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Kategorien > Fantasy > Düsteres & Geheimnisvolles

Dezember (1)

von Fjäril

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Schattentänzer


Bunte Neontafeln blinkten mir von schlecht verputzten Hausfassaden lästig entgegen. Die Nacht war eisig. Schneematsch lag zu beiden Seiten der unbefahrenen Straße zu hohen, braunen Haufen aufgetürmt. Es war lange nach Mitternacht und die Stadt schien bereits zu schlafen.
In den Taschen meines warmen, dunkelgrünen Parkers froren meine Hände zu Eisklumpen zusammen.
Ich ging durch diese beleuchtete Welt und hielt den Atem an. In meinem Nacken stellten sich die kleinen Härchen auf, während jede Faser meines Körpers spürte, dass ich nicht alleine in dieser todbringenden Eiswüste war. Ich hörte keine Schritte, aber ich spürte, dass sie da waren und mich unaufhaltsam verfolgten.

Für manch einen mochte es sonderbar wirken, dass eine junge Frau Stunde um Stunde frierend durch die Gassen zieht und sich der unumstößlichen Tatsache bewusst ist, dass man sie verfolgt. Für mich war es alltäglich. Ich war es gewohnt, auf meinen nächtlichen Streifzügen die sonderbarsten Schattenwesen aus ihren Löchern zu locken. Die meisten waren schwach, unbedeutend und zeigten sich nie, dieser war andres.
All die Kreaturen der Nacht erkannten mich, wenn sie meine Nähe spürten. Und ich fühlte im Gegenzug, dass sie bei mir waren. Selten jedoch war, dass ich eine dieser Kreaturen tatsächlich zu Gesicht bekam. In dieser Nacht hatte ich das Gefühl, meinem Verfolger begegnen zu können.
Die Präsenz war stark. Etwas Dunkles, namenloses lauerte in den Schatten, aber noch zeigte es kein Gesicht.

Ich lief weiter, ohne mich umzublicken. Jahrelange Erfahrung hatte mir gezeigt, dass es manchmal besser war, meine besonderen Fähigkeiten nur im Notfall auszuspielen: Zeigte sich der Dämon, würde ich ihm zuvor kommen.

Es gab, neben der Tatsache, dass ich eine Fähigkeit besaß, die mich die Gegenwart übermenschlicher Wesen spüren ließ, weitere Wahrheiten in meinem Leben, die einen gewöhnlichen Menschen möglicherweise verwirrt hätte, für mich aber zu meinem Leben gehörten, wie das Atmen: Ich konnte nicht altern, meine Wunden heilten schneller und ich war stärker als andere Frauen, denn ich teilte meinen Körper mit einem Dämon.
Normalerweise war ich an diese Dinge gewöhnt und es störte mich auch nicht, böse Geister in meinem Umfeld wahr zu nehmen. Diesmal jedoch war alles anders. Meine Instinkte vibrierten. Mit tödlicher Sicherheit zog es mich fort, raus aus dem dicht bewohnten Teil der Stadt. Dorthin, wo ein Kampf möglichst wenig Schaden anrichten und ich mich besser verteidigen konnte. Im Vergleich zu den meisten Dämonen war ich mit wenigen Gaben ausgestattet, die mir im Nahkampf nützlich waren. Ich konnte meinen Angreifer wahrnehmen, wenn er sich mir nicht zeigte, die Gestalt ändern, um mir einen größeren Vorteil zu verschaffen – und hier endete die Aufzählung bereits. Gestaltwandler waren keine Krieger. Angegriffen und in die Enge getrieben waren wir in jeder Form leichte Beute.
Ich war in Gefahr.

