Die Damen von Bradshaw (Kapitel 19)
von
Lilli
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19.
Ich zündete die Kerze im Zimmer an und stellte sie auf dem Schreibtisch, während mich Rose und Jessica immer noch geschockt anstarrten. „Du gehst mit wem am Mittwochabend zur Oper?!“ hakte Jessi ungläubig nach und warf ihr eisblaues Kleid in den Wäschekorb.
„Mit Bradshaw jr.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Er hatte mich heute Morgen gefragt, ob ich für ihn die Begleitdame spielen würde“
„Gerade du“ kicherte Rose.
Ich musste lächeln und setzte mich auf mein Bett. „Ich habe auch keine Ahnung, was das soll“
„Vor allem, weil sonst Jane immer seine Begleitdame gespielt hat. Oder Julia, vielleicht auch manchmal Sara… Aber, dass er dich als Begleitdame auswählt, ist echt eine Besonderheit“ fuhr Rose fort.
Ich konnte mir gut vorstellen, dass es auch Pflicht war, dass Jane sonst die Begleitdame war und nicht ich.
Jessi nickte zustimmend. Doch dann grinste sie: „Na, sei doch froh! Zeroel sieht gut aus, und er ist angesehen. Es wird deinem Image bestimmt nicht schaden“
Ich war verwirrt. Wegen Jane und Zeroel. Wegen dem Opernbesuch und wegen meinen eigenen Gefühlen. Ich durfte und konnte Zeroel nicht mögen. Warum also freute ich mich heimlich auf diesen Opernbesuch. Und was war mit Jane, meiner besten Freundin? Sie war seine Verlobte. Diese ganze Geschichte konnte niemals gut gehen.
Dennoch nickte ich, und schaute auf den See und über den Park, als ich zwei dunkle Gestalten sah. Ich konnte sie nicht genau erkennen und kniff deshalb die Augen zusammen. Sie waren ungefähr gleich groß. Ich musste mich beherrschen, um mein Gesicht nicht gegen die Scheibe zu drücken.
Dann erkannte ich die beiden Personen: Es waren Mr. Bradshaw und sein Sohn.
Den Gestiken nach zu urteilen, stritten sie über irgendetwas. Ich konnte ihre Stimmen nicht hören, aber das Gesamtbild reichte aus, um zu erkennen, dass sie nicht friedlich miteinander redeten. Wenig später, schüttelte der größere von beiden – also Zeroel – mit dem Kopf und ging, während Mr. Bradshaw wütend mit dem Fuß auf die Erde aufstampfte.
Worum sie wohl stritten?
„Was ist denn da draußen?“ fragte Jessica neugierig und riss mich damit aus meinen Gedanken. Ich schaute erschrocken auf und schüttelte mit dem Kopf: „Nichts Besonderes. Nur unser Ekel, Mr. Bradshaw“
Mit einem Satz waren Jessi und Rose neben mir und starrten ebenfalls aus dem Fenster. Zeroel war schon verschwunden und nur noch Mr. Bradshaw stand im Park.
„Ich hasse diesen Kerl“ zischte Jessica und setzte sich wieder auf ihr Bett. Ich konnte ihr nur zustimmen und öffnete mit einem Ruck das Fenster. In diesem Moment schaute Mr. Bradshaw hoch. Er sah mich direkt an. Mit einem Blick, der mir etwas Angst, doch ich hielt ihm stand, bis ich die Kerze ausblies und Jessi und Rose „Gute Nacht“ wünschte.
Ich drehte mich zur Seite und schloss die Augen. Doch ich fand keinen Schlaf. In Mr. Bradshaws Blick lag so viel Hass…
Ich wälzte mich im Bett herum und richtete mich schließlich auf. Ich kniete mich vor’s Fenster und schaute noch eine Weile zum Mond und seufzte.
Durch die Stille hörte ich das leise Schnarchen von Jessi und die gleichmäßigen Atemzüge von Rose.
Warum ging mir Mr. Bradshaws Blick nicht mehr aus dem Kopf? Warum dachte ich die ganze Zeit an Zeroel und den Opernbesuch? Und warum hatte ich bei allem so ein ungutes Gefühl? Warum konnte ich Zeroel nicht absagen? Wie konnte ich Jane nur so dermaßen hintergehen? Warum hatte ich ihr den Opernbesuch mit Zeroel bis jetzt verschwiegen, obwohl sie wirklich jedes Recht hatte es zu erfahren?
