Die Assassinen
von
Michael Speier
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Kapitel 1
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<br>Ein Zuber voller Überraschungen
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<br>Düster lag das Schloss im Dämmerlicht. Nebel umwoben lag es da, dunkel und unheimlich. Aus weiter Ferne konnte man das Licht sehen, das in einem der Fenster schien, der Rest lag im Dunkeln. Dunkel waren auch die Gespräche und Geschäfte die hier besiegelt wurden. In dem einen Raum der erleuchtet war saß ein alter Mann krumm in seinem Sessel. Vor ihm stand ein weiterer Mann, der allerdings um Jahre jünger zu sein schien. Er war ganz in einen dunklen Mantel gehüllt, und eine Kapuze verhinderte das man sein Gesicht sehen konnte. Der Alte sprach, oder besser, er flüsterte dem Dunklen heiser zu.
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<br>>>Gebt acht, es ist nicht so leicht wie es scheint. Herr Karon ist ein gerissener Mann.<<
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<br>>>Das ist mir durchaus bewusst, Herr. Und deshalb muss er ausgeschaltet werden.<<
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<br>>>Ja, Balthasar. So ist es. Aber ich warne euch nochmals. Gebt gut acht. Er ist nie unvorbereitet, und gerade in Zeiten wie diesen ist er besonders auf der Hut.<<
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<br>>>Ich habe meine besten Männer mit dieser Aufgabe betreut, Herr. Ich versichere euch, es wird nichts schief gehen. Bevor der Morgige Tag zu Ende geht ist Karons Lebenslicht erloschen.<<
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<br>Der Alte Mann blickte zu Balthasar auf. Er nickte. Und dann kam ein leiser, erstickender Laut aus seinem Mund. Es klang fast wie ein böses Lachen.
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<br>***
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<br>Eisige Kälte lag in der Luft, und ein dichter Teppich aus Schnee lag weiß über der Burg. Es war November. In der Stadt herrschte ein reges Treiben, denn es war Markt. Vielbeschäftigte Frauen tätigten ihre Einkäufe, während die Männer an den Ständen Met und Bier soffen und sich unterhielten. Im Grunde genommen waren alle bester Laune, obwohl es mit der Stadt eigentlich gar nicht gut aussah. Graf Ubiert aus der Nachbarprovinz hatte es sich in den Kopf gesetzt die Stadt samt der dazugehörigen Burg zu ruinieren, um seinen Reichtum und seine Macht noch weiter zu vergrößern. Und dazu war ihm jedes Mittel recht.
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<br>Schwer stapften die Stiefel durch den mittlerweile festgetretenen Schnee. Der Mann ging stur, ohne sich umzusehen. Sein grüner Kapuzenmantel wehte hinter ihm im Wind, und gab den Blick auf das blitzende Schwert und den Dolch, den er am Gürtel trug, frei. Die Kapuze lag nur auf dem Kopf, war aber nicht ins Gesicht gezogen. Das hätte zwar einen unheimlichen Eindruck gemacht, aber der grimmige Blick und vor allem die Größe des Mannes tat diesen Dienst ebenso gut. Kurz blieb er stehen, denn er war an seinem Ziel angekommen, überlegte noch kurz, dann ging auf den schmalen Mann zu der vor dem Vorhang des Zubers stand. Unterweg löste er, wie nebenbei, den schmalen Lederriemen der um seinen Dolch gebunden war um zu verhindern das ein Langfinger ihn an sich brachte. Die Hand legte er unter dem Mantel verborgen nun auf den Griff seines Dolches um ihn sofort ziehen zu können. Das Schwert hätte auf diesem vollen Markt zuviel Aufsehen erreget.
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<br>>>Seit gegrüßt, Gevatter<<, brummte er den Bader an, der vor dem Zuberzelt stand und seine Goldstücke zählte.
