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Kategorien > Vergangenheit > Liebe/Freundschaft

Die Damen von Bradshaw (Kapitel 27)

von Lilli

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Kapitel 27

Als ich am Abend wieder in mein Zimmer kam, welches mir bei den Billays zugeteilt worden war, fiel ich total erschöpft ins Bett. Wie der Blitz hatte ich mich gewaschen und mein Nachthemd angezogen. Nur die Sache mit der Frisur hatte etwas länger gedauert. Wie umständlich eine Hochsteckfrisur sein konnte, wusste ich bis jetzt noch nicht. Doch an diesem Abend wurde ich eines Besseren belehrt.
Ich kuschelte mich nach der ganzen Prozedur in das weiche Bett und nahm noch kurz ein Buch zur Hand, doch bald darauf schlief ich fest ein.
Dennoch wurde es kein traumloser Schlaf. Ich durchträumte den ganzen Ballabend erneut.
Ich sah Elly, welche endlich ihr Glück gefunden zu haben scheint.
Ich sah Rose… Rose und ihr typisches Verhalten.
Jane, welche trotz ihres fragwürdigen Aussehens heute, als Marie Antoinette immer noch viele Männerblicke auf sich zog. Doch gleichzeitig sah ich auch ihre traurigen Augen auf Zero gerichtet, welcher in meinem Traum kein Maske trug. Er warf mir uns Mr. Boyle einen feinseligen Blick zu.
Gleich darauf erschien auch noch einmal Jane vor meinem inneren Augen. Sie sah mich enttäuscht an. Leise drang im Traum ihre Stimme an mein Ohr: „Du hast mich hintergangen, du hast mir meinen Verlobten weggenommen. Du bist eine Hure, Lilli“
Ich wälzte mich im Bett herum, als ein weiteres Gesicht vor meinem inneren Auge auftauchte: „Leider müssen Sie die Schule verlasse, Miss Worthem“ Es war eindeutig Mrs. Bradshaws Stimme, aber das Gesicht von Mr. Bradshaw.
„Wir werden niemals heiraten können“ Zero!
„Du bist bei uns nicht mehr willkommen“ Tante Mary. „Ich will keine Hure als Nichte!“
Alle möglichen Stimmen und Gesichter schwirrten durch meinen Traum und versuchte verzweifelt aufzuwachen. Doch es gelang mir nicht. Der Ballsaal um mich herum verschwand langsam und ließ mich auf einem öden Bauernfeld zurück, auf dem als armes Mädchen schuften musste. Dennoch verschwanden die Stimmen aus meinem Kopf nicht: „Lilli…Lilli…Lilli…“ Immer und immer wieder wurde mein Name gerufen. Etwas zerrte an meiner Schulter, und ich hörte wie ich schrie. Dann bekam ich einen heftigen Schlag auf die Wange und fuhr hoch. Ich war schweißgebadet und ich dachte ich würde keine Luft mehr bekommen.
Hektisch schaute ich mich um. Auf der Bettkante saß Jane und hinter ihr stand Lady Billay mit einer Kerze in der Hand.
„Was ist nur in dich Gefahren, Kindchen“ fragte sie besorgt.
Ich keuchte immer noch. Ich bekam kein Wort heraus.
„Beruhige dich, Lilli. Es war nur ein schlechter Traum“ versuchte jetzt auch Jane mich zu beruhigen. Doch ich schüttelte nur mit dem Kopf. Ich wusste, dass es kein Traum war. Das war meine Wirklichkeit. So könnte es sein, wenn irgendetwas nicht nach Plan laufen sollte.
Schließlich brachte ich doch ein paar Worte heraus: „Luft!“ keuchte ich. „Ich brauche Luft“ Ich schwang mich aus dem Bett und stolperte zum Fenster. Mit einem Ruck riss ich es auf und atmete tief ein. Die kalte Luft brannte in meinen Lungen, doch es tat auch gut. Nach einer Weile drehte ich mich wieder zu Jane und Lady Billay um: „Danke, aber ich denke es geht mir wieder gut“
„Wirklich?“ Lady Billay sah aufrichtig besorgt, doch ich nickte, obwohl es mir alles andere als gut ging.
„Nun gut“ Lady Billay nickte und gab die Kerze ihrer Tochter. „Noch eine gute Nacht“
„Ihnen auch, Lady Billay“ sagte ich höflich und streckte wieder den Kopf aus dem Fenster.
„Hast du öfters solche Träume“ fragte Jane plötzlich.
Ich hatte ganz vergessen, dass sie noch im Zimmer war. Erschrocken wirbelte ich herum. Doch ich fasste mich schnell und schüttelte mit dem Kopf: „Ich träume zwar viel, aber selten schlecht“
„Das hat mir echt Angst gemacht, Lilli“ meinte sie besorgt, doch dann lächelte sie auch schon wieder: „Aber es war nur ein Traum“
Ich schluckte schwer und zwang mich zu einem Nicken. Dann musste auch ich plötzlich lächeln: „Hast du mich geschlagen?“
Jane wurde rot: „Ging nicht anders. Ich hätte dich sonst wach bekommen“ Dann begann sie zu kichern und ich konnte nicht anders. Ich musste mit ihr lachen

