Die Damen von Bradshaw (Kapitel 23)
von
Lilli
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erklärte er. „Und was machen Sie hier?“
Ich hatte bei Weitem nicht so eine gute Erklärung wie er. Ich schwieg eine Weile, dann seufzte ich: „Ich konnte nicht einschlafen und… ich sah Sie durch’s Fenster, und…“ Verzweifelt brach ich ab und seufzte leise.
Er sagte auch nichts mehr.
Ich weiß nicht wie lange wir schwiegen, bis er plötzlich fragte und damit das Schweigen brach: „Ist dir nicht kalt?“
Überrascht schaute ich ihn an. Jetzt wurde ich plötzlich geduzt.
Ich schaute an mir hinunter. Bekleidet mit meinem dünnen Nachthemd und meinem Morgenmantel. Ich zuckte nur mit den Schultern: „Ich müsste eigentlich auch wieder rein“ Ich tippte nervös von einem Fuß auf den anderen. Langsam wandte ich mich zum gehen, als er plötzlich seine Hand um meinen Oberarm umschloss.
Überrascht drehte ich mich um und schaute ihn an.
„Es tut mir Leid, Lilli. Aber… ich kann dich nicht vergessen“ flüsterte er und seine blauen Augen schienen mich zu durchbohren.
Widerwillig schnappte ich nach Luft, doch ich fing mich wieder und nickte: „Mir fällt es auch schwer“
„Obwohl ich so ein Idiot bin?!“ fragte er spöttisch und das Funkeln in seinen Augen tauchte wieder auf.
Ich nickte und musste leise lachen: „Ja, gerade deswegen“
Seine Gesichtszüge wurden plötzlich ernst und seine Hand strich an meinem Arm hinunter, bis sie auf meiner Hüfte liegen blieb. Seine andere Hand umfasste mein Handgelenk und zog mich sachte hinter die Mannshohen Büsche, die um den See standen.
Verständnislos schaute ich ihn an.
„Willst du, dass man uns sehen kann?“ fragte er, als er meinen Blick sah.
„Es dürfte gar nichts passieren, was nicht gesehen werden darf“ erinnerte ich ihn. „Die Situation hat sich nicht verändert“
„Dann helf mir, mich dir zu entziehen!“ Seine Stimme klang plötzlich energischer und auch seine andere Hand umschloss meine Hüfte.
Ich schüttelte mit dem Kopf: „Wenn ich nur könnte“ wisperte ich und er beugte sich lächelnd zu mir nach vorne: „Ich werde mit meinen Eltern reden“
Wieder bekam er nur einen fragenden Blick von mir.
„Ich könnte versuchen, die Verlobung mit Jane aufzulösen“ fuhr er erklärend fort.
„Das kannst du nicht! Sie liebt dich. Es wird ihr das Herz brechen!“ rief ich entrüstet, als er auch schon seinen Finger auf meine Lippen legte. „Sie wird aber nicht mit mir glücklich werden, weil ich sie nicht liebe“ Er machte eine Pause und senkte den Kopf. „Ich möchte sie auch gar nicht heiraten“
„Dafür ist es zu spät, fürchte ich“ murmelte ich und strich ihm durch die schwarzen Haare.
Ruckartig hob er den Kopf und nickte bedächtig: „Kann sein“
Ich dachte schon, jetzt würde er mich freigeben, doch stattdessen beugte er sich langsam zu mir und küsste mich.
Nicht auf die Wange, nicht auf den Mund, auch nicht auf die Stirn, sondern leicht auf die Schläfe. Dann schaute er mich wieder an: „Ich werde mir schon was ausdenken…“ Er machte eine Pause, dann fuhr er wesentlich leidenschaftlicher fort: „Vergesse doch mal bitte alle Vernunft, Lilli. Das ist sowieso nicht deine Art!“
Ich musste leise lachen und nur den Bruchteil einer Sekunde später spürte ich seine Lippen auf den meinen. Wie automatisch, legte ich meine Arme um seinen Hals und zog ihn näher an mich heran. Seine Fingerspitzen strichen an meinem Rücken hinauf.
Sofort bekam ich eine Gänsehaut und musste leise lachen.
