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Kategorien > Kurzgeschichte > Drama

Der rote Rucksack -Teil 1: Verregneter Nachmittag

von Benny Leidig

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Fortsetzungsgeschichte

Der rote Rucksack



Teil 1: Verregneter Nachmittag

Wassertropfen trommelten auf die Fensterbank. Draußen regnete es in Strömen. In den Rinnsteinen stand das Wasser. Es ging kein Wind und so blieben die dunkelgrauen Wolken wo sie waren und ergossen sich über der Stadt. Die Menschen hielten in ihrer Verzweiflung Taschen, Zeitungen oder Mantelkrägen über den Kopf. Es half wenig und auch nur kurz. Autos rasten durch angeschwollene Pfützen und spritzten Fußgänger nass. Ihre Flüche gingen im Geprassel des Regens unter.
Die Häuser sehen noch trauriger aus wenn es regnet, dachte er. Hinter dickem Doppelglas sah er den flüchtenden Passanten nach, die durch die Fußgängerzone hetzten.
Das Puzzle war fast fertig. Ein Bauernhof mit viele Tieren war darauf zu sehen. Eigentlich zu einfach. Gerade mal 150 Teile. Er mochte Puzzles. Vor allem wenn es regnete. Er ging in die Küche und holte sich abermals einen Schokoriegel und aß ihn gedankenverloren. Wenn es regnete fühlte er sich ganz ruhig. Er mochte es, wenn es still war.
Wenn er das Puzzle beendet hatte, würde er vielleicht ein wenig fernsehen. Oder an dem Piratenschiff weiterarbeiten, dass er vor einigen Tagen begonnen hatte aus hunderten von Lego-Teilen zusammenzusetzen. Ein schöner Drei-Master sollte es werden, mit Kanonen und allem drum und dran. Die Besatzung, bestehend aus einem Dutzend Lego-Männchen mit Augenklappen, Holzbeinen und Piraten-Hüten wartete bereits ungeduldig an Bord kommen zu dürfen.
Er drehte die Heizung etwas höher. Auf Stufe 4. Mutter mochte das nicht, er würde zuviel Energie verschwenden und fossile Brennstoffe vergeuden. Ihm war das egal. Er wusste sowieso nicht was das war. Er zog sich lieber seinen gelben Pullover aus und saß in Unterhemd und ohne Pantoffeln (sogar ohne Socken) auf dem Teppichboden. Noch einmal nahm er das Puzzle in Augenschein, betrachtete die Hühner, den Tracktor und den lachenden Bauern.
Draußen wollte der Wolkenbruch nicht enden. Er versuchte sich zu erinnern, wann es zuletzt so geregnet hatte. Vor vier Wochen vielleicht? Aber nicht so! Er sah, wie das das brackige Wasser aus den Gullis wieder hervorquoll und die Straße flutete. Die Autos wurden langsamer. Und die Fußgänger auf den Gehsteigen noch nasser. Seine Mutter war einkaufen gefahren. Hoffentlich brachte sie neue Schokoriegel mit.
Das Puzzle war nun fertig. Er betrachtete sein Werk und fand das es gut war. Ein paar Tage würde er es lassen und erst dann wieder in den Karton räumen. 100 Teile mehr hätte er locker geschafft. Aber so wandte er sich wieder dem Piratenschiff zu. Er suchte gerade einen dieser verflixten 4-er Legosteine, als es plötzlich klingelte.
Wer konnte das sein? Seine Mutter hatte einen Schlüssel, die würde nicht klingeln. Und sein Vater kam erst spät von der Arbeit heim. Er legte die Kisten mit den Legosteinen beiseite und ging zur Tür. Da er an das kleine Loch zum durchkucken noch nicht herankam, schob er einen Stuhl vor die Tür und spähte durch die Linse.
Ein Mann in einem weißen T-Shirt stand vor der Tür. Wasser perlte seine Nasenspitze herab und die Haare hingen ihm wirr im Gesicht. Er war jünger als sein Vater und auch ein bisschen kleiner aber viel dünner. Durch das Kuckloch sah seine Nase riesig aus.
Der Mann tat ihm leid. Er fror offensichtlich und seine Kleidung klebte auf seiner Haut. Noch einmal klingelte der Mann. Mit der Hand wischte er sich einen Wassertropfen aus der Stirn. Das man keine fremden Leute in die Wohnung lassen sollte, hatte seine Mutter ihm oft gesagt. Aber der Mann in dem weißen T-Shirt tat ihm leid. Wahrscheinlich wollte er sich nur vor dem Regen in Sicherheit bringen. Wer ging denn bei diesem Wetter auch nur im T-Shirt raus? Besonders schlau konnte der Mann nicht sein.
Er schaute auf die große Uhr über der Haustür. Der große Zeiger stand ziemlich genau auf der Fünf. Auf den kleinen Zeiger schaute er nicht. So richtig konnte er die Uhr noch nicht lesen. Seine Mutter war noch nicht so lange weg. „Gegen Sechs“, hatte sie gesagt, wäre sie wieder da. Wie eine Sechs aussah, wusste er.
Nur kurz dürfte der Mann bleiben. Seine Mutter würde sonst schimpfen. Nur kurz trocken werden.
Er schob den Stuhl neben die Tür und machte auf. „Hallo“, sagte er. Der Mann lächelte. „Hallo Kleiner. Kann ich mich bei euch vielleicht kurz aufwärmen? Mein Bus kommt erst in einer Stunde und ich hab vergessen mir eine Jacke mitzunehmen. Wie heißt du?“, der Mann machte einen Schritt auf ihn zu. „Lukas. Ich wachse noch. Sie können kurz reinkommen. Aber nicht lange, meine Mutter ist bald wieder da.“, sagte Lukas und trat einen Schritt zur Seite um den Mann eintreten zu lassen. „Danke, Junge. Ich heiße übrigens Matthias.“, sagte Matthias und trat ein.

Ende Teil 1

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