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Kategorien > Fantasy > Zwischenmenschliches

Die Boten 1 (überarbeitet)

von C.Star

Was Ist Passiert?

Mit den Händen in der Hosentasche, schlendere ich locker über die Brocken, die Einzelteile der Häuser, die hier noch vor einer Stunde gestanden hatten. Nun bin ich in Sicherheit. Ich bin zufrieden mit meinem Werk. Ich habe eine riesen Last bei mir getragen, ich habe mein Leben riskiert und endlich bin ich am Ziel. Niemand kann sich mehr mir in den Weg stellen. Denn alle, die es versucht haben, sind nun tot. Tot, wie die Leute um mich, die der Preis dafür sind, dass ich meiner Bestimmung nachgegangen bin. Ich blicke hoch in den dunklen Himmel und sehe den Mond in seiner abnehmenden Phase mit einem Stern vereint. Ein Himmelsbild, dass ich so noch nie gesehen habe. Mein Kopf auf den Boden gesenkt, sehe ich dieses Himmelsbild im Blut der Leichen spiegeln. Diese Körper waren vor einer halben Stunde noch mit Leben gefüllt. Genau wie diese Straße, die jetzt nur noch aus Blutspuren und zerstörten Häusern besteht. Es sind die Bilder eines schrecklichen Krieges. Doch wer hat schon vorher an ein Krieg gedacht. Höchstens ein Blitzkrieg. Jetzt sind sie alle tot. Entweder wegen Herzversagen, Überlastung des Körpers durch zu viele Blessuren, oder einfach nur meinetwegen.
Mich interessiert das nicht, doch warum mache ich mir dann noch Gedanken darüber. Wieso habe ich einen Wissensdurst danach, was in den Köpfen dieser Leute vorging, als sie mich und ihn kämpfen sahen. Wahrscheinlich hatten sie nur Angst. Aber Angst vor mir, oder vor ihm? War ich für sie der furchteinflößende, nur weil ich ein schrecklicheres Lachen habe, oder nur weil ich Spaß daran habe, zu zerstören und zu töten? Manche haben sich vielleicht auch noch gefragt, warum hier gekämpft wird. Doch wer konnte ihnen das denn schon antworten? Ich selbst kenne den Grund nicht und der der einzige, der es noch wissen hätte können ist nun durch meine Hände gestorben. Mir macht das alles nichts aus. Hauptsache, ich bin am Leben. Wer will sich denn jetzt schon über mich richten oder irgendetwas fragen? Es sind ja sowieso alle tot. Eine kühle Brise, welche die hier herrschende Stille unterbricht, streift durch mein kurzes, schwarzes Haar. Wie schön ist es, wenn es still ist. Niemand sagt ein Wort;
Niemand dreht die Musik auf; Keine Krähen auf den Häuserdächern, die Krähen; Kein Wort wird von einem Menschen gesprochen; Kein Brummen eines Autos'; Kein Gott, der sich in alles einmischt.
Stille scheint mir wie eine Droge vor zu kommen.
Ich reiß mir die letzten Fetzen meiner Kleidung aus dem Leib. Mit nacktem Oberkörper laufe ich nun an einem gewöhnlichen Herbsttag durch eine stille Stadt. Von der Ferne höre ich ein Winseln, dass meine ganze Aufmerksamkeit darauf richtet. Ich gehe hin und sehe ein kleines Mädchen, dass am ganzen Körper zittert. "Frierst du", frage ich sie dann. Das Mädchen schaut mich an und nickt mit dem Kopf. Ich drehe mich um und laufe weiter. Wieso friert die denn? Ist es denn so kalt? Oder spüre ich diese Kälte einfach nicht?
Ich laufe immer weiter einen Weg entlang, den ich sehe. Hat wohl etwas mit innerer Orientierung zu tun. Denn äußerlich habe ich sie total verloren. Keine Straßenschilder, keine Gebäude, die dir helfen.
Vor einer halben Stunde standen sie hier alle noch. Nun ist plötzlich alles weg. Doch dann sehe ich ein Straßenschild auf dem Boden liegen. Ich laufe hin und merke einen Haarbüschel daneben, tief in einem Haufen von Getrümmer und Stahl. "Hat da jemand seine Perücke verloren?" Ich greif schnell an den Büschel und zieh es hoch. Es hängt etwas an einem Kopf. Einige Sehnen führen noch tiefer in das Getrümmer, wo der Rest des Körpers sein muss. Ich drehe ein paar mal den Kopf, am Haarbüschel packend und spiele ein bisschen rum. "Oder etwa seine Maske?" Dann schaue ich es ins tote Gesicht, indem sich Angst wieder spiegelt. Der geöffnete Mund ist wie zugefroren und die Augen hängen halb aus den Augenhöhlen raus. Was für ein schäbiges Gesicht. Was für ein schäbiger Tod. Erbärmliches Kind. Ich werfe den Kopf in eine total andere Ecke und es trennt sich mit dem Rest seiner Sehnen. "Man muss schon sehr viel Schiss gehabt haben, wenn Man nach seinem Tod es immer noch am Gesicht erkennen kann. Gut, dass ich nicht mehr weiß was Angst bedeutet. Ich kann mich noch schemenhaft daran erinnern, wie ich einmal schweißgebadet aus einem Alptraum aufgewacht war, doch das ist schon so lange her, dass ich nicht mehr weiß, ob ich Angst hatte. Angst? Angst?! Ich schlug mich einmal mit jemandem, der Angst gezeigt hatte. Armer Junge, er war daraufhin berechenbar und schlug härter zu, als ich eigentlich wollte. "Denn wo Tod ist, bin ich am lachen. Wo Trauer ist, ist mein Lächeln zu finden. Wo es Schmerz gibt, bin auch ich. Wo es Leid gibt, gedeihe ich. Wo es Freude gibt.....", sage ich halblaut. "Dieser Junge kam am 11. September bei mir an, stellte sich vor und veränderte mein Leben.

Kommentare

Christian christian@3d-io.com schrieb am 2006-06-18 04:44:55:
Eine klasse Geschichte. Was ich nicht raffe ist, wie er das alles geschaft hat und wer war der 2te ?? Und wieso tötet er das Mädchen nicht auch ? Und was hat das mit dem 11. September zu tun?
Aber OK, tolle Geschichte, wäre nen kleinen kurz Film wert..
MfG
Christian
Judith Voce schrieb:
Hallo C.Star,

mir ist zwar noch nicht ganz klar, wie ER die Apokalypse veranstaltet hat, aber meine Neugier ist geweckt. Dein Text ist ungewöhnlich, interessant, schon vom ersten Satz an. Und mit dem 11. September zieht man ja so seine Schlüsse. (Wo sim'ma verladen?...)
Ich werde auch den zweiten Teil lesen, sowie ich Zeit habe.

Grüße, Judith

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