Die Damen von Bradshaw (Kapitel 30)
von
Lilli
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30.
Nur drei Tage nach Weihnachten bekamen Jane und ich den ersten Brief. Er kam von Elly. Total stürmisch rannte ich in den Salon und vergaß alle Umgangsformen: „Jane!“ schrie ich. „Wir haben Post… Von Elly!“
Erschrocken schaute sie auf und legte ihr Buch beiseite. „Was schreibt sie. Wie geht es ihr?“
Ich zuckte mit den Schultern: „Ich habe ihn noch nicht geöffnet“
Sofort sprang Jane auf und nahm mir den Brief aus den Händen. Sie begann ihn zu öffnen.
„Nun mach schon“ sagte ich ungeduldig.
Sie strafte mich mit einem ihrer wenigen bösen Blicke. Dann holte sie den Brief hervor und begann zu lesen und plötzlich begann sie zu schreien und zu lachen. Das passte gar nicht zu Jane.
Ich starrte sie nur mit offenem Mund an. Was war denn geschehen?! Ich riss Jane den Brief aus den Händen. Ich wollte selber lesen, was Elly geschrieben hatte:
Liebste Jane, Liebste Lilli,
es schmeichelt mir, dass ihr mir schreibt. Ich habe mich auch sehr gefreut von euch zu hören und ich versichere euch, dass wir uns in den Ferien noch öfters sehen werden.
Wie vermutet, machte mir Baron Howard am Weihnachtstag einen Antrag. Und ich lehnte nicht ab. Ja, du hast richtig gehört, Lilli! Ich werde heiraten! Als die Erste von uns (mit Uns meine ich Jane, Rose, Jessi, Lilli und mich). Die Hochzeit findet voraussichtlich im Sommer statt. Ich bin schon ganz nervös. Bald werde ich Baronin. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie glücklich ich bin! Jessi kann ihre Hoffnung behalten. Es gibt doch noch die Hochzeit aus Liebe. Ich glaube ich war noch nie so glücklich!
Ich habe auch an Rose und Jessi geschrieben und es wäre mir eine Ehre, wenn wir uns Morgen zum Tee treffen könnten. Ich habe viel mehr zu erzählen, als ich jemals schreiben kann! Egal, ob ihr da sein werdet oder nicht. Ich warte im Café Paris auf euch. Und zwar um Punkt drei.
Ach, ihr wisst gar nicht wie viel ich zu erzählen habe. Ihr sicherlich auch!
Liebste Grüße und Kuss
Elly Middleton… Bald Baronin Elly Howard!
Ich ließ den Brief sinken und strahlte. Ich glaube ich habe mich noch nie für jemanden so derartig gefreut. Und ich wollte mich unbedingt morgen mit ihr treffen. Hoffentlich würden auch Jessi und Rose da sein.
„Ist das nicht wunderbar!“ fragte mich Jane schließlich. „Unsere kleine Elly!“
Ich konnte nur nicken. Würde sie wirklich die Erste von uns sein, die heiraten würde? Oder würde Jane ihr zuvorkommen?
Oder sogar ich? Doch das mit mir und Zeroel waren nur Träumereien. Das mit Elly und Baron Howard, das war die echte Welt. Das war die Realität.
Und ich freute mich so für Elly, dass sie diesen Mann sogar liebte. Gab es ein größeres Geschenk?
„Sie wird die Erste sein, die heiratet. Abgesehen von Julia und Anna!“ redete Jane weiter.
Spielerisch stupste ich sie mit dem Ellebogen an: „Oder du und Mr. Bradshaw Jr. kommt dem Baron und ihr zuvor“ Mich kostete es viel Überwindung diesen Scherz zu machen. Doch ich konnte dieses Thema nicht verteufeln. Immerhin ging es um eine meiner besten Freundinnen.
Sofort wurde sie knallrot und schaute zu Boden: „Ach, quatsch! Du hast doch gesehen, wie sich Zeroel mir gegenüber verhält. Der wird die Hochzeit solange vor sich herschieben, wie es seine Eltern erlauben“
Wie Recht sie hatte! Ich seufzte innerlich und musste schnellstmöglich das Thema wechseln. „Glaubst du dein Vater lässt uns gehen?“ fragte ich hastig.
Jane schaute wieder auf und nickte zuversichtlich: „Ich denke schon. Immerhin geht es nur um einen Tee“ Sie lachte wieder so herzlich wie immer, und mein Themawechsel ist mir geglückt.
