Der mit der Katze spricht
von
Schattenschalk
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Mein Name ist Herrman Picht. Ich bin freier Verhaltensforscher. Meine Spezialität sind Menschen. Ich versuche zu ergründen, warum sie irrational reagieren, wenn es dafür keinen offensichtlichen Grund gibt. Ich erzähle ihnen nun eine wahre Begebenheit, die mein Leben grundlegend verändert hat.
Höflichst
Ihr Herrman Picht
Durch Zufall sah ich den seltsamen jungen Mann, der mitten in der Nacht, durch meinen ruhigen Heimatort schlich. Ich lebe in Nastätten. Das ist eine kleine Stadt, umgeben von viel Natur und wenig Industrie. Ich liebe diese Stille. Und weil ich gerne in aller Ruhe spaziere, um meine Gedanken besser ordnen zu können, tue ich das oft nach Mitternacht. Zu diesem Zeitpunkt waren die Straßen wie leergefegt. Kein Geräusch drang durch die nächtliche Stille. Nicht einmal ein Hund war zu hören. Ich bog in die Gronauer Straße ab und betrat das Neubauviertel. Schmucke Einfamilienhäuser schossen, wie Pilze, aus dem Boden. Da sah ich diese dunkle Gestalt. Es war ein junger Mann. Es war schwer zu erkennen, wie alt er sein mochte. Da ich ein sehr vorsichtiger Mensch bin, blieb ich weit hinter ihm und hoffte, dass er bald abbiegen würde. Man kann ja nie wissen, pflegte meine Mutter immer zu sagen. Ich sah, wie eine Katze schnurstracks, auf ihn zu lief. Ich kannte sie. Es war Minka. Die große Maine Coone von Friedrichs. Der Fremde blieb stehen und sprach die Katze an.
"Hallöchen du. Dich kenne ich auch noch nicht. Wohnst du hier?"
Ich musste lachen, über seinen kauzigen Humor. Minka blieb vor ihm stehen und sah ihm in die Augen. Ich konnte nur hoffen, dass er sie nicht streicheln wollte. Die Katze wollte nicht von Fremden berührt werden. Und ihre Hiebe, -das könnt ihr mir glauben- können sehr schmerzhaft sein. Der Fremde beugte sich runter und kraulte das buschige Kopffell, der Katze. Das wunderte mich etwas. Minka ließ es sich gefallen und zeigte dem Fremden, ihr Katzenhinterteil. Für alle, die es nicht wissen. Bei Katzen, ist das ein Zeichen tiefen Vertrauens. Ich beobachtete weiter die Szene. "Gern geschehen", antwortete der Fremde einer nie gesagten Danksagung. Doch, die Katze wollte ihn nicht gehen lassen. Sie stellte sich ihm in den Weg und setzte sich auf den Gehsteig. Der fremde machte es auch. Nun saßen die Beiden, wie alte Freunde, nebeneinander. "Ach weißt du", begann er zu erzählen. "Es ist immer das Gleiche. Mein Weibchen scheint mich nicht mehr gern zu haben. Sie ignoriert mich.Und du weißt ja, wie weh das tun kann. Ich tue wirklich alles für sie. Ich mache ihr Geschenke, bringe ihr Futter und kümmere mich um all ihre Bedürfnisse. Menschen leben monogam, musst du wissen. Offenbar scheint mein weibchen das vergessen zu haben. Ich habe den anderen an ihr gerochen. Das war ekelhaft." Minka hüpfte auf seinen Schoß und knuffte ihn aufmunternd, mit ihrem Köpfchen. Er lachte. "Ja. Da wirst du recht haben. Dann hat sie mich nicht verdient. Aber, sie hat so viele gute Seiten. Sie kann so toll Fleisch zubereiten. Das ist einfach köstlich. Sie raucht nicht, treibt Sport, kann unglaublich zärtlich sein und sie ist eine wilde Bestie, im Bett." Minka sah ihn intensiv an und schien ihn aufmuntern zu wollen, dass er weiter spricht. "Ich werde sie wohl verlassen. Ich lebe einfach schon zu lange, um mich noch von Menschen an der Nase herumführen zu lassen. Kennst du nicht eine liebe, alleinstehende Menschenfrau?" Minka sah in Richtung eines kleinen Häuschens und blickte dann wieder zu dem Fremden. "Ach ja? Und sie wüsste mich zu schätzen, glaubst du? Ah ja. Interessant! Gelbe Rosen, sagst du? Nein! Was soll das sein; braune, süße Klumpen in Knisterpackung, die in den Augen brennen? Oh, jetzt verstehe ich. Sie mag Alkoholpralinen?! Gut, gut. Dann werde ich das in Angriff nehmen, sobald ich meiner derzeitigen, sehr kalt gewordenen, Flamme den Laufpass gegeben habe. Du hast vollkommen recht, Minka. Sie hat es nicht anders verdient. Ich danke dir, kleine Freundin. Noch etwas. Diese sabbernden, bellenden Vollidioten sind wieder unterwegs. Sie sind zwar nicht besonders schlau. Aber, pass bitte trotzdem auf dich auf." Somit trennten sich beide wieder und zogen ihrer Wege. Minka besuchte ihre Mäuse-Fangwiese und der Fremde spazierte weiter. Sehr neugierig geworden, folgte ich ihm. Er ging in den kleinen Park und beschleunigte