Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Vergangenheit > Liebe/Freundschaft

Die Damen von Bradshaw

von Lilli

1 2

Die Damen von Bradshaw


Cornwall, 1891

1.

Es war ein angenehmer Herbstabend, als ich die Koffer packte. Nachdem meine Eltern bei der Überfahrt von Amerika nach England ums Leben gekommen sind, nahm mich meine Tante bei sich auf. Doch ich möchte doch sagen, dass sie nicht sonderlich gut mit mir klar kam. Sie beteuerte immer und immer wieder, was ich doch für ein ungezogenes Ding wäre. Und an meinem 17. Geburtstag, als ich endlich die süße 16 hinter mir gelassen und den Tag als stolze 17-jährige begonnen hatte, verkündete sie mir, dass sie mich auf ein Mädchenpensionat schickt. Sie könnte alles bezahlen und müsste mir gar keine Sorgen machen. „Und wenn du wieder nach Hause kommst, bist du ein hübsches, bezauberndes und wohlerzogenes Mädchen“
Bei der Betonung auf Wohlerzogen habe ich innerlich geschrieen. Doch ich sagte nichts und meine Miene blieb ausdruckslos. Was brachte es jetzt, das trotzige Mädchen zu spielen.
„Dann werden die Männer nur so Schlange stehen“ sagte Tante Mary mit einem falschen Lächeln im Gesicht und klatschte in die Hände. Doch dann senkte sie die Stimme und fügte mit ernster Miene hinzu: „Und hoffentlich treiben sie dir da auch die Flausen aus dem Kopf einmal Journalistin zu werden. Das schickt sich nicht für ein Mädchen. Wenn du gerne arbeiten möchtest, dann werde Gouvernante!“ Sie stand in meiner Zimmertür und setzte wieder ihr falsches Lächeln auf. Ich schaute sie nur an und holte das schwarze Kleid aus meinem Kleiderschrank. Das war das Letzte. Ich schloss auch die zweite, dunkelblaue Tasche und stand auf. „Wann kommt der Zug?“
Meine Tante schaute mich einen Moment verwirrt an, dann nickte sie heftig: „In einer Stunde“ Sie machte eine Pause. „Die Kutsche steht schon vor der Tür“
Ich nickte und hob meine beiden Taschen vom Boden auf, als mir Tante Mary auch schon eine abnahm. „Vergiss deinen Hut nicht“ sagte sie und ging langsam die Treppe hinunter, wo ihr unten an der Tür auch schon der Koffer vom Kutscher abgenommen wurde.
Ich nahm den kakaobraunen Hut vom Bett und schaute ein letztes Mal auf das Bild meiner Eltern, das auf dem weißen Kopfkissen lag. Ich lächelte leicht, setzte den Hut auf und ging langsam die Stufen mit meinem schweren Koffer hinunter. Auch mir wurde an der Tür sofort der Koffer abgenommen. Ich nickte dem Kutscher dann zu und setzte mich in die Kutsche gegenüber meiner Tante. „Bradshaw ist ein ganz entzückendes Mädchenpensionat, glaub mir!“ Wieder klatschte sie in die Hände. „Und du wirst sehen, sie machen selbst aus dem störrischsten Pferd eine richtige Dame“
Ich ignorierte ihre Anspielung auf mein – ach so furchtbares - Benehmen und schaute aus dem Fenster der Kutsche, die sich jetzt ratternd und wackelnd in Bewegung setzte.
„Na, wie dem auch sei“ redete meine Tante nach einer kurzen Pause weiter. „du wirst dort Kochen, Französisch, Stricken, Tanzen, Zeichnen und natürlich Benehmen erlernen. Und soweit ich weiß ist Bradshaw schon so modern, dass sie auf Uniformen verzichten. Das heißt du darfst deine eigenen Kleider anziehen“ Sie zupfte theatralisch an ihrem mintgrünem Rüschenkleid.
Deswegen hatte ich doch alle meine Kleider eingepackt, oder? Ich nickte nur und zwang mich zu einem hoffentlich schönen Lächeln.
„Du wirst doch sicherlich noch viel Spaß haben. Die Mädchen dort sind bestimmt alle reizend!“ plauderte Tante Mary weiter. „Ich weiß noch, als ich in einem Mädchenpensionat war, hatte ich gute Freundinnen. Und es hat mir auch etwas für meine Zukunft gebracht. Schau dir nur an, welch reizenden Mann ich habe“ Sie holte ihre Brieftasche hervor und zeigte mir, wie sooft ihren Mann, den ich die letzten zwei Jahre jeden Abend drei Stunden ertragen durfte.
