Die Brücke
von
Daniel Akhtar
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„Niemand hat es seither gewagt, die Brücke zu beschreiten“, erklärte mir der alte Mann, während ich skeptisch die Holzbrücke musterte. Was war bloss so mystisch an ihr? So seltsam sah sie nun auch wieder nicht aus. Mir solche Geschichten zu erzählen bringt sowieso nicht viel. Ich bin einfach ein Skeptiker. Meine Eintellungen sind klar und einfach: Traue den Dingen nicht gleich auf den ersten Blick, sonder werfe lieber noch einen zweiten darauf. Vielleicht siehst du es ja dann von einem anderen, womöglich sogar vom richtigen Blickwinkel. Man darf das Leben nicht immer gleich so nehmen wie es ist, sonst spielt es mit dir. Klar, den Respekt vor dem Leben darfst du nie verlieren, doch du musst dir auch erarbeiten, dass dich das Leben respektiert. Und dass, kann ich dir sagen, ist ein verdammt schweres Stück Arbeit. Mittlerweile hat es mich an den Rand des 65. Lebensjahres gedrängt. Noch immer bin ich fit. Doch nun zurück zur Brücke: Sie soll einen Umbringen. Was denkst du jetzt gerade? Vielleicht dasselbe wie ich, als ich davon hörte. Wie soll eine Brücke jemanden umbringen? Natürlich nicht direkt. Sie wird einem mit einem bösen Fluch belegen! Wie unheimlich. Wie oft habe ich in meiner Vergangenheit solche Geschichten gehört. Dass es nicht möglich ist behaupte ich gar nicht. Doch dass es so ist, glaube ich ebenfalls nicht einfach so. Sollte ich jetzt einfach glauben, dass wenn ich über diese Brücke schreite, sie mich dann umlegt, so wäre töricht. Mein alter Professor sagte immer: „Wer alles für bare Münze nimmt, ist arm an Gewissheit.“ Diese Aussage hat sich schon öfters bestätigt. Doch genug von meinen Belehrungen, ich möchte mich der Brücke zuwenden. Es ist zweifelsohne ein faszinierendes Objekt, so ein Ding, dass mich mit einem Fluch belegen kann. Ich könnte einfach darüber marschieren, und sagen: Ihr könnt mich doch alle mal! Aber meine innere Stimme sagt dann: „Klaus, überstürze nichts.“ Und diese Stimme hat nicht so unrecht. Doch auch wenn ich in mir denke, dass die Geschichte einen wahren Kern beinhalten könnte, so höre ich ebenfalls auf das leise flüstern, welches in mein Gewissen dringt...
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