Er wich leicht zurück und schaute mich fragend an. Doch ich schüttelte nur mit dem Kopf und fragte ihn dann: „Wirst du über Weihnachten in London sein?“
Er nickte: „Ich wohne dort, schon vergessen?“
„Ich werde auch über Weihnachten dort sein“ erklärte ich. „Jane hat mich für die zwei Wochen zu sich nach Hause eingeladen“
Jane! Erst jetzt fiel mir wieder ein, was ich getan hatte. Ich wollte ihr doch gar nicht weh tun. Ich wollte ihren Verlobten doch gar nicht begehren. Doch, was ich auch wollte, die gute Seite in mir war zu schwach, oder die Böse zu stark…
„Dann werden wir uns sicherlich mal sehen, und ich hoffe, du schenkst mir auf so manchen Ball den ein oder anderen Tanz“ meinte er und er lächelte wieder verschmitzt.
„Wir werden sehen“ Ich zuckte mit den Schultern. „Weißt du eigentlich wann der nächste Tag der Herren ist?“
„Ich glaube erst im nächsten Jahr“ meinte Zeroel nachdenklich. „Wieso?“
„Ich muss auch zusehen, dass ich irgendwann mal unter die Haube komme“ Ich lachte bitter. „Ich kann nicht ewig deine… Geliebte bleiben. Und sehen wir den Tatsachen ins Auge: Du bist ein fast verheirateter Mann, und ich bin noch nicht einmal verlobt“
Eine Weile schaute er mich wütend an, dann schüttelte er mit dem Kopf: „Ich will nicht, dass du heiratest!“
Ich wollte gerade etwas erwidern, als er auch schon weiterredete: „Ich werde mit meinen Eltern reden, und sobald wie möglich die Verlobung auflösen“
„Und dann?“ fragte ich leise.
„Heirate mich, Lilli! Nicht irgendeinen Kerl, der eh’ nicht der richtige für dich ist. Bitte Lilli, werde meine Frau, sobald die Verlobung mit Jane vorbei ist“
„Deine Eltern würden niemals zustimmen“ bemerkte ich mit trauriger Stimme.
Er sah mich noch eine Weile mit einem ebenso traurigen Blick, wie meine Stimme klang, an und schwieg. Dann löste er seinen Blick und schaute zum See und schwieg immer noch.
Erst nach ein paar Minuten meinte er: „Ich werde dennoch mit meinen Eltern reden. Ich kann und werde Jane nicht heiraten“ Er drehte sich über die Schulter um und erwartete irgendeine Reaktion von mir. Doch eine Zeit lang schwieg ich nur, bis ich schließlich seufzte: „Wenn du ihr schon – oder wenn wir ihr schon das Herz brechen müssen, dann wenigstens erst im nächsten Jahr. Ich will ihr Weihnachten nicht vermiesen.“ Ich machte eine Pause und senkte den Kopf. „Warum muss alles nur so kompliziert sein“ fragte ich ihn. Erst jetzt drehte er sich wieder zu mir um und nahm mich zärtlich in den Arm: „Ich weiß es nicht“
Ich nickte nur und bettete meinen Kopf an seine Brust.
Ich glaube keiner von uns wusste, wie lange wir so dastanden, bis ich ihn sanft von mir schob und einen Schritt zur Seite trat. „Ich sollte dann gehen. Jessi und Rose werden jetzt schon Fragen stellen“
Zeroel nickte nur und zog mich noch mal zu sich ran. Rasch und übermütig gab ich ihm einen Kuss auf die Wange, drehte mich um und rannte zurück zum Haus.
Gott sei Dank schliefen Jessi und Rose so fest, dass sie meine Ankunft gar nicht mehr mitbekamen. Ich konnte mich sogar in aller Ruhe umziehen, denn der Saum meines Nachthemdes sowie das untere Stück meines Morgenmantels waren vollkommen durchnässt. Ich streifte die Schuhe ab und zog mir ein frischen Nachthemd an. Die anderen Sachen warf ich unter’s Bett. Ich würde es morgen zu Nana in die Wäsche geben.
Meine Füße waren komplett gefroren – so kam es mir zumindest vor.
Leise seufzend streckte ich mich in meinem Bett aus und schlief dann tief und fest ein.
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Kommentare
Sofie schrieb am 2010-04-06 21:03:06:
Wunderschöne Geschichte. Scchön romatisch und kitschig. ;)
nein wirklich toll. mach weiter so, würde gerne mehr davon lesen. ^
Liebe Grüße.
http//:www.top3-suche.de schrieb am 2010-04-06 00:00:19:
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