Ich freute mich tierisch auf ein Wiedersehen mit Jessi, Rose und Elly. Hoffentlich kam Jessi von dort weg, wo sie gerade war und hoffentlich bekam auch Rose die Erlaubnis von ihrem Onkel zum Tee wegzugehen. Ich hatte ja keine Ahnung, wie streng oder wenig streng Roses Onkel war.
Wenn man so lange mit denselben Mädchen 24 Stunden am Tag seine Zeit verbringt, dann wächst man schnell zusammen – schneller als wenn man auf eine normale Schule gehen würde – und man vermisste sie auch viel schneller. Schon ein paar Tage ohne meine Bradshaw-Freundinnen waren schlimm. Umso mehr freute ich mich auf dieses Wiedersehen. Jane schien sich auch zu freuen. Ich sah sie selten so beschwingt.
Um viertel vor drei gingen wir durch die Gassen von London und suchten das Café Paris. Es war ganz in der Nähe der Themse und Lady Billay hatte gemeint, dass man dort im Sommer auch ganz wunderbar auf der Terrasse sitzen könnte. Doch nun war Winter und unsere Kleider schleiften durch den Matschschnee, den die Kutschten aufwühlten. Meine Stiefel durchnässten langsam aber sicher und mein dunkelgraues Kleid war am Saum ganz verdreckt. Sogar die unten angenähte Spitze triefte nur so.
Jane jammerte über ihr schönes helles Kleid, welches sogar Schlammspritzer an der Taille hatte. Es lohnte sich eben doch, keine hellen Farben zu tragen.
Erleichterte atmete wir auf, als wir das Café betraten. Wir hatten uns um ein paar Minuten verspätet und hängten hastig unsere Mäntel auf. Dann schauten wir uns suchend um. Elly saß an einem Tisch am Fenster. Von diesem Platz aus hatte man eine himmlische Aussicht auf die Themse, welche leider total braun verdreckt war.
Ich musste zugeben, Elly sah gut aus. Ihre Haare hatten schöne Wellen und ihre Wangen waren rosiger als sonst. Ihr gegenüber saßen schon Jessi und Rose – sie konnten also kommen! Freudig strahlend liefen wir auf den Tisch zu. Die drei Mädchen unterhielten sich schon aufgeregt.
Mein Strahlen versiegte sofort, als ich auch Sara am Tisch entdeckte. Ich hatte ganz vergessen, dass Jessi ihre Ferien bei Saras Großeltern verbrachte…
Ich verdrehte die Augen leicht und fing mich aber wieder, als Elly uns entdeckte. Sofort stand sie auf und umarmte uns: „Wie toll, dass ihr da seid. Ich fürchtete schon, dass ihr meinen Brief nicht bekommen habt!“
„Ach, Unsinn“ winkte Jane ab und setzte sich neben Sara. Ich begrüßte noch schnell Rose und Jessi und setzte mich an die Stirnseite des Tisches.
„Ach, ist das schön euch wieder zu sehen!“ brach Jessi als Erste das Schweigen.
Dann begann das Geschnatter. Elly erzählte am Meisten: Vom Antrag Howards und von ihrer Reaktion. Wir alle hörten begeistert, außer Sara, welche ihre Fingernägel betrachtete.
Irgendwann seufzte sie: „Ich hätte niemals gedacht, dass du vor mir verheiratet wirst“
Elly verlor ihr Lächeln und schaute zu Sara. Doch sie war gar nicht verunsichert wie damals; sie reckte das Kinn nach vorne und meinte ganz trocken: „Nun ja, wir haben ja auch alle gedacht, dass Julia niemals Mr. Rumble heiraten wird“
Sara verlor alle Farbe aus ihrem Gesicht, dann widmete sie sich wieder ihren Fingernägeln und Elly erzählte weiter.
Bis jetzt hatte ich nur lächelnd und nickend zugehört, dann schaute ich plötzlich fragend auf. Elly bemerkte meinen Blick und ihr Ausdruck änderte sich schlagartig: „Verurteile mich nicht, Lilli! Bitte! Ich bin so glücklich…“
Schnell schüttelte ich mich mit
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Kommentare
Vany schrieb am 2012-02-16 16:01:47:
schade, dass dies der letzte teil ist, den du hier reingestellt hast :((8 mich würde so interessiern, wie es weitergeht....
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