Die Berufung
von
Melli Steinbach
Wieder war ein langer Tag in der Praxis vorbei, ich hatte wie jeden Tag Schnittwunden genäht, Brüche eingegipst und etliche Medikamente verschrieben. Wieso fühlte ich mich nach jedem Tag in der Praxis schlechter? Weil ich den Beruf des Arztes gar nicht erlernen wollte und es nur meinem Vater zuliebe getan habe? Ja genau so war es, mein Vater, der Arzt aus Leidenschaft, sein Lebensinhalt war es, anderen Menschen zu helfen. Bei mir war das anders, nicht das ich nicht helfen wollte, so war es nicht, aber es kam nicht von Herzen, ich fühlte mich zu dieser Aufgabe einfach nicht berufen und deshalb teilte ich meinem Vater mit, dass ich ihm unsere gemeinschaftliche Praxis ab morgen alleine überlasse. Er war sehr verletzt, enttäuscht, sicher auch wütend, er wollte stolz auf mich sein, wollte das ich genau so ein erfolgreicher Arzt bin wie er, er wollte das ich es fühle, fühle das ich gebraucht werde. Er ließ mich gehen, jedoch nicht ohne mich noch einmal eindringlich darum zu bitten, es mir doch noch zu überlegen und meine Entscheidung nicht zu übereilen, er hätte sich auch nicht von Anfang an berufen gefühlt, wie ich mich so gerne ausdrücke, er sagte das käme eines Tages einfach von selbst.
Ich nahm meine Arzttasche, schmiss sie achtlos in den Kofferraum meines Wagens und machte mich auf den Weg nach Hause. Ich fuhr einige Zeit auf der Autobahn und hing die ganze Zeit meinen Gedanken über das Gespräch mit meinem Vater nach, als ich plötzlich in einiger Entfernung einen Jungen an der Leitplanke stehen sah. Ich konnte es nicht glauben, dachte zunächst es sei mein übermüdetes Gehirn, das mir einen Streich spielt, doch der Junge war auch nach mehrmaligem Augenreiben noch immer da. Er war höchstens acht Jahre alt und ich fragte mich was ein Kind so spät am Abend auf der Autobahn macht. Ich hatte noch nie in meinem Leben einen Anhalter mitgenommen und hatte auch jetzt eigentlich nicht vor, diesen doch irgendwie seltsamen Jungen in mein Auto einsteigen zu lassen. Doch seltsamerweise konnte ich nicht anders, wie von allein setzte ich den Blinker, fuhr auf den Standstreifen und hielt neben ihm an. Ich öffnete die Türe und der Junge stieg ein. Ich fuhr los. Der Junge trug eine blaue Schirmmütze, die er tief ins Gesicht gezogen hatte, er starrte die ganze Zeit nach vorne und sprach kein Wort. Das Seltsame war, ich habe auch nicht gesprochen, ich habe ihn weder gefragt wo er hin möchte, noch was er dort auf der Autobahn gemacht oder wie er dort hingekommen ist. Ich wollte etwas sagen, doch ich konnte einfach nicht. Wir fuhren eine ganze Weile schweigend auf der Autobahn, bis der Junge plötzlich mit dem Finger nach rechts auf eine Abfahrt zeigte. Ich fühlte das er mir etwas zeigen wollte und folgte seinem Fingerzeig. Von der Autobahn kamen wir auf eine Landstraße. Sie war sehr holprig und zudem nicht beleuchtet. Auch auf dieser Straße fuhren wir wieder schweigend und es kam mir vor als wäre eine Ewigkeit vergangen, da zeigte der Kleine plötzlich nach links in einen Schotterweg und als ich dort einbog sah ich auch schon das Unglück, ein Bus voll mit Kindern war verunglückt, der Fahrer hatte die Kontrolle über das Fahrzeug verloren und war über den Schotterweg einen Abhang hinunter gestürzt. Ich parkte meinen Wagen, holte meine Arzttasche aus dem Kofferraum und lief so schnell ich konnte zu dem Bus, um mir einen Überblick zu verschaffen. Der Busfahrer war bewusstlos, einige Kinder leicht und andere schwer verletzt. Ich rief von meinem Handy einige Krankenwagen zu Hilfe. Da wir uns jedoch ziemlich weit ab von irgendeiner Ortschaft befanden, musste ich anfangen die ersten Kinder zu verarzten, ich konnte unmöglich auf die Kollegen warten. Also behandelte ich ein Kind nach dem anderen so gut ich konnte und wie es meine Mittel zuließen. Während meiner Arbeit hörte ich auch irgendwann die Sirenen des Krankenwagens und atmete erleichtert auf, als endlich die Kollegen mit den Rettungsfahrzeugen eintrafen. Ich half nun noch die leicht verletzten Kinder aus dem Bus zu holen und ging dann zu einem der Sanitäter und fragte ihn wie es aussähe und wie es um die Kinder stände. Der Sanitäter teilte mir mit, dass die meisten Kinder direkt nach Hause gebracht werden können, einige wenige müssten mit ins nächste Krankenhaus fahren. Allerdings hätten sie einen Verlust zu bezeichnen, ein Junge wurde wohl aus dem Bus geschleudert, sie fanden ihn ein Stück weit weg vom Bus und für ihn kam leider jede Hilfe zu spät, er musste sich beim Aufprall das Genick gebrochen haben und war sofort tot. Mir wurde heiß und kalt, ich hatte ein mehr als unangenehmes Gefühl im Bauch und bat den Kollegen mir den Jungen zu zeigen. Der Kollege ging auf eine Trage zu und hob das weiße Tuch, so dass ich ihn sehen konnte. Ich meinte die Welt würde jede Sekunde aus den Angeln gerissen, es fühlte sich an, als ob mir der Boden unter den Füßen weggerissen würde, unter dem Tuch lag der Junge, der kleine Junge den ich in meinem Wagen mitgenommen hatte. War das wirklich möglich, hatte seine Seele den Körper verlassen um mir zu zeigen wo die anderen Kinder sich befanden, um sie zu retten? Es konnte einfach nicht möglich sein, ich fragte den Kollegen ob er mich noch bräuchte und nachdem dieser verneinte ging ich zurück zu meinem Wagen, ich musste nach Hause, das alles verarbeiten, schlafen und vor allem, versuchen zu verstehen was passiert war. Als ich einstieg, sah ich auf dem Beifahrersitz die blaue Schirmmütze des Jungen. Ich hob sie hoch, betrachtete sie und überlegte mir, wer der Junge wohl war und was das alles für eine Bedeutung hatte, als ich sah, dass auch ein Zettel auf dem Sitz lag, ich nahm ihn in die Hand und las was dort in Kinderschrift geschrieben stand: ICH BIN
DEINE BERUFUNG!
Kommentare
kessy schrieb:
Naja, hier wieder mein: GEWOLLT UND NICHT GEKONNT=)Tut mir leid, aber ich bin lieber ehrlich, als dir zu erzählen das das jetzt die mega Geschichte ist. Versuch es nochmal anders.
mailfürmich.com schrieb:
Also ich finde deine Geschichte verdammt gutund deshalb frag ich jetzt lieber nach : Hast du sie von X - Factor ?^^
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