Die Damen von Bradshaw Kapitel 2
von
Lilli
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sicher nicht, dachte ich verbissen, nickte aber höflich.
„Ich bin übrigens Mrs. Norley“ stellte sie sich vor. „Ich bin die Köchin und werde Sie daher auch im Kochen unterrichten“
Ich nickte wieder nur.
„Miss Antonia Rodriguez ist das Putzmädchen, neben Nana Louis. Sie sorgen beide für die Sauberkeit des Hauses. Allerdings nur, wenn Ihre Zimmer ordentlich sind. Tom Spence, den reizenden Jungen, haben Sie sicher schon kennen gelernt?“
Ich nickte: „Ja, er hat mich hierher gefahren“
Mrs. Norley nickte. „Na los, kommen Sie. Mrs. Bradshaw wartet schon“ Sie nahm beide meiner Koffer und führte mich durch die linke Tür, immer weiter gerade aus, durch einen hell beleuchteten Flur, zu einer großen, schweren Ebenholztür. Mrs. Norley klopfte an, und wartete bis eine raue Stimme von drinnen kam: „Herein“
Mrs. Norley öffnete die Tür und schob sich sachte in das Zimmer. Sie selber blieb mit meinen Taschen vor der Tür stehen.
„Guten Tag“ sagte ich höflich.
„Lillian Marie Worthem?“
Ich nickte: „Ja, Madam“
„Ah, sehr schön, dass Sie da sind. Ihre Tante hatte mir bereits viel von Ihnen erzählt“
„Ja, meine Tante redet sehr gerne und viel“ Ich lächelte.
Mrs. Bradshaw nickte nur und durchblätterte einige Papiere: „Unser Tagesablauf ist immer derselbe“ fing sie an. „Um 7 Uhr wecken euch Miss Rodriguez und Miss Louis. Um 8 Uhr wird die Morgenandacht in der Kapelle hinter dem See gehalten. Pünktlich um 8.30 Uhr erscheint ihr zum Frühstück. Danach beginnt ihr mit dem Unterricht: Französisch bei Madame LeBlanc. Musik bei Mrs. Harrison. Zeichnen bei Miss Longburry. Kochen bei Mrs. Norley und schließlich noch Tanz und Benehmen bei mir“ Sie reichte mir den Stundenplan. „Um 6 gibt es Abendessen, danach habt ihr zwei Stunden Zeit zur freien Verfügung, und pünktlich um 8 Uhr treffen wir uns wieder pünktlich um 8 in der Kapelle zum Abendgebet und um 10 Uhr ist Nachtruhe. Dann will ich auch keinen Mucks mehr hören“
Wieder nickte ich nur.
„Sie werden sich ein Zimmer mit Jessica Kinnley und Rose Hallens teilen. Ganz oben, das große Turmzimmer“ Sie lächelte: „Ich bin mir sicher, dass Sie hier eine schöne Zeit haben werden, wenn sie sich an die Regeln von Bradshaw halten“
Ich nickte wieder nur.
„Nun, dann gibt es eigentlich nur noch eins zu sagen: Die Parkanlage sind zu jeder Stunde verfügbar, auch das Hallenbad. Allerdings nur vor Einbruch der Dunkelheit. Vor allem draußen kann es im Dunkeln sehr gefährlich sein. Und im See baden, ist nur erlaubt, wenn ich zustimme“ Sie lächelte wieder: „Es gibt nur wenige Regeln in Bradshaw, aber die, die es gibt sind sehr wichtig: Grazie, Charme, Höflichkeit und Pünktlichkeit sind oberste Priorität. Wer sich daran hält, sollte keine Probleme in Bradshaw haben. Da es nicht sehr häufig vorkommt, dass Mädchen in deinem Alter noch zu uns kommen, wirst du es wahrscheinlich schwerer haben als Andere, aber ich denke, dass es nicht sehr schwer fällt alles aufzuarbeiten. Du gehst also in die vierte Klasse mit 7 weiteren Mädchen in deinem Alter“
Ich nickte: „Vielen Dank, Madame“
„Nichts zu danken, du kannst gehen. Mrs. Norley wird dir dein Zimmer zeigen und ich bin mir sicher, dass Jessica oder Rose dir gerne ganz Bradshaw zeigen“ Sie lächelte und ich machte einen kleinen Knicks und ging hinaus, wo Mrs. Norley immer noch wartete. Sie lächelte: „Dann zeige ich Ihnen jetzt mal ihr Zimmer, Miss“
Wir stiegen steile Treppen hinauf, die ich, wenn ich meine Taschen tragen müsste, niemals geschafft hätte. Doch für Mrs. Norley schien das gar kein Problem zu sein.
