Die Damen von Bradshaw (Kapitel 16)
von
Lilli
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16.
Als ich die Tür von unserem Zimmer öffnete sah ich Jessica, Rose und Elly auf Jessis Bett sitzen.
Jessica schien sich wieder etwas von Mr. Dic erholt zu haben und kicherte, während sie sich ein Sahnebonbon in den Mund stopfte: „Wisst ihr, wen ich noch süß finde?“
Ich schloss die Tür hinter mir und fragte: „Tom Spence?“
Erschrocken schaute Jessica auf und stieß einen Seufzer aus: „Erschreck mich nie wieder so. Du hättest ruhig anklopfen können“
„Tut mir Leid“ nuschelte ich leise und nahm das Nachthemd von meinem Bett.
„Wer ist es denn nun?“ drängelte Elly.
Jessica schoss das Blut in den Kopf und sie wurde rot wie eine Tomate: „Lilli hat seinen Namen schon genannt“ meinte sie zerknirscht.
„Tom Spence?!“ rief Rose.
Jessica legte sich strafend einen Finger an den Mund: „Nicht so laut. Wenn das jemand hört!“ Sie schnalzte mit der Zunge: „Ihr müsst mir versprechen nichts zu sagen“
„Du hast wirklich Interesse an dem Kutscher von Mrs. Bradshaw?“ hakte Elly ungläubig nach. „Ich meine er ist doch so… einfach! Deswegen sind wir doch nicht hier“
„Ich weiß“ seufzte Jessica. „Doch ihr wisst ja, dass ich aus Liebe heiraten will und auch an die große Liebe glaube“
Ich setzte mich neben Jessica und tätschelte ihr die Schulter: „Aber du kennst ihn doch kaum“
Wieder seufzte sie: „Das ist doch egal. Trotzdem glaube ich, dass ich ihn lieben könnte“
„Ich weiß nicht, Jessi. Vielleicht machst du ja einen Fehler. Ich meine Mr. Dic war doch ein ganz ordentlicher Mann“ bemerkte Elly vorsichtig.
Jessicas Blick wurde eisig und sie zischte Elly an: „Vielleicht sollten wir nicht nur dauernd über mich reden. Wie ist es denn bei dir gelaufen, Elly?!“
Rose schaute fragend zwischen Jessica und Elly hin und her. Auch ich war nicht wissender.
„Was ist denn passiert?“ fragte Rose.
„Die liebe Elly hat einen Antrag von Mr. Howard bekommen“ meinte Jessica und reckte triumphierend das Kinn.
„Was?! Er hat dir gleich einen Antrag gemacht“ Rose stieß einen schrillen Pfiff aus.
Kurz wich ich zurück und schaute prüfend zu Elly. „Du hast doch abgelehnt, oder?“
Elly stockte und zögerte eine Weile: „Ich habe nicht gleich ja gesagt. Ich habe erst um weitere Treffen und um das Gespräch mit meinen Eltern gebeten“ Dann seufzte sie: „Aber ich denke, dass ich ihn heiraten würde. Er ist wirklich freundlich und…“
Ich unterbrach sie: „Ist es das was du willst?“
Elly wich zurück und schaute mich verwirrt an. Eine Weile schwieg jeder, dann nickte Elly plötzlich heftig: „Ich denke… ich…“
„Also, wohl eher nein“ stellte Rose vorsichtig fest.
Jessica schaute traurig zu Elly: „Wenn er erstmal mit deinen Eltern gesprochen hat, dann wirst du ihn heiraten müssen“
Elly schüttelte mit dem Kopf: „Schaut mich nicht alle so an!“ schrie sie plötzlich. „Ich habe nun mal nicht das Geschenk der Schönheit und bei mir stehen nicht haufenweise toller Männer Schlange“ Sie warf mir einen bösen Blick zu. „Du hast nicht das Recht mit deinen Blicken über mich zu urteilen, Lilli!“
Ich wollte gerade etwas erwidern, doch Elly hatte sich ganz in rage geredet: „Und ich habe auch keine Mutter, die eine Heirat aus Liebe einwilligen würde, selbst wenn ein anderer, reicherer Herr noch um meine Hand anhalten würde! So wie es bei dir der Fall ist“ Jetzt bekam Jessica den tötenden Blick zu spüren. Dann schaute Elly zu Rose: „Zu dir fällt mir leider nichts ein!“ schrie sie weiter und stürmte aus dem Zimmer. Die Tür knallte sie mit einen lauten Krachen zu, und ich rechnete jeden Moment damit, dass Mrs. Bradshaw in der Tür stehen würde. Doch nichts geschah.
Ich schaute besorgt zu Rose und Jessica. Rose blickte nur betreten zu Boden: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll“
„Ist Jane bei ihr unten?“ wollte ich wissen.
„Nein, Jane ist mit Mr. und Mrs. Bradshaw im Park bei Mondschein spazieren“ erklärte Jessica.
Nun hatte Elly also niemanden bei dem sie sich ausheulen konnte. In diesem Falle, war ich allerdings die falsche Ansprechperson. Traurig schüttelte ich mit dem Kopf. Dann schaute ich fragend zu Jessica: „Hat Mr. Dic dir auch einen Antrag gemacht?“
Jessica druckste eine Weile herum, bis sie antwortete: „Nicht direkt. Er hat erst mal um weitere Treffen gebeten. Doch ich lehnte ab. Ich konnte es nicht über’s Herz bringen höflich und freundlich zu sein, wie es von mir verlangt wird. Ich würde es nicht ertragen, wenn ich diesen seltsamen Mr. Dic heiraten müsste!!!“
Ich tätschelte nochmals ihre Schulter: „Tu’ einfach das, was du willst. Ich stehe in allem hinter dir“
Sie lächelte matt und schniefte, dann fragte sie: „Aber die ganze Zeit rede ich nur von mir! Wie lief’s denn bei euch?“
Rose lachte kurz und laut auf: „Oh, ich glaube ich war etwas unhöflich zu dem guten Mann. Er wollte um meine Hand anhalten… Da bekam ich es mit der Angst zu tun, da ich nicht schon wieder jemanden vor dem Kopf stoßen wollte, habe ich so getan, als hätte eine von euch gerufen und bin wie ein kleines Kind vor ihm davon gerannt… Obwohl er ja noch ganz ansehnlich war“
Jessica wischte sich eine Träne aus dem Gesicht und fing an zu kichern: „Das sieht dir ähnlich, Rose“
„Ich war nicht die Richtige für Mr. Beek“ lächelte ich. „Jemand hat so schön gesagt: Der Anstandsmann und das eigensinnigste Mädchen von Bradshaw: Das ist zum Scheitern verurteilt. Mr. Beek und ich sind zu verschieden“
Jessica nickte und auch Rose lächelte: „Ja, da hat dieser Jemand Recht“ Rose stand auf und ging zu ihrem Bett.
Auch ich sprang auf die weichen Kissen und schaute aus dem Fenster: „Ist der Tag der Herren immer so aufregend?“
Jessica lachte: „Ja… an diesem Tag passiert immer viel!“
Dann pustete Rose die Kerze aus und murrte verschlafen: „Gute Nacht“
Ich lächelte noch etwas in die Dunkelheit, bevor ich mich in mein Kissen kuschelte und einschlief.
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