Die Damen von Bradshaw (Kapitel 26)
von
Lilli
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26.
Am nächsten Abend saßen wir beide in derselben Kutsche, die uns auch am Vortag nach London gebracht hatte.
„Ich bin wirklich gespannt ob wir unsere Freundinnen sehen“ meinte ich wieder und Jane lächelte mich herzlich an. „Meine Mutter hatte heute ganz Recht“ sagte sie plötzlich und wechselte damit das Thema. „Du siehst heute wirklich bezaubernd an“
Neben ihr aber immer noch wie ein hässliches Entlein, allerdings sagte ich dies nickt sondern bedankte mich nur höflich und gab ihr das Kompliment zurück.
Ich habe die ganze Nacht darüber gegrübelt, als was ich wohl zu einem Maskenball gehen könnte. Schließlich habe ich mich dazu entschlossen, dass ich mich als die schöne Helena von Griechenland verkleiden würde. Lady Billay arrangierte noch schnell einen Schneider, der ein solches Kleid anfertigen könnte. Janes Mutter war wirklich eine vorbildliche Frau.
Jane hingegen ging als Marie Antoinette, welche vor ein paar Jahren geköpft wurde. Auch Helena musste sterben.
Als mich Lord Billay fragte, warum ich eine solch berüchtigte Frau gewählt hatte, fiel mir selbst keinerlei Antwort darauf ein. Vielleicht symbolisierte es auch nur, dass ich mich selber wie Helena fühlte, welche damals allen Männern den Kopf verdrehte und Frauen unglücklich machte, indem sie ihnen ihre große Liebe nahm. Zumindest fühlte ich mich Jane gegenüber so.
In dem dünnen weißen Kleid, mit Trägern und tiefen Ausschnitt sah ich nicht nur fragwürdig aus, sondern fror auch fragwürdig.
Ich hatte Lady Billay mehrmals gefragt ob es nicht zu gewagt wäre, ein solches Kleid zu tragen, doch sie sagte nur, dass auf einem Maskenball fast alles erlaubt wäre.
Ich schaute zu Jane, welche selbst mit der weißen und viel zu übertriebenen Perücke immer noch wie ein Engel aussah. In ihrer linken Hand trug sie die Stabmaske, welche ihr Gesicht verbergen sollte.
Ich hatte stattdessen ein Tuch vor Nase und Mund, welches ich an meinen Haaren befestigt hatte, welche die Zofe von den Billays, Maggy, zu einer umständlichen Hochsteckfrisur getürmt hatte. Um diesen umständlich geknotete Frisur hatte sie dann noch ein güldenes Band gebunden und war ganz stolz auf ihre Arbeit… Wie Elly damals.
Ich hoffte, dass ich Elly und die anderen heute sehen würde. Zeroel würde ich auf jeden Fall sehen.
Die Kutsche hielt mit einem Ruck vor einem Haus, das eher einem Palast glich, als einem Herrenhaus. Ehrfürchtig stieg ich aus und starrte bewundernd aus das Haus.
„Es ist toll, nicht wahr?“ fragte Jane und stellte sich neben mich.
Ich konnte nur nicken und betrachtete noch eine Weile den Palast, als ich die Kälte spürte und mir die weiße Stola enger um meine Schultern zog und mich dann bei Jane unterhakte. „Und wollen deine Eltern später erscheinen?“ fragte ich erst jetzt, weil mir auch erst jetzt auffiel, dass sie nicht da waren.
Doch Jane schüttelte mit dem Kopf: „Mein Vater kann Maskenbälle nicht leiden“
Ich nahm es nickend zu Kenntnis und folgte dann mit Jane den vielen Leute, die auch zum Ball geladen worden waren.
Jane hielt sich ihre Stabmaske vor’s Gesicht und ich klemmte erneut das Tuch über Nase und Mund. Nur meine Augen, Haare und Stirn waren zu erkennen.
Wir traten durch den langen Flur und liefen den anderen Leuten hinterher, als wir durch eine schwere Holztür traten und in einen Prunksaal geführt wurden.
Hier standen schon mehrer Grüppchen mit Weingläsern in der Hand und unterhielten sich über Gott und die Welt.
Doch die Veranstaltung findet nicht hier statt, raunte Jane mir zu und zog mich weiter, bis zu einer weiteren Tür, welche offen stand.