Oben angelangt führte nur eine Tür weiter. Mrs. Norley machte sie auf. Sie trat ein legte die Koffer auf dem einzigem Bett ab, dass noch keine Bettwäsche hatte.
Es war ein gemütliches, großes Turmzimmer. Doch, dass man es sich mit zwei weiteren Personen teilen musste, machte es eher eng. Das Bett, das mir gehörte stand direkt unter dem Fenster, sodass ich eine unglaublich schöne Aussicht auf den See genießen durfte. Die beiden anderen Betten standen nebeneinander nur durch einen Nachttisch voneinander getrennt. Neben meinem Bett standen ein Schreibtisch und daneben ein großer Kleiderschrank. Direkt neben der Tür stand noch eine Kommode und gegenüber der Tür noch ein Schrank. Mrs. Norley klopfte auf die Kommode: „Dein Schrank. Jessica und Rose sind zwei ganz reizende Mädchen. Du wirst sie mögen. Auch wenn sie echt unterschiedlich sind!“ Mrs. Norley lachte.
„Tut mir Leid, dass du keinen größeren Komfort genießen kannst. Nur du musst verstehen, dass der den reichen Leuten aufgehoben wird. Es gibt verschiedene Klassen in Bradshaw. Und die Millionäre bekommen natürlich die schönsten Zimmer. Jessica und Rose müssten finanziell eher deine Schicht sein“ Sie lächelte warm.
Auch wenn ich diese Klassifizierung hasse, so konnte ich doch verstehen warum man das tat. Und ich war auch ganz froh mit nicht allzu reichen Schnöseln mir ein Zimmer teilen zu müssen. Ich nickte Mrs. Norley zu: „Mrs. Bradshaw muss sehr reich sein“ murmelte ich, mehr zu mir selber.
Mrs. Norley lachte laut auf: „Oh ja, das ist sie. Und ihr Mann erst“ Sie schauet kurz aus dem Fenster, dann nickte sie mir zu: „Ich muss dann runter, das Abendessen zubereiten. Ich wünsche dir eine schöne Zeit hier, Lillian“
„Ähm, Mrs. Norley?“ fragte ich schnell.
„Ja?“ Sie drehte sich um.
„Ich habe nur eine kleine Bitte. Könnten Sie mich bitte Lilli nennen. Ich mag Lillian nicht“
Mrs. Norley nickte: „Sicher, Miss Worthem. Und kommen sie pünktlich zu Abendessen!“ Mit diesen Worten schloss sie die Tür hinter sich und ich schaute mich noch einmal gründlich im Zimmer um. Also, gemütlich war es ja. Ich ging zu meinem Bett und packte die Kleider, die Mieder, die Korsetts und die Schuhe, meistens Stiefel aus meiner Tasche und legte sie in die Kommode. Nur meine Schuhe stellte ich unter’s Bett. Das letzte Kleid, was ich auspackte war mein Lieblingskleid. Nicht weil es besonders teuer war, oder so. Nein, es war einfach schön. Es hatte einen Ausschnitt und lange Ärmel. Unter der Brust war es noch mal enger geschnürt, so sah man nicht gleich, dass ich nicht einmal ansatzweise vollbusig war. Noch dazu hatte es eine schöne Farbe: dunkelrot. Ich schaute es mir ein Weilchen an bis es dann zusammenlegte und es sorgfältig in die Kommode legte. Meine beiden Taschen stellte ich auch unter’s Bett.
Die Bettwäsche hatte ich schon auf’s Bett gelegt. Also begann ich schon mit Beziehen. Meine Bücher lagen auch schon in der Kommode und das Bild von meiner Tanten war unter meinem Kopfkissen. Ich wollte kein Bild von meinen Eltern mitnehmen. Ich vermisste sie natürlich sehr, aber sie waren tot, und nichts auf der Welt konnte sie wiederholen. Warum also ewig trauern und in Erinnerungen von Leuten schwelgen, die es ehe nie wieder geben wird.
Ich warf die Decke wieder auf’s Bett und legte die einheitliche Tagesdecke darüber, als ich zwei Mädchenstimmen hörte. Dann wurde auch schon die Tür aufgerissen und die beiden Mädchen standen in der Tür. Ich drehte mich um
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