seine Schritte. Ich wollte ihn nicht aus den Augen verlieren und tat es ihm gleich. Plötzlich war er nicht mehr zu sehen. Ich ging weiter und sondierte die Umgebung. Kein Baum war dick genug, dass er sich dahinter verstecken konnte. Frustriert drehte ich mich um und trat den Heimweg an. Bevor ich jedoch sehr weit gekommen war, hörte ich ein Rascheln. Schnell wendete ich den Blick. Ich traute meinen Augen nicht. Was nun geschah, war einfach zu merkwürdig. Der Fremde sprang aus dem Wipfel einer Buche, die gut zehn Meter hoch war. Er fiel ziemlich lang. Ich fürchtete um seine Gesundheit. Aber, er federte den Sprung einfach, mit den Beinen, ab und hetzte in einem unmeschlichen Tempo davon. Ich stand noch lange da und versuchte zu klären, ob ich vielleicht doch schlafe und träume. Wenn ich eines mit den Katzen gemeinsam habe, dann meine Neugierde. Ich ging zu dem Baum und begutachtete ihn. Es war beinahe unmöglich, diesen Baum zu erklimmen. Die ersten Äste wuchsen erst in fünf Metern Höhe. Die Rinde war glatt. Benommen und ungläubig machte ich mich nun sehr schnell auf den Heimweg. Es war richtig unheimlich. Bei jedem Geräusch zuckte ich zusammen. In jeder dunklen Ecke fürchtete ich eine finstere Gestalt, die mich anspringen und töten könnte. Schnell drehte ich den Schlüssel und betrat mein Domizil.
Ich wollte den Fremden unbedingt näher erforschen. Sein Verhalten war nicht nur ungewöhnlich, sondern sehr skurril. Ich legte mich auf die Lauer. Dort, wo Minka die potentielle nächste Partnerin, für den Fremden, bemiaut hatte. Nachts verließ ich meinen Posten. Aber, ansonsten blieb ich den ganzen Tag dort und wartete. Ganze drei Tage musste ich warten, bis er auftauchte. Schnell zückte ich die Digitalkamera und betätigte die Aufnahme. Sie würde alles festhalten. Ich zoomte näher heran und sah, was er in Händen hielt. Einen Strauß gelber Rosen und eine Packung Mon Chery. Eine blonde, hübsche Frau öffnete die Tür. Sie schien sich sehr zu freuen und war überrascht, ihre Lieblingsblumen, zusammen mit ihren Lieblingspralinen, zu bekommen. Ich konnte leider nichts hören. Dafür war ich zu weit weg. Aber, ihrem Gesichtsausdruck und ihrer Gestik zu folge, war sie sehr angetan. Alle Anzeichen waren vorhanden. Sie lächelte verlegen, überprüfte immer wieder den Sitz ihres Haares, lachte über seine Kommentare. Sie hatte sich frisch geschminkt, um sich schön für ihn zu machen. Der lockere Pulli und die Bluejeans sollten davon ablenken und es so erscheinen lassen, als ob sie immer so blendend aussieht. Dennoch, war der Reißverschluss, des Pullis, sehr weit geöffnet. Auch ihre Hose saß sehr, wirklich sehr eng. Sie wollte nicht zu viel, aber zumindest etwas
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Kommentare
petra.muljici@gmx.de schrieb am 2008-08-27 08:47:29:
eine sehr zu Herzen gehende Geschichte,die wieder mal zeigt,zu WAS die Spezie Mensch fähig ist!
Ich danke Dir für Dein Engagement ,bitte mach weiter
Schattenschalk / Raziel schrieb am 2008-08-18 13:33:36:
Danke, Gimliy. Ich freue mich wirklich, wenn ich jemanden erreichen kann. Ich hoffe, dass dein Beispiel Schule macht.
Liebe Grüße
Peter
Gimliy schrieb am 2008-08-17 17:59:44:
Hi. Ich bin sehr angetan von dieser Geschichte. Das ist echt eine echt gute Idee. Ich finde es auch gut, dass sich einige Menschen für Katzen einsetzen. Ich selbst mag diese Tiere und kann es nicht verstehen, wie manche Möchtegernmenschen es fertig bringen, so ein niedliches, selbstbewusstes und auf seine Art hochinteligentes Tier einfach so kaltblütig zu ermorden. Ich hab auch neulich im TV etwas darüber gesehen, wie ein Katzenhasser einen Kater ins Herz schießen wollte. Zum Glück hat der Kater überlebt, doch ihm bleibt eine körperliche Behinderung.
Nun, zurück zum Eigentlichen: Ich finde es richtig, etwas zu tun, auch wenn es "nur" ein Aufruf ist. Ich werd da in Zukunft noch besser aufpassen, als sonst schon
Und die Geschichte an sich ist auch ohne Mengel meinerseits^^
lg: Gimliy
ich schrieb am 2008-08-16 21:09:52:
hat Spaß gemacht Deine Geschichte zu lesen.
Marika schrieb am 2008-08-16 15:46:53:
ach.. das wollte ich noch loswerden, Herr Schattenschalk.. ich bin mal wieder stark beeindruckt von Ihren Schreibkünsten. Bitte hören Sie nie auf damit....
Marika schrieb am 2008-08-16 15:44:06:
das wurde aber auch mal Zeit...... miau..........
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