jungen Frau. Ihre Augen öffnen sich, sie dreht sich nicht um, dass muss sie nicht. Sie weiß wer hinter ihr steht. Sie spürt seinen Atem dicht an ihrem Hals, er ist kalt, genau wie der Herbstwind. Vorsichtig legen sich seine Lippen kühl und weich wie sie sind, auf ihren Hals. Wieder schließt sie ihre Augen, den Mund leicht geöffnet, voller Erwartung. Sie hält es nicht mehr aus, muss sich umdrehen und in seine Saphiraugen sehen. Ruckartig entwindet sie sich seinem sanften Griff und steht auf. Ihr Antlitz und ihr Körper sind jetzt ihm zu gewandt, einige Meter trennen sie
voneinander. Beide betrachten sich schweigend. Keiner sagt etwas, der Wind spielt mit ihren Haaren und wiegt sanft ihr Kleid. Er lächelt sie verführerisch an. Sie macht einen Schritt zurück, eine Hand fest um ihr Silberkreuz geschlossen. Langsam schüttelt sie ihren Kopf, als könne sie etwas ganz und gar nicht verstehen oder fassen. Wieder macht sie einen Schritt zurück und er macht einen vor. Zurück, vor, zurück, vor, bis die junge Frau mit dem Rücken gegen eine Eiche stößt. Er steht vor ihr und sieht sie mit seinen eisblauen Augen an, die irgendwie zu leuchten scheinen. Das Adrenalin schießt nur so durch ihre Adern, er ist nicht mehr der jenige für den sie ihn gehalten hatte. Eine seiner weißen Hände legt sich sanft an ihre Wange, er summt eine Melodie vor sich hin, es hört sich an wie ein Schlaflied. Seine Stimme verschmilzt mit dem eiskalten Wind und ihre Lider werden schwerer, sie droht in Trance zu versinken. Nein, nicht aufgeben.
,,Nein…“
Ihre Stimme verliert sich in dem immer lauter werdenden Sturm seiner Melodie. Nun liegt auch seine zweite Hand an ihrer anderen Wange. Er streichelt sie, mit seinen eisigen, blassen Händen und sieht sie liebevoll an, mit seinen unendlich schönen Saphiraugen. Sein schwarzes Haar wirkt zerzaust, aber das lässt ihn nur noch verführerischer wirken. Ihre Angst zaubert ein Lächeln auf sein wundervolles und doch Furcht erregendes Gesicht. Zwei lange, spitze Zähne verstecken sich hinter seinem zu einem Lächeln verzogenen, blassen zu perfekt scheinenden Mund. Er kommt näher, sein Körper drückt sich an ihren, warmen, mit Blut durchströmten Körper. Das Herz, es schlägt immer schneller. Sanft legen sich seine Lippen an ihre Wange und geben ihr einen bittersüßen Kuss. Er lacht leise, fast sanft und hinreißend.
,,Was ist geschehen?“
Sie bringt es angestrengt hervor.
,,Was soll schon passiert sein Marianne?“
Marianne kann sich nicht wehren, der Griff um ihr Kreuz wird schwächer. Sie darf nicht aufgeben und doch scheint es unmöglich.
,,Bitte, du weißt dass es nicht Rechtens ist.“
,,Unsere Liebe war noch nie erlaubt gewesen und doch kann ich sie jetzt, nun, endlich zum anderen wenden.“
Seine kühlen Hände gleiten sanft hinunter, bis sie an Mariannes Hals verweilen. Wieder küsst er sie, nun ganz sanft auf die warmen, vollen, roten Lippen. Sie darf ihm nicht verfallen. Der Kuss scheint sich endlos hinzuziehen, doch dann irgendwann lösen sich seine kalten, toten Lippen von ihren. Er gleitet mit seinen Lippen hinunter an ihren Hals.
,,Wehr dich nicht.“
Er haucht es ihr entgegen, wieder spürt Marianne den kühlen Atem, der einst warm und ohne diesen süßen Geruch war. Langsam schließen sich ihre Augen, ihre Lippen öffnen sich zu einem Gebet. Er lacht höhnisch.
