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Kategorien > Kurzgeschichte > Drama

Die Beichte

von Norbert Hilgers

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ihm nicht leichtgefallen, aber er glaubte, daß es für Alle das Beste sei. Wiesbaden schien ihm weit genug und die kleine Werkstatt, die den leichten Lackschaden ausbesserte, wurde sicher nicht kontrolliert. Der Wagen war neu und die frische Farbe des Reparaturlackes war von der Originalfarbe nicht zu unterscheiden gewesen.

„Ich konnte doch nicht die Wahrheit sagen!“, wiederholte Kessel leise die banale Entschuldigung. Die Halskette immer noch in der Hand ging Kessel den tristen Flur entlang, bis er an der Raucherecke ankam. Der schale Geruch alter Asche hing in der Luft und Kessel trat an das hohe Fenster heran, daß zum Lüften schräg gestellt war. Er schloss es und legte den Hebel des Öffnungsmechanismus um. Dann zog er es mit einem Ruck auf, kletterte entschieden auf den Rahmen und sprang.

Hinter dem Krankenhaus hatte sich eine kleine Menschenmenge versammelt. Rettungssanitäter packten ihre Notfallkoffer ein und zwei Bedienstete eines Beerdigungsinstitutes trugen einen schmucklosen Zinksarg heran. Professor Stein umfaßte mit der rechten Hand immer noch fassungslos sein Kinn. „Was mag in Pfarrer Kessel wohl vorgegangen sein, daß er einen solchen Entschluß gefasst hat“.
„Es ist wohl über seine Kräfte gegangen“, entgegnete Stationsarzt Hermanns kopfschüttelnd“. Stein sah ihn irritiert an. „Wußten sie es denn nicht?“, fragte Hermanns. „Was soll ich nicht gewußt haben?“ Der Stationsarzt zögerte einen Moment. „Der Mann, der heute Nacht auf 34 gestorben ist, war Kessels Vater“.

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Kommentare

sina franke schrieb am 2007-06-17 22:37:06:
oh mein gott.
gänsehaut. hammer. berührend. einfach fantastisch, traurig und so wunder schön geschrieben. ich bin fassungslos, dass eine geschichte soetwas bewirken kann. . .
deine geschichte mit dem wasserturm ist die beste die mir je untergekommen ist, doch das hier ist einfach unantastbar. hut ab.
hochachtungsvoll
sina
Norbert Hilgers schrieb am 2007-01-17 14:37:57:
ich muß zugeben, daß ich die Geschichte mit der heissen Nadel geschrieben und veröffentlicht habe.
Es finden sich etliche Fehler, die sicherlich zu berichtigen sind. Einige Kritikpunkte sind mir jedoch nicht klar. Pfarrer/Priester.
Ist ein Pfarrer nicht auch Priester? Auch kann ich die Stelle in meinem Text nicht finden an, der ich davon spreche, daß Kessel, bevor er Geistlicher wurde, verheiratet war. Es sollte sich um einen Verlobungsring handeln, was zugegeben nicht eindeutig definiert ist.

Bin immer bereit dazu zu lernen

Norbert
Pit Petrol schrieb am 2007-01-16 22:47:57:
Tut mir Leid, aber das stimmt vorne und hinten nicht: Im ersten Satz wird von Kessel als Pfarrer beschrieben, dann hat er eine Absolution verweigert (ist also offenbar berechtigt sie auszusprechen) und dann ist er ein Priester ("suchte Kessel unter dem abgestoßenen Priesterkragens")
Was denn nun? Gehört Kessel der evangelischen oder der katholischen Kirche an? (Oder ist er Pfarrer/Priester einer neuen Ökumene???) Die Tatsache, dass er eine Frau hatte verträgt sich definitiv nicht mit der Absolution.
Heaven schrieb am 2007-01-16 16:33:17:
Hey,

mir gefällt deine Geschichte wirklich sehr!!!
Sie ist super geschrieben, spannend, wie man langsam immer mehr über den Mann erfährt. Auch den unvorhersebaren Schluss finde ich sehr gut gelungen!! =)

lG Heaven
Moritz schrieb am 2007-01-16 13:31:49:
klasse.
Erst dachte ich, dass die Geschichte mich nicht mehr überraschen könne....aber dann. Echt gelungen.

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