Die Aufgabe eines Schutzengels
von
Ai Diem Ngoc Nguyen
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alles spüren, wie ein menschlicher Körper. Aber wenn sich in mir ein Schmerz auslöste, dann bildete er sich nicht nur an einer Stelle, sondern war überall in meinem Körper. Ich machte vor Angst die Augen zu und hoffte, dass dies alles nur ein Traum war. Ich wollte nicht glauben, dass solche Geschöpfe existierten. Darüber habe ich mir mein ganzes Leben lang den Kopf zerbrochen und war zu dem Schluss gekommen, dass es sie nicht gab. Aber wenn ich ehrlich war, hatte ich auch nicht daran geglaubt, dass man nach dem Tod noch existierte. Der alte Ablauf ging mir durch den Kopf.
Es passierte am 28. März, dem Tag, von dem ich dachte, er sei nur ein schlimmer Albtraum:
Mir wurde es in dem Moment bewusst, als mein Herz aufhörte zu schlagen. Als ich die Augen öffnete, obwohl ich wusste, dass es nicht ging, sah ich, dass ich im Krankenhaus war. Meine Eltern und meine ganze Bekanntschaft versammelten sich um ein Bett, und zwar so dicht, dass ich nicht sehen konnte, wer darauf lag. Nur als ich näher ging, sah ich meinen menschlichen Körper, der friedlich auf dem Bett ausgestreckt lag, als würde er schlafen. Mir stockte der Atem und ich war mir sicher, dass ich gleich umfallen würde. Der Anblick meines toten Körpers war genauso schlimm, wie damals, als ich Opa auf dem Bett sterben sah.
Ist das ein Traum?, dachte ich schockiert. Aber ich war sicher, dass dies kein Traum war, denn es fühlte sich so echt an. Ich sah an mir runter und konnte keine menschlichen Gliedmaßen sehen. Die Beine und Hände waren wie aus Nebel geformt. Weiß und fast schon durchsichtig. Ich trug ein einfaches Kleid und Ballerinaschuhe an den Füßen. Ich machte leise Schritte und wollte meine Mum berühren, doch ich fasste ins Nichts. Es war so, als wollte ich versuchen, den Nebel anzufassen. Ich versuchte es dennoch weiter hin und schrie ein paar Mal: „Mum, ich bin hier!“
Aber sie hörte mich nicht. Keiner hörte mich, als wäre ich unsichtbar, als wäre ich gar nicht hier. Ich folgte meinen Eltern nach Hause und konnte einfach so durch die Wände und Türen gehen, ohne einen Schlüssel zu benutzen. Die Tage waren für sie echt grau, das merkte ich an ihnen, denn ich beobachtete sie jetzt genauer denn je. Was hätte ich noch tun sollen, außer meinen Eltern zu folgen.
Ich ging leichtfüßig in mein Zimmer, ich hatte das Gefühl, dass ich schon leicht schwebe, da ich den Boden nicht fest berühren konnte. Ich glitt durch die Wände, als seien sie gar nicht da.
Der Raum sah genauso aus wie vor einer Woche, als ich noch lebte. Die Bilder meiner Familie und meiner Freunde hingen in roten Rahmen an der Wand über dem Schreibtisch und mein Bett war neu bezogen. Da ich hier nichts mehr machen konnte, lief ich wieder nach unten ins Wohnzimmer, wo ich leises Weinen hörte. Ich blickte hinüber zum Esstisch, an dem meine Mum und meine kleine Schwester schluchzend saßen und vor sich langsam einen Berg benutzter Taschentücher, die voller Tränen waren, anhäuften.
Mein Dad telefonierte mir irgendjemanden, aber ich wusste nicht mit wem. Auf jeden Fall sagte er die Worte„Bestattung“, „Grabstein“, „traurig“. Und so kam dann die Planung für meine Bestattung ins Laufen. Nach zwei Tagen war es dann endlich soweit.
Ich konnte mich an alles erinnern, und wenn ich nur einen Funken daran dachte, kamen die ganzen Bilder hoch.
Ich fühlte, dass ich jetzt in einer anderen Gegend war, und ich spürte einen festen Boden unter mir. Die Luft war windig, sodass meine Haare vom Wind langsam auf und ab gingen. Mein Herz klopfte wild vor Neugier und Spannung, ich versuchte langsam die Augen zu öffnen.
Ich war nicht mehr auf dem Friedhof, aber das was ich jetzt sah, verschlug mir den Atem und ich musste mich ernsthaft Fragen ob meine Augen mir keinen Streich spielen wollten.
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