Die Damen von Bradshaw (Kapitel 23)
von
Lilli
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23.
Am Abend hatte sich Jessica langsam wieder beruhigt. Sie saß neben mir auf ihrem Bett, während Rose und ich sie trösteten.
„Sie wird mir genauso fehlen wie Anna“ seufzte sie und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, dann stand sie auf. „Ich werde immer noch hoffen, dass ich aus Liebe heiraten werde“
„Daran glaube ich auch, Jessi“ Elly, welche wie fast jeden Abend, wieder bei uns oben war nickte. „Da wir auch gerade beim Thema sind, ich werde die Weihnachtsferien bei Mr. Howard in London verbringen“
Ich zuckte zusammen, als hätte man mich geschlagen.
Ich war so sehr mit mir selbst beschäftigt, dass ich die Probleme und Geschehnisse der anderen total ignoriert hatte: „Wirst du ihn denn... heiraten?!“
„Lilli, ich weiß was du sagen willst. Doch du warst die letzten Wochen nicht aufmerksam genug!“ Elly fing an zu kichern. „Mr. Howard hat sich nach dem dritten Treffen als unglaublich nett und liebenswert herausgestellt“
„Aber liebst du ihn denn?!“ hakte ich nach.
„Diese Diskussionen machen mich müde“ seufzte Jessi.
Doch niemand achtete auf Jessis Kommentar.
„Ich denke, dass diese Liebe auch nach der Hochzeit noch entstehen könnte“ fuhr Elly fort.
Ich ließ den Kopf hängen. Ich stand mal wieder alleine da mit meinen Ansichten. Das hat mir die Sache mit Julia heute bewiesen.
Sie nahm es in Kauf ein Leben lang unglücklich zu sein, anstatt einmal zu rebellieren. Ich würde es aufgeben. Zumindest die anderen. Aber für mein eigenes Glück würde ich kämpfen.
Und wenn ich für immer allein bleiben sollte, ich würde niemanden heiraten, der nicht meinen Vorstellung entsprach!
Und was entsprach denn meinen Vorstellungen, fragte ich mich selber…
Sofort mischte sich ein Name unter meine Gedanken: Zeroel...
„Hast du einen Geist gesehen?“ fragte mich Rose plötzlich kichernd.
Schnell schüttelte ich den Kopf: „Nein, alles in Ordnung!“ sagte ich hastig.
Jessi und Rose kicherten noch eine Weile, bis ich zu Elly schaute: „Ich wünsche es dir jedenfalls“
„Danke. Und die zwei Wochen in London bei Mr. Howard werden sicher toll werden. Und wenn er mir danach einen Antrag macht, dann werde ich nicht Nein sagen“
„Wenn du damit glücklich bist“ ich lächelte sie an und wechselte dann schnell das Thema: „Wer von euch fährt eigentlich alles nach London?“
„Ich“ sagte Rose. „Und Elly“
Ich sah fragend zu Jessica.
„Ich wollte eigentlich mit Julia zu ihren Eltern. Dann wäre ich in London. Doch das hat sich nun wohl erledigt. Also fahre ich mit Sara zu ihren Großeltern“ erklärte sie. „Nach Hause kann ich leider nicht. Meine Kusine liegt mit den Pocken im Bett. Ich will mich nicht anstecken“
„Und du fährst zu deiner Tante?“ wollte Elly wissen, doch ich schüttelte mit dem Kopf: „Nein, ihr Gatte ist krank. Er hat die Grippe. Jane hat mich heute gefragt, ob ich mit ihr zu ihren Eltern will“ erklärte ich.
„Oh! Das ist ja toll, dann sind wir ja alle zusammen“ rief Rose freudig aus. Dann schaute sie entschuldigend zu Jessi: „ Na ja… nicht alle“
„Ach, wir werden bestimmt mal einen Tagesausflug nach London machen können. Dann müssen wir uns treffen“ meinte sie lächelnd. „Nur die arme Nicole ist allein bei ihrem Cousin, irgendwo in Dublin“
„Dann kann sie ja Anna besuchen“ rief Rose aus und strahlte.
„Wird sie auch“ meinte Jessi.
„Diese Anna schien beliebt zu sein“ bemerkte ich und ging nachdenklich zu meinem Bett direkt unter dem Fenster. Der Ausblick fesselte mich jedes Mal wieder.
„Anna war am längsten von uns allen hier“ sagte Rose nur.