Die Kreatur die mir folgte, war stark, viel stärker als ich selbst und sie näherte sich mit wachsendem Interesse.
Ich bog in eine unbeleuchtete Seitenstraße ab und drehte mich um, um mich zu vergewissern, dass er nicht hinter mir war, bevor ich sprang. Mit einem Satz rettete ich mich auf einen zerlumpten, heruntergekommenen Balkon, zwei Stockwerke über meinem Kopf und ließ einen Augenblick verstreichen. Hinter meiner Stirn wummerten verwirrte Gedanken. Ich zwang sie nieder und gab mir Mühe, mich auf die Nähe des Dämons zu konzentrieren. Er war hier. Und er konnte mich vermutlich sehen, was ihm einen entscheidenden Vorteil verfasste.
Ich drehte mich um und sprang auf den nächsten Balkon. Hier oben brauste der Wind und schlug mir mit eisiger Faust entgegen.
Ich hatte herausgefunden, dass ich Schattenwesen anzuziehen schien. Etwas lockte sie zu mir und erweckte ihr Interesse. Leider konnte ich nur erahnen, was es war. Nachdem ich mit dem Dämon verschmolzen war, hatte mein Körper begonnen, sich zu verändern. Meine Sinne waren ausgeprägter, meine Bedürfnisse gewachsen und selbst meine Art zu denken hatte sich gewandelt. Am ausgeprägtesten waren die Veränderungen meines Geruches. Hunde knurrten, wenn sie mich sahen und Menschen begegneten mir nicht selten mit Verwirrung. Sie alle konnten meinen Geruch nicht einordnen. Ich roch nicht wie ein Mensch und bestimmt nicht wie ein Tier. Der zufriedenstellende Aspekt war jener, dass mich viele Menschen nicht ansprachen und mir Männer aus dem Weg gingen. Unangenehm hingegen war die Tatsache, dass ausgerechnet Dämonen diesen Geruch äußerst betörend fanden. Er machte sie neugierig, denn er stellte eine Mischung zwischen Dämon und Mensch dar.

Unbeholfen schüttelte ich meinen Arm, bis der Ärmel meine Uhr freigab und studierte das Zifferblatt. Über eine Stunde lag mein Telefongespräch mit William nun zurück. Plötzlich breitete sich Kälte über meinen Körper aus. Für gewöhnlich ließ mich William niemals länger als zehn Minuten warten, wenn ich ihn anrief.
Unbehagen ließ meine Gliedmaßen versteifen. Zwar glaubte ich nicht wirklich, dass ihm etwas zugestoßen war, aber ausschließen konnte ich es nicht. Beklommen stemmte ich mich auf die Füße hoch und blickte über das Geländer des Balkons beiläufig in die Tiefe. Der Dämon sah mich.
Heiß und stechend prickelte sein Blick auf meinem Gesicht. Er war so nah, dass der Wind seinen bitteren, wilden Geruch zu mir trug.
Ein ungeübter Dämon hätte in diesem zarten Hauch kaum mehr wahrgenommen, als ein gut geschulter Hund. Er hätte Dunkelheit gerochen, Unsterblichkeit, möglicherweise Verwesung; Ich aber roch noch eine weitere Komponente, die zu allem Übel meine Sorge noch steigerte: das Alter dieses Wesens.
In den verschiedenen Epochen der menschlichen Geschichte hatte es immer Dämonen und Schattenwesen gegeben und jede Zeit hatte auf ihnen einen einmaligen Duft hinterlassen. Die Erfahrung zeigte mir, dass dieser Dämon bereits mehr als vierhundert Jahre alt sein musste. In der Annahme, dass seine Stärke mit wachsendem Alter zunahm, musste ich also davon ausgehen, dass mich ein mächtiger Dämon verfolgte. So wie Kadra.

Ruckartig drehte ich mich um, spähte hinauf zum Dach und suchte dort nach einem sicheren Versteck. Vergebens. Trotz allem sprang ich leichtfüßig auf den Dachsims und hangelte mich über die Steinplatten hinauf bis zum Kamin. Halt suchend überblickte ich die Stadt.
Die Gegend, in die ich mich hatte treiben lassen, war verfallen. Viele der Häuser standen leer, andere waren teilweise oder ganz eingestürzt und unbewohnbar. Wer hier lebte, liebte das Risiko oder war nicht vermögend genug, sich eine akzeptablere Bleibe zu suchen.
Ich war nie zuvor auch nur in der Nähe dieses Ortes gewesen und doch zog es mich tiefer hinein, in den Kern dieser herzlosen Ecke.

Es lag in der Eigenart des Dämons, dunkle Orte, finstere Gassen und mondbeschienene, düster-romantische Behausungen aufzusuchen. Soviel zum Klischee. Die meisten anderen Dinge, die man sich über uns erzählte, waren Gerüchte, die zum

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