Die Damen von Bradshaw (Kapitel 15)
von
Lilli
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15.
Ich wollte noch nicht hoch in mein Zimmer, obwohl es mich schon interessierte, wie es denn bei Rose und Jessica gelaufen war.
Doch ich nutzte die Chance, dass Mrs. Bradshaw und Mr. Bradshaw zu sehr mit dem Tag der Herren beschäftigt waren und sich somit nicht um das übliche ins Bett gehen der Mädchen kümmern konnten, und ging geradewegs in die Bibliothek.
Ich war lange nicht mehr dort. Ich fand kaum noch Zeit dafür, da ich entweder Unterricht hatte, oder von Jane, Rose oder Elly irgendwohin mitgeschleppt wurde. Jessica kam auch immer mal mit, aber sie war nun mal auch mit Julia, Nicole und Sara befreundet. Sie stand also etwas zwischen den Stühlen.
Ich schloss die schwere Eichenholztür hinter mir und sah durch die großen Fenster direkt auf den Kreisel, der vor dem Eingang der Schule stand.
Nach und nach fuhren Kutschen durch das Steintor von Bradshaw und wurden eins mit der Dunkelheit.
Vorsichtig nahm ich eine Kerze vom Tisch und machte sie an. Ich ging an den Regalen entlang, bis ich bei einem Buch hängen blieb. Ich wollte gerade danach greifen, als ich eine tiefe Stimme vernahm: „Was machst du denn hier?“ Ich erkannte den melodischen Klang und schrie erschrocken auf während ich herumwirbelte.
„Sei doch leise“ zischte Zeroel und schaute mich strafend an. „Was machst du um diese Uhrzeit noch hier?!“ wiederholte er seine Frage.
Ich war noch etwas erschrocken, doch dann fing ich mich wieder: „Ich suche nur ein Buch, und was machst du hier?“
„Ich brauchte ein wenig meine Ruhe“ Er schnaubte verächtlich. „Nach dem ganzen Zirkus heute“
Schnell griff ich nach dem Buch, was mir vorhin ins Auge gefallen war und nickte zustimmend: „Ich weiß allerdings noch nicht, ob sich der Zirkus für einen von uns gelohnt hat“ Ich machte eine kurze Pause. „Für mich jedenfalls nicht“ fügte ich hinzu.
„War ja zu erwarten“ Zeroel lachte leise auf.
„Was soll das denn bitte schön heißen?“ Ich versuchte nicht schnippisch zu klingen, doch ich ahnte schon, dass es mir misslungen war.
„Mr. Beek, der Anstandsmann, immer fröhlich und höflich, und das eigensinnigste und geheimnisvollste Mädchen von Bradshaw?! Ich bitte dich!“ Er lachte noch einmal auf und schaute mich leicht abschätzig an: „Das war zum Scheitern verurteilt“
Er hatte Recht. Ja, er hatte verdammt Recht. Dennoch störte es mich irgendwie, dass ich Mr. Beek in die Flucht geschlagen hatte. „Hm, mag sein“ Ich zuckte mit den Achseln. „Stören tut es mich jedenfalls auch nicht“ Das gab ich zumindest vor.
Ich meine, wann würde endlich einmal ein Kerl für mich kämpfen.
Eine Weile schwiegen wir beide. Dann murmelte er leise, sodass ich es kaum verstehen konnte: „Mich auch nicht“
Kurz schaute ich ihn irritiert an. Dann dachte ich an ihn und Jane und wollte ihn darauf ansprechen: „Ähm… Zeroel, zwischen dir und Jane…“
Ich wurde von ihm unterbrochen: „Ist nichts… Du solltest jetzt hoch auf dein Zimmer gehen“ wies er mich zurecht.
Ich verdrehte leicht die Augen und schaute ihn neckisch an: „Ist gut, Papa“ Damit klemmte ich mir das Buch unter den Arm und ging an ihm vorbei. Doch ich drehte mich noch mal zu ihm um und deutete auf das Buch in seiner Hand: „Was liest du?“
Kurz schaute er mich nur an, dann zuckte er mit den Achseln: „Nur ein alberner und alter Schinken“
Ich musterte ihn eine Weile noch kritisch. Er war bestimmt über einen Kopf größer als ich, schoss es mir durch den Kopf.
Mit einer lockeren Bewegung strich er sich das Haar aus der Stirn, schwieg dennoch und schaute mich nur an. Schnell neigte ich den Kopf: „Gute Nacht“ Damit verschwand ich aus der Bibliothek und machte mich auf den Weg nach oben ins Turmzimmer.
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