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Kategorien > Vergangenheit > Liebe/Freundschaft

Die Damen von Bradshaw (Kapitel 24)

von Lilli

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24.

„Die Kutsche müsste jeden Moment kommen!“ Jane stand ungeduldig im Türrahmen und warf mir tadelnde Blicke zu.
Ich nickte ihr nur zu und stopfte hastig alle meine Kleider in die Taschen.
„Ich habe dir doch gesagt, du hättest eher packen sollen“ Jessica saß gemütlich auf ihrem Bett und legte geduldig ihre Kleider zusammen. Sie und Sara würden erst morgen abgeholt werden und Rose war schon seit den frühen Morgen verschwunden.
„Ja, ja. Demnächst werde ich es mir zu Herzen nehmen“ antwortete ich genervt.
„Du kannst dir auch Kleider von mir borgen!“ schlug Jane vor, worauf ich laut auflachte: „Da diese mir auch so wunderbar passen werden“
Jane verdrehte nur die Augen, als auch schon Mrs. Norley die Treppe hoch gehastet kam. Keuchend blieb sie hinter Jane stehen. „Miss Billay… Miss Worthem… Ihre… Kutsche… ist… da“ schnaufte sie.
„Siehst du, Lilli“ Jessi kicherte leise. „Jetzt hast du keine Zeit mehr“
Ich warf ihr nur einen tötenden Blick zu und begann meine Schuhe mit in die Taschen zu stopfen. Nicht zu vergessen meine Bücher. Ich glaube ich hatte viel zu viel mitgenommen.
„Ich werden schon mal nach unten gehen“ Jane reichte Mrs. Norley ihren kleinen Koffer. Da sie noch viele Sachen bei ihren Eltern hatte, musste sie nicht viel mitnehmen. „Beeil dich, Lilli und komm recht schnell nach“ Sie tippelte an Mrs. Norley vorbei, welche schnaufend hinter Jane hertappte.
Ich warf hektisch das letzte Buch in die Tasche und nahm in jede Hand jeweils eine Tasche. Umständlich raffte ich mein dunkelblaues Kleid und drehte mich noch mal zu Jessi um: „Du musst uns schreiben, wenn du und Sara nach London kommst“ Auch, wenn ich Sara immer noch nicht leiden konnte, so wollte ich Jessi dennoch in den Ferien sehen.
Jessi nickte und wünschte mir eine gute Fahrt, dann rannte ich die Treppe hinunter, als ich stockend im Flur zum Foyer stehen blieb.
Vor mir stand Zero und ich schaute ihn lächelnd an. Seit unserem Treffen am See mitten in der ersten Schneenacht hatten wir uns nicht noch einmal gesehen. Ich konnte also auch nicht wissen, ob er schon mit seinen Eltern gesprochen hatte.
Immer wenn sein Vater nach Bradshaw kam, war er in einen seinen Herrenclubs oder irgendwo anders. Oder wir verpassten uns dauernd.
„Ich habe gehofft, dass ich dich noch mal sehe“ meinte ich lächelnd und schaute mich prüfend um. Doch ich sah niemanden.
Er nickte und küsste mich kurz auf’s Haar. „Ich muss leider gleich zu meiner Mutter“ raunte er mir zu und strich mir über den Nacken. „Ein Dutt steht dir gut“ meinte er anerkennend und zog mich etwas an sich ran, sodass mir beide Taschen aus der Hand fielen. Schnell schaute er auf meine Koffer: „Soll ich dir helfen“
Hastig schüttelte ich mit dem Kopf: „Nein, das schaff ich allein“ Ich küsste ihn flüchtig auf den Mund, und befreite mich hastig aus seiner Umarmung als wir das Knallen einer Tür aus einem anderen Trakt hörten. „Ich muss dann auch los“ meinte ich leise und wollte gerade meine Taschen nehmen, als er plötzlich mein Handgelenk nahm und einen Zettel in meine Hand drückte. Ich nickte ihm lächelnd zu und er ging mit schnellen Schritten an mir vorbei. Natürlich nicht ohne mir noch über den Arm zu streichen. Ich schaute ihm kurz nach und fragte noch: „Hast du schon... mit ihnen gesprochen?“
Er drehte sich noch einmal um und schüttelte mit dem Kopf: „Nein, es gab noch keine Gelegenheit dazu. Es tut mir Leid, Liebes“
Ich nickte nur, nahm meine beiden Taschen in die Hand und rannte nach draußen, wo Jane schon in der Kutsche wartete.
