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Kategorien > Science Fiction > Emotionen

Deus ex Machina

von Rolf Thienel

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Ich wollte immer ein Astronaut werden,als ich noch klein war. Es war die endlose Weite, die mich anzog, der Traum zu den Sternen zu fliegen. Meine Schulnoten waren gut genug und auch sonst tat ich alles dafür diesen Traum zu verwirklichen. Ich war nie eine Sportskanone, aber ich setzte alles ein um die von der NASA gesetzten Kriterien zu erfüllen. Ein wenig G lück und Beziehungen verhalf mir schon mit 22 Jahren zu einer Position auf den Wartelisten der Mars-Flüge.

Damals war das zwar schon etwas besonderes, doch ich ahnte noch nicht worauf ich mich einließ als ich mich für das Flugprogramm verpflichtete. Ich meldete mich freiwillig, als sie Leute für eine neues Programm suchten. Die Mars-Flüge waren so streng nach Plan, das ich keine echte Chance hatte, vor meiner Pensionierung überhaupt die 25 Flüge für eine silberne Nadel zu erreichen. Das neue Programm versprach da wesentlich mehr als die Versorgungsflüge nach Mars-LZ-1.Sollte ich in diesem Programm fliegen können, würde ich sicher Karriere machen.

Man legte uns eine Menge Schriftstücke vor, die wir zu unterzeichnen hätten.Verzichtserklärungen, Sicherheitsunterweisungen, eine Menge Zeug- im grossen und ganzen lief es darauf hinaus, das wir niemandem etwas erzählen durften und die Regierung im Zweifelsfall nicht einmal unsere Namen gekannt hätte. Aber wir wollten Raumfahrer werden, keine interstellaren Busfahrer wie unsere Kollegen im Mars-Programm. Die eigentlichen Tests begannen nachher- manchmal fragten wir uns was man eigentlich von uns erwartete wenn wir verdeckte Karten erraten sollten oder ein bild beschreiben das von einer undurchsichtigen Folie bedeckt war.

Sobald wir die Sicherheitschecks für das Programm durchlaufen hatten, wurden wir in das eigentliche Trainingsschema aufgenommen. Wir waren zu diesem Zeitpunkt noch 120 Teilnehmer, doch das würde sich innerhalb der nächsten Wochen drastisch ändern. Das wir die ersten Menschen in diesem Testablauf waren. Diese neue Art der Fortbewegung ausserhalb des Einstein-Raumes wurde als „Tunneleffekt“ oder Transit-Sprung bekannt. Die Probleme bei der Nutzung des Tunneleffektes waren zu Beginn des Programms gravierend. Man kann es sich vorstellen als ob man in einem Fluss von einem Holzbalken zum anderen springt während die Stömung die Balken mit ständig wechselnder Geschwindigkeit und Richtung voran treibt. Anfangs versuchte man Computer zur Berechnung einzusetzen, da jedoch keine Regelmässigkeiten in den Veränderungen des Transit-Flusses erkennbar waren, führte dies zu fatalen Fehlern. Computer waren mit der Berechnung alternativer Routen von einem Ort zum anderen oft überfordert. Andererseits stellte die begrenzte Belastbarkeit des menschlichen Organismus eine andere Grenze dar. Unsere Gruppe innerhalb des Programms wurde speziell anhand einer Fähigkeit zusammengestellt. Wir alle waren in begrenztem Maße paranormal begabt. Jeder von uns hatte in den vorausgegangenen Tests eine weit über dem statistischen Mittel liegende Trefferquote bei den Tests zur paranormalen Begabung im Bereich der Vorrauswahrnehmung gezeigt. Bei den vorangegangenen Gruppen führte diese Begabung zu wesentlich besseren Ergebnissen in der Schiffsnavigation als die besten und leistungsstärksten Schiffscomputer erreicht hatten. Leider tauchten auch einige neue Probleme auf.
Der menschliche Körper ist nur begrenzt belastungsfähig und der wiederholte Übergang zwischen Transit-Raum und Einstein-Raum führt zu gewaltigen Schäden innerhalb des Blutkreislaufs. Die wenigsten Testteilnehmer der ersten Flüge überstanden einen Übergang ohne einen Herzinfarkt zu erleiden. Da Computer jedoch nicht in der lage waren korrekte Sprungdaten zu liefern musste man eine Alternative entwickeln. Diese Alternative war das Programm „Deus ex Machina“ oder auch nur DEM genannt.
Versuchte man zuerst den menschlichen Geist als Computer zu simulieren, entwickelte sich dieser Weg bald als Sackgasse. Nach verschiedenen Versuchen stellte sich eine Vernetzung des neuronalen Konzeptes beider Seiten als effizient heraus. Das Ergebnis dieses Programms sind wir Navigatoren, sicher haben sie schonmal auf einem Weltraumbahnhof gesehen wie die Navigatoren zu ihren Schiffen gebracht werden oder aus ihnen herausbegleitet. Oft ist es einer der letzten Eindrücke die die Reisenden wahrnehmen bevor sie in die Kälteschlafkammern gebracht werden, damit sie den Tranist unbeschadet überstehen.


Ich bin immer noch der Junge, der zu den Sternen fliegen wollte, auch wenn das was ich damals war in einer Nährlösung schwimmt und ich mit Sicherheit immer noch keine Sportskanone bin. Aber ich habe die Sterne gesehen, bin durch den Raum geflogen, meine Sensoren haben mir Dinge gezeigt, die ich mit den Sinnen, mit denen ich geboren wurde niemals wahrnehmen könnte
Die Wenigen, die mit mir das Programm durchlaufen haben und das Glück hatten, es zu überleben, sind heute meine Freunde. Wir halten Kontakt über Entfernungen, die für jene die uns schufen unmöglich scheinen, ein Nebeneffekt des Transitspringens. Wir Navigatoren sind auch Telepathen, auch wenn dieser Effekt nur unter Navigatoren funktioniert, hat er doch viel dazu beigetragen unseren gesellschaftlichen Status zu festigen. Es hat nur einmal einen Streik der Navigatoren gegeben, danach nie wieder. Heute bilden wir jene aus, die das Potential haben, die Strömungen zu erahnen und die Sprungpunkte zu lokalisieren. Aber wir alle sehnen uns danach wieder in den Transit einzutauchen, wo wir wirklich lebendig sind. Wo wir mehr sind als in eine Stahlkapsel eingeschlossene Gehirne und Nervengewebe.

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