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Kategorien > Fabeln & Märchen > Nachdenkliches

Der weise König Eisenhand

von albretom

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Vor langer Zeit lebte in einem Land, nicht weit von hier ein junger König. Sein Vater war früh gestorben, so wurde ihm schon in jungen Jahren die Last der Verantwortung auferlegt. Er trug sich aber nicht allzu schwer an dieser Last. Wer immer in seinem Königreich lebte oder nicht, wie es dem Volke ging, wie sie den Zehent zahlten, all das kümmerte ihn nicht wirklich.
Da kam nun ein Jahr der Winter besonders früh ins Land. Die Ernten waren noch nicht alle eingebracht, der Wein stand noch auf den Stöcken, da fiel plötzlich Schnee vom Himmel. Schnee im ganzen Land. Hoch und immer höher lag der Schnee, bis alles davon bedeckt war und man manches unter dem weißen Mantel nur noch erahnen konnte.
Alsdann wurde es kalt. Bitterkalt. Die Flüsse, die Seen die wunderschönen Wasserfälle, alles fror zu und wurde zu Eis. Aus den Häusern stiegen Rauchsäulen, denn Holz war nie knapp in diesem Land, so mußte auch bei strengen Wintern nie jemand frieren. Dicke Eiszapfen hingen von den Dächern und die Kinder tobten ausgelassen im Schnee herum.
Auch im Schloß des Königs war alles in bester Ordnung, obwohl der Winter früh gekommen war. Die Frau des Kämmerers hatte immer eine Warme Suppe auf dem Feuer, der Schmied ließ die Funken seiner Esse stieben, den Stallobersten wärmten die Nüstern der königlichen Pferde, der Gärtner schließlich saß mit seiner Frau und seinen sieben Kindern gemütlich im kleinen Häuschen in den königlichen Gärten und blickte geradewegs auf den herrlichen Marmorbalkon des Schlosses, wo er im Frühling wieder die prächtigsten Rosen ziehen würde.

Da gelüstete es den jungen König nach draußen zu sehen. Doch die Scheiben seines Thronsaales waren allesamt dick mit Eisblumen überzogen, so dick das man einfach nicht hindurch sah.
So ließ er den riesigen Saal heizen, der normalerweise im Winter gar nicht benutzt wurde, weil er so groß war, das ihn nur ein mächtiges Feuer überhaupt erwärmen konnte.
Da kam der Majordomus zu ihm und teilte untertänigst mit das nicht genug Holz dafür vorhanden sei.
Doch den jungen König kümmerte dies wenig. So ließ er alles Holz durch seine Soldaten in den Schloßhof bringen. Das Holz des Kämmerers, des Schmieds, auch das Stroh aus den Stallungen, selbst das Holz des Gärtners. Das Holz der Bauern auf dem Lande, das Holz der Bürger in der Stadt. Auch das Holz der Bäcker. Das Holz aus den Selchen der Fleischer.
Das Holz der Schuster ebenso wie das Holz der Tischler. Damit wurde nun der Thronsaal geheizt. Volle zwei Wochen lang. Dann war alles Eis auf den Butzenscheiben getaut, und man konnte ein verschwommenes Bild von draußen sehen.
Im Saal aber war es heiß geworden, so öffnete der junge König die Türen zu seinem Balkon und trat hinaus.
Ach' wie frisch schien ihm da die Luft! Wie herrlich klar die Sicht! Für diesen Moment hätte er wahrlich nicht das ganze Holz verheizen müssen. So stieg er nach draußen und umfaßte mit einer Hand das mächtige marmorne Geländer. Eiskalt durchfuhr es seine Gelenke. Er wollte seinen Arm zurückziehen, doch schon war er festgefroren.
Jemand mußte ihm helfen. Vielleicht der Gärtner in seinem Häuschen?
Er schrie und schrie, doch der Gärtner hörte ihn nicht. Er hatte sich nämlich mit seiner Frau und seinen sieben Kindern in den hintersten Winkel seines Häuschens zurückgezogen, wo sie sich unter einer dicken Decke gegenseitig wärmten. Dabei hatten sie längst keinen Blick mehr für den Balkon des Königs.
Der König machte sich nichts vor, so spärlich wie er gekleidet war würde er die Nacht nicht überstehen, er zitterte ja bereits am ganzen Leib. Seine Finger waren weiß, und jedes Gefühl war aus ihnen gewichen.
Er versuchte es noch einmal, er schrie um Hilfe bis er ganz heiser war, denn er mochte dort nicht sterben.
Dabei hörte ihn nun der Kämmerer, der gerade dabei war den großen Schloßkamin zu heizen.
Er eilte herbei, doch vermochte er ihn nicht vom Geländer zu lösen.
Oh' mein König, sprach er, die warme Suppe meiner Frau hätte euch sicher vom Geländer befreit. Doch unser Suppenkessel ist kalt, da wir kein Holz haben.
Und der Kämmerer brachte den Schmied, doch der Schmied sagte:" Wenn noch Feuer in meiner Esse wäre, so hätte ich einen Meißel geschmiedet, der das Geländer zerbricht, doch so habe ich nichts das dafür hart genug wäre."
So ging es hin. Niemand konnte dem armen König helfen. Nun denn, dachte der König, bevor ich hier sterbe. " Man bringe eine Axt."
So ließ sich der König die Hand abhauen um nicht zu erfrieren, und er erkannte wie wichtig Holz für alle war.
Der Schmied machte ihm später eine eiserne Hand, keinen Haken, denn er wollte nicht das sich die Kinder auf den Straßen vor ihm fürchteten.
Jener Tag hatte den König für immer verändert. Da er von nun an stets zuerst an das Wohl aller dachte wurde er als der weise König Eisenhand bekannt.

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Kommentare

Leanyka schrieb am 2006-04-05 15:14:31:
Schöne Geschichte!

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