Ich nickte und ließ mich auf mein Bett fallen: „Ich freue mich schon auf die Weihnachtszeit“
„Ja, wir werden sicher alle viel Spaß haben, und ich habe gerade das Gefühl, als hätte ich eine Glückssträhne“ strahlte Elly. Dann stand sie auf: „Es ist spät. Ich werde nach unten gehen“
Wir nickten ihr lächelnd zu und wünschten ihr eine gute Nacht, dann verschwand sie durch die Tür.
Ich lehnte den Kopf gegen die kühle Fensterscheibe und schaute nach draußen. Der Mond war nicht zu erkennen, und es schneite immer noch. Der Park lag still und nichts schien sich zu bewegen. Nur die weißen Schneeflocken, welche vom Himmel hinunter auf die Erde fielen stellten Leben dar.
Julia wird in ein paar Tagen heiraten, Elly wird wahrscheinlich noch vor dem neuen Jahr verlobt sein und ich würde hoffentlich langsam den Opernabend mit Zeroel vergessen können.
Jane vertraute mir so. Jane war meine beste Freundin und insgeheim begehrte ich ihren Verlobten.
Ich konnte nur hoffen, dass mich zwei Wochen London auf andere Gedanken bringen würden. Vielleicht könnte ich auch dort einen Mann kennen lernen, der meinen Vorstellungen entsprach, und nicht den Namen Zeroel Bradshaw trug. Hoffentlich…
Ich weiß nicht wie lange ich nach draußen schaute. Ich versank förmlich in die weiße Landschaft, die die Aussicht bot. Ich glaube sogar, dass ich das Geflüster über Geheimnisse von Jessi und Rose gar nicht mehr mitbekam.
Ich zuckte leicht vom Fenster zurück, als ich doch eine Bewegung im Schulpark vernahm. Es war ein Mann, soviel konnte ich erkennen. Ich kniff die Augen zusammen, um Näheres erkennen zu können. Doch erst nach einer Weile erkannte ich an der Art wie er sich das Haar aus der Stirn strich, dass es Zeroel war.
„Willst du nicht mal langsam die Kerze ausmachen, Lilli?“ fragte Jessi klagend. Sie und Rose lagen schon in ihren Betten, doch ich schüttelte mit dem Kopf: „Gleich“
Wie von einem Dämon getrieben stand ich auf und zog mir meine schwarzen Stiefel an.
„Was hast du denn vor?“ fragte Rose verwundert.
Ich schaute sie kurz an und redete während ich mir meinen Morgenmantel über die Schultern legte und ihn fest zusammenschnürte. „Ich habe etwas in der Bibliothek vergessen“ Mir ist noch nie so schnell eine solch simple Lüge eingefallen.
„Mach aber schnell“ warnte mich Jessi. „Und nimm diese verdammte Kerze mit. Ich bin wirklich müde. Es war ein harter Tag für mich“ Sie neigte nun mal zu Übertreibungen.
Ich lächelte sie nur an und nahm die Kerze in die Hand. Dann wandte ich mich zum gehen.
Mit leisen Schritten durchquerte ich das gesamte Schulhaus bis zu den Terrassentüren, die zum Park führten. Ich pustete die Kerze in der Halle aus und stellte das Gestell auf eine der Kommoden. Dann rannte ich mit leisen Schritten hinaus.
Durch den hellen Schnee, der immer noch fiel, konnte man selbst in der tiefsten Nacht einiges erkennen.
Sofort schlug mir ein eisiger Wind entgegen und ich schnappte nach Luft. Doch ich lief weiter, bis zum See, an dem ich Zeroel gesehen hab.
Als er nur noch wenige Schritte entfernt war zischte ich seinen Namen. Da es sonst totenstill war hörte er mich und schaute er sofort auf.
„Was machst du denn…“ Er unterbrach sich selber. „Was machen Sie denn hier, Miss Worthem“
„Dasselbe könnte ich dich…“ Auch ich musste inne halten. „Dasselbe könnte ich Sie fragen, Mr. Bradshaw“
„Nun ja, ich bin gezwungen die Nacht in der Schule zu verbringen. Mein Vater will erst morgen Abend nach London zurück“
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Kommentare
Sofie schrieb am 2010-04-06 21:03:06:
Wunderschöne Geschichte. Scchön romatisch und kitschig. ;)
nein wirklich toll. mach weiter so, würde gerne mehr davon lesen. ^
Liebe Grüße.
http//:www.top3-suche.de schrieb am 2010-04-06 00:00:19:
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