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Kategorien > Vergangenheit > Liebe/Freundschaft

Die Damen von Bradshaw Kapitel 3

von Lilli

1

3.

Als ich mit Rose und Jessica nach unten ging und den Speisesaal betrat war es schon mächtig voll. Die Jüngeren rannten um die Tische herum, während Mrs. Norley aufgeregt in die Hände klatschte. „Ruhe bitte!“ rief sie. „Setzt euch bitte! Ginny! Es reicht!“ Ein kleines blondes Mädchen blieb stehen und setzte sich schuldbewusst neben ihre Freundin.
Jessica und Rose steuerten einen Tisch an, der ganz rechts im Saal stand. Es saßen schon 5 weitere Mädchen am Tisch und unterhielten sich. Mir fiel sofort die Blonde auf, die durch ihre Art, wie sich auftrat alle Aufmerksamkeit auf sich zog.
Und eine Andere fiel auch sofort durch ihre feuerrote Mähne und durch ihr lautes Lachen auf. Erschrocken hielt sie die Hand vor den Mund und kicherte nun leise weiter.
Jessica trat an den Tisch warf ihr hellblaues Kleid beiseite und setzte sich neben die Blonde. Rose setze sich neben ein pummeliges Mädchen mit rot-blondem Haar und wies mich auf den Platz neben sich.
„Mädels, das ist…“ Rose suchte nach meinem Name. „Lilli“ vollendete Jessica den Satz. „Mrs. Norley hat doch schon von dem neuen Mädchen erzählt, dass bei uns in die Klasse kommt“
Das Mädchen mit dem feuerrotem Haar nickte und ihre grauen Augen blitzen auf: „Ich bin Julia… Julia Norris“
Ich lächelte ihr zu. Sie wollte gerade weiterreden, als sie von der rauen Stimme von Mrs. Bradshaw unterbrochen wurde: „Meine Damen“ begann sie. „Bitte setzen Sie sich gerade hin, und seien Sie leise“ Sie wartete bis alles still war, dann fuhr sie fort: „Ich hoffe das Essen schmeckt euch“ Damit setzte sie sich wieder hin und nippte an ihrem Wein.
Das Essen wurde von Antonia und Nana serviert. Kalbsfleisch und Kartoffeln mit Erbsen.
Sofort griff das etwas pummelige Mädchen zum Essen und die Blonde fing leicht an zu kichern: „War ja irgendwie klar?“ zischte sie Julia zu. Diese nickte und auch Jessica, die mitgehört hatte, was gesagt wurde kicherte.
Die Blonde schaute auf: „Elly? Wärst du so gut uns auch noch etwas übrig zu lassen?“
Julia brach wieder in lautes Gelächter aus. Und auch Jessica kicherte.
Elly wurde rot und stellte schnell die Schüssel wieder hin. Die Blonde nickte selbstgefällig und nahm sich das Fleisch.
Ich beugte mich zu Rose rüber: „Wer ist denn das?“
„Das ist Sara. Sie versucht alles um bei Julia anzukommen“ raunte Rose mir zu.
„Wer sind die anderen?“ hakte ich nach.
Rose ging reih um: Jessica, daneben Sara, das Mädchen mit den feuerroten Haare war Julia, neben ihr saß ein Mädchen mit orangen Locken, Nicole, das Mädchen mit den weißblondem Haar war Jane, und dann noch Rose und Elly.
Ich nickte und musterte alle noch einmal genau, als Rose mir die Schüssel mit dem Essen reichte. Ich nahm mir Kartoffel und Gemüse, nur Kalbsfleisch mied ich.
„Nimmst du kein Fleisch?“ fragte Jane, als ich ihr die Schüssel weiterreichte. Ich schüttelte mit dem Kopf: „Nein“
„Du isst kein Fleisch?“ hakte Julia nach und klemmte sich eine rote Haarsträhne hinter’s Ohr.
„Gewöhnlich schon. Ich esse nur kein Kuhbaby“ meinte ich und zuckte mit den Schultern.
Julia schaute mich geschockt an und blickte dann auf ihr Fleisch.
„Tot ist es doch so oder so“ warf Jessica ein. „Wenn wir es jetzt nicht essen, wird es weggeworfen“