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<br>>>Seit gegrüßt, mein Freund. Womit kann ich euch dienen? Wollt ihr ein schönes, warmes Bad nehmen an diesem Kalten Tag, den Kummer und die Sorgen bei einem schönen, heißen Met hinter euch lassen und die Last der Arbeit von den Müden Gliedern spülen? Dann seit ihr hier genau richtig. Ihr müsst euch lediglich noch ein wenig gedulden, denn der Zuber ist im Moment noch besetzt, und der Edle Herr will nicht gestört werden.<<
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<br>>>Aber ich bin gekommen, ihn zu stören, Gevatter.<<
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<br>Mit diesen Worten schob der Fremde den Bader zur Seite und ging nach hinten zum Zuber. Im Vorbeigehen sah der Bader noch kurz den Mantel zur Seite wehen, und das kurze Blitzen der Schwertschneide verhinderte das er ihn aufzuhalten versuchte.
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<br>Im Zuber saß ein junger Mann. Er hatte die Augen geschlossen und seine Arme hingen heraus. Dampf stieg auf, denn im Gegensatz zur Luft hatte das Wasser eine angenehme Wärme. In der Mitte des Zubers hing ein Brett von den Stützbalken des Zubers herab, mit einem Becher und einer Karaffe darauf. Daneben lag ein Rasiermesser, sowie ein Pinsel, ein Spiegel und ein Topf mit Seife. Es duftete nach Orangen. Der Fremde ging auf den Zuber zu, und obwohl der Mann ihn hörte, bewegte er sich weder, noch öffnete er die Augen.
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<br>>>Wie kommt er hier herein. Ich habe meinen Wunsch nach Ruhe doch ausdrücklich geäußert.<<
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<br>>>Ganz Recht. Ich habe ihn missachtet, Herr.<<
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<br>>>Das ist mir nicht entfallen. Und was ist so wichtig das ihr mich beim Bade stört?<<
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<br>>>Ihr Seit doch Karon Sturmfels, der Bärtige, nicht wahr?<<
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<br>Der Mann öffnete die Augen einen Spalt breit und sah den Fremden an. Der Fremde war hochgewachsen, größer als einen Meter achtzig, und damit einen halben Kopf größer als er selbst. Er hatte kurzes, blondes Haar und einen kleinen Bart unter dem Kinn. Nicht so einen Bart wie er selbst. Er hieß nicht umsonst der Bärtige. Sein Bart ging an den Koteletten herunter, den Hals entlang, dann seitens des Mundes wieder hoch und kam über den Lippen zusammen. Die Kinnpartie war, mit Ausnahme eines schmalen Streifens, frei. Ein Barbier brauchte sicherlich seine Zeit um diese Geschichtsbehaarung zu modellieren. Alles in Allem schien der Fremde jünger zu sein als Karon, etwa an die 18 oder 19 Jahre alt, aber sein Blick wirkte entschlossen und zu allem bereit.
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<br>>>Ihr seit gekommen um mir das zu sagen? Ich muss Euch enttäuschen, denn der Weg war vergebens. Diese Information ist nicht neu für mich.<< Dann tauchte er seinen Kopf kurz unter Wasser, griff nach einem Pinsel, tauchte ihn in den Topf und begann sich das Gesicht einzuseifen. Anschließend nahm er das Rasiermesser, stellte den Spiegel auf und begann damit seinen Bart auszurasieren.
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<br>>>Man nennt mich Maraxus, die Klinge.<<
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<br>Der Bärtige hielt einen kurzen Moment lang inne, als würde er nachdenken. Dann rasierte er sich weiter.