Ich konnte wirklich nicht sagen, was an solch einem Mann reizend sein sollte. Mal davon abgesehen, dass sein Gesicht dem einer Ratte glich, war er auch kein besonders freundlicher Mensch. Meine Tante war nur für ihn da, um zu kochen, seine Wäsche zu waschen und den ganzen anderen Kram zu erledigen auf den er keine Lust hatte.
Obwohl es üblich war, und es in jedem Haushalt so zuging konnte ich mich doch nicht wirklich so recht damit anfreunden. Ich nickte wieder nur, und als meine Tante wieder zum Reden ansetzen wollte, unterbrach ich sie: „Bitte, Tante Mary, könntest du kurz einfach nur…“ Ich stockte um nach höflichen Worten zu suchen. Doch mir fiel nichts Passendes ein und so lange konnte Tante Mary nicht schweigen. „Lillian Marie Worthem, rede nicht in diesem Ton mit mir“ Ihr Gesicht lief rot an, wie sooft, wenn sie sich über mich aufregte: „Das werden sie dir dort auch noch austreiben“ murmelte sie noch aufgebracht.
Ich hörte gar nicht mehr hin, sondern schaute wieder aus dem Fenster und genoss die Ruhe, die zurzeit in der Kutsche herrschte.
Wir fuhren durch eine noble Gegend von Cornwall. Auch wenn es nur ein kleines Dorf ist, so hatten es die ganz Reichen doch geschafft sich von der restlichen Gesellschaft abzuheben und abzuschotten.
Ich merkte am Seufzen meiner Tante, dass sie nur allzu gerne zu dieser höheren Gesellschaft dazugehören würden, obwohl wir auch schon zur höheren Klasse gehörten.
Ich schenkte ihr einen kurzen Blick und sah wie sie sehnsüchtig auf die prächtigen Häuser schauten, die an den Seiten der Allee standen.
Am Ende der Allee war der einzige Bahnhof von Cornwall. Die Kutsche hielt mit einem Ruck an und wenig später wurde die Tür geöffnet. Meine Tante nahm die Hand des Kutschers an und stieg aus. Auch mir hielt der Kutscher die Hand hin, doch ich wehrte ab. Ich konnte auch ohne fremde Hilfe aus einer Kutsche aussteigen.
Er holte die Koffer von der Ablage und fragte, ob er sie noch mit an den Bahnsteig tragen solle, doch meine Tante schüttelte dankend mit dem Kopf. „Das schaffen wir auch alleine“ Sie lächelte warmherzig: „Warten Sie bitte hier. Ich bin in ¼ Stunde wieder da“
Der Kutscher nickte und ich nahm einen meiner blauen Koffer und begann die Treppen zur Eingangshalle hinaufzusteigen. Meine Tante keuchte hinter mir mit dem zweiten Koffer wie ein Walross. Ich drehte mich kurz um und sah ihre hagere Gestalt mit den roten Wangen. So schnaufend und rot wie sie aussah hätte ich beinahe lachen müssen. Doch so etwas tat noch nicht ein mal störrisches Pferd, wie ich es war.
Meine Tante ging gleich zum Schalter und stellte sich in die Schlange an, die vor dem Häuschen war. Ich schaute mich in der Bahnhofshalle um und entdeckte einen kleinen Bäckerjungen, der mir seinen Korb voll mit Gebäck durch die Halle lief und etwas verkaufen wollte. Ich holte meinen Geldbeutel aus meiner Tasche und stupste meine Tante an: „Ich gehe mir Kuchen für die Fahrt kaufen“
Meine Tante baute sich auf, bereit zum widersprechen, doch ich war schneller und war schon weg, bevor sie auch nur irgendetwas sagen konnte. Ich hatte keine Lust mir den Vortrag anzuhören, dass man von zu viel Kuchen, viel zu dick wurde.
Ich war nicht zu dick, also machte ich mir darüber keine Gedanken. Immerhin wollte ich nicht einmal so hager, wie

1 2

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Google
Pagerank Tools Pagerank Tools