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Kategorien > Fantasy > Dämonen

Dezember (2)

von Fjäril

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Die Beziehung zwischen William und mir zu beschreiben, war kompliziert, denn er war ein Engelsblütiger und ich ein Dämon. Wir konnten nicht zusammen leben, weil wir fürchteten, dass die Auswirkungen katastrophal werden konnten. Und doch versuchten wir es, wieder und wieder und waren bisher die meiste Zeit erfolgreich gewesen.
Nach meiner Begegnung mit dem Dämon, liefen wir schweigend die Straßen hinunter. Ich wusste nicht, wie lange William uns bereits belauscht hatte und, ob er etwas von unserem Gespräch mitbekommen hatte, aber allein der Gedanke an diese Möglichkeit, ließ mich zittern. Wenn William erfuhr, dass ich mich möglicherweise in Gefahr befand, verlor ich einen beträchtlichen Teil meiner Freiheit und gewann stattdessen einen ständigen Bwacher an meiner Seite.
Unter anderen Umständen hätte ich mich gefreut, Will über einen langen Zeitraum an meiner Seite zu wissen, aber nun erfüllte mich der Gedanke mit Unbehagen.
Wir lebten in einer äußerst waghalsigen Beziehung, denn sowohl er als ich hatten durchaus das Potential dazu, uns gegenseitig zu töten. Durch unser Blut waren wir geborene Feinde und der einzige Grund, weshalb wir versuchten, miteinander zu leben war der, dass wir uns bereits vor meiner Verschmelzung mit dem Dämon gekannt hatten. William war zweifelsohne das Beste an meinem bescheidenen Leben.
“Bist du wirklich unverletzt?”, fragte er nach einer Weile und zog mich enger an sich. Seine Kälte ließ mich frösteln. Ein wohliger Schauer prickelte auf meiner Haut, wie immer, wenn ich in seinem Armen Geborgenheit verspürte.
“Ja”, antwortete ich zitternd. “Ich glaube, mein Geruch hat ihn verwirrt.”
Ein zartes Lächeln erschien auf den sanften Gesichtszügen des Engels. “Ein Glück, dass dieser Duft nicht nur mir den Kopf verdreht.”
Ich nickte. In meinen Gedanken hing ich noch immer zwischen Will und Vard fest. Mein Körper lag bei Will, aber mein Geist brauchte Zeit, um die Begegnung mit dem Dämon zu verarbeiten.
An diesem Abend hatten sich mir viele Fragen aufgeworfen, auf die ich keine Antwort wusste. Wieso traute Kadra diesem Dämon? Wieso hatte er nicht angegriffen? Wer waren sie? Woher kannten sie einander? In welcher Beziehung standen sie? Fragen über Fragen und die Antworten lagen im Nebel.
In meinem Inneren lauerte Kadra mit sonderbar fremder Ausstrahlung und strafte mich mit kühler Resignation für die befremdliche Art, mit der ich Varek gestraft hatte. Sie verstand scheinbar nicht, wieso ich Zurückhaltung und Sorge geäußert hatte. Im Gegenzug verdarb mir ihre schlechte Laune nun die Lust dazu, William von meinem Erlebnis zu erzählen.
“Ich bringe dich nach Hause”, durchbrach Will die Stille und ließ mich anschließend mit meinen Zweifeln allein. Er wusste, es ging mir nicht gut und respektierte, dass mir nicht nach Reden zu Mute war.
William war mit Abstand der respektvollste Mensch, dem ich je begegnet war. Seine altertümliche Höflichkeit, die mich gelegentlich in den Wahnsinn zu treiben drohte, war nun mein Halt in der Dunkelheit. Ihn an meiner Seite zu wissen, stimmte mich glücklicher, selbst wenn ich kaum im Stande war, es zu zeigen: Ich war dankbar, dass er an meiner Seite blieb.
Wir bogen in die nächste Gasse ein und schlagartig fiel mir auf, dass dieser Teil der Stadt bewegter und gefüllter war. Eine Kneipe, am Ende der Gasse hatte geöffnet und davor standen junge Menschen in kleinen Gruppen auf der Straße und rauchten und tranken. Die Kälte schien ihnen nichts auszumachen. Ein junger Mann stand kurzärmelig im Schnee.
