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Kategorien > Vergangenheit > Liebe/Freundschaft

Die Damen von Bradshaw (Kapitel 14)

von Lilli

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14.

Die Wochen vergingen und Mr. Bradshaw schaute jeden Tag vorbei. Er behielt mich ganz genau im Auge. Vor allem, im Unterricht von Madame LeBlanc. Natürlich hatte er da eine große Schwachstelle von mir entdeckt.
„Ihr Französisch ist grauenvoll, Miss Worthem“ sagte er nach jeder Französischstunde.
Am liebsten hätte ich diesen Mr. Bradshaw zum Mond geschickt! Doch leider konnte ich das nicht.
Auch wenn Mr. Bradshaw jeden Tag vorbei schaute und uns kontrollierte, ließ sich sein Sohn kein einziges Mal blicken.
Ich weiß nicht warum, aber ich war ein wenig traurig darüber. Doch schnell schlug ich mir diesen Gedanken aus dem Kopf. Ich meine, er war nur ein arroganter Kerl, wie sein Vater!
Warum also traurig sein, dass er nicht da war?!
Es war der 19. Oktober als Mrs. Bradshaw verkündete, dass am nächsten Tag die Herren aus dem gesamten britischen Reich kommen würde und dass wir eine gute Figur machen sollen.
Ich würde mir Mühe geben…
Ob auch Mrs. Bradshaw und ihr Mann von Ekel damit zu Frieden sein würden war eine andere Sache.
Jessica saß oben in ihrem Zimmer mit Rose und schnürte ihr das Korsett zu, als auch ich den Raum betrat. Ich holte das vor zwei Wochen gekaufte Kleid aus der Kommode und prüfte es kritisch.
„Meinst du nicht, du solltest wenigstens an diesem Tag ein helleres Kleid anziehen“ fragte Jessica und strich sich demonstrativ über ihr hellblaues Kleid.
Ich schüttelte nur mit dem Kopf: „In hellen Farben fühle ich mich unwohl“
„Du änderst dich wohl nie, Lilli?!“ fragte Rose und gab damit Jessica indirekt Recht. Ich musste leise auflachen: „Nur weil ich helle Farben nicht mag?!“ Damit drehte ich mich mit dem Rücken zu Rose zu und sie band mir schon das Korsett zu und ich schlüpfte in das dunkelgraue Kleid. „Wie läuft das eigentlich ab, wenn die Herren kommen?“
Rose stieß einen schrillen Pfiff aus: „Wie auf dem Markt“
Jessica verdrehte nur die Augen und setzte sich auf den knarrenden Stuhl. „Wir müssen uns in zwei Reihen in der Eingangshalle aufstellen und dann treten die Herren ein. Wenn ihm eine gefällt reicht er ihr den Arm, sie muss sich bei ihm unterhaken. Dann wird zusammen Tee getrunken und am Abend, vor der Abreise wird noch getanzt. Wenn das Mädchen dem Herrn gefallen hat, kann er um weitere Treffen bitten oder ihr gleich einen Heiratsantrag machen. Die Eltern werden im Falle eines weiteren Treffens gleich informiert und können ihre Tochter auch sofort besuchen kommen“
Ich nickte und seufzte: „Sind es gutaussehende Herren?“
Rose lachte laut auf: „Das ist Geschmackssache“
„Das ist eine andere Antwort für Nein“ kicherte Jessi. „Nur manchmal sind auch ganz ansehnliche Herren dabei“
Rose wollte gerade noch etwas sagen, als die Tür aufgerissen wurde und eine völlig abgehetzte Elly in der Tür stand. Ihre Haare hatte sie hochgesteckt und sie trug ihr neues gelbes Kleid. Hinter ihr stand Jane und sah wesentlich gelassener als Elly aus.
„Sie sind da“ keuchte Elly und schaute hektisch von einem zum anderen.
Mit aufgerissenen Augen sprang Jessica auf: „Hoffentlich ist mein Prinz dabei“
Rose musste ein Lachen unterdrücken und Jessica drängte sich schon an Elly und Jane vorbei.
Jane lächelte mich sanft an und meinte beruhigend: „Du brauchst nicht nervös zu sein. Es ist gar nicht so schlimm“ Sie hakte sich bei mir unter und ging die Treppe hinunter. Hinter mir hörte ich plumpen Schritte von Elly und das nicht gerade angenehme Gesumme von Rose. Mir ist öfters aufgefallen, dass sie summt, wenn sie nervös ist. Ich musste leicht schmunzeln und drehte mich zu ihr um. Sie zuckte nur mit den Achseln und wir traten in die Halle ein.