Vier Tage nach unserer Ankunft in London verkündete uns Lord Billay, dass er uns ungern, allein und ohne Droschke erkunden lassen wollte, und das wir ihn, bevor wir das Haus verlassen würden, erst um Erlaubnis bitten sollten, damit er eine Droschke bestellen kann und sich keine Sorgen machen muss. Er meinte dies nicht als Strafe. Er machte sich einfach nur Sorgen. Wie hatte er sich doch gleich noch mal ausgedrückt?
Zwei hübsche Mädchen allein in London. Bewahre euch Gott!
Während er das so sagte, wurden seine braunen Augen immer größer. Doch heute war es endlich soweit.
Lord Billay gab sein Einverständnis, dass wir auch einmal allein London erkunden dürften.
„Lass uns gleich los“ rief ich sofort und lief hinter Jane in ihr Zimmer. Behutsam schloss ich die Tür hinter mir.
Jane drehte sich zu mir um und lächelte: „Wollen wir nicht erst Rose, Elly und Jessi Bescheid geben. Vielleicht können wir alle zusammen durch London. Denn ich will London nicht allein erkunden. Ich will dieses Erlebnis mit meinen Freundinnen erleben“ Sie kicherte.
Es durchzuckte mich wie ein Blitz. Zero! Ihm müsste ich auch noch einen Brief zukommen lassen. Er wollte mir doch London zeigen.
„Ach, Jane. Meinst du wirklich Elly möchte mit uns mit, wenn sie auch eine Rundreise durch London mit ihrem Baron allein unternehmen kann?“ Ich zwang mich selbst dazu meine Gedanken loszulassen und etwas auf Janes Frage zu erwidern.
Jane kicherte und nickte: „Wahrscheinlich hast du Recht. Aber wir sehen sie bestimmt wieder“
„Auf dem nächsten Ball“ Übermütig tänzelte ich durch’s Zimmer.
„Oder bei einer Teeparty. Das Leben besteht nicht nur aus Bällen“ belehrte mich Jane.
„Aber das Tanzen…“ erwiderte ich sehnsüchtig.
„Mr. Boyle kann gut tanzen, nicht wahr?“ Jane zwinkerte mir zu und ich nickte zustimmend.
Doch jetzt wurde Jane wieder ernst: „Schade, dass mich Zero kein einziges Mal zum tanzen aufgefordert hat. Dabei hatte ich es mir so erhofft“
Ich schluckte hart und setzte mich auf einen der noblen Stühle, die neben der Zimmertür standen. „Das tut mir wirklich sehr Leid, aber eigentlich hättest du mit jedem jungen Mann tanzen können. Die haben sich doch alle nur so den Hals verrenkt um dich anschauen zu können“ versuchte ich sie zu ermuntern.
„Ja, da hast du Recht“ Dennoch klang ihre Stimme traurig. „Aber er ist mein Verlobter. Eigentlich ist es seine Pflicht mit mir zu tanzen, wenn wir uns auf einem Ball begegnen!“ Sie vergrub das Gesicht in die Hände und schüttelte verzweifelt mit dem Kopf.
Wir schwiegen beide eine Weile. Jane in ihrer Trauer versunken und ich meinen eigenen Schuldgefühlen ausgeliefert. Selbst, wenn ich sie hätte ehrlich und aufrichtig ermuntern hätte könne, so hätte ich doch nicht gewusst wie. Also schwieg ich.
„Wollen wir dann wenigstens Jessi und Rose einen Brief schreiben“ versuchte ich verzweifelt das Thema zu wechseln.
Jane schaute wieder auf und

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