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<br>>>Maraxus, die Klinge? Ihr seht gar nicht aus wie ein Assassine.<<
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<br>>>Wenn ich so aussähe wäre ich im Falschen Gewerbe.<<
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<br>>>Da habt ihr recht. Ein Assassine also? Seit ihr gekommen um mich zu töten, Maraxus?<<
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<br>>>Wenn das mein Vorhaben wäre, so wäre das Wasser bereits rot von eurem Blut, Karon. Nein, ich bin nicht gekommen um euch zu töten. Ich möchte euch einen Handel anbieten.<<
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<br>>>Was könnt ihr mir schon bieten, Maraxus. Ich habe alles was ich brauche.<<
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<br>>>Einen Verbündeten könnte ich euch anbieten.<<
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<br>>>Einen Verbündeten?<<
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<br>>>So ist es. Verbündete sind wichtig in dieser Zeit, vor allem wenn man ein so gefragte Mann ist wie ihr. Viele würden ein Vermögen dafür bezahlen euch tot zu sehen.<<
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<br>>>Das ist nun mal die Last meines Geschäftes, wie ihr wisst. Ihr seit doch schließlich selbst ein Assassine.<<
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<br>Maraxus lächelte.
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<br>>>Meint ihr nicht das wir zusammen effektiver wären, Karon?<<
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<br>>>Effektiver? Tot ist Tot, und das ist alles was in diesem Geschäft zählt.<<
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<br>>>Ja, aber es gibt doch Personen, an die man nicht so ohne weiteres herankommt, da wäre doch eine Allianz das beste.<<
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<br>>>Und dazu kommt ihr hierher, um mich zu fragen ob ich mit euch zusammenarbeiten möchte? Ihr seit sehr leichtsinnig mich in meiner Ruhe zu stören.<<
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<br>>>Was sollte mir den schon passieren? Ich bin bewaffnet, und ihr nicht.
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Kommentare
Kevin schrieb am 2009-09-12 02:55:15:
Wow!!! Ein ganz großes Lob an dich, denn das ist wirklich eine (sau)gute geschichte. Habe zwar nur den ersten Teil gelesen, aber der war schon richtig gut mach weiter so. Respekt!!!!
sagich@nicht.de schrieb:
Total gute Story, immer wieder interessante wendungen und ein gut durchdachter Plott. Mir gefallen vor allem das die Charaktere Ecken und Kanten haben und nicht unbesiegbare Superhelden sind. Ich hoffe du schreibst noch mehr so geile stories.
G_Jeske@freemail.de schrieb:
Eine total gute und spannend durchdachte Geschichte. Ich habe sie zwar in Schüben gelesen, aber ich kann nur sagen SPITZE. War auch mal auf deine HP und hab mir den anderen Kram durchgelesen. Du hast viele Facetten, mehr als in dieser genialen Geschichte durchkommen. Ich denke von dir wird man noch viel lesen, und darauf freue ich mich persönlích schon sehr.
ist nun mal so schrieb:
Juchu, endlich mal ein wirklich (!!!) talentierter Autor, der nämlich dazu noch die deutschen Rechtschreib- und Grammatikregeln beherrscht! Einfach klasse! das ist genau das, was ich immer schreiben wollte, es aber bis jetzt (noch gibt es ja Hoffnung *g*) nicht hinbekommen habe...
Wirklich einsame Spitze!
sabrina schrieb:
Hi du! Ich habe zwar deine ganze Geschichte noch nicht gelesen aber das werde ich sicher noch.... ( Der Anfang hats nämlich in sich...) Weiter möchte ich fragen: Wusstest du das es im ca. elften Jahrhundert eine islamische Sekte gab die sich auch Assassinen genannt haben? Diese Assassinen ( arabisch- Haschischraucher) waren bekannt für ihre Blutrünstigkeit.
Sie schufen die erste Organisation die den Terrorismus als politische Waffe einsetzten. In ihrem Wirken vereinigten sich kaltblütige Planung und religiöser Fanatismus. Im Anfangsstadium der Sekte hiess ihre Führungsperson "Hassan y Sabbah" der Alte vom Berg.
(Ich habe mich seit dem ganzen Irak- Krieg und den Selbstmord- Anschlägen mal ein bisschen schlau gemacht)
Naja, vieleicht werden ja im Verlauf deiner Geschichte noch Paralelen auftauchen.
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