Nicole, Sara, Julia und Jessica standen schon im Raum. Auch wenn ich sie nicht leiden konnte, so waren Julia und Sara doch atemberaubend schön. Ebenso wie Jane. Da konnte ich nie im Leben mithalten… Innerlich seufzte ich traurig und ließ die Schultern hängen.
„Ich will, dass ihr der Schule alle Ehre erweist. Ihr seid die Ältesten und auch die, die am besten erzogen sind. Euch wollen die Herren sehen, vergesst das nicht“ mahnte sie uns, während sie uns alle in einer Reihe gegenüber stehen anordnete. Jane und ich standen uns gegenüber und bildeten die letzte Reihe.
Mrs. Bradshaw schaute noch einmal kritisch auf ihre Anordnung, dann seufzte sie. „Also, meine Damen, der Mann, der euch auswählt hat die Ehre einen ganzen Nachmittag und Abend mit euch zu verbringen. Und ihr habt die Ehre diesen halben Tag mit ihm zu verbringen. Nutzt eure Chance. Es sind alles reiche und gute Männer. Also, benehmt euch!“ Ihre Stimme wurde drohend. Dann wurde die Tür geöffnet und als erstes sah ich Mr. Bradshaw, dahinter sein Sohn.
„Also, meine Herren“ sagte Mr. Bradshaw. „hier haben wir unsere Oberstufe. Alles sehr hübsche und liebe Mädchen“ Wie ein König schritt er zwischen dem Gang, den wir bildeten.
Dahinter folgten 6 Männer. Groß, klein, alt und jung, schlank und dick.
Doch es war keiner von ihnen unter 20 Jahren. Wie Rose es prophezeit hatte. Die Blicke der Männer waren durchdringend und sie beobachteten jeden von uns genau. Doch am meisten spürte ich den Blick von Zeroel. Nur kurz schaute ich ihm in die Augen, dann senkte ich allerdings den Kopf und machte wider alle meine Moral einen Knicks.
Als erstes kam an mir ein blonder fremder Mann vorbei. Er hatte hellgrüne Augen und war etwas übergewichtig. Er schaute mich an und ich senkte den Kopf. Schnell wandte er den Blick ab und verbeugte sich vor Rose. Diese machte einen Knicks und hakte sich bei ihm unter. Julia und Sara liefen mit triumphierenden Blicken an mir vorbei, doch ich ignorierte ihre Blicken. Dennoch wusste ich, dass sie bestimmt mitunter von den Besten auserwählt wurden.
Trotzdem interessierten mich diese beiden nicht sonderlich. Suchend schaute ich nach Jane und Rose und Elly.
Doch ich sah keine von beiden, da sich mir ein Mann in den Weg schob. Leicht erschrocken schaute ich auf, machte einen hastigen Knicks und schaute in das sanfte Gesicht des Mannes. Er war etwa 30 und hatte kurzes, zurückgekämmtes braunes Haar und haselnussbraune Augen. Lächelnd hielt er mir seinen Arm hin und ich hakte mich bei ihm ein. Ich schien die Letzte zu sein, die noch keinen Partner hatte, so kam es mir zumindest vor.
„Mit wem habe ich die Ehre, der Herr“ fragte ich höflich und lief an Jane vorbei, welche an der Seite von Zeroel stand. Ich hatte nicht die Chance ihr einen fragenden Blick zuzuwerfen, weil sich dann Jessica und ein dicker hässlicher Mann in mein Blickfeld schoben. Ich sah ihren traurigen und flehenden Blick zugleich, doch ich konnte auch mit ihr keinen Blickkontakt aufnehmen.
„Will Beek“ antwortete der Mann mit melancholischer Stimme. „Und Ihr Name?“
„Lilli, Lilli Worthem“ antwortete ich. Dann schaute ich fragend zu ihm: „Lord, Baron, oder einen ähnlichen Titel?“
„Scheint ihnen wichtig zu sein“ bemerkte er grinsend. An seinen Wangen bildeten sich leichte Grübchen, was seinem sowieso schon freundlichen Gesicht noch eine weitere Note

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Kommentare

Mörviii schrieb am 2010-02-27 20:32:16:
ich warte schon sehnsüchtig auf die fortsetzung :P
hoffe es wird noch spannender
LG
!!! schrieb am 2010-02-23 18:57:12:
Bin gespannt wie es weitergeht =)
LG

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