Ein Herr in Bedienstentenuniform stand in der Tür und hatte eine Liste in der Hand. Eindeutig Gästeliste.
Eine Schlange bildete sich an dieser Tür und wir stellten uns hinter einen großen Mann und ein dickeres Mädchen. Sie hatte orangeblonde Haare, und dass ich sie nicht gleich erkannte, schockte mich.
Erst als sie sich umdrehte und ich in ihre wässrigen blauen Augen blickte, die trotz der Stabmaske zu sehen waren erkannte ich sie.
Auch sie schien uns zu erkennen. Höflich machten wir einen Knicks, doch Elly umarmte uns stürmisch: „Ich hoffte euch hier zu sehen“
„Elly“ erinnerte Jane höflich. „Willst du uns denn gar nicht vorstellen“
„Oh ja, klar!“ sagte Elly hastig. „Mr. Howard, das sind meine Schulfreundinnen Miss Jane Billay und Miss Lillian Marie Worthem“
Lilli Worthem, dachte ich verbissen, doch ich sagte nichts, sondern tat es Jane einfach gleich und knickste höflich.
„Meine Liebe, das ist Baron Bartebly Howard“ fuhr Elly fort und hakte sie bei ihm unter. Baron! Wow, das war gar nicht so schlecht.
Mr. Howard verneigte sich kurz: „Sehr angenehm, die Damen“
„Ganz unsererseits“ erwiderte ich höflich.
Mr. Howard nickte und drehte sich wieder um, um die Namen von sich und seiner Begleiterin zu nennen. Der Bedienstete blätterte seine Listen durch und nickte dann und Baron Howard und Elly traten in den dahinter liegenden Saal.
Der Bedienstete schaute uns fragend an.
„Miss Jane Billay“
Jetzt blickte er mich an.
„Lilli Worthem“
Der Bedienstete schaute seine Listen durch und nickte Jane zu. „Miss Billay, herzlich willkommen“ Er blätterte seine Listen erneut durch. „Eine Lilli Worthem ist mir leider nicht bekannt, Miss“
„Ich wurde aber eingeladen. Vielleicht habe sie mich übersehen“ meinte ich und wurde plötzlich unsicher. Es gab wohl nichts Peinlicheres.
„Ihr ganzer Name lautet Lillian Marie Worthem“ sprang Jane für mich ein.
Der Bedienstete blätterte nochmals seine Listen durch und nickte dann schließlich: „Herzlich willkommen. Und demnächst nennen sie ihren ganzen Namen, Helena von Troja“ Er lachte leise und hoffte, dass sein Scherz gelungen war, doch ich konnte nicht darüber lachen, und folgte Jane schweigend.
Den Saal den wir betraten war ebenso prunkvoll, wie der davor. Überall rannten Diener mit vollen Gläsern Wein herum und boten auch kleine Häppchen an. Ein Pianist spielte Klavier und es wurde sie eifrig unterhalten.
Hinter diesem Saal folgte der Tanzsaal an dem der Tanz zum kennen lernen getanzt wurde. Jane und ich gesellten uns zu Baron Howard und Elly und während sie erzählten, konnte ich gar nicht zuhören, sondern schaute mich suchend im Raum um.
„Wen suchen Sie, Miss?“ erklang Howards rauchige Stimme.
Erschrocken fuhr ich herum: „Oh, nur eine Freundin. Ebenfalls aus der Schule. Sie können mir nicht zufällig sagen, ob Sie wissen, ob eine gewissen Miss Rose Hallens kommt?“ Dass ich nach Zeroel Ausschau hielt, durfte keiner wissen.
„Nein, bedauerlicher Weise nicht, Miss Worthem“ antwortete Howard.
„Ich hoffe allerdings, dass sie kommt“ meinte Elly und strahlte.
„Das will ich auch für Sie hoffen, Liebes“ meinte der Baron zärtlich zu Elly.
Er ging auf jeden Fall gut mit ihr um und auch Elly schien glücklich zu sein.
Auch Jane schaute sich suchend um. Dann beugte sie sich zu mir und fragte leise: „Glaubst du, dass Zeroel hier ist“
Wieder zog sich mir der Magen zusammen und es dauerte eine
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Kommentare
Nella schrieb am 2010-05-14 15:10:04:
Ahhh :D
Wie spannend, ich hoffe die Fortsetzung kommt bald!
Lieben Gruß, Nella.
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