,,Es wird dir nichts nutzen. Ich werde dir nicht wehtun, ich liebe dich.“
Eine seiner Hände umschließt kalt die Hand, die sich verzweifelt um das Silberkreuz geschlossen hat. Ruckartig reißt er die Kette von dem Hals ihrer Besitzerin. Geräuschlos fällt sie zu Boden. Seine Hände umschließen sanft ihre Taille, kein Entkommen ist möglich, Marianne weiß, dass es jetzt vorbei sein wird. Ihre Augen sind halb geschlossen, halb geöffnet. Seine Lippen streichen vorsichtig über ihren Hals. Sie öffnen sich langsam. Marianne spürt deutlich das Stechen, warmes Blut fließt an ihrem leicht unterkühlten Hals hinab und beschmutzt ihr weißes Nachthemd. Sie stöhnt vor Schmerz und zuckt leicht zurück, sie möchte sich befreien, doch er hält sie in seinem eisernen Griff gefangen. Seine kühlen Lippen schließen sich um die Wunde. Sein Mund nimmt gierig das warme Blut entgegen. Der junge Mann drückt Marianne fest an sich, eine Hand umschließt zärtlich ihren Kopf.
Mitsamt ihrem Blut fließen all ihre Erinnerungen auf ihn über, er kann alles sehen, was sie jemals erlebt hat. Wie sie ihn kennen gelernt hat, der erste Kuss mit ihm, ihre erste Nacht miteinander. Sie ist unschuldig, völlig unschuldig, ihre Seele ist rein.
,,Kevin…“
Sie flüstert es ganz schwach und sanft. Langsam lässt Kevin seine Liebste in das nasse, kalte Gras fallen. Starr sieht Marianne in den bewölkten Himmel. Das Blut strömt weiter warm an ihrem Hals hinunter. Alles scheint sich plötzlich zu drehen, der Wind tost immer lauter, das Summen ist vollkommen mit ihm verschmolzen und begleitet ihn, wie eine Geige einen Sänger. Sie ist zu schwach, zu viel Blut hat sie verloren und es fließt noch weiter aus den beiden Einstichen seiner Zähne. Alles fühlt sich taub an, ist kühler als zu vor. Die Eule, sie schreit und schreit und scheint nicht mehr aufzuhören. Jemand nimmt sie auf seine Arme, Kevin nimmt sie in seine, auf seine Arme und hält ihr seinen blutenden Arm entgegen, sie trinkt, das süße, durch ihr Blut warm gewordenes totes Blut. Sein dunkles Blut. Vorsichtig legt er sie wieder nieder. Marianne windet sich vor Schmerzen, es brennt überall, ihr Herz kämpft verzweifelt um das Leben der jungen Frau, doch es ist vergebens. Ihr Körper stirbt und als Marianne ihre Augen wieder öffnet, sieht sie alles mit ganz anderen Augen. Sie steht auf und betrachtet ihre Umgebung mit ihren neuen, scharfen Vampiraugen. Zwei weiße, kalte Hände

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Kommentare

Darktear schrieb am 2007-09-08 20:56:25:
schön :-)
princetongirl8189 schrieb am 2007-09-08 20:15:19:
hmh..ich weiß garnicht was ich zu so einer spannenden story sagen soll...also sie ist gut, aber der vorgang zum vampir werden dauert doch nicht ein paar minuten sondern etliche stunden glaub ich jedenfalls naja vllt solltest du diesen teil besser beschreiben aber sonst einfach nur toll
großes lob
princetongirl8189
cool schrieb am 2007-09-02 18:00:21:
ooh! Der Titel ist ja soooooooooooo traurig! Mir kommen gleich die Tränen
sina franke schrieb am 2007-08-30 21:59:32:
obwohl ich solche geschichten nicht mag finde ich, dass sie dir hervorragend gelungen ist.
mach weiter so
lg
sina

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