Die Damen von Bradshaw
von
Lilli
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meine Tante enden.
Ich steuerte den Bäckerjunge an und blieb dann vor ihm stehen: „Guten Tag“
Erschrocken schaute er mit seinen braunen Augen auf: „Guten Tag, die Dame“
Ich hätte beinahe laut aufgelacht, konnte mich aber noch beherrschen. „Kann ich zwei Croissants haben?“
„Aber sicher doch, die Dame“ Er lächelte und zeigte seine vergilbten Zähne. Ich zwang mich zu einem halbwegs ehrlichen Lächeln. Er packte die beiden Croissants in ein Stofftuch und reichte es mir: „Das wären dann 12 Pence“
Ich nickte und durchsuchte meinen Geldbeutel nach Kleingeld. Ich blickte kurz über die Schulter zu meiner Tante, welcher aufgeregt winkte. Schnell drückte ich dem Jungen das Geld in die Hand und eilte dann zu meiner Tante.
Ich nahm ihr schnell eine Tasche ab und sie begleitete mich noch bis zum Bahnsteig. Sie schaute auf die Uhr und seufzte: „Ich muss los, sonst wartet der Kutscher nicht und…“ Ich unterbrach sie: „Kein Problem. Geh schon“
Sie lächelte, diesmal, so glaubte ich, war das Lächeln echt. Sie drückte mich damenhaft an sich und seufzte noch einmal: „An Feiertagen kommen wir dich aber besuchen“ lächelte sie noch, bevor sie meine Hand losließ und ging. Dann drehte sie sich noch einmal um: „ In London wartet eine Kutsche auf dich und wird dich nach Bradshaw bringen. Und benimm dich Lillian!“
Mein Lächeln verschwand: „Lilli… mein Name ist Lilli“ flüsterte ich.
Ich konnte es nie leiden, wenn man Lillian zu mir sagte! Und schon gar nicht Lillian Marie!
Ich schaute meiner Tante Mary nach, bis sie in der Menge verschwand.
Auch wenn ich es nicht wahrhaben wollte, ihr unersättliches Geplapper würde mir fehlen.
Der Zug rollte mit lauten Pfeifen in den Bahnhof ein. Der Dampf zischte und die Menschenmenge trat zurück.
„Nach London! Zug nach London!“ rief der dicke Schaffner. Ich packte meine beiden Tasche und rückte den Hut gerade, als mich an die Tür stellte. Es stiegen nicht viele Leute aus. Wer will auch schon nach Cornwall?
Mit aller Kraft hievte ich meine Koffer in den Zug und ging den Gang entlang in der Hoffnung ein freies Abteil zu finden. Schließlich setzte ich mich in ein Abteil in dem ein alter, hagerer Mann mit seiner Zeitung und eine Frau mittleren Alters und blonden Locken saßen. Ich stemmte mich mit der Schulter gegen die Tür. Sie ging mit einem Quietschen auf und der Mann, sowie die Frau schauten auf. Doch keiner der beiden half mir. Es war nicht üblich, dass eine junge Dame alleine reiste.
Ich hob die Taschen seufzend auf die Ablage und setzte mich schließlich auf den Platz am Fenster. Der Mann saß mir gegenüber und schaute kurz über seine Zeitung. Ich nickte ihm höflichkeitshalber zu und holte dann mein Buch aus der Tasche und las dort weiter, wo ich aufgehört hatte.
Im Allgemeinen war das Buch nichts Besonderes. Nur eine schöne Geschichte über ein Mädchen, das allein nach Amerika gereist ist. Schon nach kurzer Zeit Fahrt meldete sich mein Magen und ich holte die Croissants aus meiner Tasche.
Ich ignorierte den missbilligenden Blick der Frau und aß weiter.
Ich fuhr zwei Stunden mit dem Zug und hatte am Ende das Buch schon fertig gelesen und konnte nur hoffen, dass Bradshaw eine Bibliothek hatte.
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