Ich hatte tausend Fragen in meinem Kopf, jedoch keine einzige Antwort!
Ich drehte mich noch ein paar Mal in meinem Bett hin und her und schlief dann letzt endlich doch ein.
Am nächsten Morgen kam ich sogar einmal pünktlich zum Frühstück. Obwohl ich der vergangen Nacht nicht gut geschlafen hatte und immer wieder aufgewacht bin. Dies sah man auch meinem Gesicht an. Ich schien blasser als sonst zu sein.
Als ich mit meiner Morgenpflege fertig war, rüttelte ich Jessi und Rose wach.
Rose zog fragend eine Braue in die Höhe: „Du bist schon wach?“
Normalerweise musste immer ich geweckt werden. Ich zuckte mit den Schultern und stand auf: „Ihr habt noch eine halbe Stunde. Das dürfte reichen, oder?“
„Wenn ich mich beeile!“ Sofort war Jessica auf den Beinen und rannte zu ihrem Schrank. Voller Hektik warf sie ein weißes Kleid mit rosafarbenen Bändern auf’s Bett. „Normalerweise brauche ich immer eine Stunde!“ redete sie weiter.
Rose lachte auf: „Eine halbe Stunde wird auch reichen“
Ich lächelte die beiden an, und musste über Jessis hektisches Verhalten schmunzeln. Dann nahm ich mir meine dünne Jacke aus meiner Kommode und ging zur Tür. Bevor ich den Raum verließ, drehte ich mich um: „Ich gehe noch eine Weile im Park spazieren“
„Gut! Bis dann. Und komm pünktlich!“ mahnte mich Rose noch, dann schloss ich die Tür hinter mir und ging schnell die Treppe hinunter.
Ich trat durch die Halle an die frische Luft, als eine schwarze Kutsche vor dem Haus hielt. Ich erkannte den Kutscher sofort: Tom!
Er sprang ab, grüßte mich mit einem freundlichen Lächeln und öffnete die Kutschentür.
Mr. Bradshaw stieg, wie immer, königlich aus. Ich fragte mich öfters, für was sich dieser Kerl eigentlich hielt. Denn genau genommen, war er nur ein Internatsbesitzer und kein König und schon gar kein Gott.
„Ah, guten Morgen Miss Worthem“ Ich hörte die Wut und den Spott in seiner Stimme. „Sie sind schon wach“
„Auch Ihnen einen guten Morgen, Mr. Bradshaw“ Ich machte einen Knicks und senkte den Kopf.
„Vergessen Sie nicht pünktlich zu kommen!“ mahnte er mich, als er an mir vorbeiging. Ich ignorierte den Kommentar und schaute zu Tom.
Als Mr. Bradshaw außer Hörweite war, prustete Tom leise los: „Ihr scheint kein gutes Verhältnis zu haben“
Ich lächelte traurig und schüttelte mit dem Kopf: „Es ist furchtbar. Und bis Weihnachten habe ich keine ruhige Minute vor ihm!“
„Ja, das macht er jedes Jahr so“ meinte Tom und setzte seinen Hut ab. „Mir ist zu Ohren gekommen, dass du am Mittwoch die Ehre hast mit Bradshaw jr. zur Oper zu gehen“
Ich nickte und seufzte leise: „Ja, er möchte, dass ich für ihn die Anstandsdame spiele. Allerdings glaube ich, dass Mrs. und Mr. Bradshaw nicht sonderlich erfreut darüber sein werden“
Tom lachte wieder: „Nein, das sind sie wirklich nicht“
Ich schaute ihn verwirrt und prüfend an. Woher wusste er immer so viel?
Als hätte er meine Gedanken gelesen, antwortete er: „Als Kutscher einer Familie erfährt man meist mehr, als andere“ Er grinste verschwörerisch. „Nun denn…“ Er setzte seinen Hut wieder auf und stieg auf den Kutschbock. „Pass auf dich, Lilli“
Er wollte gerade gehen, als ich ihn noch fragte: „Wissen Sie von Mr. Bradshaws Verlobung?!“
Tom schaute mich verwirrt an. Er wusste also nichts. Anscheinend wird diese Verlobung mit Zeroel und Jane noch sehr geheim gehalten. Wahrscheinlich soll es am Ende eine riesige Überraschung sein. Nur die Eltern der beiden und sie selber wissen es. Und Sara
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Kommentare
Vany schrieb am 2010-03-11 17:48:50:
spannend und sehr gut wie immer (:
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