Die Büchse der Pandorra, oder Ich bin Schuld
von
emil
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Als ich die schwere Eisentür aufschob, quietschte es leise. Schnell schlüpfte ich durch den engen Türspalt um die Tür sofort wieder hinter mir zu schließen. Meine Augen gewöhnten sich nur langsam an die Dunkelheit, die in der Werkstatt herrschte. Das einzige Licht kam von den goldenen Linien, die die Sonne durch die Ritzen der Jalousien in den aufgewirbelten Staub zeichnete. Es roch nach Schmieröl und Sägespäne. Das Herz schlug mir bis zum Hals.
Ich war damals zehn Jahre alt. Wie jeden Sommer verbrachte ich ein paar Tage bei meiner Großmutter auf dem Land. In dieser Zeit war der stillgelegte Bauernhof, auf dem meine Großmutter lebte, mein Abenteuerspielplatz. Die alten Vieh-Ställe, mit ihren seltsamen, modrigen Holzverschlägen, die Scheunen, in denen sich riesige Strohballen bis an die Decke stapelten und der große Garten, mit dem kleinen Bach, der sich durch die saftigen Wiesen schlängelte, boten Platz für die fantastischsten Geschichten. Immer, wenn ich abends meiner Großmutter von meinen Abenteuern erzählte, lächelte sie verschmitzt und sagte: „Dein Großvater wäre stolz auf dich!“. Meinen Großvater hatte ich nie kennen gelernt. Er war lange vor meiner Geburt gestorben. Und doch war er für mich Mythos und Held zugleich. Er war nämlich Erfinder gewesen.
Meine Großmutter hatte mir verboten, in der Werkstatt meines Großvaters zu spielen. „Da drin ist nichts für kleine Kinder!“, sagte sie einmal so barsch, dass ich über den Ton erschrak, den ich von ihr überhaupt nicht gewohnt war.
Ich achtete das Verbot zunächst. Doch das kleine Gebäude aus grob behauenen Steinen, das sich auf der Straßenseite an das Wohnhaus anschloss, übte von Tag zu Tag eine größere Anziehungskraft auf mich aus. Und an einem späten Nachmittag im September, meine Großmutter war gerade zum einkaufen in den Nachbarort gefahren, tat ich den verbotenen Schritt, den ich bis heute bereue.
Die Werkstatt musste seit Jahren keiner mehr betreten Haben. Dick lag der Staub über der Werkbank. Nur ab und zu konnte man Sägespäne unter der Schmutzdecke erahnen. Schraubenzieher, Schnitzmesser, Feilen und eine Säge hingen an einem Nagelbrett über dem Tisch aus dicken Eichenholzbrettern. Das eigentlich interessante aber waren die Regale. Links und rechts an den Wänden standen Gestelle aus Metall, die bis zur Decke reichten, gefüllt mit den sonderbarsten Gegenständen. Glasgefäße, Zahnräder, seltsam gewundene Metallstangen, Schläuche, und immer wieder Metalldosen und Büchsen mit unverständlichen Aufschriften. Als ich mit meinem gefesselten Blick über die Regale mit dem wunderbaren Inventar fuhr, blieb ich plötzlich an einem Gegenstand hängen, der allein auf einem der obersten Regalbretter stand. Zuerst sah das Ding aus wie eine der vielen Büchsen, die in den Regalen standen. Doch bei näherem Hinsehen schien es, als leuchte das Gefäß. Ich näherte ich mich dem Regal und versuchte das Ding zu berühren. Erst als ich mich auf die Zehenspitzen stellte und mich so hoch ich konnte streckte, bekam ich das Gefäß zu fassen. Ich war erstaunt, wie schwer die Büchse war, als sie wie ein Schatz in meinen Händen lag. Vorsichtig blies ich den Staub von der Dose. Sie war aus glänzendem Gold gefertigt. Jetzt erkannte ich auch, dass die Büchse übersät war, mit eingravierten Zeichen, rätselhaften Buchstaben, die ich bis dahin noch nie gesehen hatte. Wie in Trance fuhr ich mit dem Finger über die in das Gold gefrästen Rillen, über die Ganze Außenseite bis hinauf zum Deckel der Dose.
Und dann hob ich den Deckel an.
Sofort ertönte ein ohrenbetäubendes Kreischen. Ein Knall, als würde die Welt zerbersten, brachte die ganze Werkstatt zum erbeben. In den Regalen krachte es, einzelne Glasgefäße fielen heraus und gingen klirrend zu Bruch. Der aufgewirbelte Staub nahm mir jetzt völlig die Sicht. Halb taub und blind ließ ich die Büchse fallen und torkelte zur Tür, irgendwie ins Freie.
Was draußen geschah, nahm ich nur noch Verschwommen und irgendwie in Zeitlupe war. Ein Lastwagen war in unser Nachbarhaus gerast. Trümmer und Menschen lagen auf der Straße. Andere liefen aufgeregt und schreiend umher. Feuer und Qualm. Eine Hand packte mich von hinten. Meine Großmutter schüttelte mich und schrie etwas. Dann viel ich in Ohnmacht.
Es war der 11. September 2001. Und ich war Schuld.
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Kommentare
marc schrieb am 2009-11-10 17:40:34:
ich find die geschichte echt gut,ich würdenur noch ein bisschen mehr bezug zur büchse herstellen,den moment indem du sie öffnest genauer beschreiben,oder so.
lia felicity schrieb am 2009-02-17 05:48:16:
ich find die geschichte echt gut, ich würde nur noch ein bisschen mehr bezug zur büchse herstellen, den moment indem du sie öffnest genauer beschreiben, oder so.
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