Ich wohnte in einer Seitenstraße, in einer kleinen, vierzig Quadratmeter großen Wohnung im dritten Stock, neben einem alleinerziehenden Vater und einer Studentin mit ihrem Verlobten. Das einzig schöne an meiner kleinen, bescheidenen Behausung, war der Balkon, auf dem ich mir im Sommer die Sonne auf die Haut scheinen ließ.
Die Stadt war mir immer ein Graus gewesen, aber ich blieb hier – weil William heir blieb. Wenn ich ginge, musste ich ihn zurücklassen. Er würde niemals mit mir fortgehen. Und ich verstand es. Seine Bestimmung war es, hier für Recht und Ordnung zu sorgen. Ein losgelassenes Monster, welches durch die Straßen wanderte und Menschen umbrachte, konnte die Polizei früher oder später auf uns aufmerksam machen. William gehörte zu jenen, Lichtgeborenen, die daran interessiert waren, auffällige Schattenwesen in ihre Schranken zu weisen und wenn nötig, auch zu vernichten.
Varek wäre einer der Dämonen, die auf jeden Fall vernichtet werden mussten, schon wegen ihres hohen Alters. Und William war der, den man für einen derartigen Job rufen würde. Aus unerfindlichen Gründen jedoch wollte ich nicht, dass Varek etwas zustieß und auch nicht, dass William verletzt wurde. Wenn ich schwieg, blieben wir alle am Leben.
Als wir das Ende der Straße erreicht hatten, griff ich in meine Manteltasche und kramte den Schlüssel hervor. William würde mich nach oben begleiten, daher sah ich keinen Grund, mich bereits zu verabschieden.
Ich öffnete die Tür und hielt sie auf, bis er hindurchgegangen war. Der Eingangsbereich des vierstöckigen Hauses, war unbeleuchtet und obwohl der Hausmeister bereits vor Monaten informiert worden war, hatte sich bisher niemand eingefunden, um die Lampen zu reparieren. Mir war es gleich. Meine Augen waren gut, besser und schärfer als die eines Menschen. Ich konnte selbst in dunkelsten Gegenden gestochen scharf sehen. William erging es anders. Er war ein Geschöpf des Tages und zwar mit besser ausgeprägten Instinkten ausgerüstet als ein Mensch, für die Nacht jedoch kaum geschaffen.
Tastend suchte ich seine Hand und fand seine Finger in der Schwärze. Mühelos zog ich ihn bis zum Treppenhaus und schaltete das Licht ein. Es dauerte einen Augenblick, bis die alten Leitungen den Strom bis zu uns brachten, aber schließlich sprangen die Lampen an und ich ließ William los.
“Ich kann alleine nach oben gehen”, flüsterte ich ihm zu und sah ihn zu meiner Verwunderung nicken.
“Schließ ab und lass die Lichter aus”, sagte er hastig, drückte mir einen Kuss auf die Stirn und versuchte zu lächeln. Er versuchte es, aber es gelang ihm nicht. “Ich werde noch eine Weile in der Nähe bleiben. Falls du ihn spürst, ruf mich an.”
Dann lief er mit großen Schritten durch die Finsternis davon. Ich stieg die Treppen hinauf, bahnte mir einen Weg zwischen Schmutz und auf den Gang gestellten Möbeln hindurch und blieb unter dem flackernden Licht meiner Haustür stehen.
Schlagartig war sie fort, all die Luft, die ich hätte einatmen sollen. Meine Lungenflügel schrumpften zu winzigen, luftleeren Läppchen zusammen und sendeten verwirrte Signale an mein Gehirn. Kadra regte sich. Liebkosend sanft versuchte sie, mich zu beruhigen und drängte mich dazu, mich zu bücken und die weiße, mit einem schwarzen Band versehende Rose aufzuheben.
In meinen zitternden Fingern fühlte sich die Pflanze kalt und furchtbar an.
Varek stand in altmodisch geschwungenen Silberlettern auf dem schwarzen Stoff. Mir wurde heiß, dann kalt und nur Kadras

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Kommentare

Thomas schrieb am 2009-03-06 00:42:40:
Ich finde deine Geschichte super.Weiter so.m.f.G. Thomas

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