Das war natürlich ein berechtigter Einwand und Julia fing sich wieder: „Das sehe ich auch so“
Für mich war es dennoch nicht das „Ja“ zum Essen von Kuhbaby.
Nach dem Essen zeigte mir Rose das gesamte Haus.
Es war gigantisch.
Wintergarten, Küche, Teesalon, Kaminsalon, Foyer, die Schlafsäle, Tanzsaal, Bibliothek und Bäder.
„Was ist mit den Parkanlagen?“ fragte ich, als wir oben im Zimmer waren und ich nach draußen schaute.
„Die kann ich dir morgen zeigen. Aber wir dürfen nicht mehr allein raus, wenn es dunkel ist“ erklärte Rose. Sie zupfte an ihrem lavendelfarbenem Kleid. „Wolltest du nicht ins Bad?“ fragte sie.
Ich nickte. „Ja… nach der langen Fahrt“ Ich holte meine Seife aus der Kommode und suchte nach einem passenden Kleid. Ich hob ein dunkelblaues heraus, mit einem Stehkragen und nickte.
„Du hast viele Kleider“ meinte Rose.
Ich drehte mich um und zuckte mit den Schultern: „Meine Tante geht gerne einkaufen“
Sie lächelte und setzte sich auf ihr Bett.
Ich wollte gerade zur Tür gehen, als diese aufgerissen wurde. Erschrocken wich ich zurück. „Oh, es tut mir Leid“ meinte Jessica mit einem Lächeln im Gesicht. Hinter ihr war Sara. „Rose“ rief sie. „Du glaubst nicht, wer gerade gekommen ist“
Rose stand auf und schaute fragend zu Jessica und dann zu Sara.
„Mr. Rumble ist wieder da“ Jessica grinste verschwörerisch. Rose fing an zu lachen: „Die Ärmste“
Sara nickte. Als sie meinen irritierten Blick sah, erklärte sie: „Mr. Rumble ist ein 30-jähriger Mann, der Julia anhimmelt“
„Oh ja“ kicherte Jessica. „Er hat sogar schon zweimal um ihre Hand angehalten. Doch sie hat ihm beide Male einen Korb gegeben. Aber dieser Kerl gibt nie auf. Er besucht sie jeden Monat!“
Auch Rose prustete weiter: „Meistens spielt sie ja auch ihre Spielchen mit ihm“
„Und ihre Mutter wäre nur zu froh, wenn sie Mr. Rumble als Mann nehmen würde. Dabei finde ich Julia so hübsch. Sie hat echt einen besser aussehenden Mann verdient“ plapperte Sara.
„Wie sieht er denn aus?“ fragte ich und schaute von einem zum anderen.
„Oh!“ Rose lachte noch mehr. „Er hat rotes, lichtes Haar. Blaue Knopfaugen und eine Bierbauch. Und dazu noch einen Schnauzer!“
Jessica und Sara bogen sich vor Lachen. „Aber er ist reich“ warf Sara plötzlich ernst ein. „Sie hätte mit ihm eine viel versprechende Zukunft“
„Als was?“ hakte ich nach.
Plötzlich verstummten alle drei Mädchen. Jessica zuckte mit den Schultern: „Na, als Mutter, Hausfrau und Gattin. Sie hätte es immer gut bei Mr. Rumble“
Wieder fingen Sara und Rose an zu kichern. „Deswegen sind wir doch alle hier, oder etwa nicht? Um irgendwann einmal einen stattlichen Mann zu haben und Kinder zu bekommen. Um eine schöne Zukunft als Hausfrau zu führen“ fuhr Jessica ernst fort.
Sara nickte: „Oder man wird Gouvernante“
Rose stimmte zu: „Ich will einmal Gouvernante werden“
Ich sah kurz alle an, dann nickte ich: „Ja, wie ihr meint. Ich gehe ins Bad“
Auf dem Weg nach unten, in den zweiten Stock in dem sich das Bad befand begegnete ich Julia, welche ziemlich niedergeschlagen aussah. Sie schaute mich an: „Lilli? Oder?“
Ich nickte.
„Weißt du wo Sara ist? Oder Jessi? Nicole wäre auch gut“ Sie schaute mich mit ihren grauen Augen erwartungsvoll an.
„Sara, Jessi und Rose sind oben. Im Turmzimmer“ erklärte ich.
„Danke“ Sie lächelte ein falsches Lächeln und ging die Treppen weiter nach oben.

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