Der Kutscher, den Janes Eltern mitgeschickt hatten, eilte mir zu Hilfe und verstaute die Koffer sicher. Dann half er mir in die Kutsche, und trotz meiner ganzen Ansichten ließ ich mir helfen und setzte mich ans Fenster gegenüber von Jane.
„Tut mir Leid, dass ich nicht schneller war“ murmelte ich keuchend.
Jane nickte, dann begann sie zu kichern: „Was ist dir denn unterwegs passiert. Deine Wangen sehen aus, als würden sie glühen“
Erschrocken fasste ich mir an beide Wangen: „Ich habe mich eben beeilt“ wand ich mich aus dieser verfänglichen Situation.
Jane nickte nur und begann dann zu strahlen: „Ich freue mich so, dass du mit nach London kommst! Meine Eltern werden dich sicher mögen. Ich meine, sie mögen ja auch Zero Bradshaw, und der ist auch nicht sehr umgänglich. Ich glaube meine Eltern mögen jeden“
Bei den Namen von Zero zuckte ich zusammen. Ich war so von meinen eigenen Problemen eingenommen, dass ich gar nicht merkte, wie Jane in meiner Gegenwart auftaute.
Ich nickte ihr zu und seufzte: „Ja, ich hoffe auch, dass sie mich mögen. Und ich hoffe auch, dass Elly sich bei Mr. Howard wohl fühlt“
„Das wird sie sicher. Du hättest hören sollen, wie sie mir von ihm erzählt hat. Sie hat so geschwärmt“ erzählte Jane.
„Obwohl er so alt und so hässlich ist?“ Ich zog skeptisch die Brauen in die Höhe.
„Ich glaube Elly sind Alter und Schönheit egal. Sie legt eben auf andere Dinge wert, als du“
Ich nickte verständnisvoll: „Ich hoffe sie wird glücklich. Zumindest wünsche ich ihr das“
„Ich ihr auch. Denn in Bradshaw war sie nie ganz glücklich“ Sie seufzte und machte eine Pause, während sie ihre Handschuhe abstreifte. Dann fuhr sie fort: „Es tut mir Leid, dass ich jetzt wahrscheinlich beginne, dir damit auf der Tasche zu liegen, aber ich muss einmal mit jemanden darüber reden“
Ich schaute sie besorgt an. „Was ist denn passiert“
„Es geht um Zero. Du bist neben Sara die einzige, die es weiß. Und mit Sara kann und will ich nicht darüber reden. Aber dir vertraue ich in dieser Hinsicht“
Einen Moment blieb mir die Luft weg. Ich vergas tatsächlich das Atmen. Doch ich musste mich zusammenreißen. Also nickte ich lächelnd und hörte ich zu.
Fast die ganze Fahrt lang nach London.
Sie erzählte mir davon, dass sie ihn wirklich mochte, und dass sie hoffte, dass er wie sie empfand, und dass sie hoffte, dass sie als Ehepaar glücklich werden würden. Dennoch spürte sie, dass etwas dauernd zwischen ihnen stand. Und in der letzten Zeit hatte sie gar nicht mehr mit ihm geredet. Und wenn, dann war er sehr abweisend.
Ich musste hart schlucken, nickte aber verständnisvoll.
„Ich weiß, wir haben noch nie viel miteinander geredet, doch im Moment ist es irgendwie seltsam“ meinte sie und Janes blaue Augen nahmen einen traurigen Ausdruck an. „Mit seinen Eltern allerdings rede ich sehr viel. Und sie sind sehr angetan von der Hochzeit“
„Und was ist mit ihm?“ hakte ich nach.
„Das ist ja eben“ Sie senkte den Kopf. „Ich glaube er empfindet ganz anders. Irgendetwas steht immer zwischen uns. Er… ich glaube er will gar nicht heiraten“
„Ach, Jane!“ Ich seufzte. Schnell setzte ich mich neben sie und nahm sie in den Arm.
„Ich glaube für ihn ist es eine erzwungene Hochzeit. Obwohl ich zeitweise den Gedanken hatte, dass er genauso fühlt wie ich. Doch das ist jetzt schon 7 Wochen her. Vielleicht hat er sich auch in eine andere verliebt und sie ist diejenige die zwischen Zero und mir steht“
Ich zuckte heftig zusammen

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Kommentare

Vany schrieb am 2010-04-12 17:25:54:
ich liebe deine geschichten<3
freue mich auf die nächsten kapitel (:

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